Also, ich schreibe ja, erfolglos aber relativ regelmäßig. Zum Beispiel immer im November. Auch dieses Jahr habe ich mir 50.000 Wörter aus dem Kreuz geleiert für einen Roman, den die Welt wahrscheinlich doch nicht braucht. (Es gibt ja Leute, die behaupten, man würde durch’s mehr Schreiben immer besser … ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, immer schlechter zu werden … aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass mein Crap-Detector gerade eine steilere Lernkurve aufweist als meine Fähigkeit, gut zu schreiben.) Und jedes Mal, wenn ich ein Projekt anfange, stelle ich mir die Frage: ist es jetzt sinnvoll, eines dieser tollen Programme zu benutzen, die es mittlerweile für Autoren so gibt, oder lenkt mich das mehr ab, als es nutzt. Und je nach Lust und Laune komme ich zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Vor ca. 2 Jahren habe ich mir endlich die Vollversion von Papyrus Autor geleistet, ein Programm, mit dem ich schon länger geliebäugelt hatte, für das es aber keine native Linux-Version gibt. Ich muss also die Windowsversion mit Hilfe des Windowsemulators benutzen. Die läuft zwar recht ordentlich, aber ein paar kleine Tücken gibt es, vor allem beim Fensterwechsel, immer noch und insgesamt sehen die Menüs und so einfach nicht wirklich schön aus. Das ist das eine. Zum anderen bietet Papyrus Autor einen so großen Funktionsumfang, dass ich viel Zeit mit mehr oder weniger sinnvollen Spielereien verbringe (z.B. ein passendes Bild für jede meiner Figuren suchen, ihnen allen ein konkretes Geburtsdatum zu geben etc.). Natürlich muss man das nicht so machen. Man kann die Figurendatenbank ja auch einfach ignorieren. Aber das ist so ähnlich wie mit Reinhold Messner und dem Berg … wenn die Datenbank nunmal da ist, muss man sie auch besteigen … äh … benutzen.

Ähnlich ging es mir mit yWriter, das ich eine Zeit lang für meinen GorTara Fantasyzyklus benutzt habe. Zu viel Drumherum, zu wenig echte Textarbeit.

Am leichtesten fällt es mir gewöhnlich, einfach in einem simplen Textdokument zu schreiben. Kurze Texte, Notizen etc. schreibe ich (wie jetzt übrigens auch gerade den Entwurf für diesen Blogeintrag) einfach in gedit, dem Standard-Texteditor von ubuntu. Da gibt es keinerlei Formatierungsmöglichkeiten, ist eben ein Editor, keine Textverarbeitung. Das geht, wenn es wirklich nur auf den Inhalt ankommt und wenn der Text nicht zu lang wird, sonst wird es ohne Navigationshilfen, Seitenzahlen etc. schnell unübersichtlich.

Das Standard-Textverarbeitungsprogramm auf ubuntu ist LibreOffice, der Nachfolger von OpenOffice. Mit dem bin ich ehrlich gesagt nie so richtig warm geworden, auch wenn ich finde, dass es für eine freie Software ein unglaublich tolles und ausgereiftes Programm ist. Für das Schreiben von fiktionalen Texten ist es mir irgendwie zu nüchtern. Zu viel Büro, zu wenig leeres Buch. Da habe ich jetzt dieses Jahr für NaNoWriMo erstmalig FocusWriter benutzt. Im Prinzip ist das ein Mittelding zwischen einem reinen Texteditor und einer Textverarbeitung. Der Funktionsumfang ist sehr klein, beschränkt sich aber auf das, was man, vor allem für die Schnellschreiberei beim NaNo, also wenn man möglichst ohne Ablenkung gegen die Uhr eine Rohfassung rauskloppt, gerade braucht. Man kann z.B. ein Tagesziel definieren und dann mit einer kurzen Bewegung der Maus auf die Statusbar sofort sehen, wie weit man von diesem noch entfernt ist. Außerdem kann man ein Hintergrundbild hinter den Text legen. Das ist natürlich Spielerei, aber mir hilft das total, wenn ich z.B. die Bilder meiner Protagonisten oder eines Schauplatzes immer vor Augen habe. Ich bin ein visueller Mensch. Wenn ich die Leute vor mir sehe, höre ich sie auch sprechen, wenn ich den Schauplatz sehen kann, spüre ich auch den Wind auf der Haut oder höre das Rauschen der Blätter. Allerdings habe ich den Verdacht, dass der FocusWriter im Vollbildmodus manchmal mein Desktop einfrieren lässt. Zumindest ist mir das im Laufe des November ein paarmal passiert (ohne, dass ich FocusWriter eindeutig als den Schuldigen überführen konnte, aber war mir vorher so noch nie passiert).

So sah mein Bildschirm im November aus ... FocusWriter mit Hintergrundbild

So sah mein Bildschirm im November aus … FocusWriter mit Hintergrundbild

Es gibt aber auch Texte, die sehr viel Formatierung verlangen. Drehbücher z.B. oder das Musical-Libretto zum Kurier des Zaren, das ich vor ein paar Jahren geschrieben habe. Wenn man sich da nicht unglaublich viel Mehrarbeit machen will, braucht man da schon eine Software, die einen unterstützt. Bisher habe ich für solche “dramatischen” Projekte (Hörspiel, Drehbuch, Theaterstück etc.) meistens Celtx benutzt. Das war kostenlos, lief ohne große Installation auch unter Linux und war recht einfach zu bedienen. Inzwischen verändert Celtx sich immer mehr zu einem kostenpflichtigen Online-Schreibtool. Die Grundvariante gibt es zwar noch, aber sie wird immer mehr zu einem vernachlässigten Stiefkind. Kann ich verstehen, die Entwickler wollen ja von was leben, aber trotzdem habe ich das zum Anlass genommen, nach etwas Neuem zu suchen, weil ich beschlossen habe, mich mit meiner Schreiberei jetzt mal an einem Fernsehdrehbuch auszuprobieren. Zum einen bin ich ja ein bekennender Serienjunkie und liebe gute Fernsehserien, zum anderen sind meine Stärken im Schreiben (soweit ich das Beurteilen kann) vor allem peppige, echt wirkende Dialoge und handlungsgetriebene Geschichten, während mir lange Beschreibungen und Innenansichten von Personen weniger liegen. Mit anderen Worten: ich schreibe eigentlich jetzt schon meistens so, als würde ich durch eine Kamera auf das Geschehen gucken. Also kann ich das ja auch ausnutzen.

