Okay, diejenigen unter euch, die gerne Skifahren, die werden das wahrscheinlich anders sehen, aber für mich bräuchten diese ganzen niedrigen Temperaturen, die Dunkelheit, die Tristesse, Glatteis und Niederschlag in gefrorener oder unverfrorener Form eigentlich gar nicht stattzufinden. Sogar auf Weihnachten und Silvester könnte ich ganz gut verzichten, ehrlich gesagt, obwohl mir um diese Jahreszeit immer wieder klar wird, warum die Wintersonnenwende in fast allen Kulturen so eine große Sache ist. Im Prinzip habe ich jetzt schon die Schnauze voll vom Winter, obwohl er, sowohl datumstechnisch wie auch metereologisch ja noch gar nicht so richtig angefangen hat. Vor allem das fehlende Tageslicht macht mich fertig. Ich habe mich jetzt wieder mit Johanniskrautkapseln eingedeckt. Soll ja angeblich helfen. Heller wird es davon draußen aber auch nicht.

Wichtigster Lichtblick der Woche ist eigentlich nur meine samstägliche Golfrunde, die bisher gottseidank immer noch stattfinden konnte. Genaugenommen hatte ich dabei sogar meistens ausgesprochenes Glück mit dem Wetter und zumindest für das kommende Wochenende sieht es auch wieder ganz okay aus auf der Wetterkarte. Sportliche Höchstleistungen und Längenrekorde sind zur Zeit bei Mattenabschlägen und völlig aufgeweichten Grüns und Fairways zwar nicht zu erwarten, aber dank neuer Schläger und eines inzwischen nach Umstellungsschwierigkeiten wieder halbwegs stabilen Schwungs habe ich in den letzten Wochen recht konstant gespielt.

Die beste Anschaffung der letzten Wochen waren aber nicht die Schläger (ein gebrauchter MacGregor V-Foil M455 Eisensatz von ebay, falls das jemanden interessiert … sehen aus wie etwas, was Hagrid in sein Golfbag stecken würde, fassen sich auch so an, helfen aber ungemein dabei, den Ball hoch und weit zu schlagen), sondern diese Puttingmatte. Ich übe jetzt ganz konsequent jeden Tag 120 Putts (je 30 für die vier verschiedenen Grüngeschwindigkeiten, die die Matte ermöglicht) und führe Statistik darüber, wie viele davon ich loche. Golf ist eine absolut tolle Sportart für Statistiken.

Und weil mir das Üben zu Hause so gut gefällt, hat der Gedanke an den eigenen Golfsimulator mich dann doch nicht losgelassen. Und gestern habe ich dann mal kreativ Möbel gerückt und die Harfe in die Küche gerettet und festgestellt: doch, das geht. Ich kann, zumindest mit einem langen Eisen, einen vollen Schwung machen, ohne irgendwelche Einrichtungsgegenstände zu zerdeppern. Allerdings muss ich dabei wirklich sorgfältig darauf achten, an genau der richtigen Stelle zu stehen und meine Schwungebene sozusagen parallel zur Dachschräge ausrichten.

Ein echter Golfsimulator wird es natürlich trotzdem nicht. Viel zu teuer und dafür müsste ich auch ein Fangnetz oder so für Bälle aufbauen. Aber es gibt dieses Launchpad mit fest verbundenem Ball. Das bietet neben der eigenen Trainingssoftware, die einem angeblich Daten zu Schlägerkopfgeschwindigkeit und -winkel liefert, auch die Möglichkeit, es mit einer älteren Version der EA PGA Tour Spiele zu verbinden. Wie gut, dass ich mir vor einiger Zeit ein Windows-Laptop gegönnt habe. Dann ist das wenigstens für etwas nütze. Also, das Launchpad habe ich gestern spontan bestellt. Kostet als B-Ware nur 100 €. Schenke ich mir selbst zu Nikolaus oder so. Einen Trainingseffekt erhoffe ich mir weniger, dazu ist das Ding wahrscheinlich zu ungenau. Mehr ein bisschen Ersatzbefriedigung in den eigenen vier Wänden, wenn es draußen zu dunkel und ungemütlich ist zum Golfspielen. Ich werde dann berichten, wie das so läuft.

Apropos berichten wie das so läuft. Ich wurde von Golfpost.de als Produkttesterin ausgewählt. Ich darf die Aero Spark Tees testen. Ein Grund mehr zu hoffen, dass das Wetter am Wochenende golftauglich wird. Aussehen tun die Dinger jedenfalls ganz nett.

Seit, im wahrsten Sinne des Wortes, Menschengedenken haben Menschen (genau wie alle anderen mobilen Bewohner dieses Planeten, übrigens, der uns allen gemeinsam gehört), sich immer dann, wenn die Nahrungssituation knapp wurde, Naturkatastrophen oder Kriege drohten oder es hinter dem Horizont einfach verlockend besser aussah, aufgemacht, um anderswo ein besseres Leben zu finden. Einzeln oder in Familienverbänden, mit oder ohne Gut und Habe. Aus dem Wald in die Savanne, dann immer den Mammuts hinterher nach Norden und im Laufe der Zeit auf die entlegendsten Inseln und in die tiefsten Täler.

Völkerwanderung heißt das im historischen Kontext, Flüchtlingskrise heißt das heute in den Medien. Egal wie man es nennt: Freizügigkeit ist ein fundamentales Grundrecht. Jeder Mensch (und jedes Tier und von mir aus auch jede Dattelpalme, aber die hat es mit dem Fortkommen schwerer) hat das Recht, sich auszusuchen, wo auf diesem Planeten er oder sie leben will. Warum? Ja, eben weil … ich finde das so selbstverständlich, dass mir gar keine Begründung dafür einfällt. Mir erscheint es viel absurder, das irgendwie unterbinden oder verbieten zu wollen. Warum zur Hölle denn nicht? Woher nehmen wir uns das Recht, Zäune zu bauen? Mauern, Grenzen? Auf welcher Grundlage entscheiden wir, wer wo wohnen und arbeiten darf?

Ich will ja gar nicht abstreiten, dass das Probleme mit sich bringt, oder zumindest ein gewisses Umdenken und Flexibilität erfordert. Aber ist eine Tatsache, dass wir keinerlei moralisches Recht haben, irgendjemandem die Einreise zu Verweigern oder jemanden in sein/ihr Heimatland zurück zu schicken. Vielleicht, ganz vielleicht, hätten wir ein Recht, unseren fleißig erarbeiteten Wohlstand für uns zu behalten und nicht zu teilen, wenn dieser Wohlstand tatsächlich hauptsächlich und größtenteils auf unserer eigenen Arbeit basieren würde. Tut er aber nicht. Unser Wohlstandsvorsprung gründet in Ausbeutung, Raub und Gewalt. In Jahrhunderten des Imperialismus und Kolonialismus und einem immer skrupelloseren Raubtierkapitalismus, der dafür sorgt, dass immer weniger Menschen immer mehr haben. Gegen das soziale Ungleichgewicht in der heutigen Welt waren Louis XVI und seine kuchenessende Marie-Antoinette mildtätige Bettelmönche.

Es ist also weder verwunderlich noch verwerflich, wenn ein Mensch aus dem Senegal, aus Afghanistan, aus Syrien oder aus Albanien beschließt, sein Glück lieber in Deutschland zu versuchen als in seinem oder ihrem Heimatland. Dabei ist es völlig egal, ob der Grund, diesen Schritt zu wagen nun politische Verfolgung, fallende Bomben oder einfach nur der Wunsch ist, sich vom Lohn für seine Arbeit eines Tages ein iPhone kaufen zu können.

Was mich hingegen verwundert und was ich zutiefst verwerflich finde, sind die primitiven Reaktionen, die ich immer häufiger auch von Menschen höre, denen ich es echt nicht zugetraut hätte. Am meisten geschockt hat mich vor ein paar Wochen ein Beitrag, der ausgerechnet über eine Nachhaltigkeits-Mailingliste innerhalb von Mensa kam. Das war echt der letzte Ort, wo ich so etwas vermutet hätte. Nicht nur, weil Mensaner ja nun per Definitionem über ein nicht unerhebliches Maß an Intelligenz verfügen, sondern auch, weil Nachhaltigkeit eigentlich keine politischen Grenzen kennen kann. Und ich rede hier nicht von einem gemäßigten „man muss auch mal die andere Seite sehen“-Posting, sondern von einer regelrechten Hass-Mail. Zur Verteidigung besagter Mailingliste sei gesagt, dass die Mehrzahl der Mitglieder sich sofort und rigoros vom Standpunkt des Ausgangsposts distanzierten. Es gab aber auch Antworten vom Kaliber: die syrischen Flüchtlinge seien schon ganz okay, aber die Albaner, die herkämen, seien alle Verbrecher. Dazu fällt mir nicht einmal mehr eine Erwiderung ein.

