Ich überlege schon seit Tagen, ob ich jetzt was zu dieser unsäglichen Burkaverbotsdebatte schreiben soll. Hielt ich aber dann doch nicht für wichtig genug, irgendwie. Jetzt lese ich heute, dass angeblich in einer Umfrage 81 % der Befragten für ein Verbot von Vollverschleierung sind, und jetzt muss ich dann doch. Einfach weil das ganze so absurd und unlogisch ist.

Also, erstmal zur Begrifflichkeit: es geht nicht um Burkas. Ehrlich. Burkas kommen in Deutschland nicht vor, oder wenn, dann so selten, dass sich dafür weder die Aufregung noch ein Gesetz lohnt. Die Burka ist ein für westliche Augen wirklich sehr fremd und unwirklich anmutendes Kleidungsstück, das noch dazu durch das Burkagebot im Afghanistan der Talibanzeit politisch vorbelastet ist. Aber ich habe wirklich hier in Deutschland (und auch in anderen europäischen Ländern) bisher noch keine Burka in freier Wildbahn gesehen. Immer nur auf Fotos, und die waren dann in der Regel in Afghanistan aufgenommen. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Burka repräsentiert, warum Flüchtlinge Afghanistan verlassen. Darum haben sie auch kein Interesse daran, die mitzunehmen.

Es geht also nicht um Burkas, sondern meistens um Niqabs, den meist schwarzen Vollschleier, der über einem ebenfalls schwarzen Ganzkörpergewand getragen wird, z.B. in Saudi Arabien. Flüchtlinge aus Saudi Arabien haben wir jetzt auch nicht so wahnwitzig viele, glaub ich. Dafür etliche Touristen oder Geschäftsreisende. (Über die freundschaftlichen Beziehungen mit Saudi Arabien kann man denken, wie man will … Fakt ist, die sind hier zu Besuch und haben in der Regel nicht vor, sich hier niederzulassen). Einigen geht es wohl auch ganz generell um jede Form von Kopftuch, völlig vergessend, dass der Gedanke, dass eine Frau ihr Haupt bedeckt, bei uns auch nicht so fremd ist. Eine Frau die heiratete, kam bei uns „unter die Haube“, was sich in vielen Volkstrachten und auch noch im Habit vieler christlcher Nonnen findet … das ist gar keine rein islamische Erfindung, und auch wenn ich froh bin, dass die Zeiten sich hier geänder haben, finde ich es erstaunlich, dass immer so getan wird, als sei gerade das Kopftuch so ein trennendes Element zwischen unseren Kulturen. Ist es, so rein historisch, nämlich gar nicht.

Häufig wird das Argument genannt, dass der Vollschleier ein Ausdruck der Unterdrückung der Frau in der muslimischen Welt sei. Das mag stimmen oder auch nicht. Aber selbst wenn das so ist: mit Verboten gegen Unterdrückung vorzugehen ist ungefähr so sinnvoll wie kämpfen für den Frieden oder poppen für die Jungfräulichkeit. Gehen wir mal davon aus, eine muslimische Frau in Deutschland trägt den Schleier wirklich nur, weil ihr Mann/Vater/Bruder darauf besteht. Was passiert jetzt, wenn das Tragen des Schleiers verboten sird? Richtig, sie kommt gar nicht mehr aus dem Haus, oder wenn, dann nur noch in Begleitung eines 18 jährigen Cousins ihres Mannes, der ein arroganter Kotzbrocken ist (um mal ganz polemisch ein paar Klischés zu bedienen). Gewonnen hat die Frau durch das Verbot also gar nichts. Im Gegenteil, ihre Freiheit und ihre Möglichkeit zur Integration ist noch stärker beschnitten als vorher, weil sie keinen Zugang zu Bildung, Kultur und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mehr hat.

Der Weg zu Integration führt nicht über Zwänge und Verbote, sondern darüber, dass man das Fremde erst einmal zu sich einläd und ihm mit Respekt begegnet. Und wenn eine muslimisch Frau dann ihren Schleier irgendwann ablegen möchte, dann soll sie dafür auch gerne alle Unterstützung bekommen, die sie vielleicht braucht, um gegen den Willen ihrer Familie oder ihres Mannes zu agieren. Aber der Auslöser dafür muss doch bitte eine freiwillige Entscheidung der Frau sein, und kein Verbot. Eine Gesellschaft, die sagt: du darfst in der Öffentlichkeit kein Kopftuch/Hijab/Niqab/Burka was auch immer anziehen, finde ich genauso unerträglich, wie eine, die sagt, dass ich genau das tun muss.

So rein psychologisch ist ein solches Verbot auch schwachsinnig. Je mehr man das Anderssein betont, je mehr man Unterschiede macht zwischen „wir“ und „ihr“ und zwischen „richtig“ und „falsch“, desto mehr fördert man das Festhalten an einer religiösen/nationalen oder kulturellen Identität und die Bildung von Parallelgesellschaften. Nur in eine Gesellchaft, in der man das Gefühl hat, ehrlich willkommen zu sein, wie man ist, will man sich überhaupt integrieren. Ablehnung und Verbote können nur zu mehr Radikalisierung beitragen.

Lasst uns doch einfach ein bisschen neugierig sein auf die vielen verschiedenen Menschen, die da aus allen möglichen Ländern zu uns kommen. Ganz ehrlich, wenn ich durch die Stadt gehe, ich freue mich an dem lebhaften bunten Getümmel, an den vielen Sprachen und unterschiedlchen Kleidungsstilen, die ich da zu sehen bekomme.