Jetzt ist die Einstiegshürde, ein Drehbuch zu schreiben, allerdings viel höher als bei einem Roman. Wie ein Roman aussieht, weiß man ja (also, vorrausgesetzt, man hat viele davon gelesen … ich habe im Laufe meines Lebens ziemlich viele davon gelesen). Bei einer Fernsehserie sieht man aber als Außenstehender nur das Endprodukt. Und das ist vom Drehbuch schon wieder ziemlich weit entfernt. Da haben etliche Menschen mit dran herumentwickelt. Also selbst, wenn man tatsächlich ein Drehbuch zum Download findet (es gibt Fans, die machen sich die Mühe und schreiben das Wort für Wort ab), dann hat das wahrscheinlich nur noch wenig mit dem zu tun, was der Autor ursprünglich mal abgeliefert hat. Und das, was der Autor ursprünglich als Drehbuch in “Endfassung” abgeliefert hat, hat nur noch wenig mit dem zu tun, was er ursprünglich mal als Idee entwickelt hat (weil die Flugsauerier zu teuer waren und der Regisseur unbedingt noch eine Hauptrolle für seine Nichte integriert haben wollte oder so). Man blickt da als Laie einfach nicht durch. Ich habe mir deswegen gleich einen ganzen Sack voll Bücher über’s Drehbuchschreiben gekauft (war immer noch billiger als diese ominösen Schreibkurse an irgendwelchen Privatschulen) und angefangen, zu lesen. Und je mehr ich lese, desto verwirrter werde ich, weil es natürlich, wie bei allen kreativen Prozessen, 1000 Arten gibt, es richtig zu machen und noch einmal geschätzte 10000, um es völlig falsch zu machen. “Drehbuchschreiben für Dummies” ist somit irgendwie nicht drin.

Und jetzt habe ich, um zum eigentlichen Thema zurück zu kommen, auch noch eine Software gefunden, die die ganze Verwirrung im Funktionsumfang hat: DramaQueen. Gibt es auch in einer Linux-Version (yippieh!) und zum 30 Tage lang kostenlos testen (sowie in einer dauerhaft kostenlosen abgespeckten “free” Version). Jetzt kann ich also mit Storylines, Plotpoints,  Sequenzen, Steps, Szenen, Stadien und Akten hantieren, bis der Bergdoktor kommt. Oder der Rettungsflieger. Oder Börne. Und sitze so verwirrt vor dem Bildschirm wie niemals zuvor und werde meine ersten Ideen vielleicht doch lieber wieder mit gedit festhalten. Manchmal wünsche ich mir meine Schreibmaschine zurück.

Ein Bielefelder Möbelhaus lässt in China Tassen bedrucken. Und neben Rosen und Handschrift (die, wie immer in solchen Fällen, sinnlose Wortfetzen auf Englisch enthält) ist auch eine Briefmarke mit einem Poststempel zu sehen. Dummerweise eine, die aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 stammt und auf der darum das Konterfeit des damaligen Regierungschefs zu sehen ist. Nebst Poststempel mit Hakenkreuz.

Ist das jetzt schlimm? Auf jeden Fall ist es wohl nach deutschem Recht illegal. Wobei mir noch nicht ganz klar ist, warum der Aufdruck des Motivs auf eine Tasse illegal ist, die Abbildung der Tasse in den deutschen Massenmedien dann aber nicht … ich meine, wie viele Leute hätten die Tasse in einem Bielefelder Möbelhaus gesehen und wie viele sehen sie dann jetzt? Wenn irgendwo der Tatbestand der “Verbreitung nationalsozialistischer Symbole” erfüllt ist, dann ja wohl bei Bild, Süddeutsche, Spiegel und Co.

Ist das sinnvoll? Ich meine, die Briefmarke hat es ja nun wirklich gegeben. In sehr sehr hoher Auflage (ich müsste jetzt in einen Briefmarkenkatalog gucken, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da mehrere Millionen von gedruckt worden sind und ich hatte die als Kind auch mehrfach in meiner Briefmarkensammlung). Und auf dem Poststempel war damals nunmal ein Hakenkreuz. Wenn man das jetzt heute nicht zeigen darf, dann tut man ja irgendwie so, als hätten diese 12 Jahre nie stattgefunden. Oder zumindest, als hätten während dieser Zeit in Deutschland keine Menschen gelebt. Menschen, die nicht nur Krieg geführt und in Konzentrationslagern Juden vergast haben, sondern die einen ganz normalen Alltag gelebt haben, die ins Kino oder ins Theater gegangen sind, ihre Kinder in die Schule geschickt haben, einen Beruf hatten und eben auch Briefe geschrieben haben. Wenn man einen alltäglichen Gegenstand aus dieser Zeit, wie hier eine Briefmarke, nicht zeigen darf, dann ist das auch eine Form von Geschichtsverleugnung. Htilers Bild war in dieser Zeit allgegewärtig. Das darf uns peinlich sein und unangenehm berühren. Sollte es auch. Ich finde ja auch, dass der Designer der Tasse nicht unbedingt Tonnen an Feingefühl bewiesen hat. Aber daraus eine Straftat zu kontruieren, das ist wirklich eine typisch deutsche Reaktion.

Eine Ideologie zu bekämpfen indem man ihre Symbole verbietet oder zerstört hat noch nie besonders gut funktioniert. Meistens geht der Schuss nach hinten los. Ich behaupte, wenn die Tassen einfach weiter unbehelligt im Möbelhausregal gestanden hätten, hätte kein einziger Neonnazi Deutschlands sie bemerkt. So gehe ich davon aus, dass die 176 bereits verkauften Tassen in der braunen Szene bald zu begehrten Sammlerobjekten werden.

Als ich vor fast eineinhalb Jahren in mein Hexenhäuschen gezogen bin, war von Anfang an klar, dass ich gerne noch ein Klohäuschen mit einem Kompostklo daneben haben wollte. Aber dann war erstmal Winter und ich hatte auch keine rechte Idee, wie das Häuschen aussehen sollte … von einem einfachen selbstgezimmerten telefonzellengroßen Herzchentürhäuschen über eine einfache Gartenhütte aus dem Baumarkt bis zu einem Bauwagen war alles möglich. Schließlich habe ich mir dann von unseren Handwerkspolen ein richtiges kleines Häuschen bauen lassen, weil mir aufgefallen war, dass ich zusätzlich zum Klo auch noch Stauraum für Werkzeug, Gartenmöbel, Angelzeug etc. brauche … für all das also, das in meinem Hexenhäuschen nicht wirklich Platz findet.

