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Ich weiß. Schadenfreude ist nicht nett. Gar kein feiner Zug. Aber manchmal kann ich nicht anders. Wie neulich, als in der Zeitung stand, dass ein Fuchs in Russland einem Jäger ins Bein geschossen hat (offenbar war das Tier, das sich in einer Schlinge verfangen hatte, beim Zappeln an den Abzug gekommen). Oder als ein Kampfhahn, dem der Besitzer Rasierklingen an die Beine gebunden hatte, mit diesen dann dem Besitzer die Kehle aufgeschnitten hat (stand auch in der Zeitung, ich glaube der Süddeutschen).

Und jetzt ist also der Vorzeigejüngling der Nation, der Traum aller Mütter und Schwiegermütter, beim Abschreiben erwischt worden. In der Doktorarbeit. Ja, ich gebe zu, das hat mich ein bisschen gefreut. Insgesamt finde ich die Aufregung über den Vorfall jetzt aber übertrieben. Also, zum einen liegen im Wissenschaftsbetrieb jetzt mal wirklich ganz andere Dinge im Argen als dass da abgekupfert wird. Und der ganze Doktortitel-Zirkus ist doch sowieso mehr ein Elite-Schaulaufen. Schonmal gerade in einem Fach wie Jura (sorry, Juristen … aber von Doktorarbeiten in der Rechtswissenschaft hat die Welt wirklich wenig).

Zum anderen glaub ich gar nicht, dass Herr (jetzt nicht mehr Doktor) Guttenberg sich mit fremden Federn schmücken wollte, sondern sich entweder im allgemeinen „da muss ich noch eine Fußnote zu schreiben“-Dschungel verlaufen hat, oder sich nicht so recht getraut hat, die NZZ als Quelle anzugeben. Ich war jedenfalls mit Literaturangaben aus Mainstream-Medien in meinem Studium immer sehr zurückhaltend, weil meine Profs dann immer so aufgeregte rote Flecken im Gesicht und einen Würgereiz kriegten.  Aber damals konnten die Dozenten ja auch noch nicht googeln und außerdem war ich im Umformulieren immer schneller als im Abschreiben, schon in der Schule.

Heinrich Spoerl hat in seinem Roman „Die Feuerzangenbowle“ das Problem des deutschen Bildungswesens (unter besonderer Berücksichtigung der höhreren Lehranstalten) schon sehr schön auf den Punkt gebracht. Da wird Pfeiffer, der Protagonist, nämlich mal zum Direktor beordert, weil er abends in einem Gasthaus gesehen wurde. „Ich dachte …“ fängt der ertappte Pennäler an.
„Sie sollen nicht denken“, weist ihn der Direktor zurecht.
„Aber ich meine …“
„Jetzt hat er auch noch eine Meinung.“
So geht es noch eine Weile hin und her, bis Pfeiffer sich schließlich reumütig entschuldigt.
„Es tut mir Leid, daran habe ich nicht gedacht.“
Darauf der Direx: „Sie sollen aber denken. Dafür sind Sie schließlich ein gebildeter Mensch.“

Und genau so ist das an unseren Unis. Das ganze Studium über wird einem eingetrichtert, dass man gefälligst nicht selber zu denken hat, sondern nur brav bei anderen abschreibt (mit entsprechender Fußnote, natürlich, dann ist das nämlich nicht Abschreiben, sondern „wissenschaftlich arbeiten“). Würdig einen eigenen Gedanken zu haben ist man allerfrühestens bei der Examens- oder Magisterarbeit. Und selbst die kann in der Regel laut Studienordnung als rein reproduzierende Arbeit geschrieben werden. Aber bei der Doktorarbeit soll man dann plötzlich selber denken. Ist doch klar, dass Herr von Guttenberg das dann nicht mehr schafft. Außerdem braucht der ja schon gewaltige Teile seines internen Festplattenspeichers, um sich auch nur seinen Namen zu merken:
Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg

Der heißt wirklich so. Ist das nicht gruselig? Wer tut Kindern denn so etwas an?

… ist der mehr oder weniger sinnbefreite Werbespruch der Stadt Essen.