Ich muss euch was gestehen. Es ist mir ein bisschen peinlich, ehrlich gesagt. Seit einem knappen Monat bin ich nicht mehr autobefreit. Nach mehr als zehn Jahren habe ich mir jetzt doch wieder einen PKW angeschafft, genaugenommen einen Hyundai i10, ein Großer unter den ganz Kleinen, sozusagen. Wie ist es dazu gekommen? Hm, tja … ich glaube, es lag in erster Linie an meinem Urlaub. vom 16. – 26. Juni war ich wieder in Lytham St. Anne’s in England. Und damit ich da ein bisschen flexibler bin, hatte ich mir einen Mietwagen genommen. Einen Smart ForFour. Und der ließ sich so gut fahren und ich hatte so viel Spaß damit, dass ich irgendwie total angefixt aus dem Urlaub zurück gekommen bin. Ist schon was dran an der Sache, dass Autofahren eine Sucht ist. Wobei ich ja auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder gefahren bin, mit den Firmenwagen in Esens und an der Mühle zum Beispiel, oder auch mit dem Auto meiner Mutter. Aber so jederzeit, wenn man möchte, einfach ein Auto zur Verfügung zu haben und die Möglichkeit zu haben, doch noch einmal kurz, ohne große Vorplanung und ohne „mein letzter Bus zurück geht um 21 Uhr“ Druck irgendwohin fahren zu können, das hat schon was.

Tja, und wenn so ein Gedanke dann einmal da ist, dann lässt er einen auch nicht mehr los. Zumal in meiner jetzigen Umgebung, sowohl in der Familie als auch im Kollegen- und Bekanntenkreis, eh keiner so richtig verstanden hat, warum ich kein Auto haben wollte. Wobei ich selber natürlich zugeben muss, dass ich das Auto nur aus einem einzigen Grund wirklich gakauft habe. Weil ich jetzt nach der Arbeit noch mal eben zum Golfplatz fahren kann, bevor es dunkel wird.

Das führt jetzt übrigens dazu, dass meine Kollegen mich für noch bekloppter halten als vorher, fürchte ich. Jetzt komme ich nämlich weiterhin mit dem Fahrrad zur Arbeit wenn das Wetter schlecht ist, komme aber häufiger mit dem Auto, wenn die Sonne scheint (weil ich dann ja gleich nach Feierabend zum Schmitzhof weiterdüse … da erst mit dem Fahrrad wieder in die Stadt fahren und zu Hause das Auto holen, würde zu lange dauern). CoT09xmWcAAXrul.jpg large

Also, ich schäme mich wegen der verratenen Ideale, freue mich aber trotzdem jedesmal wie ein Kind, wenn ich in mein neues Auto steige. Das ist nämlich wirklich sehr hübsch und macht großen Spaß zu fahren. Ich habe feste Vorsätze, auch weiter so viel wie möglich das Fahrrad und Öffis zu benutzen, wenn es machbar ist.

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Ein bisschen über ein Jahr ist es nun her, dass ich in diesem Blog von meinem ersten Par berichtet habe. Und so ist es nur konsequent, dass ich euch jetzt auch an meinem ersten Birdie teilhaben lasse. (Anmerkung für Nicht-Golfer: ein Birdie ist, wenn man einen Schlag weniger braucht, als eigentlich für das Loch vorgesehen. Gelingt sehr guten Golfern, die man so bei den Golfevents im Fernsehen sieht, z.B. jetzt am vergangenen Wochenende bei Olympia, relativ häufig, idealerweise mehrmals pro Runde. Graupen wie mir dagegen eher selten).

Wie auch beim Par, hatte ich schon ein paar „unechte“ Birdies gespielt, nämlich auf dem MiniLinks Platz in St. Anne’s. „Unecht“ deshalb, weil die Bahnen da wirklich sehr sehr kurz sind und es da halt schon mal eher passiert, dass man mit dem ersten Schlag zufällig in der Nähe der Fahne landet. Aber auf dem großen Platz ist mir das Kunststück bisher noch nicht gelungen. Einmal, vor ein paar Wochen, war ich auf der 11, unserem kürzesten Par3 Loch, ziemlich nah dran, habe aber dann den 2 Meter Putt doch noch am Loch vorbei geschoben. Putts werden ja, unabhängig von ihrer tatsächlichen Länge, überproportional schwierig, sobald irgendetwas von ihnen abhängt. Und das erste echte Birdie spielen, auch wenn es albern klingt, das ist im Kopf dann schon eine große Nummer und schwupps wissen die Hände nicht mehr, was sie zu tun haben, vom restlichen Körper mal ganz abgesehen.

Am besten spielt man sein erstes Birdie also, wenn man gerade gar nicht damit rechnet. Und so habe ich das dann gestern auch gehandhabt. An unserem längsten Par3 bin ich regelmäßig mit dem Dilemma konfrontiert, ob ich da jetzt mal einfach mit dem Driver drauf dresche (wenn ich den gut treffe, kann ich knapp bis zum Grünanfang kommen), oder lieber doch versuche, mit einem Holz oder einem längeren Eisen auf eine Position vorzulegen, von der ich das Grün mit dem zweiten Schlag dann hoffentlich gut erreiche. Meistens entscheide ich mich für die Brachialmethode, auch deswegen, weil ein kürzerer Schläger bei mir nicht unbedingt mehr Kontrolle bedeutet. Ob ich jetzt den Driver oder mein Eisen 6 in die Büsche kloppe, ist dann auch egal.