Mein Klo- und Abstellraum-Häuschen von (fast) allen Seiten

Mein Klo- und Abstellraum-Häuschen von (fast) allen Seiten

Das so entstandene Häuschen wurde dann deutlich größer, als ich es mir zuerst vorgestellt hatte, bietet aber wirklich alles, was ich brauche, einschließlich einer überdachten Fläche für mein Brennholz und zwei separaten Räumen für mein Klo und für meinen Abstellraum. Außerdem habe ich einen eigenen Wasseranschluss (nur Kaltwasser natürlich) mit einem kleinen Waschbecken und einem Außenwasserhahn, der von unserer mühleneigenen Quelle gespeist wird. Die hat bis vor wenigen Jahren die ganze Mühle mit Wasser versorgt, bis wir auf Stadtwasser umstellen mussten … aber sollte es mal eng werden, brauchen wir nur an zwei Hähnen zu drehen und könnten wassermäßig wieder autark weden. Zur Zeit speist die Quelle aber jetzt eben nur mein Hüttchen.

Zusätzlich habe ich mich, weil wir den Graben für die Wasserleitung eh schon ausgehoben hatten, noch für einen Stromanschluss entschieden. Natürlich hätte ich die Hütte auch mit Solarstrom versorgen können. Bisher hat sich mein 30 Watt-Panel als mehr als ausreichend erwiesen und hätte auch noch zwei LED-Lampen mehr verkraftet. Zwei Gründe sprachen aber für einen Anschluss ans reguläre Stromnetz: zum einen wollte ich eine Steckdose in Kabeltrommelreichweite meiner Hütte haben, um im Notfall mal eine Bohrmaschine oder einen Staubsauger betreiben zu können (Bohrmaschine ist schon vorgekommen … Staubsauger noch nicht ;) … sagt das irgendwas über mich aus?), zum anderen haben wir häufiger Gästegruppen, die die Wiesen hinter meinem Häuschen für Zeltlager, Feiern etc. nutzen und dann auch Strom brauchen. Das Erdkabel bis zu meiner Hütte spart jetzt diverse Kabeltrommeln, die man sonst dafür ausrollen musste.

Der Abstellraum mit eingebautem Wandregal

Der Abstellraum mit eingebautem Wandregal

Fertig geworden ist die Hütte irgendwann letzten Sommer. Den Abstellraum habe ich ziemlich sofort mit einem großen Regal versehen und in Beschlag genommen. Es tat sehr gut, die ganzen Gartensitzpolster, Isomatten, mein Zelt etc. aus meinem Hexenhäuschen rauswerfen zu können. Gab irgendwie gleich mehr Luft zum Atmen. Das Kompostklo blieb aber erstmal nur eine Vision. Ich wusste ziemlich genau, was ich haben wollte, hatte aber keine Idee, ob ich das tatsächlich selber würde bauen können. Ich habe mir monatelang das Gehirn zermartert, habe Pläne gezeichnet und wieder verworfen, habe irgendwann schonmal vorsichtshalber Bretter und Leisten in meine Hütte geschleppt, die bei irgendeinem anderen Bauprojekt übriggeblieben waren … aber die richtige Initialzündung fehlte mir noch.

Die kam jetzt plötzlich und unverhofft in der letzten Woche … keine Ahnung, warum. Es machte einfach Puff und ich wusste endlich, wie genau ich meinen Einbauschrank bauen musste. Das Material fand sich größtenteils im Restholz unserer Scheune, bis auf die große Abdeckplatte, einige Regalbretter und vier Türscharniere, die ich noch kaufen musste.

Meine improvisierte Schönwetter-Werkstatt

Meine improvisierte Schönwetter-Werkstatt

Und so habe ich jetzt die letzte Woche das gute Wetter ausgenutzt und meine Außenwerkstatt aufgebaut (die im Wesentlichen aus zwei Sägeböcken vor meiner Hütte besteht). Auch meine Steckdose habe ich jetzt ausgiebig benutzt, denn ich besitze drei Elektrowerkzeuge: eine Stichsäge (die, wenn ich mich recht erinnere, mal bei Aldi 10 DM gekostet hat, und mit der ich bisher alle meine Bauprojekte einwandfrei erledigen konnte), eine super-geniale Bosch Schlagbohrmaschine, die mir mein Papa gekauft hat, als ich zuhause ausgezogen bin und einen elektrischen Schwingschleifer (ebenfalls von Papa …). Und mit diesen drei Dingen kommt man beim Innenausbau schon ziemlich weit, wie ich immer wieder feststelle.

Die Abdeckplatte habe ich mir schon beim Kauf auf der großen Plattensäge auf die richtige Länge zusägen lassen. Das wäre zwar mit der Stich auch gegangen, dann wäre der Schnitt aber sicher nicht so akkurat geworden. Ähnliches gilt für die Schranktüren (eigentlich die übriggebliebenen Enden der Regalbretter aus der Abstellkammer), die mir Tomek auf der Kreissäge auf die gewünschte Länge geschnitten hat. Alles andere habe ich selbst gesägt, entweder mit der Stichsäge oder mit der Handsäge.

Die Rahmenkonstruktion aus Dachlatten

Die Rahmenkonstruktion aus Dachlatten

Als erstes habe ich einen stabilen Rahmen aus 5 x 3,5 cm Dachlatten (die waren bei unserer Saalrenovierung übrig geblieben) an die Wand geschraubt. Dann rechts und links zwei Latten im gleichen Format, aber aus unbehandelter Kiefer angebracht, an denen die äußeren Türen befestigt wurden. Hierfür musste ich kleine Aussparungen für die Scharniere herausbeiteln. Das hatte ich vorher noch nie gemacht, hat aber erstaunlich gut funktioniert. Die Mittelwand ist ein Stück von der Abdeckplatte. Das ist so eine Fichtenleimholzplatte, die war 2 m lang, da blieb genug für die Mittelwand übrig.

Mit Hammer und Beitel entstehen die Aussparungen für die Scharniere

Mit Hammer und Beitel entstehen die Aussparungen für die Scharniere

Wenn ich das jetzt so aufschreibe, klingt das alles ziemlich logisch und geradlinig und ich frage mich, warum ich insgesamt drei Tage dafür gebraucht habe. Wahrscheinlich einfach darum, weil ich das ja vorher alles so noch nie gemacht hatte und bei jedem Schritt fünfmal nachdenken musste, ob das jetzt so auch alles passt. Oder weil mir dann doch immer genau die eine Schraube fehlte, die ich dann erst in meinem Werkzeugschrank-Chaos oder in unserer Werkstatt suchen gehen musste.

Die Abdeckplatte mit eingebautem Separett-Einsatz

Die Abdeckplatte mit eingebautem Separett-Einsatz

Die "Technik" im Inneren. Vorne der Kanister üfrs Urin, hinten der Eimer für den Rest ... simpel.

Die “Technik” im Inneren. Vorne der Kanister fur’s Urin, hinten der Eimer für den Rest … simpel.

