Es ist November. Es ist NaNoWriMo-Zeit. Eigentlich wollte ich dieses Jahr so gar nicht. Die letzten beiden Jahre waren eher katastrophal. Vor zwei Jahren bin ich nach nur wenigen Kapiteln gescheitert, weil mir plötzlich auffiel, dass die Welt wirklich keine lesbische Golf-Caddie-Spionage-Bodyguard-Romanze in Briefform braucht und ich mich nach dieser Erkenntnis nicht mehr motivieren konnte. Letztes Jahr hatte ich am Vorabend des NaNoWriMo eine umwerfende, revolutionäre Idee für eine Geschichte über Gladiatorenspiele in einer futuristischen Version von Assyrien, habe aber nicht ein einziges Wort in die Tastatur gehauen.

Außerdem fahre ich in ein paar Tagen in Urlaub. Und auf der Arbeit bin ich im Moment gut ausgelastet und kann nicht mal eben zwichendurch ein paar Kapitelchen in den Texteditor hauen, wenn keiner guckt. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich die Zeit zusammenkratzen sollte, jeden Tag 1667 Wörter zu schreiben. Zumal ich seit dem gescheiterten Golf-Roman eigentlich gar nichts mehr geschrieben habe. Einmal noch ein halbherziger Versuch einer Leverage-Fanfiction Geschichte, wenn ich mich recht erinnere. Aber sonst? Ich hatte das Gefühl, ich weiß gar nicht mehr, wie schreiben geht.

Aber ich folge ja auf Twitter etlichen NaNo-Autoren und anderen Schreiberlingen. Und wie das so ist: während die alle im Laufe des Oktobers immer aufgeregter wurden und eifrig über ihre Vorbereitungen, ihre Charaktere und ihre neuesten Schreibgimmicks twitterten, regte sich in mir doch eine gewisse Sehnsucht, wieder mit zu schreiben.

Angemeldet habe ich mich diesmal aber wirklich erst am 1. November. Und auch erst da die Entscheidung getroffen, was ich schreiben wollte. Ein historischer Roman soll es diesmal werden, über Thusnelda, die Frau von Arminius. Römer, Germanen, Varusschlacht, Familienfehde, Love-Story … Der Stoff fasziniert mich schon sehr lange, eigentlich seit ich 1998 oder so das erste Mal in Kalkriese im dortigen Museum gewesen bin.

Da der 1. November ja ein Feiertag ist, starte ich, wie wohl viele NaNoWriMo-Autoren, normalerweise am ersten Tag mit ein paar tausend Wörtern durch. Doch diesmal war es anders. Erstens war ich morgens Golf spielen. Also, ich habe morgens angefangen. So eine Golf-Runde zieht sich ja doch über mehrere Stunden. Mit Käffchen und Schwätzchen hinterher war ich doch erst wieder Spätnachmittags zu Hause. Und dann hatte ich ja diesmal wirklich nichts vorbereitet und habe erst einmal ein paar Stunden damit verbracht, einen Soundtrack zusammen zu stellen, Bilder für meine Protagonisten zu sammeln, ein Mock-Cover zu entwerfen etc.

Böse Zungen würde das wohl als Prokrastrinieren bezeichnen. Und tatsächlich habe ich das eigentliche Schreiben bis in die späten Abendstunden vor mir her geschoben und am ersten Tag so auch nur magere 750 Wörter zusammen bekommen. Es lief überhaupt nicht. Der zweite Tag war auch noch recht zäh. Ich war kurz davor zu glauben, dass ich das Schreiben wohl wirklich in den letzten Jahren irgendwie verlernt habe. Aber am dritten Tag gab es dann doch noch eine verspätete Initialzündung. Nämlich, als Thusnelda und Arminius das erste Mal aufeinandertreffen. Da konnte ich mich plötzlich entspannt zurücklehnen und die Geschichte begann, sich selbst zu schreiben.

Jetzt zeigte sich auch so langsam, dass die Mühe, die ich in Auswahl des Soundtracks und der visuellen Vorbilder für meine Charaktere gesteckt hatte, nicht umsonst war. Diese Kombination aus Hintergrundmusik und im Focuswriter sichtbarem Hintergrundbild schaffen einen virtuellen Raum, in dem die Geschichte sich entwickelt, ohne dass ich da irgendetwas forcieren muss. Das lässt sich schlecht beschreibe. Es ist fast eine Art Magie. Ich setze mich in diesen Raum wie in ein Kino und statt mir irgendetwas aktiv „ausdenken“ zu müssen, schreibe ich einfach nur als passive Beobachterin auf, was vor meinen Augen passiert. Ich kann gar nicht mehr aufhören. Wenn mein Soundtrack nicht nach ca. 1 1/2 Stunden stoppen und mich so aus meiner Trance reißen würde, würde ich wahrscheinlich einfach tippend in meinem Knautschsessel sitzen bleiben, bis ich irgendwann eine vertrocknete, verhungerte Mumie bin.

Wenn ich jetzt zögere, an einem Tag mit dem Schreiben anzufangen, dann liegt das nicht daran, dass ich keine Lust habe. Im Gegenteil. Es ist eher so, dass ich weiß, dass ich, wenn ich einmal angefangen habe, nichts, aber auch gar nichts anderes mehr tun werde an diesem Tag. Das Schreiben, das Eintauchen in diese Welt voller Romantik, Intrigen und Abenteuer, ist wie eine Sucht und ich bin wie ein Alkoholiker, der verzweifelt versucht, den ersten Schluck des Tages so lange wie möglich herauszuzögern. Jedes gelesene Buch, jeder Film, jede Fernsehserie verblasst gegen diesen Prozess des selber Erzählens und Erlebens.