So auch gestern: mein Driver, der auf den ersten Löchern eigentlich ganz brav seinen Dienst versehen hat, beschließt, dass es mal wieder Zeit ist, einen Ball so richtig mit Schmackes in die Bäume zu slicen. Hoch … weit … vor allem rechts. Meine Mitspieler machten das ganz ähnlich, übrigens, meine Mutter leistete mir rechts Gesellschaft, meine Tante und ihr Enkel (also mein … äh … was isser denn dann? 1st cousin once removed auf Englisch … also der Sohn von meinem Cousin jedenfalls) hauten ihre Bälle lieber nach links. Ich weiß auch nicht, warum im Golf selten geradeaus geschlagen wird. Jedenfalls lagen wir alle ziemlich subobtimal in der Pampa.

Laut meiner Garmin Golfuhr, die mir immer brav die Entfernung zum Grün zeigt, war ich noch 67 m vom Grünanfang entfernt. Die Fahne stand so 3 Meter dahinter. 70 m, da schlage ich normalerweise ein volles Eisen 8 (ja, Kurzwurst, ich). Ging aber in diesem Falle nicht, weil mein Ball ja unter Bäumen lag und der Weg nach oben durch Geäst und Blätterdach versperrt war. Die Lücke vor mir erlaubte nur einen ganz flachen Schlag, mehr so einen sehr langen Chip. Diesen Schlag beherrsche ich eigentlich ganz gut … das liegt daran, dass ich ihn ständig brauche, weil die Lage unter irgendwelchen Bäumen mir sehr vertraut ist. Wahrscheinlich ist das so ein Restinstinkt aus den Zeiten, als unsere Vorfahren noch als pflanzenfressende Kleinstsäuger über den Planeten hoppelten und Gefahr durch Flugsaurier drohte. Jedenfalls zieht es mich immer weg vom offenen Fairway unter die schützende Randbegrünung. Großartige Taktik gegen Flugsaurier, zumindest hat mich noch nie einer angegriffen … nicht so gut fürs Golf.

Aber zurück zu meinem Chip. Ich entschied mich für ein Eisen 5, weil der Ball dann schön flach bleibt und am Ende noch weit ausrollt. 70 m für einen Chip sind ja kein Pappenstiel … wie gesagt, eigentlich ist das für mich mehr die Entfernung für einen vollen Schlag. Aber ich habe den Ball saugut getroffen und der ging eigentlich vom ersten Moment an nirgendwo anders hin als genau aufs Loch zu … und rollte … und rollte … und rollte etwas langsamer, weil es zum Grün ein bisschen rauf ging … und rollte immer noch und plop. Wahrscheinlich sind alle tranigen Sonntagsgolfer mal kurz so richtig wach geworden, bei dem Jubelschrei, den ich ausgestoßen habe. Fistbump und Siegespose hab ich auch … also, man wird ja noch kurz feiern dürfen.

So, abgehakt also, die Sache mit dem ersten Birdie. Unter vollkommener Vermeidung von Putts, die man dann eventuell nervös vorbei schieben kann. Hoffen wir also, dass ich demnächst auch mal ein Birdie spielen kann wie normaler Menschen das machen, erst das Grün treffen und dann einlochen. Aber ich nehm die im Notfall auch weiter so.

Ich habe ja länger nicht mehr über mein Golf geschrieben. Das liegt jetzt aber nicht daran, dass ich nicht gespielt habe, oder das Interesse verloren hätte, sondern eher daran, dass ich keine Sensationen zu vermelden hatte. (Also, genau genomen ist auf meinem Spielniveau eigentlich jeder gut getroffene Ball eine kleine Sensation, aber ich verstehe, dass niemand lesen will, wie das Holz 3 auf der 1 ein bisschen nach rechts zog, ich den Fehler dann haber mit einem perfekt getroffenen Hybrid im nächsten Schlag wieder ausgemerzt habe und pin-high auf dem Vorgrün landete, um von dort mit meinem ersten Putt … ihr versteht …)

Eigentlich hat mein Golf sich aber ganz schön weiter entwickelt. Selbst bei miesesten Winterbedingungen habe ich noch ganz passabel gespielt und spätestens seit meinem einwöchigen Golftrip nach Spanien mit der amp-Golfschule war ich eigentlich ziemlich zufrieden mit meinem Spiel und brannte darauf, endlich in einer vorgabewirksamen Runde mein Handicap zu verbessern. So langsam wurde die -54 nämlich peinlich, zumal ich ja selbst die nie in einem Turnier erspielt hatte, sondern sie automatisch mit der Platzreife verliehen bekommen habe (seit Januar diesen Jahres ist das anders, übrigens, die Neulinge, die jetzt anfangen, starten nach der Platzreifeprüfung erstmal ohne offizielles Handicap und müssen sich selbst die -54 erstmal erkämpfen). Ich hab ja vor etwa zwei Jahren mit dem Golfspielen angefangen und so langsam kommt man da an einem Punkt, an dem man als Entschuldigung nicht mehr sagen kann: ich bin Anfängerin, sondern einfach zugeben muss: ich bin eine miserable Golferin. Man erntet auch echt immer so mitleidige Blicke, wenn man mit einer -54 antritt und alle glauben, sie müssten einem erklären, welche Seite der Scorekarte oben ist, weil es ja bestimmt das allererste Turnier ist. Wenn man dann sagt: „Nee nee, ich habe schon ein paar Turniere mitgespielt und mich einfach nicht verbessert“, dann werden die Blicke noch mitleidiger und es folgt unweigerlich der Satz: „Vielleicht solltest du mal ein paar Trainerstunden nehmen“ (Sorry, folks, aber das ist ungefähr so taktvoll, wie eine mollige Frau zu fragen, im wie vielten Monat sie denn ist.)