Dann war der Unterbau fertig. Jetzt hatte ich mir aber in den Kopf gesetzt, dass ich unbedingt auch noch ein Bücherregal in meinem Klohäuschen haben will. Das ist Alkes Schuld. Bei der haben wir 2002 auf unserer Kanada-Tour Station gemacht und die hatte ein sehr schönes Plumpsklo mit Aussicht und eben einem Bücherregal. Außerdem habe ich zu viele Bücher und zu wenig Regalplatz … immer! Und dabei habe ich doch bei den letzten Umzügen schon so viele Bücher abgegeben.

Um die Sache komplizierter zu machen, wollte ich auch nicht irgendein Regal. Ich wollte eines mit einem echten Stück Baum drin. Das ist wahrscheinlich Ulrichs Schuld, der letztes Frühjahr für einige Zeit bei uns auf der Mühle war und ganz tolle Möbel aus Naturholz gebaut hat. Ich hatte zwar keine echte Ahnung, wie das gehen soll, so ein Regal mit einem Ast, aber ich hatte es mir eben so in den Kopf gesetzt.

Deswegen bin ich dann erstmal losgezogen, einen entsprechenden Ast suchen. Ich musste nicht weit laufen, denn wir haben jede Menge Bäume auf dem Grundstück und die meisten davon lassen regelmäßig Äste in allen Größen fallen (echt … ich wundere mich manchmal, dass da überhaupt noch welche dran sind, so wie die mit Holz um sich werfen, wenn es windig ist). Ich habe dann gleich zwei große Äste mit zu meiner Hütte geschleppt, um mir vor Ort den passenderen auszusuchen.

Als ich mich entschieden hatte, habe ich den Ast grob auf die richtige Länge gesägt und dann entrindet. Das ging viel leichter, als ich es mir vorgestellt hatte. Fast wie Spargelschälen. Das mag aber auch an meinem nagelneuen Opinel Messer gelegen haben, das ich mir eigens zu diesem Zwecke angeschafft hatte. Dann habe ich den Ast auf die genaue Länge gesägt und mit zwei Holzdübeln zwischen Decke und Kompostklo-Kiste eingeklemmt.

Das Bücherregal im organischen Natur-Look

Das Bücherregal im organischen Natur-Look

Danach ging es daran, die Regalbretter einzusetzen. Ich habe kleine Leisten als Auflage an die Wand geschraubt und die vordere Ecke des Brettes dann jeweils an meinen Ast geschraubt. Allerdings ist der Ast eben nicht gerade, sondern so gebogen-knorrig (das war ja der Sinn der Übung). Entsprechend musste ich auch jedes einzelne Regalbrett zurechtsägen. Außerdem wollte ich, dass die Bretter nicht einfach rechteckig sind, sondern irgendwie eine organisch wirkende Form bekommen. Viel Arbeit für die Aldi-Stichsäge.

Beim dritten Regalbrett hatte ich das Problem, dass der Ast zu weit weg war. Ein Stück aus einem Brett heraussägen ist ja kein Problem … ein Stück anflicken ist schon weit komplizierter. Ich habe mich dann stattdessen dafür entschieden, einen kleinen Ast als Querverstrebung einzubauen und das Brett darauf abzulegen. Das hat ziemlich gut funktioniert.

Beim letzten Brett ist mir dann doch tatsächlich mein Lieblingssägeblatt abgebrochen. Das war so ein ganz dünnes, mit dem man eben gut Kurven sägen kann. Ich hatte es wohl etwas überstarpaziert, eigentlich wäre es nämlich laut Beschreibung nur für Bretter bis 15 mm Stärke geeignet gewesen, aber ich habe es auch durch 18 und sogar 24 mm starke Bretter geprügelt. War aber nicht weiter tragisch, ich war ja fast fertig. Die letzte Kurve ging auch mit dem nächst gröberen Sägeblatt ganz gut.

finished

Das Endergebnis kann sich sehen lassen, finde ich.

Tja, und dann war ich fertig. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Genau so hatte ich mir mein Klo vorgestellt. Bis zum Schluss hatte ich mir aber nicht wirklich zugetraut, dass das wirklich alles so klappt. Ich bin sehr stolz auf mich.

Inspiriert von hier:

1. Was ist dein Sehnsuchtsort?

Ich habe das große Glück, an meinem Sehnsuchtsort zu leben: die Proitzer Mühle. Ansonsten zieht es mich auch immer mal wieder an den Niederrhein, wo ich herkomme

2. Welche Gerüche erinnern dich an deine Kindheit?

Sommerregen auf Asphalt, Kamille

3. Wenn du die Möglichkeit hättest, welches Lebewesen würdest du gerne als Haustier haben können?

Ziegen (die Möglichkeit hab ich eigentlich … hab nur Angst, dass die hier alles in Schutt und Asche legen und Heikes Rosen fressen und so), ein Wombat

4. Mittags warmes Essen oder abends?

Im Winter mittags, im Sommer abends

5. Mit welcher berühmten Person (tot oder lebendig) würdest du gerne für einen Tag tauschen?

Darf ich mir den Tag auch aussuchen? Also, diese Nacht, in der Mary Shelley angeblich den Anfang von Frankenstein geschrieben hat, das fände ich cool. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Und ich wäre auch gerne mal für einen Tag Regisseurin in Hollywood. Oder vielleicht noch besser bei der BBC, dann brauch ich nicht nach Amerika :)

6. Was ist dein heimliches Laster (Liebes-/Heftchenromane, Kitschfilme/B-Movies, Fastfood, etc…)?

Fernsehserien … oh, und YumYums, diese asiatischen Nudelsnack-Dinger

7. Wohlfühlessen?

Spitzkohleintopf mit Mettenden

8. Grippeimpfung oder keine Grippeimpfung?

keine Grippeimpfung

9. Würdest du dich selbst als Feminist_in bezeichen?

Ja

10. Wenn nein, warum nicht?

11. Welchen Kinderfilm kannst du dir auch heute noch immer wieder anschauen?

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Die Vorstadtkrokodile

 

Meine 11 Fragen für wen-auch-immer:

  1.  Kotelett, Karotte oder Kaviar?
  2. Lieblingsautor?
  3. Was ist deine früheste Kindheitserinnerung?
  4. Wenn Miete, Esse, Versicherungen etc. bezahlt sind, wofür gibst du am ehesten Geld aus?
  5. Welcher Film hat dich am nachhaltigsten beeindruckt?
  6. Spiegelreflex, Kompaktkamera oder Mobiltelefon?
  7. Wie lange hälst du es ohne Internet (email, Facebook, Google etc.) aus, bis du unruhig wirst?
  8. Stell dir vor, du müsstest die Sahara durchqueren, wie würdest du das am liebsten tun? Mit dem Flugzeug, einem Landrover, einem Motorrad, dem Fahrrad oder auf dem Rücken eines Kamels?
  9. Wenn jemand, der dich gut kennt dir einen Wandkalender kauft, was für Bilder  wären drauf?
  10. Dein bisher schönstes Reiseziel?
  11. Wenn du plötzlich 10 Millionen Euro erben würdest, wie würdest du dein Leben ändern?