Der Alltag fühlt sich dagegen seltsam gehetzt an. Nur schnell schnell alles erledigt, was getan werden musst. Statt frischem Gemüse gibt es diese Woche nur Fertiggerichte. Der Friseurbesuch, der eigentlich vor dem Urlaub noch dringend nötig wäre, muss leider ausfallen. Koffer packen? Äh, ja, morgen. Hauptsache es bleiben am Ende des Tags zwei, drei Stunden übrig, um sie in den Wäldern Germaniens zu verbringen.

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If you know me (and if you are reading this blog then chances are pretty high that you do), you know that I don’t do sports. Ever since my elementary school years, I learned to hate sports with a passion. Basically that is due to the fact that I suck at sports. Seriously. I am just not good at any of them. Never were. I did well academically in school. If I can use my brain to solve a problem, I usually succeed. If I have to use my biceps or my legs … not so much. In the beginning it was not for lack of trying. When I grew up, a childhood still included playing outside, climbing trees, roller-skating, kicking a football against the garage door … all my friends did it … I did it … they were better than me. Always. I combined the strength of a field mouse with the speed of a garden snail and the stamina of a dead frog. It does get frustrating after a while. It does get even more frustrating when you get grades for it at school. And I wasn’t even fat or anything. Quite the contrary, I was always very thin, which made my complete lack of fitness even more embarrassing. So I comforted myself with the thought that you can’t be good at everything and athletic endeavours just weren’t for me and that was it. My sports teacher predicted I would be sitting in a wheel chair by the age of 25.

Don’t get me wrong. I like to do things. I am always curious to try things out and so again and again I dabbled into past-times that other people might categorize as sports: dancing, martial arts, archery, free climbing. And now that I think of it, the very early beginnings of this blog were as a running blog, when I had decided that everybody could run, even me (it lasted for a few months only, but hey … I didn’t completely suck). That, in combination with living car-free, might have saved me from my teacher’s prediciton and I am in better shape than I could be. Still, during winter months, the little bit of exercise that the occasional golf game and the bike rides to work give me, dwindles away and I spent my waking hours either sitting in my desk chair at work or sitting in my desk chair at home. And that drives even a complete sport sceptic like myself slightly crazy.

So, what does a middle-aged 9to5 jobber in the 21st century do when a sudden urge for excercise overcomes her? Yeah, right, I signed up for a gym membership. If you are rolling on the floor laughing right now, that’s probably because you have known me for some time and you know that me and a gym go together like a horse and an aquarium. I always felt nothing but pity for the poor people who ran or cycled in place for hours like lab rats. And I surely didn’t see myself as the weight lifting type either. But the thought of having somewhere to go after work, where I could get some excercise whenever I felt like it (as if I ever „feel“ like excercising …), no matter the weather, did have have a certain appeal.

I started my journey to more fitness where I start pretty much everything: by researching on the internet. It came as a bit of a shock. It’s a fitness jungle out there: bodybuilding, functional training, cross fitness, personal training, calithenics … millions of sites with pictures of perfect bodies and promises that you could get slim, strong and healthy if you only followed diet x and training plan y. I had no idea that fitness was such a huge business. (Again … I was born in the early 70s and grew up at a time that fitness was called „Trimm dich“ in Germany and happened in the parks and woods, trainers were the cheapest shoes you could buy and any t-shirt that had become too worn for normal use was considered a suitable training outfit).

I also noticed that I am not in the most common target group for fitness programs: I don’t need to lose weight. I am not after a bikini figure either (actually, the number of times I have been to a beach in the last ten years or so is very limited and even then I was never arrested for being too ugly to walk there). I don’t need a sixpack (even though I do admit it would be cool to have one) or a firmer „booty“ (as with the sixpack, I’d happily take it, of course … I have booty aplenty, firmness not so much). What I want is a longer tee-shot (yes, golf again … did you really think you would get away with a full blog entry without golf?) and to overcome my personal feeling of inaptness at all things sport.

Also, if you believe the articles on female fitness, the most common concern that women seem to have is that they could get too muscular. Not a fear of mine. I know myself and my body. I’m a hard gainer. That’s true for bodyfat (thankfully), but also for muscle. It is very difficult to throw my body out of its equilibrium. No matter how much weight I lifted, my body would never get „too muscular“. And aesthetically I would always prefer a strong, athletic body over a skinny one. If this wombat becomes more of a wolverine by working out, that’s fine with me. I don’t need to be a weasel. Actually, I don’t even mind staying a wombat. As long as this wombat can do push-ups and pull-ups and hit the golf ball over 200 yards, that’s fine with me.

Going to the gym for the first time was weird. Actually, it was so weird that I decided right away to never do it again. After the first shock had passed, though, I reconsidered and tried another gym and that proved to be a bit more wombat friendly. It is also pretty cheap, with only 15 € a month. So I took the plunge and signed up for a one year membership.

At the moment I am using mostly weight machines to build up my back and core muscles. It’s what Johnny, the trainer at the gym, recommended and put on my training plan. Of course I would rather do cool, full body excercises like squats or pull-ups, but after a few rather pathetic attempts I had to admit to myself, that those are probably better kept as something to look forward to in the future. So I decided to just follow that training plan for now and see where it leads me. It seems to be doing something, because I could add some weight on all of the machines already.

I am also supposed to do a little bit of cardio after every workout and one pure cardio workout per week, but I must admit, that I normally can’t be bothered and the fact that I walk to the gym and back (which involves a steep hill with stairs) while everyone else just flops into his or her car has to be good enough. Sometimes I manage to time the weight training so that I can do a Zumba course directly afterwards. That is much more fun than just cycling in place. I also love the Yogilatix course (as the name suggests, it’s a mix of Yoga and Pilates excercises).