Okay, ich saß also trotz Trainerstunden bei Peter Finch, amp-Golfkurs und konstanter Verbesserung in unseren wöchentlichen Privatrunden immer noch auf -54, hauptsächlich aus dem einfachen Grund, dass den Winter über keine vorgabewirksamen Turniere gespielt werden. Dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, mich im Laufe dieses Jahres auf -36 zu verbessern. An Pfingsten bot sich dann die Chance, wenigstens mal eine EDS-Runde anzumelden, weil meine Tante als Zählerin mitging. Und irgendwie waren mir die Golfgötter an diesem Tage hold. Ob es nun an meinen neuen Schlägern lag (ich habe einen neuen Driver und zwei neue Hölzer im Bag, alles Cobra … ich entwickele mich zu einem Cobra-Fan), an den Erdnüssen (seit Neuestem esses ich an jedem Loch Erdnüsse, um mein Energieniveau über die Runde zu halten) oder ob die registrierte Runde förderlich für meine Konzentration war … jedenfalls klappte (fast) alles. Ich habe selber ganz bewusst meinen Score nicht mitgezählt, weil ich nicht wollte, dass mich das ablenkt und ich in so „wenn ich jetzt hier noch eine 5 spiele und am nächsten Loch eine 6, dann …“-Szenarien verfalle. Dass ich gut gespielt hatte, war mir aber schon klar. Dass es meine bisher beste Runde war, eigentlich auch. Dass ich mich aber um exakt 18 Schläge unterspielt hatte und damit in einem Schlag auf meinem Zielhandicap von -36 gelandet war, das habe ich dann erst im Sekretariat so richtig begriffen. Jahresziel erreicht. Done and dusted, wie der Anglophile sagt. Wie cool ist das denn?

Jetzt werden EDS-Runden, die es auch noch gar nicht so lange gibt, von einigen Golfern immer noch eher als Mogel-Runden angesehen. Und selbst ich muss zugeben, dass es wahrscheinlich leichter ist, einfach entspannt gutes Golf zu spielen, wenn man mit Freunden oder Familie stressfrei am Samstag Nachmittag über den Platz schlendert, als wenn man im Turnier unter den wachsamen Augen von völlig Fremden spielt. Außerdem hatte ich so ein bisschend die Befürchtung, dass es sich bei der Runde um einen erfreulichen aber nicht notwendigerweise reproduzierbaren Ausrutscher gehandelt haben könnte und dass es jetzt Monate dauern könnte, bis ich eine ansatzweise ähnlich gute Runde spielen würde. 18 Schläge weniger benötigen zu dürfen, um auf die gleiche Punktzahl zu kommen, das ist schon eine Ansage.

Entsprechend erwartungsfrei bin ich dann meine nächste echte Turnierrunde am vergangenen Wochenende angegangen. Samstag war ich noch auf dem Platz, um ein bisschen zu üben (Slice-Bekämpfung mit dem Driver) und ein paar Löcher im milden Spätnachmittagslicht zu spielen. Das hat gut funktioniert und zumindest mein Selbstbewusstsein nicht beschädigt. Sonntag war es dann soweit: Monatspreis. Ich hatte einen sehr netten Flight und war eigentlich so gut wie gar nicht nervös. Ich hatte einen super Start, Bogey auf der 1 (was mir erst am Abend davor auf der Proberunde das erste Mal überhaupt gelungen war), Par auf der 2. Danach wurde es dann etwas durchwachsener, die 3 habe ich gestrichen, weil ich nicht aus dem Bunker gekommen bin, z.B. Aber ich habe mich immer wieder berappelt und streckenweise wirklich solides Golf gespielt. Am Ende habe ich mein neues Handicap genau bestätigt, also 36 Nettopunkte erspielt und bin in meiner Kategorie (Handicap 19,5 und schlechter, glaub ich) Zweite geworden. Darüber habe ich mich natürlich wahnsinnig gefreut. Zum einen, weil mir jetzt niemand nachsagen kann, ich hätte mir das Handicap durch die EDS-Runde irgendwie „ermogelt“ und zum anderen, weil ich mir selber bewiesen habe, dass ich die -36 wirklich reproduzierbar spielen kann und es sich nicht einfach nur um einen Freak-Accident gehandelt hat.

Mir ist klar, dass ich auch mit -36 golftechnisch immer noch eine ziemliche Null bin. Aber zumindest habe ich die Kategorie „völlig hoffnungsloser Fall“ damit hinter mir gelassen. Und das tut gut.

Im Juni fahre ich wieder für 10 Tage nach England zu Peter Finch für ein paar mehr Golfstunden. Und vielleicht schaffe ich ja mein zweites Ziel für dieses Golfjahr, nämlich eine Runde mit unter 100 Schlägen zu spielen, auch noch.