Wie bereits im letzten Post angedroht, habe ich inzwischen eine Digitalkamera. Und deswegen kommen jetzt hier auch endlich die schon so lange versprochenen Bilder vom Hexenhaus:

Huette

Ist es nicht entzückend? Ist es nicht wunder-wunderhübsch?

Huette_seitlich

Weil ich zum Geburtstag zwei Kletterrosen geschenkt bekommen habe, habe ich an der Seite ein Rosenbeet angelegt. Außerdem kann man hier das Solarpanel erkennen. Und die zugegebenermaßen etwas abenteuerliche Ofenrohrkonstruktion.

Bestimmt wollt ihr jetzt aber auch sehen, wie die Hütte von innen aussieht. Von außen hatte ich sie euch ja schon in meinem Hexenhaus-Video gezeigt.

Huette_innen

Das Häuschen hat einen eingebauten Tardis-Effekt. Es ist von innen größer als von außen. Platzsparend ist außerdem mein Hochbett:

Hochbett

Nebenan entsteht gerade eine weitere kleine Hütte für mein Kompostklo und als Abstellraum für Gartenmöbel, Werkzeug etc.

Klohaeuschen

Genug Platz für mich und meine tierische Mitbewohnerin namens Mary Poppins.

Poppy

Was gibt es sonst Neues? Ich habe eine neue Harfe, die stelle ich euch demnächst mal ausführlicher vor. Meine Eltern waren zu Besuch und haben die Mühle soweit für gut befunden. Zum Flevofahren bin ich dafür jetzt die letzten Tage nicht gekommen. Vielleicht packe ich mich gleich nochmal auf, die letzten Gäste sind gerade weggefahren und jetzt haben wir die Mühle nochmal zwei Tage für uns. Im Sommer ein seltener Luxus.

Angefixt durch meinen Erfolg auf dem Jive habe ich mich inzwischen dem größten Exot in unserer Liegeradsammlung zugewandt: dem Flevotrike. Das ist nämlich, als Erklärung für Nichteingeweihte, ein ganz besonderes Fahrrad: es hat eine Knicklenkung. D.h., man lenkt nicht wie gewohnt durch Drehung an einem Lenker, sondern irgendwie so aus dem Rücken und der Hüfte heraus. Genauer kann ich das nicht erklären. Und genau da liegt das Problem. So richtig begriffen habe ich das “irgendwie” nämlich noch nicht. Manchmal klappt das ganz gut, aber manchmal haut mir das Rad auch wild in eine Richtung ab und ich kann nicht mehr gegensteuern.

Aber ich überhole mich. Zu Anfang, also vorgestern, konnte ich auf dem Ding nichtmal losfahren. Das ist nicht übertrieben jetzt. Dabei soll man denken: was soll auf einem Dreirad schon groß passieren. Nun ist das Flevotrike aber nicht irgendein Trike. Es ist das einzige Trike, das ich kenne, das unbeladen im Stand einen Ständer braucht, um nicht umzukippen.

Klar, es steht schon deutlich stabiler als ein Flevobike mit nur zwei Rädern. (An so ein Ding will ich nichtmal denken, ehrlich gesagt). Aber es hat schon eine starke Tendenz, sich seitlich einzuknicken und dann umkippen zu wollen.

Was ich ganz schnell festgestellt hab war: am Berg anfahren geht erstmal gar nicht. Da braucht man viel zu viel Druck auf den Pedalen und schwupps ist man unwillkürlich in eine Richtung unterwegs, in die man partout nicht wollte. Also habe ich das Ding am ersten Tag immer nur ein Stück den Hügel hoch geschoben und bin dann bergab losgefahren. Weil wir hier ja in einer Senke liegen, geht das in beiden Richtungen . Hochschieben, runterrollen, auf der anderen Seite so weit den Hügel rauf wie geht, noch ein Stück weiter schieben, umdrehen, runterrollen etc.

Das Blöde ist, dass wir ziemlich viele Schlaglöcher auf der Straße haben und die Straße auch nicht besonders eben ist. Das macht das Fahren nicht einfacher. Außerdem ist die Straße relativ schmal, zu scmal jedenfalls für die Schlangenlinien, in die man erstmal automatisch verfällt. Und kontrolliert lenken geht erstmal gar nicht, sonst hätte ich ja versuchen können, immer rund um unsere “Hotelvorfahrt” zu fahren.

Alles in allem war es eine recht frustrierende Erfahrung und ich hatte nach einer dreiviertel Stunde oder so nicht das Gefühl, irgendwas erreicht zu haben, außer, mich zum Gespött der Zuschauer gemacht zu haben. (Wir sind ein Seminarhof … natürlich hatte ich Zuschauer. Irgendwer guckt immer.)

Ich denke, dass ich danach aufgegeben hätte, wenn ich nicht in der Nacht vom Flevofahren geträumt hätte. Nix aufregendes eigentlich. Ich habe einfach nur von der Bewegung geträumt. Und da wusste ich, dass mein Gehirn da doch irgendwas dazu gelernt hat. Also habe ich es gestern dann noch einmal probiert. Diesmal ging es schon etwas besser. Immerhin konnte ich jetzt ein paar Meter geradeaus fahren, wenn nichts gravierendes dazwischen kam. Und manchmal schaffte ich es sogar halbwegs kontrolliert in eine Kurve. Was allerdings gar nicht klappte, war, aus der Kurve dann auch wieder raus zu kommen. Trotzdem habe ich mich bis kurz vor Lüthentien und zurück gekämpft.

Heute habe ich es wieder versucht und siehe da: es geht doch. Ich bin zwar immer noch weit davon entfernt, mich auf dem Flevo als sicher zu bezeichnen und ich würde mich damit noch nicht in irgendwelchen Straßenverkehr trauen (also, nichtmal in unseren 1 1/2 Traktoren in der Stunde Straßenverkehr), aber ich bin bis kurz vor Solkau und zurück gefahren und die Intervalle zwischen meinen unfreiwilligen Bremsmanövern wurden immer größer. Und ich bin um ein paar sanfte Kurven gefahren und danach wieder geradeaus weiter. Und ich habe ein paar Mal in einen höheren Gang geschaltet. Und ich kann am Berg anfahren (wenn er nicht zu steil ist).

Was mir jetzt noch im Weg steht, ist vor allem meine Angst. Wenn ich zu schnell werde, verkrampfe ich, und verkrampfen ist auf dem Ding jetzt mal die ganz falsche Taktik. Dann kann man nämlich nicht mehr lenken.

Ich üb das jetzt noch ein paarmal, und dann kann ich irgendwann auch mit dem Flevo um den Pudding fahren.