I am surprised how much I enjoy it, to be honest. I go to the gym three times a week at the moment, and I would go even more often if my body felt like it could handle it. But I don’t want to overdo it and have decided to allow myself to ease into it and give myself enough rest days in between.

As I said, I am not in this to lose weight. And yet I have started to change my diet. I didn’t even plan for this. I just feel a greater need for real, home cooked food now. And I eat so much more meat, it is untrue. Must be all that protein that my body uses to build those new muscles of mine.

Ich glaube, ich habe das schon das eine oder andere Mal erwähnt: ich bin eher so eine Sportgraupe, auch Bewegungs-Legastheniker genannt. Die sportlichen Erfolge meiner Kindheit und Jugend beschränken sich auf eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen in der dritten Klasse (und meine Sportlehrerin konnte sich schon damals nicht erklären, wie das passieren konnte und hat x-Mal nachgerechnet, ob da auch kein Fehler in ihrer Tabelle war), weil ich aus Versehen 2,89 m weit gesprungen war. Ansonsten konnte ich nur in einer Disziplin irgendwelche Trophäen erringen, nämlich im Angeln … äh … Verzeihung … im „Sportfischen“. Da ging es ja eher darum, sich möglichst wenig zu bewegen, was meinem natürlichen Talent sehr entgegen kam.

Jedenfalls gehöre ich nicht zu den Menschen, die sich das erste Mal im Leben Skier unterschnallen und gleich eine schwarze Piste runter brettern oder die das erste Mal einen Baseball-Schläger in die Hand nehmen und den Ball aus dem Stadion pfeffern oder so etwas. Ich habe eine ziemlich realistische Einschätzung meiner sportlichen Fähigkeiten und bezogen auf Golf heißt das, dass ich es immer noch jedes Mal als kleines Wunder empfinde, wenn ich 1.) den Ball tatsächlich treffe und der dann 2.) auch noch grob in die Richtung los fliegt, in die ich ihn schlagen wollte. Das ist beides immer noch nicht selbstverständlich. Und dann stehe ich manchmal auf dem Golfplatz und frage mich, was ich da eigentlich will, und ob ich mich nicht doch lieber mit einer Angel an eines der Wasserhindernisse setzen soll, um einem der riesigen Karpfen nachzustellen, die da immer mal wieder durch die Oberfläche brechen.

Trotzdem muss ich zugeben, dass die diesjährige Golfsaison für mich gar nicht so schlecht gelaufen ist. Nach meiner in diesem Blog ja ausführlich gefeierten EDS-Runde, bei der ich mich von Handicap -54 auf -36 herunterspielen konnte, ist es mir noch zwei weitere Male gelungen, mich in einem Turnier zu unterspielen. Das erste Mal bei der Netto-Clubmeisterschaft, wo ich eine sagenhafte erste Runde gespielt habe … nicht mal unbedingt sagenhaft gut, zumindest nicht ausschließlich, sondern eher sagenhaft durchwachsen, mit 5 gestrichenen Löchern und trotzdem 41 Stablefordpunkten, die ich unter anderen 4 Parlöchern zu verdanken hatte. Ein persönlicher Rekord. Leider konnte ich die Form in der zweiten Runde nicht halten, so dass ich insgesamt „nur“ Zweite geworden bin und tatsächlich eine Silbermedaille gewonnen habe. Ich! Eine Medaille! Ich meine, immerhin waren seit meiner unvergessenen Siegerurkunde 37 Jahre ohne sportliche Erfolge ins Land gegangen. Da darf man sich auch über einen zweiten Platz kräftig freuen. Übrigens ist auf der Rückseite der Medaille, gleich unter dem Aufdruck „Clubmeisterschaft 2016, 2. Platz netto“ klein „China“ eingeprägt. Wohl, um einen an den sprichwörtlichen Sack Reis zu erinnern und auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.

Etwas eingeschüchtert von diesem großartigen Erfolg habe ich dann auch gleich angefangen, ganz schrecklich schlecht Golf zu spielen. Ehrlich, in den nächsten paar Runden, die ich gespielt habe, habe ich überhaupt nichts mehr getroffen … alle Drives sliceten nach rechts, alle Chips flogen unter Dackelsichtlinie quer übers Grün, todsichere Putts schafften es, das Loch zu umrunden und mir wieder vor die Füße zu rollen … es war zum Verzweifeln. Ich bin schon nur noch in der Dämmerung Golfen gegangen, damit mich tunlichst keiner sieht.

