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Ein bisschen über ein Jahr ist es nun her, dass ich in diesem Blog von meinem ersten Par berichtet habe. Und so ist es nur konsequent, dass ich euch jetzt auch an meinem ersten Birdie teilhaben lasse. (Anmerkung für Nicht-Golfer: ein Birdie ist, wenn man einen Schlag weniger braucht, als eigentlich für das Loch vorgesehen. Gelingt sehr guten Golfern, die man so bei den Golfevents im Fernsehen sieht, z.B. jetzt am vergangenen Wochenende bei Olympia, relativ häufig, idealerweise mehrmals pro Runde. Graupen wie mir dagegen eher selten).

Wie auch beim Par, hatte ich schon ein paar „unechte“ Birdies gespielt, nämlich auf dem MiniLinks Platz in St. Anne’s. „Unecht“ deshalb, weil die Bahnen da wirklich sehr sehr kurz sind und es da halt schon mal eher passiert, dass man mit dem ersten Schlag zufällig in der Nähe der Fahne landet. Aber auf dem großen Platz ist mir das Kunststück bisher noch nicht gelungen. Einmal, vor ein paar Wochen, war ich auf der 11, unserem kürzesten Par3 Loch, ziemlich nah dran, habe aber dann den 2 Meter Putt doch noch am Loch vorbei geschoben. Putts werden ja, unabhängig von ihrer tatsächlichen Länge, überproportional schwierig, sobald irgendetwas von ihnen abhängt. Und das erste echte Birdie spielen, auch wenn es albern klingt, das ist im Kopf dann schon eine große Nummer und schwupps wissen die Hände nicht mehr, was sie zu tun haben, vom restlichen Körper mal ganz abgesehen.

Am besten spielt man sein erstes Birdie also, wenn man gerade gar nicht damit rechnet. Und so habe ich das dann gestern auch gehandhabt. An unserem längsten Par3 bin ich regelmäßig mit dem Dilemma konfrontiert, ob ich da jetzt mal einfach mit dem Driver drauf dresche (wenn ich den gut treffe, kann ich knapp bis zum Grünanfang kommen), oder lieber doch versuche, mit einem Holz oder einem längeren Eisen auf eine Position vorzulegen, von der ich das Grün mit dem zweiten Schlag dann hoffentlich gut erreiche. Meistens entscheide ich mich für die Brachialmethode, auch deswegen, weil ein kürzerer Schläger bei mir nicht unbedingt mehr Kontrolle bedeutet. Ob ich jetzt den Driver oder mein Eisen 6 in die Büsche kloppe, ist dann auch egal.

So auch gestern: mein Driver, der auf den ersten Löchern eigentlich ganz brav seinen Dienst versehen hat, beschließt, dass es mal wieder Zeit ist, einen Ball so richtig mit Schmackes in die Bäume zu slicen. Hoch … weit … vor allem rechts. Meine Mitspieler machten das ganz ähnlich, übrigens, meine Mutter leistete mir rechts Gesellschaft, meine Tante und ihr Enkel (also mein … äh … was isser denn dann? 1st cousin once removed auf Englisch … also der Sohn von meinem Cousin jedenfalls) hauten ihre Bälle lieber nach links. Ich weiß auch nicht, warum im Golf selten geradeaus geschlagen wird. Jedenfalls lagen wir alle ziemlich subobtimal in der Pampa.

Laut meiner Garmin Golfuhr, die mir immer brav die Entfernung zum Grün zeigt, war ich noch 67 m vom Grünanfang entfernt. Die Fahne stand so 3 Meter dahinter. 70 m, da schlage ich normalerweise ein volles Eisen 8 (ja, Kurzwurst, ich). Ging aber in diesem Falle nicht, weil mein Ball ja unter Bäumen lag und der Weg nach oben durch Geäst und Blätterdach versperrt war. Die Lücke vor mir erlaubte nur einen ganz flachen Schlag, mehr so einen sehr langen Chip. Diesen Schlag beherrsche ich eigentlich ganz gut … das liegt daran, dass ich ihn ständig brauche, weil die Lage unter irgendwelchen Bäumen mir sehr vertraut ist. Wahrscheinlich ist das so ein Restinstinkt aus den Zeiten, als unsere Vorfahren noch als pflanzenfressende Kleinstsäuger über den Planeten hoppelten und Gefahr durch Flugsaurier drohte. Jedenfalls zieht es mich immer weg vom offenen Fairway unter die schützende Randbegrünung. Großartige Taktik gegen Flugsaurier, zumindest hat mich noch nie einer angegriffen … nicht so gut fürs Golf.

Aber zurück zu meinem Chip. Ich entschied mich für ein Eisen 5, weil der Ball dann schön flach bleibt und am Ende noch weit ausrollt. 70 m für einen Chip sind ja kein Pappenstiel … wie gesagt, eigentlich ist das für mich mehr die Entfernung für einen vollen Schlag. Aber ich habe den Ball saugut getroffen und der ging eigentlich vom ersten Moment an nirgendwo anders hin als genau aufs Loch zu … und rollte … und rollte … und rollte etwas langsamer, weil es zum Grün ein bisschen rauf ging … und rollte immer noch und plop. Wahrscheinlich sind alle tranigen Sonntagsgolfer mal kurz so richtig wach geworden, bei dem Jubelschrei, den ich ausgestoßen habe. Fistbump und Siegespose hab ich auch … also, man wird ja noch kurz feiern dürfen.

So, abgehakt also, die Sache mit dem ersten Birdie. Unter vollkommener Vermeidung von Putts, die man dann eventuell nervös vorbei schieben kann. Hoffen wir also, dass ich demnächst auch mal ein Birdie spielen kann wie normaler Menschen das machen, erst das Grün treffen und dann einlochen. Aber ich nehm die im Notfall auch weiter so.

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