Ich hab mir übrigens gerade eine Digitalkamera bestellt. Das ist mein letzter Versuch. (Ich habe ganz schlechtes Digitalkamera-Karma, ich weiß gar nicht, wie viele von den Dingern ich schon verschlissen habe … richtig glücklich war ich jedenfalls mit keiner) Ich habe mich für eine Samsung entschieden, aus dem einfachen Grund, dass ich mit sämtlichen Samsung-Geräten, die ich in den letzten Jahren so gekauft habe, immer hochzufrieden war, während ich mich z.B. über Sony eigenltich immer nur geärgert habe. Kurz habe ich ja überlegt, ob ich mir aus Loyalität zu meinem früheren Arbeitgeber eine Olympus-Kamera kaufen soll, aber dann hab ich mich dagegen entschieden. Es gibt also demnächst hoffentlich auch mal wieder Fotos in diesem Blog.

So ein bisschen ist die Proitzer Mühle ja ein großer Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Und zu den Dingen, die man hier ausprobieren kann, gehören auch die vielen Liegeräder, die so im Laufe der Zeit ihren Weg hierher gefunden haben.
Nun bin ich ja mehr so ein Bewegungslegastheniker (obwohl das nicht mehr ganz so schlimm ist wie in meiner Kindheit) und meine Erfahrung mit Liegerädern beschränkte sich im Wesentlichen auf meine Leiba. Und die hatte ja netterweise drei Räder und eine Karosserie und fühlte sich darum sehr sicher an (also, wenn man von der Tatsache absieht, dass bei Regen oder Frost die Sicht gleich null war). Jedenfalls konnte man damit praktisch nicht umkippen. (Ich glaube, ich hab das zwar einmal geschafft, aber da war ich auch wirklich ziemlich schnell unterwegs und traf eine unglückliche Kombination aus Kurve und Bordstein).

Drei Räder sind jedenfalls erstmal einfacher als zwei. Weswegen ich hier an der Mühle auch erstmal am liebsten ein Hase Kettwiesel gefahren habe. Das ist zwar wegen des höheren Gewichts und eben der drei Laufräder auch etwas anstrengender zu fahren als ein Zweirad, kippt aber eben nicht um. (Das Kettwiesel kippt echt nicht um … das legt sich sehr nett in die Kurven und kann auch rasante kleine Kreise, aber gekippt kriegt man das echt nur, wenn man seitlich an einen steilen Hang fährt). Als nächstes habe ich mich dann auf ein Flux Sesselrad getraut. Das hat zwar nur zwei Räder, ist aber so vom Fahrgefühl einem Aufrechtrad noch ziemlich nahe.

Sally hat sich vor einiger Zeit ein gebrauchtes Jive gekauft. Das ist ein Tieflieger mit kurzem Radstand und Oberlenkung. Das ist jetzt wirklich von der Geometrie schon völlig anders als ein “normales” Fahrrad. So anders jedenfalls, dass ich beim ersten Mal, als ich es versucht habe, wirklich gar nicht damit klar kam (also, nichtmal damit losfahren konnte) und gleich wieder auf das Trike umgestiegen bin. Aber sowas wurmt mich ja dann. Wenn ich was nicht kann, von dem ich aber eigentlich meine, dass ich es können müsste. Und was irgendwie alle anderen Leute in meiner Umgebung können.

Deswegen habe ich mir das Jive heute nochmal von Sally ausgeliehen und mich heimlich damit vom Hof gemacht. Das muss doch zu lernen sein!

Die ersten paar Meter waren echt nicht schön. Das Problem ist nämlich, dass die gelenkte Achse vor den Füßen ist. Das ist total ungewohnt. Jeder Lenkerausschlag, den man vom Aufrechtrad kommend, gewohnt ist, ist irgendwie viel zu groß und führt zu völlig unerwarteten und unerwünschten Nebeneffekten.

Der Trick ist vielmehr, wie ich dann nach der ersten Hügelkuppe herausfand, wo ich das Rad endlich mal einfach rollen lassen konnte, einfach gar nicht zu lenken. Also, zumindest nicht bewusst mit den Armen. Stattdessen legt man sich möglichst entspannt zurück und denkt sich einfach in die Richtung, in die man will. Und schwupps und wie durch Magie fährt das Rad dann auch da hin. Also, festhalten muss man den Lenker schon, es ist ja kein Flevo! Aber die eigentliche Richtungsänderung, die kommt mehr so aus der Gewichtsverlagerung im Rücken.

Kurz vor Lüthentien begegnete mir der erste Verkehrsgegner in Form eines Autos, aber bis dahin hatte ich das Jive schon ganz gut in der Spur. Kurz danach dann auch die erste echte Kurve … und das ging besser als gedacht.

Ich bin dann einmal “um den Pudding” gefahren, so nennen wir hier die kleinste mögliche Runde um die Mühle auf ausphaltierten Straßen: Lüthentien, Solkau, Loitze, Molden, Proitze. Insgesamt vielleicht 4 bis 5 km.

Ungefähr auf halbem Weg fiel mir ein, dass ich auch mal wieder atmen könnte, und dann ging es gleich noch besser. Als ich wieder auf den Hof rollte, war ich ziemlich durchgeschwitzt, was weniger an den Temperaturen lag, sondern mehr an dem großen Traktor. Aber irgendwie auch sehr stolz auf mich.

Ob das Jive mein Freund wird, weiß ich aber noch nicht. Es hat den Antrieb vorne. Das ist ganz praktisch, weil so die Kette kürzer ist, der Weg von der Tretkurbel bis zum Hinterrad ist bei Liegerädern immer ziemlich weit und die langen Ketten sind eine echte Schwachstelle. Die vorne liegende Kette beim Jive hat aber den entscheidenden Nachteil, dass man ständig mit dem Hosenbein oder auch dem Unterschenkel dranhängt. Also, ich zumindest. Sally und Heike behaupten, dass ihnen das nicht passiert. Wahrscheinlich sind einfach meine Waden zu fett.

Es gibt hier noch ein paar andere Liegeräder, die ich probefahren kann. Ich werde berichten.

Gestern ist mir was ziemlich Dummes passiert: Ich habe mich im Wald verlaufen. Ungefähr fünf Minuten von der Mühle entfernt. Also, eigentlich hab ich mich nicht wirklich verlaufen, ich wusste schon noch recht genau, wo ich gerade bin. Es war mehr die Schwierigkeit, den Weg wiederzufinden.