Heute stand ein Bericht in der rheinischen Post, dass der Volksverein gestern wegen einer Bombendrohung geräumt werden musste. Jemand hatte eine Tasche mit einem Zettel abgelegt, auf dem stand: „Im Gebäude befindet sich eine Bombe, weil Sie Flüchtlinge unterstützen“ Und der Philologenverband Sachsen-Anhalt warnt junge Mädchen vor Sex mit bildungsfernen muslimischen Jugendlichen. Ich bin jeden Tag auf’s neue fassungslos bei soviel Dummheit.

Also, ich würde euch ja jetzt wirklich gerne berichten, dass mein Golfspiel seit dem Urlaub in England revolutionär besser ist und ich einen niedrigen Rekordscore nach dem anderen breche. Leider ist dem nicht ganz so. Genaugenommen ist es eher zum Verzweifeln, denn wenn ich ehrlich bin, spiele ich jetzt schlechter als vorher. Und ich kapiere es nicht. Also, okay. Es ist Herbst. Es ist schwierig, elegante Bewegungen auszuführen, wenn man aussieht wie der Marshmallow-Mann. Und selbst wenn man das Fairway trifft, kann es einem passieren, dass man den Ball nicht wiederfindet. Es ist unglaublich, wie diese kleinen weißen Kugeln (die rosafarbenen versuche ich zur Zeit schongar nicht mehr) sich unter dem Laub verstecken können. Vielleicht werden die auch einfach von übereifrigen Eichhörnchen eingesammelt. Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind die Ballverluste durch Nichtauffinden ziemlich hoch. Noch höher werden sie aber vor allem dadurch, dass ich eben meisten nicht das Fairway treffe, sondern wahlweise mit Banana-Slice nach rechts oder mit Power-Hook nach links in die Bäume spiele. Vorrausgesetzt, ich treffe den Ball vom Tee überhaupt, nicht mal das ist sicher. Ich bin also gefühlt wieder genau da, wo ich war, als ich vor mehreren Monaten in diesem Blog den allerersten Beitrag zum Thema Golf schrieb.

Also, ich weiß ja, dass der Ball im Winter nicht so weit fliegt wie im Sommer, aber erstmal abheben sollte er schon … sonst ist doof, denn rollen tut er ja im Moment auch nicht.

Das Verrückte daran ist, dass ich den Ball auf der Range jetzt wirklich besser treffe. Vor allem die Eisen fliegen da hervorragend. Und mein Gefühl für das kurze Spiel kommt auch langsam wieder. Vor allem mit dem Sandwedge gelingen mir wunderschöne Chips. Aber das nutzt einem ja alles nichts, wenn man schon acht Schläge braucht, um auch nur in die Nähe des Grüns zu kommen.

Als ich meinem Frust in meiner Email an Peter Finch Luft machte, war seine Antwort sinngemäß: nicht verzweifeln, weiterüben. Nur, selbst das ist um diese Jahreszeit ja leichter gesagt als getan. Das Zeitfenster, das ich auf dem Golfplatz verbringen kann, schrumpft wetter- und tageslichtbedingt von Woche zu Woche weiter zusammen. Es mangelt mir nicht an Motivation, wirklich nicht (dem aufmerksamen Lese dieses Blogs dürfte inzwischen klar sein, dass ich zur Zeit ziemlich golfbesessen bin), es mangelt einzig an Gelegenheit. Und das, obwohl die kalte und dunkle Jahrszeit doch gerade erst anfängt.

Aus lauter Verzweiflung habe ich mir jetzt eine Puttingmatte gekauft. Und übe jetzt jeden Abend zu Hause verbissen mindestens 100 Putts aus ungefähr 2,70 m Entfernung. Dabei kommt mein neuer (also, neu gebraucht gekauft natürlich) Slotline Putter zum Einsatz. Der ist total klasse. So gut, dass ich beschlossen habe, den jetzt auch auf dem Platz zu benutzen und meinen Komperdell Malletputer erstmal weg zu stellen. Muss ich den Putter eben jedes Wochenende hin und her tragen.

Dieses Üben zu Hause gefällt mir. Wenn ich irgendwie die Möglichkeit hätte, würde ich mir da auch einen preisgünstigen Golfsimulator hinstellen. Aber Ausholen mit dem Driver, das gibt mein Wohnzimmer einfach nicht her, ohne dass ich dabei den falschen Jugendstilkamin oder den Halogensternenhimmel demoliere.

Ansonsten ist es wieder mal November, also NaNoWriMo-Zeit. Und natürlich versuche ich auch dieses Jahr wieder, einen Roman in einem Monat zu schreiben. Worum es in diesem Jahr in meinem Roman geht? Na, um Golf natürlich 🙂

Ich liebe Golfvideos auf YouTube. Echt, ich bin total süchtig. Immer, wenn ich nicht auf den Platz kann, gucke ich stattdessen Videos: Mark Crossfield, MeAndMyGolf, Stephen Buzza, Matt&Brandon, Oliver Heuler, etc. etc. … ich kenne sie alle. Meine absoluten Favoriten sind aber schon seit einigen Monaten Rick Shiels und Peter Finch. Die beiden haben bis vor kurzem in Manchester unterrichtet, haben jetzt aber gemeinsam an der Lytham Golf Academy ein neues Studio gegründet.

Den Plan, irgendwann mal nach England zu fahren, um die beiden persönlich kennen zu lernen, hatte ich schon länger, muss aber zugeben, dass ich Manchester als Urlaubslocation jetzt nicht sooo verlockend fand. Außerdem habe ich im Frühjahr den Job gewechselt, war noch in der Probezeit und kam darum nicht wirklich weg. Aber jetzt passte alles und so habe ich dann Anfang Oktober die Gelegenheit ergriffen, für eine gute Woche nach Lytham St. Anne’s zu fahren (mit dem Zug, übrigens, weil keine günstigen Flüge mehr zu kriegen waren … der einzige Flug von Düsseldorf nach Manchester unter 500 €, den Expedia mir noch vorschlug, führte über Moskau und dauerte ca. 20 h, dabei weiß ich genau, dass da täglich ein Direktflug geht).

Eingemietet habe ich in einem kleinen B&B in St. Anne’s, Ad Astra, weil die relativ günstige Einzelzimmer hatten. War eine gute Wahl, kein Luxus natürlich, aber sehr freundliche Leute und einen angenehmen alternativen Touch (auf Wunsch vegetarisches oder sogar veganes Frühstück, Hunde durften mitgebracht werden … war für mich beides nicht relevant, gefiel mir aber so von der Grundeinstellung her). Lytham und St. Anne’s sind so typische Saison-Ferienorte … im Sommer wohl echt überlaufen, aber jetzt war da schon ziemlich tote Hose, was mir aber sehr recht war. Ich wollte ja vor allem eines: Golf spielen und Unterricht nehmen.

Ein bisschen nervös war ich vorher schon. Ich bin ja noch ziemliche Anfängerin, spiele immer noch von -54, und hatte totale Hemmungen, einfach mit meinem etwas absurden Sammelsurium an Golfschlägern irgendwo aufzuschlagen, um zu spielen. Neben Technik und Erfahrung fehlte mir vor allem eins: Selbstbewusstsein. Am ersten Tag habe ich mich dann auch nur sehr zögernd getraut, wenigstens mal zur Lytham Golf Academy zu fahren (im Prinzip eine öffentliche Driving Range) und ein paar Bälle zu schlagen. Die Stunden mit Peter waren erst später in der Woche angesetzt und er war an dem Tag auch nicht da, aber ich bin auf dem Parkplatz kurz Rick Shiels begegnet, der auch sofort wusste, wer ich war (sinngemäß „die verrückte Golferin aus Deutschland, die bei Pete ein paar Stunden nimmt“) und mir supernett gleich seine Telefonnummer anbot, damit ich um Hilfe rufen kann, falls ich meinen Bus verpasse und irgendwo in der Walachei stehe.