Trotzdem habe ich mich für unseren Gründungspokal angemeldet, der am 3. Oktober ausgetragen wurde. Und das erste Mal seit der Clubmeisterschaft wieder halbwegs gescheit gespielt. Nicht sensationell, aber relativ solide, sagen wir mal. Irgendwann hab ich mal wieder den Faden verloren und drei Löcher in Folge gestrichen, aber zwischendurch sorgten auch etliche Bogeys und ein Par wieder für ein paar gewonnene Punkte. Am Ende hatte ich 38 Stablefordpunkte auf der Karte. Das hat mich gefreut, da ich das ansonsten nicht vorgabewirksame Turnier als EDS-Runde angemeldet hatte, mein Handicap also um einen weiteren Punkt auf -32,5 verbessern konnte. Ansonsten rechnete ich mir Außenseiterchancen auf einen dritten Platz aus oder so. Was ich allerdings nicht wusste, war, dass der Gründungspokal zum einen wirklich als Nettopreis ausgespielt wurde (das ist unüblich, Pokale kriegen sonst eigentlich nur die Bruttosieger, also die, die tatsächlich Golf spielen können, Nettosieger kriegen einen warmen Händedruck und einen Gutschein für den ProShop) und es zum anderen gleich zwei davon gibt, nämlich einen für den besten Herren und einen für die beste Dame. Und das war tatsächlich ich. Und so bin ich jetzt für ein Jahr stolze Besitzerin eines Pokals, der ein bisschen aussieht wie der der PGA-Championship. Ich weiß nicht, was der- oder diejenige, der ihn 1975 für den Club gekauft hat, dabei gedacht hat. Wahrscheinlich: wenn schon Pokal, dann richtig. Und dann gab es dazu auch noch einen riesigen Blumenstrauß, weswegen ich jetzt froh bin, dass der Pokal so groß ist und dass ich ihn mitnehmen konnte, denn den Strauß hätte ich in keiner anderen Vase untergekriegt, zu Hause. Jetzt steht das Ensemble aus Pokal und Strauß sehr dekorativ auf dem falschen Jugendstilkamin in meiner Wohnung und sieht prächtig aus.

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Gar nicht schlecht für eine Sportgraupe 🙂

Ich überlege schon seit Tagen, ob ich jetzt was zu dieser unsäglichen Burkaverbotsdebatte schreiben soll. Hielt ich aber dann doch nicht für wichtig genug, irgendwie. Jetzt lese ich heute, dass angeblich in einer Umfrage 81 % der Befragten für ein Verbot von Vollverschleierung sind, und jetzt muss ich dann doch. Einfach weil das ganze so absurd und unlogisch ist.

Also, erstmal zur Begrifflichkeit: es geht nicht um Burkas. Ehrlich. Burkas kommen in Deutschland nicht vor, oder wenn, dann so selten, dass sich dafür weder die Aufregung noch ein Gesetz lohnt. Die Burka ist ein für westliche Augen wirklich sehr fremd und unwirklich anmutendes Kleidungsstück, das noch dazu durch das Burkagebot im Afghanistan der Talibanzeit politisch vorbelastet ist. Aber ich habe wirklich hier in Deutschland (und auch in anderen europäischen Ländern) bisher noch keine Burka in freier Wildbahn gesehen. Immer nur auf Fotos, und die waren dann in der Regel in Afghanistan aufgenommen. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Burka repräsentiert, warum Flüchtlinge Afghanistan verlassen. Darum haben sie auch kein Interesse daran, die mitzunehmen.

Es geht also nicht um Burkas, sondern meistens um Niqabs, den meist schwarzen Vollschleier, der über einem ebenfalls schwarzen Ganzkörpergewand getragen wird, z.B. in Saudi Arabien. Flüchtlinge aus Saudi Arabien haben wir jetzt auch nicht so wahnwitzig viele, glaub ich. Dafür etliche Touristen oder Geschäftsreisende. (Über die freundschaftlichen Beziehungen mit Saudi Arabien kann man denken, wie man will … Fakt ist, die sind hier zu Besuch und haben in der Regel nicht vor, sich hier niederzulassen). Einigen geht es wohl auch ganz generell um jede Form von Kopftuch, völlig vergessend, dass der Gedanke, dass eine Frau ihr Haupt bedeckt, bei uns auch nicht so fremd ist. Eine Frau die heiratete, kam bei uns „unter die Haube“, was sich in vielen Volkstrachten und auch noch im Habit vieler christlcher Nonnen findet … das ist gar keine rein islamische Erfindung, und auch wenn ich froh bin, dass die Zeiten sich hier geänder haben, finde ich es erstaunlich, dass immer so getan wird, als sei gerade das Kopftuch so ein trennendes Element zwischen unseren Kulturen. Ist es, so rein historisch, nämlich gar nicht.

Häufig wird das Argument genannt, dass der Vollschleier ein Ausdruck der Unterdrückung der Frau in der muslimischen Welt sei. Das mag stimmen oder auch nicht. Aber selbst wenn das so ist: mit Verboten gegen Unterdrückung vorzugehen ist ungefähr so sinnvoll wie kämpfen für den Frieden oder poppen für die Jungfräulichkeit. Gehen wir mal davon aus, eine muslimische Frau in Deutschland trägt den Schleier wirklich nur, weil ihr Mann/Vater/Bruder darauf besteht. Was passiert jetzt, wenn das Tragen des Schleiers verboten sird? Richtig, sie kommt gar nicht mehr aus dem Haus, oder wenn, dann nur noch in Begleitung eines 18 jährigen Cousins ihres Mannes, der ein arroganter Kotzbrocken ist (um mal ganz polemisch ein paar Klischés zu bedienen). Gewonnen hat die Frau durch das Verbot also gar nichts. Im Gegenteil, ihre Freiheit und ihre Möglichkeit zur Integration ist noch stärker beschnitten als vorher, weil sie keinen Zugang zu Bildung, Kultur und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mehr hat.

Der Weg zu Integration führt nicht über Zwänge und Verbote, sondern darüber, dass man das Fremde erst einmal zu sich einläd und ihm mit Respekt begegnet. Und wenn eine muslimisch Frau dann ihren Schleier irgendwann ablegen möchte, dann soll sie dafür auch gerne alle Unterstützung bekommen, die sie vielleicht braucht, um gegen den Willen ihrer Familie oder ihres Mannes zu agieren. Aber der Auslöser dafür muss doch bitte eine freiwillige Entscheidung der Frau sein, und kein Verbot. Eine Gesellschaft, die sagt: du darfst in der Öffentlichkeit kein Kopftuch/Hijab/Niqab/Burka was auch immer anziehen, finde ich genauso unerträglich, wie eine, die sagt, dass ich genau das tun muss.