Es fing damit an, dass ich einmal um den Galleyberg herumlaufen wollte. Der ist, trotz seines hochtrabenen Namens, natürlich kein richtiger Berg, sondern mehr so ein Hügel, knapp 100 m hoch (bei einer Ausgangshöhe von 30 m über NN oder so, die wir hier unten am Bach haben). Oben auf der Hügelkuppe steht ein verlassenes Haus, mitten im Wald, dass sich irgendwann einmal ein Arzt aus Hannover als Wochenendsitz gebaut hat … ohne Strom, Wasser aus einer Zisterne mit Windradpumpe … der Gute soll ein Exzentriker gewesen sein. Er hat verfügt, dass seine Erben das Haus nicht verkaufen dürfen. Wohnen wollen sie da aber scheinbar auch nicht drin, und jetzt verfällt es so langsam vor sich hin, was eine Schande ist. Ich würde es sofort nehmen. Es liegt nämlich echt mitten im Wald und hat etwas total Verwunschenes.

Genau da wollte ich gestern aber eigentlich nicht hin, weil ich weiß, dass man da im Sommer wegen der vielen Brombeeren ganz schlecht wieder weg kommt. Es gibt einen kleinen Wildwechsel, den ich im Winter manchmal benutzt habe, um von dem Haus zum Zwergenstein (hab ich euch schon vom Zwergenstein erzählt?) und dann zurück auf den Weg, der zur Mühle führt, zu kommen. Aber der war im Winter schon schwierig zu finden und ist jetzt völlig überwuchert.

Anyway … ich wollte also nicht zum Galley-Haus. Nun ist es aber mit diesem Haus so ähnlich wie mit dem Weidenwindental im alten Wald im Herrn der Ringe. Egal, welchen Weg man an der Ostseite des Waldes einschlägt, irgendwie führen die alle bergauf und man landet unweigerlich an diesem Haus. Und obwohl alle Wege da hinführen, führt irgendwie keiner wieder weg. Zumindest nicht in die richtige Richtung. Man rennt sozusagen direkt in eine undurchdringliche Brombeerhecke. Und bei dem Versuch, die zum Umrunden, hab ich mich dann total verfranst. Trotz strahlendem Sonnenschein wusste ich plötzlich überhaupt nicht mehr, in welche Richtung ich gehe. Und der Wald war so dicht, dass ich keine zwanzig Meter weit gucken konnte.

Ich wusste, dass der kleine Weg mit dem Zwergenstein irgendwo ganz in der Nähe sein musste, aber es ist mir einfach nicht gelungen, ihn zu finden. Ich bin also blindlings bergab gestolpert, quer durch Gestrüpp und Unterholz. Irgendwann war mir der Zwergenstein dann auch egal, ich hatte diesmal sowieso nichts für die Zwerge mitgebracht. Ich wollte nur noch den Hauptweg wiederfinden, weil ich eigentlich schon viel zu spät dran war und zum Abendessen wieder in der Mühle sein musste, um zu kassieren.

Gerettet haben mich dann die Frösche. Am Hauptweg liegen nämlich so kleine Fischteiche und die Frösche kann man ewig weit hören. Ich bin dann also einfach auf das Gequake zugegangen. Allerdings habe ich bis zum letzten Moment gezweifelt, ob es wirklich die richtigen Teiche sind, denn ich schwöre, ich hab den Weg erst gesehen, als ich schon draufstand. Wahrscheinlich hab ich ziemlich belämmert ausgesehen, als ich so durch die Büsche gebrochen bin. Und dabei bin ich nur zwanzig Meter oder so neben der Stelle entfernt herausgekommen, wo der Weg zum Zwergenstein hochgeht. Und dann auch noch auf der falschen Hangseite. Topographisch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Kennt ihr noch den Film Labyrinth? Mit David Bowie? Da drehen sich immer Teile der Landschaft, so dass man seinen Weg nicht zurückverfolgen kann. Ich schwöre, so ähnlich hat sich das angefühlt. Keine Ahnung, ob die Zwerge mir da einen Streich gespielt haben (und dabei hab ich mich doch so um gute Nachbarschaft bemüht und ihnen Äpfel und Schmucksteine und Tannenzapfen gebracht wann immer ich sie besucht habe), oder ob da der Geist vom alten Galley herumspukt und sein Haus verteidigt. Jedenfalls war es total surreal.

In Kürze das Wichtigste seit dem letzten Posting:

Kulturelle Landpartie. Für meinen Geschmack viel zu viel Filz und zu viele Glasperlen, aber es war toll, mal einen Blick in diese ganzen alternativen Landkommunen und ihre tollen Bauernhäuser werfen zu können. Außerdem hatten wir sehr lieben Besuch und haben viele Ausflüge mit dem Fahrrad und dem Auto unternommen. Ich kann mich an den vielen kleinen Dörfchen hier einfach nicht sattsehen. Heike und ich haben außerdem einen Flötenbaukurs besucht, bei dem ich mir eine Obertonflöte gebaut habe. Abgefahrerenes Instrument, eine Flöte ohne Grifflöcher, bei der die verschiedenen Töne nur durch Überblasen und Abdacken des Flötenendes erzeugt werden. Ist toll, um so ein bisschen intuitiv darauf rumzupusten, aber wenn man reproduzierbar bestimmte Töne treffen will, finde ich es schon ziemlich anstrengend. Heike hat sich eine kleine Sechslochflöte in D gebaut, sozusagen eine Tinwhistle ohne Tin. Der Flötenbaukurs fand bei Frank Sievert auf dem Hof statt … und wo ich dann schonmal da war, habe ich mir auch kurzerhand eine neue Harfe gekauft. Ich träume ja schon ewig von einer Silmaril, und seit der kulturellen Landpartie träumte ich eigentlich heimlich von einer ganz bestimmten und gerade diese war jetzt zu haben. Aus Elsbeere mit Zedernklangdecke und mit zwei Opalen besetzt. Die Schöne war jetzt gerade nochmal mit Frank und Buxe auf dem Harfentreffen (ohne mich, weil ich stattdessen hier beim Pipertreffen war) und muss auch ncoh beklappt werden, aber dann kommt sie zu mir.

Donnerstag hatte ich Geburtstag und habe mit einigen lieben Menschen gefeiert. Und weil das Wetter hier in der letzten Woche doch deutlich besser war als im Rest von Deutschland, konnten wir am Freitag auch noch eine schöne Radtour zusammen machen. Abends gab es dann irische Musik der Spitzenklasse zum Zuhören.

Das ist so das Wesentliche, glaub ich. (Nee, ist es gar nicht, aber das Wesentliche erzähle ich euch nicht, bätsch, das ist privat…)

Ich habe beschlossen, dass ich meine Webseite wahrscheinlich eh nie mehr richtig fertig bauen werde und stattdessen ein paar meiner Texte in dieses Blog geholt. Evtl. packe ich demnächst auch noch meine alten Reiseberichte und ein paar andere Sachen dazu. Ihr seid also herzlich eingeladen, da ab und zu ein bisschen zu stöbern.