Den nächsten Tag habe ich mit Erkundung der Gegend verbracht, bevor ich mich dann am Dienstag endlich getraut habe, doch tatsächlich mal einen Golfplatz in Angriff zu nehmen. Eine fast eineinhalb stündige Busfahrt brachte mich nach Staining Lodge, zu einem pay&play Platz, der auf seiner Webseite betont, dass auch Anfänger sehr willkommen sind. Und das war auch so. Keinerlei Frage nach dem Handicap oder so, ich konnte einfach das mit 18 Pfund sehr günstige Greenfee entrichten und gleich losspielen. Der Platz hat in der Gegend nicht den besten Ruf und gilt als ungepflegt, was ich aber, nachdem ich ihn gespielt habe, so überhaupt nicht nachvollziehen kann. Er ist insgesamt noch nicht sehr alt und erst vor kurzem von 9 auf 18 Loch ausgebaut wurden. Das merkt man ihm ein bisschen an, es gibt, obwohl vom Charakter ein Parklandkurs, kaum Bäume. Die Fairways sind sehr breit (was ihn wirklich anfänger- und slicertauglich macht), allerdings ist das Gelände ziemlich hügelig, so dass man mit fiesen Balllagen am Hang in alle Richtungen zu kämpfen hat. Und die Grüns sind echt gemein, sehr stark onduliert und es ist echt schwierig, den Ball irgendwo in Fahnennähe zum Stoppen zu kriegen. Wochentags nachmittags war sehr wenig los und ich konnte in aller Ruhe meine topps, airshots und shanks spielen, ohne irgendwen aufzuhalten.

Durch diese Erfahrung dann schon etwas mutiger geworden, habe ich am nächsten Tag den Lytham Green Drive Golfkurs gespielt. Die haben ein vergünstigtes Sunset-Greenfee, das um diese Jahreszeit schon ab 14.30 Uhr gültig ist. Da kostet die 18-Loch Runde dann nur 15 Pfund. Es war fantastisch. Nicht nur, dass ich da, obwohl es kein ganz einfacher Platz ist, die beste Golfrunde meines bisherigen Golferlebens spielte, ich hatte, von ein paar Fasanen, Hasen und Eichhörnchen abgesehen, den Platz auf den Back 9 auch komplett für mich alleine. Und das alles im Licht einer langsam versinkenden Herbstsonne. Ehrlich, alleine diese eine Golfrunde wäre die ganze Reise wert gewesen.

Überhaupt, das Wetter: ich war ja etwas skeptisch … Anfang Oktober zum Golfen nach England, das klingt witterungsmäßig schon eher mutig. Aber es war großartig. Ich hatte sehr viel Sonne und die wenigen Regengüsse, die es in der Woche gab, hbe ich immer verpasst, weil ich gerade im Bus oder irgendwo beim Tee saß.

Donnerstags hatte ich dann meine erste Doppelstunde bei Peter Finch. Ich war schon eine gute Stunde vor Beginn in der Lytham Golf Academy, um mich einzuschlagen (was in diesem Falle hieß, 100 Bälle mit verschiedenen Schlägern zu slicen … es war ein Krampf … dabei hatte ich doch am Tag davor so gut gespielt). Pete fragte mich dann erstmal nach bisheriger Erfahrung und meinen Zielen (wobei mein wichtigstes Ziel wirklich einfach war, den Ball sicherer und sauberer zu treffen und dadurch ein bisschen mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen). Dann ließ er mich jeweils mit Sandwedge, Eisen 9, Eisen 7 und Driver ein paar Bälle schlagen. Rick und Pete haben sich ihr Studio gerade ganz frisch neu eingerichtet und neben GC2 Launchmonitor und Flightscope gibt es da jetzt auch zwei Hochgeschwindigkeitskameras und mehrere große Bildschirme, auf denen man die so zusammengetragenen Daten dann auch gleich sehen kann. Das war ziemlich cool, zumal mein Schwung weniger schlimm aussah, als ich das so gedacht hätte. Pete’s erste Maßnahme war, meinen Griff zu verstärken. Das fühlte sich erstmal fremd an, war aber eine Korrektur, die recht einfach umzusetzen war. Danach ging es an die Handgelenke, die ich eben, statt sie einfach nur anzuwinkeln, Dustin Johnson-artig nach hinten beuge. Das mache ich natürlich nicht absichtlich, das ergab sich einfach so … Weg des geringsten Widerstandes, glaube ich. Das im Rückschwung zu korrigieren, fand ich auch noch ziemlich einfach, sah dann auf dem Bildschirm auch gleich besser aus, aber das Schlägerblatt von da dann square an den Ball zu bringen, war dann plötzlich nicht mehr so leicht, weil ich halt vorher beim Durchschwingen immer noch so einen Schlenker mit dem Handgelenk gemacht habe, den ich jetzt nicht mehr brauche. Aber so nach einer halben bis dreiviertel Stunde klappte das auch so leidlich und Pete war da erstmal zufrieden mit mir.

Der nächste Puntk war, dass ich mich im Rückschwung aufrichte und erstens Energie verliere und es mir zweitens sehr schwer mache, im Durchschwung dann sauber wieder zurück zu kommen. Da haben wir angefangen, dran zu arbeiten, sind aber nicht so wahnsinnig weit gekommen, bevor die Stunde um war.

Zu dem Zweitpunkt war ich schon ziemlich k.o. und wäre vernünftigerweise einfach ins B&B gefahren, um mich auszuruhen. Aber das Wetter war so schön und der Lytham Green Drive Golfkurs lag quasi auf meinem Nachhauseweg. Und so habe ich dann beschlossen, den einfach noch einmal zu spielen. Erwartungsgemäß klappte das weniger gut als am Vortag, denn in meinem Kopf herrschte schwungmäßg jetzt ziemliches Chaos und die Müdigkeit tat das ihrige dazu. Aber ich habe in John und George, zwei Mitgliedern, die den Platz jeden Donnerstag spielen, zwei sehr nette Flightpartner gefunden und habe die Runde so trotzdem sehr genossen. John hat mich danach netterweise sogar noch zu meinem B&B zurückgefahren.

Die Überanstrengung rächte sich allerdings dann ziemlich bitterlich. Die Nacht zum Freitag habe ich mit Fieber und Schüttelfrost wachgelegen, offensichtlich hatte ich mir eine Erkältung eingefangen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich so schlapp, dass ich kaum aus dem Bett kam. Und das, obwohl für diesen Tag meine Playinglesson auf dem St. Anne’s Old Links angesetzt war. Der Höhepunkt meines Urlaubs, sozusagen. Hingegangen bin ich natürlich trotzdem. Als ich Pete gesagt habe, wie mies ich mich fühle, hat er dankbarerweise einen Buggy besorgt. So musste ich wenigstens nicht laufen und mein Bag nicht schleppen. Erfreulicherweise war es außerdem völlig windstill, was einen großen Schwierigkeitsfaktor des Platzes einfach eliminierte. Die ersten paar Löcher habe ich noch ganz ordentlich gespielt, ich erinnere mich, dass ich auf einem sehr langen Par5 ein Bogey gespielt habe und ein weiteres auf einem Par4, aber dann war irgendwann der Ofen aus und ich konnte kaum noch den Schläger heben. Irgendwie habe ich mich trotzdem durch die 9 Löcher gekämpt. Der Platz ist ohne Wind wirklich nicht so schwierig, aber das Rough ist absolut tödlich. Ehrlich: keine Experimente, kürzesten Weg zum Fairway suchen und mit Wedge oder höchstens Eisen 9 rauspitchen. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt, zumindest bei einem Schwächling wie mir. An die einzelnen Bahnen habe ich kaum Erinnerung, nur Loch 9, ein mittellanges Par3 ist mir im Gedächtnis geblieben. Das ist wirklich ziemlich spektakulär, weil man das Grün zwischen den Dünen vom Tee aus nicht wirklich sehen kann. Einfach aufs Clubhaus zielen, das passt schon 🙂 Pete hat mich dann nach Hause gefahren und ich bin nur noch erschöpft ins Bett geklappt.