Als ich gerade so durch einige lange nicht geöffnete Verzeichnisse auf meiner Festplatte brauste … öh … browsde … oder wie immer das Neudeutsch heißt, stieß ich auf folgendes, bisher völlig unveröffentlichtes Gedicht. Genau genommen war mir total entfallen, dass ich das irgendwann mal geschrieben habe. Und da es mich, quasi gefühlt zum ersten Mal gelesen, zum Schmunzeln gebracht hat, will ich es euch nicht vorenthalten:

Mein Iglu hat ein Loch

Ein Fischer namens Pit,
der lebte bei den Innuit.
Er hatte selten Sorgen
bis zu jenem Morgen,
da wacht er auf und sagt „Oh Schreck,
mein Boot das hat ein Leck!“

Das Boot bleibt vorerst fest vertäut,
den Pit, den stört’s, die Fische freut’s,
und Pit ging, statt zu fischen,
erstmal einen zischen.
Da merkt er dann „So’n Dreck,
mein letztes Geld ist weg.“

Drum kam ihm in den Sinn:
„Ich leg mich wieder hin!“
Als er sich in die Falle haut
und gleich darauf zur Decke schaut,
sieht er zu allem Übel noch:
„Mein Iglu hat ein Loch“

 

Wenn mich ein Mann nach meinem Job fragt, dann läuft das in der Regel so:
„Was machst du denn beruflich?“
„Ich bin Softwareentwicklerin.“
„Oh … „ Kurzes Schweigen, dann, mit verständnisvollem Unterton: „Webdesign? HTML und so?“
„Nein, Messtechnik. C++“
„Oh …“ Diesmal dauert das Schweigen länger und der Herr sieht sich eilig nach einer neuen Gesprächspartnerin um. Weltbilderschüttern für Anfänger.

Heute las ich im online Magazin der Süddeutschen Zeitung diesen interessanten Artikel über die sechs Frauen, die ENIAC, den ersten universell einsetzbaren Computer programmiert haben. Auch schon gut 100 Jahre früher, als Charles Babbage eine mechanische Rechenmaschine entwarf, war es eine Frau, nämlich Ada Lovelace, die die ersten Algorithmen dafür zu Papier brachte. (Ada war übrigens die einzige legitime Tochter von Lord Byron … ja, richtig, dem „mad, bad and dangerous to know“ Byron, aber das nur am Rande.) Auch der erste Compiler wurde von einer Frau geschrieben, nämlich von Grace Hopper.

Frauen haben in der Softwareentwicklung also wirklich grundlegende Pionierarbeit geleistet. Es scheint, als seien Computer ursprünglich von Männern gebaut, aber von Frauen programmiert worden.  Wann und warum hat sich das geändert, warum werde ich heute angestarrt wie das Tier mit den zwei Köpfen und warum traut man Frauen in der Regel offenbar nur das Erstellen von hübschen Webseiten zu (wobei ich das als Leistung jetzt keinesfalls schmälern möchte, das ist eine Kunst für sich)?

Das ist keine Klage. Ich konnte schon immer ganz gut damit leben, Frau in einer Männerwelt zu sein. Ist ja irgendwie auch ein Alleinstellungsmerkmal und kann durchaus Vorteile haben. Es gibt Arbeitgeber, die ganz wild auf weibliche Angestellte in technischen Berufen sind. Und meine männlichen Kollegen kann ich in der Regel zügig überzeugen, dass ich schon weiß, was ich da tue. Ich frage mich nur, wann die allgemeine Wahrnehmung sich von „Programmieren ist Frauensache“ zu „Oh, eine Frau die mit Computern umgehen kann … das ist ja komisch“ geändert hat und was wohl der Grund dafür ist.

Männer mit gestreiften Schals sind mehrfach dabei beobachtet worden, wie sie im Fußballstadion Drohungen gegen den Schiedsrichter ausgestoßen haben. Wir lassen deswegen jetzt keine Männer mit gestreiften Schals mehr ins Stadion. Zwei blonde Frauen sind gestern im Kaufhof beim Diebstahl einer Damenstrumpfhose erwischt worden. Die Kaufhauskette hat daraufhin beschlossen, künftig keine blonden Frauen mehr in ihre Warenhäuser zu lassen. Trotz deutlicher Beschilderung lassen immer wieder Raucher auf den Bahnsteigen ihre Kippen außerhalb des Raucherbereichs fallen. Die Bahn hat darum beschlossen, dass Raucher in Zukunft pauschal nicht mehr befördert werden …

Blödsinn? Scheinbar nicht.

Echt, ich glaube es hackt. Natürlich ist es auf keinen Fall in Ordnung, wenn eine Frau im Schwimmbad belästigt wird. Wenn jemand sich im Schwimmbad jemand entsprechend daneben benimmt, dann kann man ein Hausverbot aussprechen. Gegen diese eine Person. Da die Flüchtlinge sich ja laut Artikel an der Kasse ausweisen müssen, um ihre Ermäßigung zu kriegen, lässt sich das ja wohl überprüfen. Und den einen Bengel lässt man dann halt nicht mehr rein. Aber man kann doch kein Generalverbot verhängen. Wo sind wir denn hier? Das ist jetzt von den „Für Juden verboten“ Schildern des dritten Reichs aber wirklich nur noch einen ganz kurzen Steinwurf entfernt.