So rein psychologisch ist ein solches Verbot auch schwachsinnig. Je mehr man das Anderssein betont, je mehr man Unterschiede macht zwischen „wir“ und „ihr“ und zwischen „richtig“ und „falsch“, desto mehr fördert man das Festhalten an einer religiösen/nationalen oder kulturellen Identität und die Bildung von Parallelgesellschaften. Nur in eine Gesellchaft, in der man das Gefühl hat, ehrlich willkommen zu sein, wie man ist, will man sich überhaupt integrieren. Ablehnung und Verbote können nur zu mehr Radikalisierung beitragen.

Lasst uns doch einfach ein bisschen neugierig sein auf die vielen verschiedenen Menschen, die da aus allen möglichen Ländern zu uns kommen. Ganz ehrlich, wenn ich durch die Stadt gehe, ich freue mich an dem lebhaften bunten Getümmel, an den vielen Sprachen und unterschiedlchen Kleidungsstilen, die ich da zu sehen bekomme.

Ich muss euch was gestehen. Es ist mir ein bisschen peinlich, ehrlich gesagt. Seit einem knappen Monat bin ich nicht mehr autobefreit. Nach mehr als zehn Jahren habe ich mir jetzt doch wieder einen PKW angeschafft, genaugenommen einen Hyundai i10, ein Großer unter den ganz Kleinen, sozusagen. Wie ist es dazu gekommen? Hm, tja … ich glaube, es lag in erster Linie an meinem Urlaub. vom 16. – 26. Juni war ich wieder in Lytham St. Anne’s in England. Und damit ich da ein bisschen flexibler bin, hatte ich mir einen Mietwagen genommen. Einen Smart ForFour. Und der ließ sich so gut fahren und ich hatte so viel Spaß damit, dass ich irgendwie total angefixt aus dem Urlaub zurück gekommen bin. Ist schon was dran an der Sache, dass Autofahren eine Sucht ist. Wobei ich ja auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder gefahren bin, mit den Firmenwagen in Esens und an der Mühle zum Beispiel, oder auch mit dem Auto meiner Mutter. Aber so jederzeit, wenn man möchte, einfach ein Auto zur Verfügung zu haben und die Möglichkeit zu haben, doch noch einmal kurz, ohne große Vorplanung und ohne „mein letzter Bus zurück geht um 21 Uhr“ Druck irgendwohin fahren zu können, das hat schon was.

Tja, und wenn so ein Gedanke dann einmal da ist, dann lässt er einen auch nicht mehr los. Zumal in meiner jetzigen Umgebung, sowohl in der Familie als auch im Kollegen- und Bekanntenkreis, eh keiner so richtig verstanden hat, warum ich kein Auto haben wollte. Wobei ich selber natürlich zugeben muss, dass ich das Auto nur aus einem einzigen Grund wirklich gakauft habe. Weil ich jetzt nach der Arbeit noch mal eben zum Golfplatz fahren kann, bevor es dunkel wird.

Das führt jetzt übrigens dazu, dass meine Kollegen mich für noch bekloppter halten als vorher, fürchte ich. Jetzt komme ich nämlich weiterhin mit dem Fahrrad zur Arbeit wenn das Wetter schlecht ist, komme aber häufiger mit dem Auto, wenn die Sonne scheint (weil ich dann ja gleich nach Feierabend zum Schmitzhof weiterdüse … da erst mit dem Fahrrad wieder in die Stadt fahren und zu Hause das Auto holen, würde zu lange dauern). CoT09xmWcAAXrul.jpg large

Also, ich schäme mich wegen der verratenen Ideale, freue mich aber trotzdem jedesmal wie ein Kind, wenn ich in mein neues Auto steige. Das ist nämlich wirklich sehr hübsch und macht großen Spaß zu fahren. Ich habe feste Vorsätze, auch weiter so viel wie möglich das Fahrrad und Öffis zu benutzen, wenn es machbar ist.

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Ein bisschen über ein Jahr ist es nun her, dass ich in diesem Blog von meinem ersten Par berichtet habe. Und so ist es nur konsequent, dass ich euch jetzt auch an meinem ersten Birdie teilhaben lasse. (Anmerkung für Nicht-Golfer: ein Birdie ist, wenn man einen Schlag weniger braucht, als eigentlich für das Loch vorgesehen. Gelingt sehr guten Golfern, die man so bei den Golfevents im Fernsehen sieht, z.B. jetzt am vergangenen Wochenende bei Olympia, relativ häufig, idealerweise mehrmals pro Runde. Graupen wie mir dagegen eher selten).

Wie auch beim Par, hatte ich schon ein paar „unechte“ Birdies gespielt, nämlich auf dem MiniLinks Platz in St. Anne’s. „Unecht“ deshalb, weil die Bahnen da wirklich sehr sehr kurz sind und es da halt schon mal eher passiert, dass man mit dem ersten Schlag zufällig in der Nähe der Fahne landet. Aber auf dem großen Platz ist mir das Kunststück bisher noch nicht gelungen. Einmal, vor ein paar Wochen, war ich auf der 11, unserem kürzesten Par3 Loch, ziemlich nah dran, habe aber dann den 2 Meter Putt doch noch am Loch vorbei geschoben. Putts werden ja, unabhängig von ihrer tatsächlichen Länge, überproportional schwierig, sobald irgendetwas von ihnen abhängt. Und das erste echte Birdie spielen, auch wenn es albern klingt, das ist im Kopf dann schon eine große Nummer und schwupps wissen die Hände nicht mehr, was sie zu tun haben, vom restlichen Körper mal ganz abgesehen.