Ich bin als alte Autohasserin eine erfahrene und geradezu cosmopolitische Nutzerin öffentlicher Verkehrsmittel. Ich bin mit über 50 Jahre alten Bussen auf Malta gefahren, ich habe mir mit einem halben Dutzend Arabern in Tunesien eine „Louage“ geteilt, ich habe mich in Langstreckenbussen bis ins Exmoor und nach Neufundland gekämpt. Ich beherrsche die U-Bahnstreckenpläne von Paris, London und Budapest und lese im Notfall auch Fahrpläne auf polnisch oder griechisch. Bei unserer Haussuche habe ich normalerweise höchstens 10 Minuten googeln gebraucht, um die nächstgelegene Bushaltestellen und sämtliche Verbindungen zu finden (okay, das war meist auch nur ein Schulbus pro Tag). Ich bin geradezu Spezialistin darin, mit öffentlichen Verkehrsmitteln da hin zu kommen, wo ich hin will. Manchmal sogar dann, wann ich hin will.

Aber Essen, meine Damen und Herren, Essen geht jetzt mal echt gar nicht. Diese Stadt ist ein ÖPNV-Moloch sondergleichen. Also, nicht, dass es da keine Bussen und Bahnen gäbe. Im Gegenteil, jede Menge davon. Das ist ja das Problem. Da gibt es Regionalbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse. Und irgendwie keine Webseite, die es schaffen würde, da ein bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen. Die Webseiten des VRR sind so ziemlich das grottigste, was mir an Fahrplanauskunftsseiten in den letzten Jahren so untergekommen ist. Erst braucht diese Scheißkarte für die Haltestellensuche stundenlang, um zu laden, dann übernimmt sie die nach ewigem zoomen und scrollen endlich gefundene Auswahl nicht automatisch in die Suchmaske und dann behauptet diese #$“&$*?&te Suchmaske auch noch, ich hätte leider zu lange gebraucht, meine Sitzung sei abgelaufen. Grrrrr!!!!!

Die Verbindung, die er mir beim zweiten Mal raussucht, beschert mir von Münster zu meinem Zielort in Essen eine Fahrtzeit von 2:40 Minuten. Wenn ich mich ranhalte, bin ich in der Zeit mit dem Fahrrad da. Okay, das ist übertrieben. Aber trotzdem. Ich weiß ja, dass ich beim letzten Mal schneller war. Wenn ich mir nur die Nummer der Straßenbahnlinie gemerkt hätte, würde ich da auch wieder hinfinden. Also nächster Versuch, diesmal lade ich mir den Netzlinienplan herunter. Als PDF. Dauert auch ewig und scrollt sich ähnlich komfortabel wie vorher die Übersichtskarte, aber na gut. Jetzt kann ich rekonstruieren, dass ich beim letzten Mal mit der Linie 105 gefahren bin. Prima, dann brauche ich mir ja jetzt nur noch den zugehörigen Fahrplan runterladen, auch als pdf … wird mir da ja schließlich angeboten.

„Leider kann ihre Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt von uns nicht bearbeitet werden, bitte versuchen Sie es später noch einmal.“

Wie jetzt? Hat der Server für die Linienfahrpläne getz gerade Mittach oder watt?

Ich geb auf. Irgendwie werde ich schon da ankommen, wo ich hinwill. Hat bisher noch immer funktioniert. Aber schön, dass ihr Kulturhauptstadt geworden seid …

Eigentlich wollte ich mir diesmal so einen dekadenten Umzug mit
Umzugsunternehmen gönnen, aber wo jetzt so die ersten Kostenvoranschläge
der Umzugsunternehmen bei mir eintrudeln, kommen mir Zweifel, ob das
wirklich so eine gute Idee ist. Deswegen überlege ich mir gerade eine
Puzzle-Lösung …

… man nehme einen 7,5 t LKW von Stücker&Günzel inklusive 500 km (das
reicht gerade für hin und zurück)
… ein paar kräftige Möbelpacker zum Beladen hier vor Ort (die gibt es
ab 23 Euro die Stunde, behauptet die nadann), vor allem, um das Klavier
die Treppe runter zu tragen

In Esens ist alles ebenerdig, da kriegen wir das Klavier notfalls auch
mit so Rollbrettern ins Haus und die anderen Möbel sind alle nicht so
dramatisch. Und vielleicht gibt es da ja auch Möbelpacker, die man
mieten kann. Ich freue mich einfach, wenn ich nicht drei staatlich
geprüfte Möbelpack-Facharbeiter dafür bezahlen muss, sich 7 h im LKW den
Arsch platt zu sitzen.