Nachtrag vom 18.1.:

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/bornheim-hebt-schwimmbad-verbot-fuer-fluechtlinge-wieder-auf-aid-1.5699699

Na bitte, geht doch.

 

Konsensfindung ist sehr schwierig. Das weiß ich aus früherer politischer Arbeit in anarchistischen Splittergruppen und aus endlosen Diskussionen in der WG-Küche. Bei letzteren ging es zum Beispiel um die erwünschte Temperatur in unserem Kühlschrank. Der eine wollte, dass seine Butter nicht immer so hart ist und der andere, dass sein Fleisch nicht vergammelt. Das hört sich lächerlich an, war es vielleicht auch, zeigt aber, dass eine Einigung über Klimaziele, egal in welcher Form, ausgesprochen schwierig ist. Insofern grenzt es wahrscheinlich wirklich an ein kleines Wunder, dass man sich in Paris auf einen Klimavertrag einigen konnte und verdient Lob und Anerkennung.

Allerdings nur solange, bis man genauer hinsieht. Denn im Endeffekt ist das Vertragswerk, dass da jetzt unterschrieben wurde, ziemlich unzureichend, um nicht zu sagen, total fürs Pferd und kann allenfalls als symbolischer Tropfen auf dem immer heißer werdenden Stein angesehen werden. Warum?

Vor allem die kleinen Inselstaaten, denen sprichwörtlich das Wasser bis zum Hals steht, haben darauf bestanden, dass das Ziel sein muss, die Erwärmung auf 1,5° C über vorindustriellem Durchschnittswert zu begrenzen. Das ist absolut verständlich, den Wissenschaftler sind sich schon lange einige, dass die 2° C, die bisher immer diskutiert wurden, ja eigentlich viel zu viel sind. Und wenn man sich anguckt, was das Wetter mit dem 1° C, das wir inzwischen erreicht haben, weltweit regelmäßig an Katastrophen veranstaltet, dann sieht man das auch schnell ein. Dafür braucht man nicht auf den Malediven oder in Tuvalu zu wohnen. Das betrifft nicht nur steigende Meeresspiegel durch schmelzendes Eis, sondern auch Übersäuerung der Meere, Schwund von nutzbaren Ackerflächen etc. Blöd ist eben nur, dass wir von den 1,5° C eben zwei Drittel schon „verbraucht“ haben. Klar, da haben wir so ca. 150 Jahre für gebraucht, aber dummerweise verläuft der Temperaturanstieg (ebenso wie der Anstieg unserer CO2 Emissionen) ja nicht linear. Es ist also nicht über 150 Jahre gleichmäßig immer wärmer geworden, sondern in der berühmten „Hockeystick“-Kurve erst ziemlich langsam und dann immer schneller. Wir haben also jetzt nicht etwa 75 Jahre, um die Entwicklung abzubremsen und das letzte halbe Grad zu verbrauchen. Eher so 10 bis 20.

Dazu kommt, und das wird eigentlich immer ignoriert, dass die Atmosphäre ein ziemlich großer Puffer ist. Das CO2, das wir heute ausstoßen, macht sich klimatechnisch erst in einigen Jahrzehnten so richtig bemerkbar. Das heißt, selbst wenn wir es schaffen würden, von jetzt auf gleich nicht mehr CO2 auszustoßen als abgebaut wird, würde die Temperatur noch weiter ansteigen. Vielleicht kein halbes Grad mehr, aber eben doch immer noch merklich. Unser Zeitfenster zu handeln ist also noch viel kürzer als die Hockeystick-Kurve glauben lässt. Und dabei sind jetzt Rückkopplungssysteme wie der Albedo-Effekt (weniger Gletscher- und Polareis führt zu mehr absorbiertem Sonnenlicht und noch schnellerem Temperaturanstieg) oder das Schmelzen von Methanhydratvorkommen (Methan ist ein noch deutlich klimaschädigenderes Gas als CO2) noch gar nicht eingerechnet.

Trotzdem gilt der neue Vertrag erst ab 2020 und die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, bis zur Mitte des Jahrhunderts den CO2 Ausstoß in ein Gleichgewicht zu bringen. Das wird für das 1,5° C Ziel mit Sicherheit zu spät sein. Wahrscheinlich sogar für 2° C. Aber es scheint ein absolutes Unding zu sein, Politiker egal welcher Nation dazu zu bewegen, einen Vertrag zu unterzeichnen, der tatsächlich schon in ihrer eigenen Legislaturperiode greifen würde.

Der Rest des Vertrages klingt ganz freundlich … die reichen Ländern sichern den Armen Unterstützung zu, alle sind sich einig, dass Mutter Erde geschützt werden muss … yaddayaddayadda … Wenn es an konkrete Zahlen oder Summen geht, wird es schon wieder schwierig. Von 100 Milliarden Dollar jährlich ist die Rede, die die Industriestaaten ab 2020 aufbringen sollen. Unterschreiben will man diese Zahl allerdings dann doch nicht, sie wurde vom verbindlichen Teil des Vertrages in den unverbindlichen zweiten Teil verschoben. Wir haben uns alle lieb und die Natur sowieso, aber Kosten soll es dann doch besser nichts.