Samstag war ich schon wieder etwas fitter und machte mich vollmotiviert zu meiner zweiten und letzten Doppelstunde auf. Diesmal ging es hauptsächlich darum, meinen Rückschwung zu verkürzen und damit die Aufrichtung im Oberkörper auszumerzen. Ich habe jetzt wirklich das Gefühl, dass ich höchstens noch halb aushole, aber auf dem Bildschirm war eindeutig zu sehen, dass der Schläger hinter meinem Kopf waagerecht zum Boden ist. Dann gab Pete mir noch ein paar Tipps zum Chippen und Putten. Außerdem habe ich ihm, während ich gefühlt ungefähr 100 Bälle mit Eisen 7 geschlagen habe, meine Lebensgeschichte erzählt. Das war schon ein bisschen surreal … ich hatte vorher noch nie versucht, gleichzeitig zu reden und Golfbälle zu schlagen. Klappte aber erstaunlich gut.

Den restlichen Tag habe ich mir Ruhe gegönnt. Lediglich den Minilinks-Platz in St. Anne’s habe ich noch gespielt. Das ist ein niedlicher 18-Loch Pitch&Putt Platz, der sich wirklich spielt wie ein ganz kleiner Links-Platz. Die Bahnen sind sehr kurz (ich schätze mal, die längsten so um 60 m), aber trotzdem eine Herausforderung, denn die Grüns sind winzig und das Rough ist auch hier nicht ganz ohne. Ich finde es schade, dass wir solche Plätze in Deutschland so wenig haben.

Sonntag war mein letzter Tag, da bin ich noch einmal in die Lytham Golf Academy gefahren, um ein bisschen zu üben, habe noch einen kurzen Plausch mit Rick Shiels gehalten, der mich dann auch noch einmal aufforderte, ein paar Bälle für ihn zu schlagen und ihm zu zeigen, woran ich mit Pete gearbeitet habe. Mann, was war ich nervös, ich kann doch nicht, wenn einer guckt 🙂 Hat aber ganz gut geklappt. Danach habe ich dann noch ein drittes Mal Lytham Green Drive gespielt, diesmal wieder ganz alleine. Leider konnte ich mein gutes Ergebnis vom Mittwoch aber nicht wiederholen. Und montags brachte mich dann eine ca. 11 stündige Zugfahrt wieder nach Hause, wo mich kaltes und ausgesprochen scheußliches Wetter erwartete.

Insgesamt war der Urlaub ein unglaublich tolles Erlebnis für mich. Ich bin ziemlich sicher, dass mein Schwung deutlich stabiler und sicherer geworden ist. Auf jeden Fall ist mein Selbstbewusstsein auf dem Golfplatz gestiegen. Vorgestern habe ich auf meinem Heimatplatz mit zwei ziemlich guten Spielern gespielt, die ich vorher nicht kannte, und das hätte mich noch vor drei Wochen so nervös gemacht, dass ich keinen Ball getroffen hätte. Jetzt aber konnte ich mein Handicap auf den sieben Löchern (für mehr hatte ich keine Zeit, weil ich meinen Zug kriegen musste) um drei unterspielen und habe auf dem letzten Loch sogar ein Par gespielt. Alles sehr motivierend. Ich werde so eine Tour auf jeden Fall nächstes Jahr wieder machen.

Und weil mich ja nun die YouTube-Guckerei zu der ganzen Tour motiviert hat, habe ich diesmal auch selbst zur Kamera gegriffen und ein Reisevlog gefilmt … jeden Tag eine kleine Folge, so zwischen 3 und 10 Minuten. Da darf man jetzt allerdings keine Schicki-Micki Reisedoku erwarten. Ist wirklich mehr ein persönliches Tagebuch. Aber ein paar Eindrücke von den gespielten Golfplätzen und dem ganzen Drumherum gibt es natürlich trotzdem.

Am Wochenende hatte ich wieder mal das Vergnügen, an einem Golfturnier teilzunehmen, nämlich dem Newcomer Cup, bei dem die Anfänger mit ein paar richtig guten Spielern zusammengewürfelt und auf den Platz losgelassen werden. Nach den eher leidvollen Erfahrungen bei den beiden After-Work-Turnieren, über die ich hier ja ausführlich berichtet habe (wobei das Leid, das will ich nochmal betonen, einzig durch meine Inkompetenz und nicht etwa durch Veranstalter oder Mitspieler verursacht wurde), war es diesmal wirklich super. Das lag jetzt aber nicht etwa daran, dass ich quasi über Nacht zu einer besseren Spielerin mutiert wäre. Nein, Schuld war hauptsächlich die Spielform. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich vor einiger Zeit einmal den Wunsch nach Huckepack-Golf geäußert habe. Also in Prinzip: ein Longhitter bringt mich bis zum Grün und ich mach dann da weiter. Das gibt es so ähnlich wirklich. Die Lösung für alle meine Golfprobleme meine Damen und Herren (okay, vielleicht nicht alle, aber die vordringlichsten) heißt: Scramble 🙂

Scramble bedeutet, dass alle Spieler eines Flights zusammen spielen. Das funktioniert so, dass alle einen Ball abschlagen. Dann sucht die Gruppe sich gemeinsam den besten Ball aus und alle spielen von der Stelle weiter (wobei wir das jetzt in der Variante gespielt haben, dass diejenige, deren Ball ausgesucht wurde, dann aussetzen musste). Dann wird wieder der beste Ball ausgesucht und so weiter. Putten dürfen auf dem Grün dann auch wieder alle. Das vereinfacht das Spiel natürlich ungemein. Schlechte Schläge kann man gleich vergessen, die werden einfach nicht ausgewählt, brauchen einen dann also auch nicht mehr zu belasten. Die Gefahr, dass man also beispielsweise aus dem Bunker schlagen muss, ist sehr gering (da müssten schon alle vier bzw. drei Schlagberechtigten Murks gemacht haben). Ich kann mich an mindestens vier richtig katastrophale Schläge erinnern und an etliche weitere schwache, die mich im normalen Spiel schon wieder nahe an die Verzweiflungsgrenze gebracht hätten. War aber ja egal und hat mich darum auch gar nicht groß gestört oder meine Spielfreude getrübt.

Mit in meinem Flight spielte Silvia (mit Handicap 54 ebenfalls eine Einsteigerin) und meine Mutter, die zwar schon länger golft, aber sich mit Handicap 37 auch noch knapp im Bereich der Clubvorgaben aufhält. Aber als As im Ärmel hatten wir dann Dominique im Flight, die unsere amtierende Clubmeisterin ist und deren Handicap bei 4kommairgendwas liegt. Damit dürfte auch klar sein, warum die Spielerin, deren Ball gewählt wird, aussetzen muss. Sonst hätte Dominique die Runde nämlich einfach alleine bestreiten können und wir anderen hätten rein zu Dekorationszwecken ab und zu einen Ball seitlich in die Büsche geschlagen. (Und ehrlicher- und irgendwie peinlicherweise muss man ja einräumen, dass sie die Runde alleine wahrscheinlich noch besser gespielt hätte als mit unserer „Hilfe“). So wie die Dinge lagen war es jetzt meistens so, dass Dominique einen unglaublich weiten Abschlag in Bereiche des Fairways kloppte, die ich noch nie von Nahem gesehen hatte (weil ich ja, wir erinnern uns, spätestens mit dem zweiten Schlag die landschaftlich schöne Route einschlage). Beim zweiten Schlag musste sie dann aussetzen und eine von uns Anfängerinnen beförderte den Ball mehr schlecht als recht 50 bis 100 Meter weiter Richtung Grün. Dann schlug Dominique den Ball neben die Fahne und wir unsere ins Wasser, in einen Bunker oder wo auch immer der sonst nicht hin sollte. (Ich übertreibe hier etwas zugunsten der Dramatik … eigentlich haben wir etlich schöne Schläge gemacht, über die wir uns in einer normalen Runde unglaublich gefreut hätten … sie waren halt nur selten gut genug). Aber beim Putten waren wir dann tatsächlich ziemlich ebenbürtig, würde ich sagen. Vor allem Silvia erwies sich als eine sprichwörtliche Bank, die jeden langen Putt zuverlässig auf tap-in Distanz an die Fahne legte.