Am besten spielt man sein erstes Birdie also, wenn man gerade gar nicht damit rechnet. Und so habe ich das dann gestern auch gehandhabt. An unserem längsten Par3 bin ich regelmäßig mit dem Dilemma konfrontiert, ob ich da jetzt mal einfach mit dem Driver drauf dresche (wenn ich den gut treffe, kann ich knapp bis zum Grünanfang kommen), oder lieber doch versuche, mit einem Holz oder einem längeren Eisen auf eine Position vorzulegen, von der ich das Grün mit dem zweiten Schlag dann hoffentlich gut erreiche. Meistens entscheide ich mich für die Brachialmethode, auch deswegen, weil ein kürzerer Schläger bei mir nicht unbedingt mehr Kontrolle bedeutet. Ob ich jetzt den Driver oder mein Eisen 6 in die Büsche kloppe, ist dann auch egal.

So auch gestern: mein Driver, der auf den ersten Löchern eigentlich ganz brav seinen Dienst versehen hat, beschließt, dass es mal wieder Zeit ist, einen Ball so richtig mit Schmackes in die Bäume zu slicen. Hoch … weit … vor allem rechts. Meine Mitspieler machten das ganz ähnlich, übrigens, meine Mutter leistete mir rechts Gesellschaft, meine Tante und ihr Enkel (also mein … äh … was isser denn dann? 1st cousin once removed auf Englisch … also der Sohn von meinem Cousin jedenfalls) hauten ihre Bälle lieber nach links. Ich weiß auch nicht, warum im Golf selten geradeaus geschlagen wird. Jedenfalls lagen wir alle ziemlich subobtimal in der Pampa.

Laut meiner Garmin Golfuhr, die mir immer brav die Entfernung zum Grün zeigt, war ich noch 67 m vom Grünanfang entfernt. Die Fahne stand so 3 Meter dahinter. 70 m, da schlage ich normalerweise ein volles Eisen 8 (ja, Kurzwurst, ich). Ging aber in diesem Falle nicht, weil mein Ball ja unter Bäumen lag und der Weg nach oben durch Geäst und Blätterdach versperrt war. Die Lücke vor mir erlaubte nur einen ganz flachen Schlag, mehr so einen sehr langen Chip. Diesen Schlag beherrsche ich eigentlich ganz gut … das liegt daran, dass ich ihn ständig brauche, weil die Lage unter irgendwelchen Bäumen mir sehr vertraut ist. Wahrscheinlich ist das so ein Restinstinkt aus den Zeiten, als unsere Vorfahren noch als pflanzenfressende Kleinstsäuger über den Planeten hoppelten und Gefahr durch Flugsaurier drohte. Jedenfalls zieht es mich immer weg vom offenen Fairway unter die schützende Randbegrünung. Großartige Taktik gegen Flugsaurier, zumindest hat mich noch nie einer angegriffen … nicht so gut fürs Golf.

Aber zurück zu meinem Chip. Ich entschied mich für ein Eisen 5, weil der Ball dann schön flach bleibt und am Ende noch weit ausrollt. 70 m für einen Chip sind ja kein Pappenstiel … wie gesagt, eigentlich ist das für mich mehr die Entfernung für einen vollen Schlag. Aber ich habe den Ball saugut getroffen und der ging eigentlich vom ersten Moment an nirgendwo anders hin als genau aufs Loch zu … und rollte … und rollte … und rollte etwas langsamer, weil es zum Grün ein bisschen rauf ging … und rollte immer noch und plop. Wahrscheinlich sind alle tranigen Sonntagsgolfer mal kurz so richtig wach geworden, bei dem Jubelschrei, den ich ausgestoßen habe. Fistbump und Siegespose hab ich auch … also, man wird ja noch kurz feiern dürfen.

So, abgehakt also, die Sache mit dem ersten Birdie. Unter vollkommener Vermeidung von Putts, die man dann eventuell nervös vorbei schieben kann. Hoffen wir also, dass ich demnächst auch mal ein Birdie spielen kann wie normaler Menschen das machen, erst das Grün treffen und dann einlochen. Aber ich nehm die im Notfall auch weiter so.

Ich habe ja länger nicht mehr über mein Golf geschrieben. Das liegt jetzt aber nicht daran, dass ich nicht gespielt habe, oder das Interesse verloren hätte, sondern eher daran, dass ich keine Sensationen zu vermelden hatte. (Also, genau genomen ist auf meinem Spielniveau eigentlich jeder gut getroffene Ball eine kleine Sensation, aber ich verstehe, dass niemand lesen will, wie das Holz 3 auf der 1 ein bisschen nach rechts zog, ich den Fehler dann haber mit einem perfekt getroffenen Hybrid im nächsten Schlag wieder ausgemerzt habe und pin-high auf dem Vorgrün landete, um von dort mit meinem ersten Putt … ihr versteht …)