Aber ist ein schwammiger und unzureichender Vertrag nicht trotzdem besser als gar keiner? Der Meinung scheinen ja die Medien zu sein, die den Klimavertrag vollmundig als „Wunder von Paris“ feiern. Der Papst soll auch ein Machtwort gesprochen haben.

Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass sich ein Großteil der Menschheit jetzt auf diesem Vertrag ausruht. Wir haben doch eine Lösung gefunden, die Länder tun ja jetzt was … Klimawandel ist nicht mehr mein Problem. Sowohl auf privater wie auch auf politischer Ebene in den einzelnen Ländern. Solange die Klimaziele eingehalten werden, scheint alles in Butter, bis man sich dann in zwanzig Jahren noch einmal aufrafft und feststellt, dass es jetzt aber wirklich langsam Zeit wird.

Und die Republikaner in den USA überlegen jetzt schon, wie sie, sollten sie die Präsidentschaftswahl gewinnen, das Klimaabkommen kippen können, weil selbst diese Minimalvariante ihnen schon zu viel ist.

Es ist mal wieder Zeit für den Klassiker:
Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Du siehst aber schlecht aus, was ist denn mit dir los?“
„Ach, hör auf … ich hab Homo Sapiens.“
„Mach dir nichts draus. Das geht vorbei!“

Okay, diejenigen unter euch, die gerne Skifahren, die werden das wahrscheinlich anders sehen, aber für mich bräuchten diese ganzen niedrigen Temperaturen, die Dunkelheit, die Tristesse, Glatteis und Niederschlag in gefrorener oder unverfrorener Form eigentlich gar nicht stattzufinden. Sogar auf Weihnachten und Silvester könnte ich ganz gut verzichten, ehrlich gesagt, obwohl mir um diese Jahreszeit immer wieder klar wird, warum die Wintersonnenwende in fast allen Kulturen so eine große Sache ist. Im Prinzip habe ich jetzt schon die Schnauze voll vom Winter, obwohl er, sowohl datumstechnisch wie auch metereologisch ja noch gar nicht so richtig angefangen hat. Vor allem das fehlende Tageslicht macht mich fertig. Ich habe mich jetzt wieder mit Johanniskrautkapseln eingedeckt. Soll ja angeblich helfen. Heller wird es davon draußen aber auch nicht.

Wichtigster Lichtblick der Woche ist eigentlich nur meine samstägliche Golfrunde, die bisher gottseidank immer noch stattfinden konnte. Genaugenommen hatte ich dabei sogar meistens ausgesprochenes Glück mit dem Wetter und zumindest für das kommende Wochenende sieht es auch wieder ganz okay aus auf der Wetterkarte. Sportliche Höchstleistungen und Längenrekorde sind zur Zeit bei Mattenabschlägen und völlig aufgeweichten Grüns und Fairways zwar nicht zu erwarten, aber dank neuer Schläger und eines inzwischen nach Umstellungsschwierigkeiten wieder halbwegs stabilen Schwungs habe ich in den letzten Wochen recht konstant gespielt.

Die beste Anschaffung der letzten Wochen waren aber nicht die Schläger (ein gebrauchter MacGregor V-Foil M455 Eisensatz von ebay, falls das jemanden interessiert … sehen aus wie etwas, was Hagrid in sein Golfbag stecken würde, fassen sich auch so an, helfen aber ungemein dabei, den Ball hoch und weit zu schlagen), sondern diese Puttingmatte. Ich übe jetzt ganz konsequent jeden Tag 120 Putts (je 30 für die vier verschiedenen Grüngeschwindigkeiten, die die Matte ermöglicht) und führe Statistik darüber, wie viele davon ich loche. Golf ist eine absolut tolle Sportart für Statistiken.

Und weil mir das Üben zu Hause so gut gefällt, hat der Gedanke an den eigenen Golfsimulator mich dann doch nicht losgelassen. Und gestern habe ich dann mal kreativ Möbel gerückt und die Harfe in die Küche gerettet und festgestellt: doch, das geht. Ich kann, zumindest mit einem langen Eisen, einen vollen Schwung machen, ohne irgendwelche Einrichtungsgegenstände zu zerdeppern. Allerdings muss ich dabei wirklich sorgfältig darauf achten, an genau der richtigen Stelle zu stehen und meine Schwungebene sozusagen parallel zur Dachschräge ausrichten.

Ein echter Golfsimulator wird es natürlich trotzdem nicht. Viel zu teuer und dafür müsste ich auch ein Fangnetz oder so für Bälle aufbauen. Aber es gibt dieses Launchpad mit fest verbundenem Ball. Das bietet neben der eigenen Trainingssoftware, die einem angeblich Daten zu Schlägerkopfgeschwindigkeit und -winkel liefert, auch die Möglichkeit, es mit einer älteren Version der EA PGA Tour Spiele zu verbinden. Wie gut, dass ich mir vor einiger Zeit ein Windows-Laptop gegönnt habe. Dann ist das wenigstens für etwas nütze. Also, das Launchpad habe ich gestern spontan bestellt. Kostet als B-Ware nur 100 €. Schenke ich mir selbst zu Nikolaus oder so. Einen Trainingseffekt erhoffe ich mir weniger, dazu ist das Ding wahrscheinlich zu ungenau. Mehr ein bisschen Ersatzbefriedigung in den eigenen vier Wänden, wenn es draußen zu dunkel und ungemütlich ist zum Golfspielen. Ich werde dann berichten, wie das so läuft.

