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Ich wohne ja seit einigen Jahren wieder in genau der Stadt und sogar genau dem Stadtteil, in dem ich meine Kindheit verbracht habe. Ein Teil meines früheren Schulweges ist jetzt Teil meines (Fahrrad-)Arbeitsweges. Und erschreckenderweise sieht der noch genauso aus, wie vor 40 Jahren. Mit einem Unterschied. Der katastrophale viel zu schmale, von Baumwurzeln durchzogene, vom Bürgersteig mit so einem Fahrradkiller-Minibordstein abgetrennte Fahrradweg wurde gottseidank aufgegeben. Da parken jetzt Autos drauf. Also, halb auf dem ehemaligen Radweg und halb auf dem Bürgersteig, natürlich, weil ja der Radweg viel zu schmal war.

Auch heute noch ist die Straße Teil des Schulweges für viele Kinder, weil sie direkt auf ein Schulzentrum aus Hauptschule und Gesamtschule und eine danebenliegende Grundschule zuläuft. Außerdem fahren da viele Busse lang. Auf der einen Seite der Straße liegt der örtliche Friedhof, auf der anderen ein Seniorenheim, daneben die Pfarrkirche. Alles Einrichtungen, die für viel Fußgänger-Verkehr sorgen. Die Fußgänger können allerdings auf einen hübschen kleinen Park ausweichen, müssen also nicht unbedingt an der Straße entlang.

Was hat die Stadt also gemacht, als der alte Fahrradweg wirklich nicht mehr verantwortbar war? Richtig. Einen Fahrrad“schutz“streifen auf die Straße gemalt. Also so eine gestrichelte Linie. Ich habe jetzt nicht nachgemessen, aber ich denke nicht, dass der (vom Bordstein und den aufschenkenden Autotüren aus gemessen) breiter als 1 m ist. Außerdem ist auf dem Teilstück vor dem Altenheim eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h eingeführt worden und es gibt einen Zebrastreifen vom Altenheim zum Friedhof. Aber baulich hat sich da nichts geändert. Ein paar Striche auf der Straße und ein Schild. Bordsteine und Bürgersteige sind genauso geblieben, wie sie waren. Dabei hätte die Straße durch den angrenzenden Park so viel Potential. Ich verstehe ja, dass man wegen der Busse da keine Blumenkäste auf die Straße stellen will oder so. Aber ein Berliner Kissen am Zebrastreifen und zumindest eine optische Verengung wären da schon nett. Das 30 Schild wird nämlich gerne übersehen.

Aber ich wollte ja über den Fahrrad“schutz“streifen reden. Der ist nämlich für Mönchengladbach sehr typisch. Und ich finde, den sollte man sich besser sparen und stattdessen Halteverbotsschilder aufstellen. Oder, natürlich noch besser, einen richtigen Radweg bauen. Verkehrsrechtlich ist die einzige Auswirkung, die der Streifen hat, nämlich, dass Autos auf ihm nicht anhalten dürfen. Das wissen viele Autofahrer aber gar nicht, bzw. falls sie es wissen, ignorieren die es kurzerhand. Halteverbotsschild haben die alle noch in der Fahrschule gelernt. Fahrradstreifen ist neumodisches Zeug, das sagt den meisten wenig.

Interpretiert wird der Streifen dagegen dann von vielen Autofahrern als „so viel (bzw. so wenig) Platz muss ich dem Radfahrer beim Überholen lassen“. Die fahren stumpf mit dem rechten Reifen an oder gar auf der gestrichelten Linie an Fahrradfahrern vorbei. So nach dem Motto: das ist deine Fahrbahn, dies ist meine Fahrbahn. Also, nicht alle. Es gibt gottseidank auch Autofahrer, die trotzdem normal und mit dem gebotenen Sicherheitsabstand überholen. Es kommt sogar vor, dass Autos tatsächlich mit dem Überholen warten, bis Platz ist. Aber ich habe das Gefühl, dass ich nirgendwo so eng überholt werde, wie auf dem Fahrrad“schutz“streifen. Weil der eben rein optisch das völlig falsche Signal setzt. Statt mich als Radfahrer als Verkehrsteilnehmer ernst zu nehmen und gleichberechtigt zu machen, gesteht er mir zähneknirschend einen viel zu schmalen Teil der Fahrbahn zu, Gnade mir Gott, wenn ich es wage, den eingezeichneten Käfig zu verlassen.

Der einzig positive Effekt, den ich dem Streifen abgewinnen kann, ist, dass er ein ständiger sichtbarer Reminder ist, dass Fahrräder auf unseren Straßen tatsächlich vorkommen können. An Kreuzungen ist dieser spezielle Streifen dann sogar rot hervorgehoben und gibt damit rechtsabbiegenden Autofahrern nochmal ein Signal, dass da ja was war, mit Schulterblick und so. Das finde ich ganz gut.

Insgesamt verschlechtern Fahrrad“schutz“streifen die Situation für Radfahrer jedoch eher, als sie sie verbessern. Aber in der städtischen Statistik machen sie sich natürlich hervorragend. Die Stadt kann mit recht geringem Aufwand gestrichelte Linien auf die Straße malen und dann stolz behaupten: wir haben dieses Jahr x Kilometer neue Radverkehrsanlagen gebaut.

Oh, und als besonderes Bonbon, hier noch kurz die Zufahrt zu diesem Highlight mönchengladbacher Fahrrad-Infrastruktur aus Richtung des Peter Schuhmacher Platzes. Ca. 10 m benutzungspflichtiger „Radweg“. Ja, genau. Man muss da eigentlich rauf, links um den Baum herum … damit der Baum nicht verdurstet wurde hier ein Stück Asphalt entfernt … nur, um dann unmittelbar danach wieder in den fließenden Verkehr einfädeln zu müssen. Unmittelbar vor der Bushaltestelle. Denn da endet der Radweg auch schon wieder (natürlich ohne, dass Autofahrer da irgendwie drüber informiert werden, dass ihnen da jetzt rudelweise radelnde Schulkinder vor die Reifen gekippt werden sollen, lediglich vor überhängenden Bäumen wird gewarnt). Bis vor ein paar Tagen war da zusätzlich noch eine Baustelle, die alles noch enger machte. Aber auch ohne Baustelle ist das mal so richtig Murks.

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