Um die Sache noch einfacher zu machen, wurde aus unseren Handicaps einfach der Durchschnitt gebildet. Und der ist, wenn man drei Anfänger und eine sehr gute Spielerin zusammensteckt, immer noch sehr hoch. Bei uns war das 42. Das führt dann zu sagenhaften Stableford-Punktzahlen. Wir haben so auf 18 Loch 69 Stablefordpuntke zusammen gespielt. Und damit haben wir nicht einmal gewonnen, weil zwei andere Flights jeweils 70 Punkte erspielt haben. Unser Ergebnis entsprach 27 Bruttopunkten, also einer Runde 9 über Par. Das kann sich, auch unabhängig vom Handicap, durchaus schon Golf nennen, finde ich. Also, Problem gelöst, Golf ist doch ganz einfach, man muss nur die Regeln etwas modifizieren (und mit der Clubmeisterin spielen) 🙂

Es war auf jeden Fall eine sehr nette, kurzweilige Runde, die ich sehr genossen habe und die mein Selbstbewusstsein doch etwas gehoben hat. Immerhin haben wir zweimal meinen Tee-Shot ausgewählt, ich habe einen mittellangen Birdieputt gelocht und einen wirklich schönen 120 m Annäherungsschlag mit dem Holz5 gemacht. Und das ist gut so, denn am kommenen Samstag fahre ich in meinen ersten „Golfurlaub“, nach Lytham St. Anne’s. Ich werde dann live vor Ort berichten, wie ich da so klarkomme.

Diesen Freitag gab es keinen Familiengolfstaffellauf, weil meine Ma mit ihrer Seniorinnengruppe Freundinnenturnier mit anschließendem Essen hatte und ich deswegen das Auto nicht haben konnte. Stattdessen bin ich dann Samstag, zu meiner Überraschung mit meiner Ma (die es normalerweise hasst, an mehreren aufeinander folgenden Tagen zu spielen) zum Golfplatz gefahren.

Und wieder einmal durfte ich feststellen, dass man sich beim Golf auf nix verlassen kann. Mein kurzes Spiel, das normalerweise ja ganz ordentlich funktioniert, war schon beim Einschlagen katastrophal. Ungefähr so gefühlvoll muss es aussehen, wenn ein Oger Golf spielt. Echt, ich habe da Bälle übers Pitchinggrün gekloppt, das war nicht mehr schön. Und wurde auf dem Platz auch nicht wirklich besser. Das einzige, was ich zu meiner Verteidigung anführen kann, ist, dass es schon wieder ziemlich warm und trocken war die ganze Woche und Grüns und Fairways darum superhart. Um da einen Ball kontrolliert zum Stoppen zu kriegen, braucht es deutlich mehr Backspin als ich den so auf den Ball kriege. Putten war auch nicht viel besser. Geradezu flutschig, diese Grüns.

Auf lange Schläge verzichtete ich beim Einschlagen diesmal völlig, weil meine Ma drängelte und los wollte. Das rächte sich dann gleich beim ersten Abschlag. Der war zwar schön lang und landete auch brav auf dem Fairway, aber ich habe mir dabei irgendwas im Rücken verdreht. Sehr schmerzhaft und unangenehm das. Die vernünftige Entscheidung wäre wahrscheinlich gewesen, an dieser Stelle abzubrechen und wieder nach Hause zu fahren. Aber Golfer sind keine vernünftigen Menschen. Kann man ja auch nicht erwarten. Golf ist schließlich auch keine vernünftige Sportart. Viel zu kleiner Ball, völlig ungeeignete Werkzeuge, viel zu lange Fairways, viel zu kleine Löcher …

Also, ich habe natürlich weitergespielt. Ging auch ganz gut. Tat zwar weh, hat aber die Qualität meiner Golfschläge nicht unbedingt negativ beeinflusst, soweit ich das beurteilen kann. Zumindest klappten die langen Schläge ganz brauchbar und das kurze Spiel war ja, wie gesagt, schon vorher nicht das Gelbe vom Ei. Einen Blumentopf hätte ich mit meiner Leistung so aber natürlich auch wieder nicht gewonnen. Es muss doch irgendwann mal der Tag kommen, wo sowohl das lange wie auch das kurze Spiel klappt.

Die meisten Abschläge waren ganz schön und dank der trockenen Fairways geradezu unglaublich weit, weil man immer noch 30 bis 40 m Roll dazu geschenkt bekam. Mit Ausnahme von den Abschlägen an der 5 und an der 10. Da habe ich jeweils einen sogenannten „Shank“ gespielt, also den Ball statt mit der Schlagfläche mehr so seitlich mit der Ferse getroffen (also, der des Schläger natürlich … nicht meiner). Das führt dazu, dass der Ball dann, statt geradeaus zu fliegen, irgendwie hochspringt und dann scharf links abbiegt. Damit habe ich es geschafft, an der 5 ins Wasserhindernis zu schlagen. Das ist eine Leistung, denn dieser Teich ist da eigentlich gar nicht wirklich im Spiel, schonmal gar nicht von den vorderen Abschlägen. Jedenfalls versenkte ich auf diese Weise einen meiner hübschen Pink Ribbon Bälle, die ich doch letzte Woche Freitag von dem charmanten jungen Ballverkäufer geschenkt bekommen hatte. An der 10 war es ähnlich, nur, dass mein Ball da dankbarerweise noch ein paar Zentimeter vor dem Wasserhindernis liegen blieb und ich ihn dann mit einem beherzten Eisen 6 im zweiten Schlag darüber spielen konnte.

Sonntag war ich dann, diesmal mit beiden Elternteilen, wieder auf dem Platz und hatte so ein merkwürdiges deja vu. Es war echt, als hätte ich exakt die gleiche Runde nochmal gespielt. Kurzes Spiel wieder Scheiße, Abschläge wieder ziemlich gut. Bis auf … ja, bis auf die 5 und die 10. Ich wünschte echt, ich hätte diese Schläge beide Male auf Video aufgezeichnet. Das war fast schon unheimlich, wie genau die sich wiederholten. Mein Vater, der ja immer eine Ballangel im Gepäck hat, ging an der 5 los, um meinen Ball aus dem Wasser zu fischen, was ihm auch selbstbewusst in Sekundenschnelle gelang. Aber der Ball, den er da herausholte war nicht der vom Sonntag. Es war der Pink Ribbon vom Tag davor. Das als Zeichen dafür, wie dicht diese beiden Fehlschläge beieinander gelandet sein müssen. Ernsthaft, so eine Wiederholbarkeit ist auch eine Kunst, schlag mal zwei total gleiche Shanks! An der 10 war es ähnlich, nur dass es mein Abschlag diesmal wirklich bis ins Wasserhindernis geschafft hat (aber natürlich auch wieder von meinem Dad aus dem nassen Grab gerettet wurde).

Auch an der 8, wo ich rechts in die Bäume geschlagen hab, konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren: „Habe ich hier nicht gestern unter genau dem gleichen überhängenden Ast durchgeschlagen?“

Ist schon verrückt, wie man beim Golf einerseits das Gefühl hat, sich auf absolut nichts verlassen zu können, weil alles, was in den Wochen vorher geklappt hat, von jetzt auf gleich weg ist, und wie man andererseits zwei Tage hintereinander so völlig ähnliche Schläge machen kann. Und ich habe, zumindest beim Abschlag an der 10, jetzt wirklich nicht bewusst an den Tag vorher gedacht. Dass ich da einen Fehlschlag gehabt hatte, fiel mir erst wieder ein, nachdem ich meinen Ball ins Schilf gebolzt hatte.

Meinen Rücken muss ich übrigens irgendwann auf der Runde am Sonntag wieder in die Ausgangsstellung zurück gedreht haben. Am Anfang tat es noch weh, später dann nicht mehr. Allerdings habe ich seit Samstag nach der Runde Migräne, was auch nicht wirklich toll ist, und was ich auf einen durch die eingenommene Schonhaltung völlig verspannten Nacken zurückführe.

Ich versuche ja im Allgemeinen, meinen Feminismus ein bisschen im Zaum zu halten und rege mich nur selten öffentlich über die Absurditäten einer immer noch schwer männerdominierten Welt auf, aber manchmal kann ich dann doch nicht an mich halten.