Apropos berichten wie das so läuft. Ich wurde von Golfpost.de als Produkttesterin ausgewählt. Ich darf die Aero Spark Tees testen. Ein Grund mehr zu hoffen, dass das Wetter am Wochenende golftauglich wird. Aussehen tun die Dinger jedenfalls ganz nett.

Seit, im wahrsten Sinne des Wortes, Menschengedenken haben Menschen (genau wie alle anderen mobilen Bewohner dieses Planeten, übrigens, der uns allen gemeinsam gehört), sich immer dann, wenn die Nahrungssituation knapp wurde, Naturkatastrophen oder Kriege drohten oder es hinter dem Horizont einfach verlockend besser aussah, aufgemacht, um anderswo ein besseres Leben zu finden. Einzeln oder in Familienverbänden, mit oder ohne Gut und Habe. Aus dem Wald in die Savanne, dann immer den Mammuts hinterher nach Norden und im Laufe der Zeit auf die entlegendsten Inseln und in die tiefsten Täler.

Völkerwanderung heißt das im historischen Kontext, Flüchtlingskrise heißt das heute in den Medien. Egal wie man es nennt: Freizügigkeit ist ein fundamentales Grundrecht. Jeder Mensch (und jedes Tier und von mir aus auch jede Dattelpalme, aber die hat es mit dem Fortkommen schwerer) hat das Recht, sich auszusuchen, wo auf diesem Planeten er oder sie leben will. Warum? Ja, eben weil … ich finde das so selbstverständlich, dass mir gar keine Begründung dafür einfällt. Mir erscheint es viel absurder, das irgendwie unterbinden oder verbieten zu wollen. Warum zur Hölle denn nicht? Woher nehmen wir uns das Recht, Zäune zu bauen? Mauern, Grenzen? Auf welcher Grundlage entscheiden wir, wer wo wohnen und arbeiten darf?

Ich will ja gar nicht abstreiten, dass das Probleme mit sich bringt, oder zumindest ein gewisses Umdenken und Flexibilität erfordert. Aber ist eine Tatsache, dass wir keinerlei moralisches Recht haben, irgendjemandem die Einreise zu Verweigern oder jemanden in sein/ihr Heimatland zurück zu schicken. Vielleicht, ganz vielleicht, hätten wir ein Recht, unseren fleißig erarbeiteten Wohlstand für uns zu behalten und nicht zu teilen, wenn dieser Wohlstand tatsächlich hauptsächlich und größtenteils auf unserer eigenen Arbeit basieren würde. Tut er aber nicht. Unser Wohlstandsvorsprung gründet in Ausbeutung, Raub und Gewalt. In Jahrhunderten des Imperialismus und Kolonialismus und einem immer skrupelloseren Raubtierkapitalismus, der dafür sorgt, dass immer weniger Menschen immer mehr haben. Gegen das soziale Ungleichgewicht in der heutigen Welt waren Louis XVI und seine kuchenessende Marie-Antoinette mildtätige Bettelmönche.

Es ist also weder verwunderlich noch verwerflich, wenn ein Mensch aus dem Senegal, aus Afghanistan, aus Syrien oder aus Albanien beschließt, sein Glück lieber in Deutschland zu versuchen als in seinem oder ihrem Heimatland. Dabei ist es völlig egal, ob der Grund, diesen Schritt zu wagen nun politische Verfolgung, fallende Bomben oder einfach nur der Wunsch ist, sich vom Lohn für seine Arbeit eines Tages ein iPhone kaufen zu können.

Was mich hingegen verwundert und was ich zutiefst verwerflich finde, sind die primitiven Reaktionen, die ich immer häufiger auch von Menschen höre, denen ich es echt nicht zugetraut hätte. Am meisten geschockt hat mich vor ein paar Wochen ein Beitrag, der ausgerechnet über eine Nachhaltigkeits-Mailingliste innerhalb von Mensa kam. Das war echt der letzte Ort, wo ich so etwas vermutet hätte. Nicht nur, weil Mensaner ja nun per Definitionem über ein nicht unerhebliches Maß an Intelligenz verfügen, sondern auch, weil Nachhaltigkeit eigentlich keine politischen Grenzen kennen kann. Und ich rede hier nicht von einem gemäßigten „man muss auch mal die andere Seite sehen“-Posting, sondern von einer regelrechten Hass-Mail. Zur Verteidigung besagter Mailingliste sei gesagt, dass die Mehrzahl der Mitglieder sich sofort und rigoros vom Standpunkt des Ausgangsposts distanzierten. Es gab aber auch Antworten vom Kaliber: die syrischen Flüchtlinge seien schon ganz okay, aber die Albaner, die herkämen, seien alle Verbrecher. Dazu fällt mir nicht einmal mehr eine Erwiderung ein.

Heute stand ein Bericht in der rheinischen Post, dass der Volksverein gestern wegen einer Bombendrohung geräumt werden musste. Jemand hatte eine Tasche mit einem Zettel abgelegt, auf dem stand: „Im Gebäude befindet sich eine Bombe, weil Sie Flüchtlinge unterstützen“ Und der Philologenverband Sachsen-Anhalt warnt junge Mädchen vor Sex mit bildungsfernen muslimischen Jugendlichen. Ich bin jeden Tag auf’s neue fassungslos bei soviel Dummheit.

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