Eigentlich hat mein Golf sich aber ganz schön weiter entwickelt. Selbst bei miesesten Winterbedingungen habe ich noch ganz passabel gespielt und spätestens seit meinem einwöchigen Golftrip nach Spanien mit der amp-Golfschule war ich eigentlich ziemlich zufrieden mit meinem Spiel und brannte darauf, endlich in einer vorgabewirksamen Runde mein Handicap zu verbessern. So langsam wurde die -54 nämlich peinlich, zumal ich ja selbst die nie in einem Turnier erspielt hatte, sondern sie automatisch mit der Platzreife verliehen bekommen habe (seit Januar diesen Jahres ist das anders, übrigens, die Neulinge, die jetzt anfangen, starten nach der Platzreifeprüfung erstmal ohne offizielles Handicap und müssen sich selbst die -54 erstmal erkämpfen). Ich hab ja vor etwa zwei Jahren mit dem Golfspielen angefangen und so langsam kommt man da an einem Punkt, an dem man als Entschuldigung nicht mehr sagen kann: ich bin Anfängerin, sondern einfach zugeben muss: ich bin eine miserable Golferin. Man erntet auch echt immer so mitleidige Blicke, wenn man mit einer -54 antritt und alle glauben, sie müssten einem erklären, welche Seite der Scorekarte oben ist, weil es ja bestimmt das allererste Turnier ist. Wenn man dann sagt: „Nee nee, ich habe schon ein paar Turniere mitgespielt und mich einfach nicht verbessert“, dann werden die Blicke noch mitleidiger und es folgt unweigerlich der Satz: „Vielleicht solltest du mal ein paar Trainerstunden nehmen“ (Sorry, folks, aber das ist ungefähr so taktvoll, wie eine mollige Frau zu fragen, im wie vielten Monat sie denn ist.)

Okay, ich saß also trotz Trainerstunden bei Peter Finch, amp-Golfkurs und konstanter Verbesserung in unseren wöchentlichen Privatrunden immer noch auf -54, hauptsächlich aus dem einfachen Grund, dass den Winter über keine vorgabewirksamen Turniere gespielt werden. Dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, mich im Laufe dieses Jahres auf -36 zu verbessern. An Pfingsten bot sich dann die Chance, wenigstens mal eine EDS-Runde anzumelden, weil meine Tante als Zählerin mitging. Und irgendwie waren mir die Golfgötter an diesem Tage hold. Ob es nun an meinen neuen Schlägern lag (ich habe einen neuen Driver und zwei neue Hölzer im Bag, alles Cobra … ich entwickele mich zu einem Cobra-Fan), an den Erdnüssen (seit Neuestem esses ich an jedem Loch Erdnüsse, um mein Energieniveau über die Runde zu halten) oder ob die registrierte Runde förderlich für meine Konzentration war … jedenfalls klappte (fast) alles. Ich habe selber ganz bewusst meinen Score nicht mitgezählt, weil ich nicht wollte, dass mich das ablenkt und ich in so „wenn ich jetzt hier noch eine 5 spiele und am nächsten Loch eine 6, dann …“-Szenarien verfalle. Dass ich gut gespielt hatte, war mir aber schon klar. Dass es meine bisher beste Runde war, eigentlich auch. Dass ich mich aber um exakt 18 Schläge unterspielt hatte und damit in einem Schlag auf meinem Zielhandicap von -36 gelandet war, das habe ich dann erst im Sekretariat so richtig begriffen. Jahresziel erreicht. Done and dusted, wie der Anglophile sagt. Wie cool ist das denn?

Jetzt werden EDS-Runden, die es auch noch gar nicht so lange gibt, von einigen Golfern immer noch eher als Mogel-Runden angesehen. Und selbst ich muss zugeben, dass es wahrscheinlich leichter ist, einfach entspannt gutes Golf zu spielen, wenn man mit Freunden oder Familie stressfrei am Samstag Nachmittag über den Platz schlendert, als wenn man im Turnier unter den wachsamen Augen von völlig Fremden spielt. Außerdem hatte ich so ein bisschend die Befürchtung, dass es sich bei der Runde um einen erfreulichen aber nicht notwendigerweise reproduzierbaren Ausrutscher gehandelt haben könnte und dass es jetzt Monate dauern könnte, bis ich eine ansatzweise ähnlich gute Runde spielen würde. 18 Schläge weniger benötigen zu dürfen, um auf die gleiche Punktzahl zu kommen, das ist schon eine Ansage.

Entsprechend erwartungsfrei bin ich dann meine nächste echte Turnierrunde am vergangenen Wochenende angegangen. Samstag war ich noch auf dem Platz, um ein bisschen zu üben (Slice-Bekämpfung mit dem Driver) und ein paar Löcher im milden Spätnachmittagslicht zu spielen. Das hat gut funktioniert und zumindest mein Selbstbewusstsein nicht beschädigt. Sonntag war es dann soweit: Monatspreis. Ich hatte einen sehr netten Flight und war eigentlich so gut wie gar nicht nervös. Ich hatte einen super Start, Bogey auf der 1 (was mir erst am Abend davor auf der Proberunde das erste Mal überhaupt gelungen war), Par auf der 2. Danach wurde es dann etwas durchwachsener, die 3 habe ich gestrichen, weil ich nicht aus dem Bunker gekommen bin, z.B. Aber ich habe mich immer wieder berappelt und streckenweise wirklich solides Golf gespielt. Am Ende habe ich mein neues Handicap genau bestätigt, also 36 Nettopunkte erspielt und bin in meiner Kategorie (Handicap 19,5 und schlechter, glaub ich) Zweite geworden. Darüber habe ich mich natürlich wahnsinnig gefreut. Zum einen, weil mir jetzt niemand nachsagen kann, ich hätte mir das Handicap durch die EDS-Runde irgendwie „ermogelt“ und zum anderen, weil ich mir selber bewiesen habe, dass ich die -36 wirklich reproduzierbar spielen kann und es sich nicht einfach nur um einen Freak-Accident gehandelt hat.

Mir ist klar, dass ich auch mit -36 golftechnisch immer noch eine ziemliche Null bin. Aber zumindest habe ich die Kategorie „völlig hoffnungsloser Fall“ damit hinter mir gelassen. Und das tut gut.

Im Juni fahre ich wieder für 10 Tage nach England zu Peter Finch für ein paar mehr Golfstunden. Und vielleicht schaffe ich ja mein zweites Ziel für dieses Golfjahr, nämlich eine Runde mit unter 100 Schlägen zu spielen, auch noch.