In Amerika ist jetzt ein Medikament zugelassen worden, dass als „Viagra für die Frau“ bezeichnet wird, eine Pille, die das weibliche Lustempfinden steigern soll, vorzugsweise bei Frauen, die vor Einsetzen der Wechseljahre an sexueller Unlust „leiden“. Etwa jede dritte Frau sei von dem Problem betroffen, behaupten Mediziner. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass diese Mediziner vorzugsweise männlich sind. Denn um eines mal ganz klar zu stellen: wenn ich keine Lust auf Sex habe und in der Folge dann auch kein Sex, dann macht mich das generell überhaupt nicht betroffen. Es ist auch kein Problem. Es entgeht mir nämlich nichts, wenn ich in der Zeit dann stattdessen ein gutes Buch lese, bei einem leckeren Bierchen entspanne oder es mir sonstwie gut gehen lasse. Leiden tut hier allenfalls ein eventuell vorhandener Partner, der dann in die Röhre schaut. In diesem Falle empfehle ich das Hinzuziehen geeigneter bebilderter Druckerzeugnisse oder entsprechenden Filmmaterials kombiniert mit dem Einsatz der eigenen Hände. Der beste Sex findet eh im Kopf statt.

Die bloße Behauptung, dass mit einem Drittel aller Frauen etwas nicht stimmt, nur weil sie keine Lust haben, mit ihren wahrscheinlich auch schon etwas abgenutzten und in die Jahre gekommenen Partnern weiterhin regelmäßig in die Kiste zu steigen ist, kurz gesagt, eine Unverschämtheit. Dagegen eine Pille zu nehmen ist genauso sinnvoll, wie sich den Kerl schönzusaufen. Vielleicht sollte er eher in eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio investieren. Aber bitte ohne Anabolika, denn sonst kann er nachher nicht mehr, falls sie dann doch wieder Lust auf seinen jetzt muskelgestählten Körper kriegt.

Der grundsätzliche Unterschied zu Viagra ist doch der: der typische Viagra-Nutzer will unbedingt Sex, kriegt aber keinen hoch. Die anvisierte Zielgruppe der neuen Sexpille will aber gar keinen Sex … wer keine Lust hat, hat eben keine Lust. So einfach ist das. Der Bedarf ensteht hier allenfalls durch Druck durch den sexuell frustrierten Partner oder durch das von den Medien vermittelte Bild, dass Frauen eigentlich alle Nymphomaninnen sind, die sich nichts Schöneres vorstellen können als den Austausch von Körperflüssigkeiten.

Ich will hier gar nicht erst von Nebenwirkungen, Eingriff in den Hormonhaushalt etc. anfangen. Nicht das konkrete Medikament ist das Problem, sondern die Tatsache, dass hier überhaupt ein Behandlungsbedarf für etwas konstruiert wird, was keine Krankheit oder medizinische Auffälligkeit darstellt, sondern schlicht den Normalfall. Es ist völlig okay, keinen Sex zu haben, wenn einem nicht danach ist.

Als normal angestellte Arbeitnehmerin mit festen Arbeitszeiten und ohne eigenes Auto sind meine Möglichkeiten, während der Woche auf den Golfplatz zu kommen, ausgesprochen begrenzt. Genaugenommen beschränkt es sich auf den Freitag Nachmittag bzw. frühen Abend, denn freitags habe ich früher Schluss. Wenn ich dann gleich nach der Arbeit mit dem Rad zu meinen Eltern fahre, kann ich da staffelstabübergabeartig das Auto von meiner Ma in Empfang nehmen, die dann gerade von ihrer wöchentlichen Seniorinnen-Runde zurückkommt. Und weil meine Mama ein lieber und gütiger Mensch ist und ihr Kind nicht Hunger leiden sehen kann, hat die dann immer auch Brötchen für mich, so dass ich danach gestärkt zum Platz fahren kann. Mein Vater sitzt dann meistens noch mit seinen Golfkumpels auf der Clubhaus-Terrasse. Die Senioren starten nämlich freitags nach den Seniorinnen. Außerdem haben die in der Regel mehr Sitzfleisch, was vielleicht auch daran liegt, dass sich da gerne mal spontane Skat oder Doppelkopf-Runden bilden. Wenn ich dann ankomme, ist das für meinen Dad dann sozusagen das Zeichen, jetzt auch langsam Richtung Heimat aufzubrechen. So ist neuerdings eigentlich Freitags von morgens 9 bis abends um 8 immer irgendwer aus dem Jordans-Clan auf dem Golfplatz. Im Gegensatz zum Sonntag, da gibt es uns in der Regel geballt im Dreierpack, dafür dann aber entsprechend kürzer.

Letzten Freitag war ich allerdings irgendwie so gar nicht motiviert, das wöchentliche Familien-Golf-Staffel-Ritual mitzumachen. Zum einen drohte das Wetter die ganze Zeit mit Hagelschauern, Blitzschlag, Tornados und anderen Unbillen, zum anderen steckte mir auch vielleicht dieses vermaledeite After-Work-Turnier der Vorwoche noch in den Knochen oder vielmehr den Gehirnwindungen. Aber nachdem ich mich mit dem obligatorischen Brötchen gestärkt hatte und das Wetter sich immer noch nicht entscheiden konnte, ob es denn jetzt die Apokalypse einläuten wollte oder nicht, bin ich dann doch gefahren. Nicht bedacht hatte ich, dass das Jugendtraining jetzt, da die Ferien vorbei sind, wieder eine Stunde später stattfand. Es wuselte also ein bisschen auf dem Übungsgrün, als ich ankam. War aber nicht so schlimm, weil die Bande kurz darauf vom Pro eingesammelt und zur Driving-Range abgeführt wurde. Ich konnte mich also erstmal ungestört auf Putting- und Pitchinggrün verbreiten. Na ja, halbwegs ungestört. Meine Pitching-Freude wurde getrübt, als ein Herr (ohne auch nur zu fragen oder sonst irgendwie Rücksicht zu zeigen) begann, seitlich von mir Bunkerschläge zu üben und mir dauern irgendwelche sandigen Bälle um die Ohren schlug. Fand ich ein bisschen blöd, schließlich war ich zuerst da gewesen. Und es ist durchaus möglich, auch mit mehreren Leuten gleichzeitig auf unserem Pitching-Grün zu üben. Aber eben nur, wenn man sich da ein bisschen geschickt aufteilt und timed, wann man seine Bälle wieder einsammelt und so. Gestaltete sich in diesem Falle aber etwas schwierig.

Der vordere Teil der Driving-Range, der nicht von den Kindern belegt war, war auch ziemlich voll. Ich war ganz erstaunt ob soviel plötzlichem Übungswillen und fragte mich, ob die wohl alle trotz des drohenden Wetters vielleicht noch auf den Platz wollten. Stellte sich aber heraus, dass die meisten von denen nur die wartenden Eltern von den trainierenden Kids waren, die, um sich die Wartezeit zu verkürzen, auch noch ein paar Bälle schlugen. Und kaum schlug die Uhr sechs tat es einen „Rumms“ und wie ein Spuk waren sie alle verschwunden. Das war fast schon unheimlich.

Ich habe dann brav meine drei Körbchen Übungsbälle geschlagen: eines für die Eisen, eines für die Hybride (die ich im Moment übrigens ums Verrecken nicht gescheit in die Luft kriege, wo die doch angeblich so viel leichter zu schlagen sind) und eines für Holz5 und Driver. Die Eisen liefen super, der Rest war so lala.

Und dann hatte das Unwetter endgültig beschlossen, für den Tag Feierabend zu machen und lieber irgendwo ein Bier trinken zu gehen (oder was drohende Unwetter so tun, wenn sie dienstfrei haben) und die Sonne kam hervor. Da habe ich dann kurzerhand beschlossen, statt auf den Kurzplatz, der jetzt in meiner Trainingsroutine mal wieder dran gewesen wäre, doch lieber noch für ein paar Löcher auf den großen Platz zu gehen. Und das war großartig.

