Letzten Sonntag gelang mir an Bahn 2 auf unserem Golfplatz das erste echte Par meiner zugegebenermaßen noch recht kurzen Golferkarriere. („Unechte“ Pars hatte ich schon ein paar auf unserem 6-Loch Kurzplatz gespielt, aber die zählen nicht wirklich). Bahn 2 ist ein für die Damen knapp 120 m langes Par 3. 120 m weit kann ich mit meinem 21° Hybrid ganz gut schlagen, wenn ich richtig treffe. Und Sonntag habe ich richtig getroffen. Was ich aber nicht bedacht hatte, war der Gegenwind. Der war nämlich ziemlich heftig. Und so blieb mein wunderschöner Abschlag leider ungefähr 10 m zu kurz. Das wäre ja normalerweise kein großes Ding. Aber dummerweise ist die Bahn 2 mit dem größten oder vielmehr tiefsten Bunker des gesamten Golfplatzes versehen. „Schmitz Grab“ lautet der unheilvolle Name dieses Monsters, oder, wie ich ihn bei mir immer nenne: „Chasm of Doom“ Ich frage mich immer noch, was der Golfplatzarchitekt mit dem Aushub aus diesem Loch eigentlich gemacht hat. Den korrespondierenden Berg habe ich noch nicht entdeckt. Vielleicht hat er die erhöhten Abschläge auf der 6 daraus gebaut. Oder das „klein Österreich“ auf der 13. Egal. Viel interessanter wäre noch die Frage, woher er das schwarze Loch hatte, das er irgendwo unter dem Sand vergraben haben muss, denn ich schwöre, dieser Bunker hat erhöhte Schwerkraft. Anders lässt sich die magische Anziehungskraft, die er auf Golfbälle ausübt, einfach nicht erklären. Und natürlich liegt dieses landschaftsarchitektonische Meisterwerk mitten vorm Grün. Genau an der tiefsten Stelle von Schmitz Grab landete also mein ansonsten wirklich wunderschöner Abschlag. Beim Einspielen hatte ich keinen einzigen Ball aus dem Bunker bekommen, übrigens. Mein Selbstbewusstsein, als ich mit meinem Sandwedge in den Abgrund hinabstieg, war somit nicht unbedingt das größte. Mitspielerin Angela, die ihren Abschlag ebenfalls in den Sand gesetzt hatte, entschied vernünftigerweise, seitlich heraus zu chippen, dorthin, wo die Bunkerkante nicht ganz so hoch ist. Ich überlegte kurz, es ihr gleichzutun, aber von meiner Position aus gab es eigentlich keine seitliche Kante, die leichter zu überwinden gewesen wäre. Und ganz rückwärts spielen wollte ich auch nicht. Ich ging also noch einmal ein paar Schritte zurück, um zumindeste erahnen zu können, in welcher Richtung die Fahne lag (aufs Grün gucken konnte ich nämlich von da unten nicht), drehte mein Schlägerblatt auf, um möglichst viel Loft zu generieren und erinnerte mich an den besten Bunkerspieltipp, den ich je in einem YouTube-Video gehört hatte. „Don’t decelerate!“ also auf Deutsch „Nicht verzögern“ Danke Andy Carter! Ich holte also aus, beschleunigte durch den Ball und schwupps! Die erstaunten Ausrufe meiner Mitspielerinnen bestätigten mir, dass mein Ball nicht nur aus dem Bunker geflogen war (was alleine schon eine beachtliche Leistung gewesen wäre), sondern tatsächlich auch noch dort gelandet war, wo er hin sollte, nämlich auf’s Grün, etwa einen Meter neben die Fahne. Viel schöner hätte das auch Tiger Woods nicht gekonnt (der hätte allerdings bei diesem Loch wahrscheinlich schon gleich mit dem Sandwedge abgeschlagen …). Ich weiß nicht einmal, was das größere Wunder war: dass ich so gut aus dem Bunker gekommen bin, oder dass ich danach den Putt aus lauter Trotteligkeit nicht vorbeigeschoben habe (das passiert mir nämlich sonst immer, wenn ich ein Loch ansonsten gut gespielt habe … ist Golf-Pschychologie. Putts bei denen es um nix geht kann man auch as 5 oder 10 Meter Entfernung lochen. Wichtige Putts schiebt man auch aus 50 cm noch gerne vorbei). Die restliche Runde war eher unspektakulär. Ich habe etliche Löcher gestrichen, einige andere ganz ordentlich gespielt. Vor allem die anderen beiden Par 3s liefen ganz gut. Wegen meiner bräuchte es auf dem Golfplatz eh keine Löcher von mehr als 150 m Länge zu geben. Ist doch pure Quälerei das. Oder wie wäre es mit Huckepack-Golf? Also jemand anders macht die langen Schläge und ich übernehme dann ab ca. 50 m vor dem Grün. Das könnte eine wunderbare win/win Beziehung werden. Mein kurzes Spiel ist ja ganz okay. Nur hinkommen muss ich.

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