Als ich gerade so durch einige lange nicht geöffnete Verzeichnisse auf meiner Festplatte brauste … öh … browsde … oder wie immer das Neudeutsch heißt, stieß ich auf folgendes, bisher völlig unveröffentlichtes Gedicht. Genau genommen war mir total entfallen, dass ich das irgendwann mal geschrieben habe. Und da es mich, quasi gefühlt zum ersten Mal gelesen, zum Schmunzeln gebracht hat, will ich es euch nicht vorenthalten:

Mein Iglu hat ein Loch

Ein Fischer namens Pit,
der lebte bei den Innuit.
Er hatte selten Sorgen
bis zu jenem Morgen,
da wacht er auf und sagt „Oh Schreck,
mein Boot das hat ein Leck!“

Das Boot bleibt vorerst fest vertäut,
den Pit, den stört’s, die Fische freut’s,
und Pit ging, statt zu fischen,
erstmal einen zischen.
Da merkt er dann „So’n Dreck,
mein letztes Geld ist weg.“

Drum kam ihm in den Sinn:
„Ich leg mich wieder hin!“
Als er sich in die Falle haut
und gleich darauf zur Decke schaut,
sieht er zu allem Übel noch:
„Mein Iglu hat ein Loch“

 

Wenn mich ein Mann nach meinem Job fragt, dann läuft das in der Regel so:
„Was machst du denn beruflich?“
„Ich bin Softwareentwicklerin.“
„Oh … „ Kurzes Schweigen, dann, mit verständnisvollem Unterton: „Webdesign? HTML und so?“
„Nein, Messtechnik. C++“
„Oh …“ Diesmal dauert das Schweigen länger und der Herr sieht sich eilig nach einer neuen Gesprächspartnerin um. Weltbilderschüttern für Anfänger.

Heute las ich im online Magazin der Süddeutschen Zeitung diesen interessanten Artikel über die sechs Frauen, die ENIAC, den ersten universell einsetzbaren Computer programmiert haben. Auch schon gut 100 Jahre früher, als Charles Babbage eine mechanische Rechenmaschine entwarf, war es eine Frau, nämlich Ada Lovelace, die die ersten Algorithmen dafür zu Papier brachte. (Ada war übrigens die einzige legitime Tochter von Lord Byron … ja, richtig, dem „mad, bad and dangerous to know“ Byron, aber das nur am Rande.) Auch der erste Compiler wurde von einer Frau geschrieben, nämlich von Grace Hopper.

Frauen haben in der Softwareentwicklung also wirklich grundlegende Pionierarbeit geleistet. Es scheint, als seien Computer ursprünglich von Männern gebaut, aber von Frauen programmiert worden.  Wann und warum hat sich das geändert, warum werde ich heute angestarrt wie das Tier mit den zwei Köpfen und warum traut man Frauen in der Regel offenbar nur das Erstellen von hübschen Webseiten zu (wobei ich das als Leistung jetzt keinesfalls schmälern möchte, das ist eine Kunst für sich)?

Das ist keine Klage. Ich konnte schon immer ganz gut damit leben, Frau in einer Männerwelt zu sein. Ist ja irgendwie auch ein Alleinstellungsmerkmal und kann durchaus Vorteile haben. Es gibt Arbeitgeber, die ganz wild auf weibliche Angestellte in technischen Berufen sind. Und meine männlichen Kollegen kann ich in der Regel zügig überzeugen, dass ich schon weiß, was ich da tue. Ich frage mich nur, wann die allgemeine Wahrnehmung sich von „Programmieren ist Frauensache“ zu „Oh, eine Frau die mit Computern umgehen kann … das ist ja komisch“ geändert hat und was wohl der Grund dafür ist.

Männer mit gestreiften Schals sind mehrfach dabei beobachtet worden, wie sie im Fußballstadion Drohungen gegen den Schiedsrichter ausgestoßen haben. Wir lassen deswegen jetzt keine Männer mit gestreiften Schals mehr ins Stadion. Zwei blonde Frauen sind gestern im Kaufhof beim Diebstahl einer Damenstrumpfhose erwischt worden. Die Kaufhauskette hat daraufhin beschlossen, künftig keine blonden Frauen mehr in ihre Warenhäuser zu lassen. Trotz deutlicher Beschilderung lassen immer wieder Raucher auf den Bahnsteigen ihre Kippen außerhalb des Raucherbereichs fallen. Die Bahn hat darum beschlossen, dass Raucher in Zukunft pauschal nicht mehr befördert werden …

Blödsinn? Scheinbar nicht.

Echt, ich glaube es hackt. Natürlich ist es auf keinen Fall in Ordnung, wenn eine Frau im Schwimmbad belästigt wird. Wenn jemand sich im Schwimmbad jemand entsprechend daneben benimmt, dann kann man ein Hausverbot aussprechen. Gegen diese eine Person. Da die Flüchtlinge sich ja laut Artikel an der Kasse ausweisen müssen, um ihre Ermäßigung zu kriegen, lässt sich das ja wohl überprüfen. Und den einen Bengel lässt man dann halt nicht mehr rein. Aber man kann doch kein Generalverbot verhängen. Wo sind wir denn hier? Das ist jetzt von den „Für Juden verboten“ Schildern des dritten Reichs aber wirklich nur noch einen ganz kurzen Steinwurf entfernt.

Nachtrag vom 18.1.:

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/bornheim-hebt-schwimmbad-verbot-fuer-fluechtlinge-wieder-auf-aid-1.5699699

Na bitte, geht doch.

 

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