Nicht nur, dass ich ziemlich alleine auf weiter Flur war (eine Bahn vor mir war ein Pärchen unterwegs, dass ich aber nie eingeholt habe und zwei oder drei Löcher nach mir kamen dann erst die nächsten), es war auch die bei Weitem beste und entspannteste Runde Golf, die ich je gespielt habe. Laut Score habe ich zwar auch diesmal auf den ersten neuen Loch nur 16 Stablefordpunkte erspielt und habe mein Handicap damit nicht ganz erreicht, aber angefühlt hat es sich viel besser. Der Grund waren wohl vor allem die vielen wunderschönen Eisenschläge. Egal ob Eisen 9, Eisen 7 oder sogar das lange Eisen 5, das ich erst seit letztem Sonntag überhaupt im Bag habe: sie flogen alle. Hoch! Weit! Und sogar geradeaus. Meistens jedenfalls. Ich hatte echt das Gefühl, ich spiele Golf! (Der kürzeste Golfwitz aller Zeiten: „Ich kann’s!“)

Am Abschlag zur 4 saß unser Bälleverkäufer. Das ist ein junger Mann mit wie auch immer geartetem „Migrationshintergrund“, wie das auf Neudeutsch so schön heißt, ob Flüchtling oder sonstwie zugewanderter weiß ich nicht. Jedenfalls hat der vor einigen Wochen angefangen, die Bälle rund um den Golfplatz aufzusammeln, die minderbegabte Golfer so in der Landschaft verteilen. Am Anfang hat er echt nur vor dem Aus-Zaun gesucht und stand dann ganz verschüchtert an der Ecke, mit ein paar Bällen in seinem zusammengerafften T-Shirt. Feste Preise hatte er nicht, jeder zahlte, was er für den Fundschatz für angemessen hielt. Und eigentlich alle, mit denen ich auf den Runden unterwegs war und mit denen ich sonstwie drüber gesprochen habe, fanden das großartig („Der tut wenigstens was“) und unterstützenswert. Insofern hat er immer einen ganz guten Preis für seine Bälle bekommen, glaube ich. Inzwischen hat er sein Kleinst-Unternehmen ausgebaut, ist mit Fahrrad und Anhänger unterwegs und traut sich jetzt in stillen Stunden auch auf den Platz, um dort in Gebüschen und Uferböschungen nach Bällen zu suchen. Vor allem nach Turnieren und Schön-Wetter-Sonntagen lohnt sich das. Neulich hatte er sogar schon einen Kollegen dabei und angeblich wurde er jetzt auch schon im Golfclub Wildenrath gesehen. Ich hab mich jedenfalls gefreut, ihn zu sehen, hatte aber gerade gar keinen Bedarf an Bällen. Als er jedoch sah, dass ich einen rosafarbenen Callaway Solaire abschlug, kam er kurz darauf mit zwei ebenfalls rosafarbenen Pinnacle Pink Ribbon Bällen an und bestand darauf, sie mir zu schenken. Ich fand das total süß und habe vor lauter Aufregung dann gleich meinen Callaway ins Aus gesemmelt. Macht nichts. Ich weiß ja jetzt, dass er gefunden und einem guten Zweck zugeführt wird. Dass der gedroppte Ersatzball dann allerdings mit dem nächsten Schlag ins Wasserhindernis ging, das hätte nicht sein müssen.

Nachdem die Wolken sich verzogen hatten, war es wirklich ein wunderschöner Abend mit schon recht langen Schatten und wunderschönem roten Abendlicht. Als ich um ca. acht Uhr die ersten neun Loch beendet hatte, hätte ich am liebsten noch weiter gespielt. Aber da ich wusste, dass ich ja noch mit dem Fahrrad nach Hause musste und so langsam auch das Brötchen verdaut war und mein Magen nach Nachschub verlangte, habe ich dann doch aufgehört.

Das restliche Wochenende war dann allerdings wirklich komplett verregnet, so dass unsere sonntägliche Nachmittagsrunde leider ausfallen musste. Zu böd. Ich hätte doch zu gerne getestet, ob das mit den Eisenschlägen jetzt eine Eintagsfliege war oder ob das immer noch funktioniert.

Tja, nachdem ich meine After-Work-Turnier Teilnahme hier angekündigt habe, muss ich jetzt wohl auch berichten, wie es gelaufen ist, was? Hätt ich mal nix gesagt.

Das mit der frühen Startzeit war dann im Nachhinein nicht so ein Problem, weil meine Ma mich dankbarerweise direkt von der Arbeit abgeholt hat, so dass ich tatsächlich vor dem Start noch ein paar Bälle schlagen konnte und trotzdem ganz entspannt am ersten Tee ankam. Und die Aufwärm-Schläge waren alle gut. Ich ging also nervös aber voller guter Erwartung und Vorfreude an den Start. Außerdem, so sagte ich mir, kann es ja schlimmer als bei meinem ersten Turnier auf gar keinen Fall werden. Dummerweise muss ich so rückblickend jetzt feststellen: Doch, das geht! Sogar deutlich.

Ich hatte zwei sehr nette Flightpartner, beide männlich, einer davon 12 Jahre alt und mit einem Handicap von 31,9 (inzwischen sogar 31,4, im Gegesatz zu mir hat der nämlich gut gespielt und wurde mit 19 Punkten Dritter). Sein erste Abschlag ging allerdings links ins Aus. Der andere schlug gleich zum Auftakt eine saubere „Ladie“ (für Nicht-Golfer, das ist ein Schlag, der nichtmal an dem weiter vorne stehenden Damenabschlag vorbei fliegt … wird meist mit einer Getränkerunde nach dem Spiel geahndet). Das tat mir zwar sehr leid für meine Mitbewerber, half mir aber ein bisschen, meine eigene Abschlags-Panik in Grenzen zu halten. Mein Drive war zwar auch etwas eirig, landete aber immerhin knapp auf dem Fairway.

Die ersten beiden Löcher kam ich auch noch halbwegs klar und erspielt insgesamt 3 Punkte. Und dann war es vorbei. Mein Golfschwung war weg, als wenn den jemand abgeschaltet hätte. Hätte ich die Bälle werfen dürfen, wären sie wahrscheinlich weiter geflogen (und ich werfe sprichwörtlich wie ein Mädchen). Das einzige, was gut funktioniert hat, und ich meine, wirklich gut, war das Putten. Echt. Ich habe Putts gelocht, bei denen wäre so mancher Tourspieler vor Neid erblasst. Das Problem war halt wieder einmal, dass ich bei vielen Löchern gar nicht erst bis zum Grün vorgedrungen bin, bevor meine Schläge aufgebraucht waren. Insgesamt 8 Punkte habe ich mir so zusammenkratzen können. Es war zum heulen.

Meine Ma, die im Flight nach mir gestartet ist, hat übrigens deutlich besser gespielt, konnte ihr Handicap aber auch nicht verbessern.

Als wir dem 12jährigen aus unserem Flight gratulierten und, nur halb im Scherz, sagten, dass er bestimmt mal Pro wird, wenn er weiter so gut spielt, meinte der: „Nee, ich werd kein Pro. Mein Freund wird Pro, der ist erst 11 und hat jetzt schon ein Handicap von 9“ Okay … weißte Bescheid. Ich muss den jungen Mann unbedingt kennenlernen, bevor der berühmt wird, damit ich später, wenn der dann auf der Tour spielt, lässig sagen kann: „Oh ja, kenn ich, war in meinem Heimatclub, hab ich auch schon mit gespielt“

Man sollte so einem blöden 9-Loch-Turnier, das nun wirklich keinen interessiert, der nicht selbst mitgespielt hat, ja nun keine allzu große Bedeutung beimessen. Aber ich muss zugeben, dass ich doch ziemlich deprimiert war, danach. Ich wusste den ganzen Samstag nichts Rechtes mit mir anzufangen und bin aus lauter Verzweiflung irgendwann joggen gegangen. Das erste Mal seit bestimmt 2 Jahren. Nur, um mir zu beweisen, dass ich das noch kann. Hat ganz gut geklappt, jedenfalls deutlich besser als Golf. 4 km in 30 Minuten, das ist zwar nicht schnell, aber für einen Kaltstart nach 2 Jahren Laufabstinenz durchaus akzeptabel. Fühlte sich auch ganz relaxt an. Bis irgendwann gestern nachmittag auf der Golfrunde der Muskelkater einsetzte. Auch heute bewege ich mich noch etwas unrund. Vor allem Aufstehen und Hinsetzen ist schmerzhaft. Interessanerweise merke ich nur die vorderen Oberschenkelmuskeln. War mir gar nicht klar, dass die beim Laufen so beansprucht werden (und vor allem so viel anders als beim Fahrradfahren, denn in dem Bereich bin ich ja dank täglichem Arbeitsweg ganz fitt). Egal. War trotzdem geil. Mach ich jetzt wieder öfter.

