Da ich mich ja in den letzten Tagen sowieso auf nichts anderes konzentrieren konnte als auf Deiche und Nordsee, hab ich die Zeit genutzt, eine Fernsehserie zu gucken, die genau dort spielt. „Das Rätsel der Sandbank“, eine recht aufwendige deutsche TV-Produktion aus den 80er Jahren. Ich kann mich auch noch daran erinnern, als das ursprünglich im Fernsehen lief, aber damals hat mich das nicht so sehr interessiert.

Dann habe ich allerdings auf dem Mittelmeer-Törn das Buch von Robert Erskine Childers gelesen und das ist wirklich eine ausgesprochen charmante Geschichte. Eigentlich ist es ein Spionage-Thriller, einer der ersten seiner Art, veröffentlicht 1903, aber es ist auch ein wunderschönes Buch übers Segeln, über Männerfreundschaft und das Wattenmeer. Und außerdem gleichzeitig Romanze und Abenteuerroman. Also für jeden Geschmack was dabei.

Kurze möglichst spoilerfreie Inhaltsangabe (wie heißt Spoiler eigentlich auf Deutsch? Also, nicht der am Auto jetzt, sondern eben der „ich verrate entscheidende Elemente der Geschichte“-Spoiler? Egal):
Der Engländer Arthur Davies ist im Spätsommer mit seinem Schwertkreuzer Dulcibella im ostfriesischen Wattenmeer unterwegs, um Enten zu jagen. Sein Mitsegler verlässt ihn im Streit und er besinnt sich als Ersatz auf seinen früheren Studienkollegen Carruthers, den er seit fünf Jahren nicht gesehen hat. Salonlöwe Carruthers ist etwas verwundert über die briefliche Einladung, da die gesellschaftliche Saison in London für ihn jedoch eh gelaufen ist, macht er sich auf den Weg. Die beiden Freunde geraten in eine abenteuerliche Geschichte, als Davies von dem angeblichen Schweden Dollmann in einen Hinterhalt gelockt wird. Um die Dinge zu verkomplizieren hat Dollmann eine Tochter, Clara, von der Davies vom ersten Moment an fasziniert ist.

Die Geschichte spielt 1904. Ich konnte mich beim Lesen hervorragend mit Carruthers identifizieren, der sich auf der Dulcibella zu Beginn ähnlich verloren vorkam, wie ich auf der „guten Seemannschaft“. Zwar war unser Schiff etwas größer und moderner, viele Dinge, wie z.B. das Entzünden des Petroleumkochers, waren aber durchaus vergleichbar.

Wer mag, die englische Ausgabe gibt es kostenlos zum Runterladen als ebook beim Projekt Gutenberg:
http://www.gutenberg.org/ebooks/2360

Und die Fernsehserie ist wirklich auch sehr sehenswert. Bei mir hatte die gleich in der ersten Folge gewonnen, als die Dulcibella bei schlechtem Wetter in einem kleinen Hafen anlegt und der Hafenmeister Davies mit den Worten „Willkommen in Bensersiel“ begrüßt. Bensersiel ist nämlich der Hafen von Esens. Gedreht worden ist allerdings wohl auf Baltrum, der ursprünglichsten der ostrfriesischen Inselns, da es dort leichter war, die Kulisse der Zeit anzupassen.

Esens kommt später auch vor, aber auch hier sind die Aufnahmen wohl wo anders gedreht. Aber es gibt viele schöne Szenen vom Segeln im Wattenmeer und das sieht nun wirklich überall ziemlich gleich aus.

Jedenfalls hat mir die Serie großen Spaß gemacht.

Und wie die Dinge liegen, heißt es für uns demnächst auch „Willkommen in Bensersiel“ oder eher „Willkommen in Esens“, zumindest kam gestern eine Mail vom derzeitigen Mieter, dass das wohl klappt mit dem Haus. Jetzt brauch ich nur noch einen Job da oben und dann ist alles gut.