 

 

Ich bin immer noch völlig hin und weg darüber, mit welcher Macht der Frühling jetzt doch endlich über uns hereingebrochen ist. Es hat ja lange genug gedauert, aber dafür blüht und grünt jetzt wirklich alles gleichzeitig. Heike und ich konnten uns nicht recht einigen, was denn jetzt dieses Jahr früher grün war: die Eiche oder die Esche. Heike besteht auf der Eiche, vielleicht deshalb, weil ihr Baumhaus in eine Eiche gebaut ist und sie deshalb die höheren Zweige tagtäglich vor Augen hat. Ich hingegen behaupte, dass die Esche hinter meiner Hütte schon grüne Blättchen hatte, als die umliegenden Eichen noch gar nicht daran dachten, ihre Knospen zu öffnen. Warum das wichtig ist? Ja, Kinder, habt ihr denn bei den Bauernregeln nicht aufgepasst? Grünt die Eiche vor der Esche, gibt’s im Sommer große Wäsche (also viel Regen). Grünt die Esche vor der Eiche, gibt’s im Sommer große Bleiche (ja, genau, also viel Sonne). Ich bin eindeutig dafür, dass die Esche das Rennen gemacht hat.

Auch die Tierwelt macht Frühling, und zwar kräftig. Die Frösche in Heikes Teich werden jeden Tag mehr und lauter. Man versteht sein eigenes Wort kaum, wenn man neben dem Teich sitzt. Die Kraniche melden sich auch hin und wieder aus den Schnegaer Sümpfen zu Wort. Neulich hüpfte ganz possierlich eine Ricke mit Kitz auf den Wiesen hinter Heikes Garten vorbei, sehr niedlich anzuschauen. Und auch die Füchse in der Umgebung haben ganz offenbar Junge. Woher ich das weiß? Daher, dass vor ca. 2 Wochen ein Fuchs in einer Nacht alle unserer vier Enten gestohlen hat.  Klingt wie ein Kinderlied, ist aber trotzdem nicht schön. Ich mochte unsere Enten nämlich sehr gerne. Und die einzige Entschuldigung, die ich für den Fuchs habe, ist, dass es sich wahrscheinlich um eine Füchsin mit hungrigen Jungen handelt.

Und heute morgen hat wahrscheinlich derselbe Fuchs zwei von unseren Hühnern totgebissen. Warum er sie danach nicht weggetragen hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist er gestört worden. Oder er hat es mit Huhn im Maul nicht über den Elektrozaun geschafft. Jedenfalls hatten wir zwei Leichen zu beklagen.

Jetzt stellt sich ja in so einem Fall die Frage: Begräbnis oder Hühnersuppe? Begräbnis wäre uns als Verschwendung erschienen. Auch wenn wir keines unserer Hühner des Fleisches wegen schlachten würden (dafür sind sie viel zu nett und zahm), so spricht doch nichts dagegen, sie zu essen, wenn sie nunmal schon tot sind.

Soweit die Theorie. Nun ist es aber vom toten Huhn auf der Wiese zur Hühnersuppe ein weiter Weg. Und ich hatte noch nie ein Huhn gerupft und ausgenommen. Meine Erfahrung im Ausweiden von Tieren beschränkt sich auf Fische. Und die haben ja keine Federn. Und keine Beine oder Flügel (fliegende Fische hab ich auch noch nie ausgenommen). Gott sei Dank sind wir ja hier auf dem Land und in unserer Küche arbeiten lauter gestandene Landfrauen. Susi hat sich dann auch gleich bereit erklärt, mir mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Irgendwo hatte ich schonmal gehört, dass man Hühner vor dem Rupfen in heißes Wasser taucht, aber Susi hatte noch einen einfacheren Trick: ein nasses Geschirrtuch und ein Bügeleisen leisten hervorragende Dienste. Zugegeben, es fühlt sich schon komisch an, so ein totes Huhn auf dem Schoß zu bügeln. Riechen tut es auch nicht so toll. Aber die Federn lassen sich danach echt viel besser rausrupfen. Ich habe eineinhalb Stunden lang gebügelt und gerupft, dann hatte ich beide Hühner entfedert.

Unserer Hühner haben Milben, hab ich dabei festgestellt. Und zwar nicht zu knapp. Und weil die ja jetzt auf dem Huhn keinen Lebensraum mehr haben, krabbeln die jetzt alle auf mir rum. Brrr. Ich muss gleich dringend noch unter die Dusche.

Als nächstes ging es ans Ausnehmen. Das war gar nicht so viel anders als bei den Fischen, nur mehr. Besonders erstaunt hat mich, dass ich in einem Huhn zehn schon relativ weit entwickelte Eidotter gefunden habe (und unzähige kleinere). Ich hatte keine Ahnung, dass die so viele Eier quasi auf Vorrat produzieren. Außerdem habe ich festgestellt, dass unserer Hühner dringend auf Diät gesetzt werden müssen, sonst sterben die an Organverfettung. Ehrlich, das war unglaublich.

Nachdem ich die Hühner jetzt also sozusagen entkernt hatte, habe ich sie abgespült und die Kloake herausgeschnitten und ihnen den Kropf aus dem Hals gezogen. Erstaunlich, wie viel Getreide so ein Huhn im Kropf mit sich rumschleppt. Natürlich ist mir bei einem Huhn der Kropf geplatzt (der war vom Fuchs schon leicht angebissen) und es war eine elende Pulerei, die ganzen Körner wieder einzusammeln.

Schließlich habe ich den Hühnern unter Susis fachgerechter Anleitung noch über der Gasflamme die Haare abgebrannt. Ja, Hühner haben nicht nur Federn, die haben auch Haare … ganz kleine, feine Haare, die man erst sieht, wenn man die Federn alle ausgerupft hat. Und die kann man nicht von Hand rausziehen, dafür sind es viel zu viele und sie sind viel zu fein. Die brennt man weg. Das war mir neu.

Und am Ende eines langen ereignis- und lehrreichen Tages hatte ich zwei Suppenhühner, die fast so aussahen wie das, was man in der Kühltheke kaufen kann. Und weil es schon spät war, habe ich dann beschlossen, die erstmal einzufrieren. Hühnersuppe koche ich dann ein andermal aus ihnen. Vielleicht auch Frikassee … wenn sie dafür nicht zu zäh sind.

Fazit: mein Hobby wird Hausschlachtung bestimmt nicht, aber ich bin froh und auch ein bisschen stolz, dass ich mich da rangewagt habe und jetzt weiß, wie es geht. Sollte morgen abrupt das Erdölzeitalter zuende gehen und die Supermarktregale leer bleiben, dann kann ich jetzt immerhin Hühner rupfen.

Dezember 2014
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