Ja, und Sonntag dann wieder eine normale Golfrunde, ganz ohne Turnierstress. Diesmal war es anders herum: Beim Einschlagen ging wirklich jeder Ball total in die Hose. Ich hatte schon gar keinen Bock mehr überhaupt an Tee 1 abzuschlagen. Bahn 1 habe ich dann auch erstmal gestrichen, an Bahn 2 wieder in den abgrundtiefen Bunker gespielt (und diesmal leider nicht ganz so sauber rausgekommen wie beim letzten Mal, aber immerhin noch 3 Punkte gerettet). Aber auf Bahn 3 konnte ich dann aufdrehen. Und danach lief es wirklich größtenteils gut. Ich habe mich bemüht, die Eisen immer nur mit gefühltem 3/4 Schwung zu spielen, und dadurch viel sauberer getroffen. Und das ist der Witz: obwohl man das Gefühl hat, viel weniger feste geschagen zu haben, fliegt der Ball dann weiter, als wenn man mit voller Wucht schlägt, aber dann eben fett oder nicht mittig trifft. Lohnt sich also. Insgesamt konnte ich 38 PUnkte erspielen, hätte mein Handicap also um 2 Schläge verbessert. Jetzt muss das nur noch irgendwann klappen, wenn es drauf ankommt.

Nachdem ich die letzten beiden Male ganz zufrieden damit war, was ich mir alleine und am Wochenende mit meinen Eltern so zurechtgespielt habe, habe ich mich diese Woche zum 9-Loch After-Work Turnier angemeldet. Die gibt es bei uns im Club immer am ersten Freitag im Monat. Ich habe schon einmal eines mitgespielt, aber darüber decken wir lieber für alle Zeiten den Mantel des Schweigens. (Meine beliebtesten Entschuldigungen für das Desaster sind „Hey, es war das allererste Mal“ und „Es war über 36° C“ … und immerhin habe ich mit Hängen und Würgen 12 Nettopunkte zusammengekratzt und hätte so doch glatt eine Platzreifeprüfung bestanden)

Diesmal spielt auch meine Mutter mit, was für mich praktisch ist, dann können wir zusammen mit ihrem Auto hinfahren. Ich hatte bei Anmeldung extra um einen späten Flight gebeten, weil ich bis 15.30 Uhr arbeiten muss, das Turnier aber schon um 16 Uhr anfängt. Jetzt kriegte ich gerade meine Tee-Time per SMS auf’s Handy. 16.30 Uhr! Das ist verdammt knapp und lässt mir nicht einmal Zeit, in Ruhe ein Brötchen zu essen bevor wir losfahren. Im Feierabendverkehr braucht man mindestens eine halbe Stunde zum Golfplatz und ich muss ja auch erst einmal mit dem Rad zu meinen Eltern. Bleibt nur zu hoffen, dass meine Ma nicht eine noch frühere Startzeit erwischt hat, sondern im Flight hinter mir ist.

An ordentliches Einschlagen ist so schon gar nicht mehr zu denken, und jeder, der schonmal mit mir gespielt hat, weiß, wie sehr mich das stresst. Echt, ich rotiere schon jetzt, wenn ich nur daran denke. Ich muss mindestens ein paar Putts gemacht haben, um zu gucken, wie die Grüns an dem Tag so rollen, und ein paar volle Schläge mit Eisen und Driver gemacht haben, sonst kann ich die ersten zwei bis drei Bahnen gleich streichen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass mein Körper jede Woche aufs neue komplett vergisst, wie man so einen Golfball schlägt und ich das jedesmal von Grund auf neu lernen muss. Ich schlage auch jede Woche anders. Mal powerhooken die Bälle nach links (alle!), mal spiele ich einen konstanten Slice, mal Pushe ich und einmal im Schaltjahr, wenn Ostern und Weihnachten auf einen Dienstag fallen, fliegen die Bälle doch tatsächlich geradeaus. Ist aber nicht so schlimm, wenn ich mich vorher einschlagen kann. Denn dann weiß ich ja, was mein Fehlschlag des Tages ist und kann mich gleich entsprechend anders ausrichten. Das erspart mir Peinlichkeiten, und die Spieler auf dem Nachbarfairway haben so auch deutlich bessere Überlebenschancen.

Zumal ich ja inzwischen auch mit dem Driver auf den Ball dresche. Das habe ich noch gar nicht berichtet. Seit einigen Wochen habe ich einen Driver. Also, genaugenommen hatte ich schon vorher einen, aber den konnte ich nicht bedienen (zu lang, zu schwer, Schaft zu hart, irgendwie unhandlich das ganze Ding, obwohl es sich angeblich um einen Damenschläger handeln soll, ein ebay-Fehlkauf). Der Neue ist von der wenig vertrauenserweckenden Billigmarke Eagle-Golf und hat mich im Set mit drei anderen Schlägern sagenhafte 5,20 € plus Porto gekostet. Auch in der E-Bucht natürlich. Als ich diesen Driver das erste Mal in der Hand hatte, habe ich fast gelacht. Riesenkopf, superleicht … fühlt sich ein bisschen an wie ein Luftballon am Stiel. Entsprechend hatte ich auch keine allzu großen Erwartungen an das Ding. Aber ich muss sagen: läuft. Die Schlagfläche ist so riesig, dass man beim besten Willen nicht am Ball vorbeischlagen kann (eh … doch … natürlich kann man … man kann im Golf immer auch am Ball vorbeischlagen, ich beweise das wöchtenlich aufs neue, aber zumindest passiert es seltener, wenn der Schläger die Ausmaße einer Bratpfanne hat). Etwa 150 Meter weit kann ich die Bälle mit dem Ding schlagen, wenn ich gut treffe. Immer noch nicht LPGA-Tour-verdächtig, aber ca. 30 Meter weiter als meine guten Abschläge vorher mit den Hybriden.

Außerdem habe ich die letzten Male ein paarmal mein Holz 5 vom Fairway aus richtig gut getroffen (und einmal von 135 Metern aus aufs Grün geschlagen, tschakka!), ein Schlag, den ich vorher auch noch gar nicht beherrscht habe. Jetzt warte ich auf den Tag, wo das mal beides direkt hintereinander passiert, also ein 150 Meter Abschlag und ein sauberer zweiter Schlag mit dem Holz. Dann kann schon fast nichts mehr schiefgehen. Auch das ist gelogen, übrigens. Da kann immer noch eine Menge schiefgehen. Letzten Freitag gelang mir so ein sauberer 150 Meter Drive an Bahn 7, das ist ein langes Par 3. Ich lag im Vorgrün, allerdings noch bestimmt 20 Meter vor der Fahne, die auf dem MacKenzie-Grün auf der oberen Ebene lag. Deswegen wollte ich lieber chippen als putten, weil ich so lange bergauf-Putts eigentlich immer zu kurz lasse. Dummerweise hatte ich zwei Spieler hinter mir, die mich just an diesem Loch hatten durchspielen lassen und jetzt natürlich guckten, was ich so mache. Sowas macht mich immer nervös, und wenn ich nervös bin, klappt gar nichts mehr. Ich versemmele also den Chip, der mir von der Spitze des Schlägers in die Bunkerböschung springt. Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen, zum Bag zurückzugehen und mir einen anderen Schläger zu holen, mein Sandwedge, vorzugsweise. Aber nee, ich wollte ja die Leute hinter mir nicht aufhalten. Also habe ich den Ball mit der 9 fein säuberlich von dem einen in den anderen Bunker geschlagen, von da dann wieder aufs Vorgrün (immer noch auf der unteren Ebene) und dann mit 4(!) Putts eingelocht zu einer 8. NACHDEM ICH MIT DEM ERSTEN SCHLAG QUASI SCHON AUF DEM GRÜN WAR!!!!! Golf ist so doof. Zumindest immer genau so doof wie sein Spieler. Wenn ich gleich geputtet hätte, selbst wenn der Putt viel zu kurz geblieben wäre, wäre ich mit Sicherheit eher da gewesen. Hätte hätte Fahrradkette … Golf ist eine Konjunktiv-Sportart.

Einschlagen gibt es also morgen wohl nicht. Das kann ja heiter werden. Ich werde berichten. Das Wetter wird auch ein bisschen unberechenbar, der deutsche Wetterdienst meldet leichte Gewitterneigung.

Mai 2017
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