Nur, irgendwie muss dieser LKW ja noch von hier nach da. Also, ich hab
zwar einen entsprechenden Führerschein (alte Klasse 3), dürfte also,
aber da ich die letzten vier Jahre nichtmal einen Smart oder VW Käfer
gefahren bin, traue ich mir so ein 7,5 t Monster einfach nicht zu. Und
ein kleinerer Wagen wird nicht reichen, um alle meine Sachen in einem
Schwung bis da oben zu befördern und die Strecke ist einfach zu weit, um
da mehrfach hin und her zu gurken.

Deswegen jetzt meine Frage: hat jemand einen entsprechenden Führerschein
und traut sich zu, so einen LKW von Münster an die Küste zu fahren (ca.
200 km Autobahn und 50 km Landstraße)? Und danach leer wieder zurück?
Und packt auch ein bisschen beim Ver- und vor allem Entladen mit an? Ich
zahle 100 €.

Über weitere Helfer freue ich mich natürlich auch. Ich kann nicht jeden
fürstlich entlohnen, aber eine Kiste Bier soll wohl drin stecken. Und
wer mit nach Esens fahren mag (man könnte die Umzugshilfe ja prima mit
einem genüsslichen Nordsee-Wochenende verbinden, als
Übernachtungsmöglichkeit könnte ich dann die Schlafcouch bieten, die ihr
noch kurz zuvor ins Gästezimmer tragen durftet …), den lade ich zu
einem Nordsee-Thermen-Besuch mit Sauna ein. Oder zu einer Kutschfahrt
durchs Watt. Oder einer Butterfahrt nach Helgoland. Oder so.

Ach ja, stattfinden soll das ganze Mitte bis Ende März, ich bin da
relativ flexibel, gerne am Wochenende, da ist der LKW günstiger und die
Wahrscheinlichkeit für Helfer größer.

Immer, wenn ich deutsche Fernsehserien aus den 80ern gucke, wie jetzt neulich „Das Rätsel der Sandbank“, dann fällt mir auf, wie erfreulich offen und unschuldig da mit männlicher Nacktheit umgegangen wird. Und ich rede jetzt nicht von so einem penibel rasierten, mit Kunstschweiß versehenen muskulösen nackten Oberkörper, sondern einfach von ganz normalen nackten Männern von hinten und von vorne. „Male frontal nudity“ heißt das im amerikanischen Sprachgebrauch und ist da allenfalls in Pornofilmen oder (in Ausnahmen) in exotischen fremdländischen Nischenfilmen möglich. Führt jedenfalls unweigerlich zu einer Altersfreigabe ‚M‘ („mature“ … sozusagen die höchste Sicherheitsstufe, ab 18 oder, je nach Bundesstaat, auch erst ab 21) und kommt im Fernsehen, zumindest im „Free TV“ nicht vor.

 

Das Rätsel der Sandbank

In Deutschland war das offenbar gar kein Problem. Sogar in Kinderserien wie „Manni der Libero“ gab es nackte Duschszenen, in denen um die männlichen Geschlechtsteile kein Geheimnis gemacht wurde und wo dann nicht (wie im amerikanischen Fernsehen und offenbar inzwischen auch bei uns üblich) immer ein Waschbeckenrand, ein Handtuch oder eine Raumschiffladeluke an strategisch wichtiger Stelle platziert werden musste.  Heute wäre das wahrscheinlich Kinderpornographie. Wenn im deutschen Fernsehen der 80er Jahre jemand aus logischen Gründen nackt war, weil er duschte, nachts in einem Waldsee baden ging, sich nach einer heißen Sexnacht morgens aus dem Bett schälte oder so, dann war der eben nackt und das konnte man sehen, Alter und Geschlecht egal. Scheinbar fand da keiner groß was dabei.

Und was ist jetzt? Also, ich meine, ich guck ja nicht so viel Fernsehen, aber ich müsste jetzt echt schwer nachdenken, ob mir in den Produktionen der letzten Jahre nochmal so ein Penis ins Auge gesprungen ist. Ich glaube nicht. Nackte Haut gibt es natürlich, auch Sex, meist perfekt ausgeleuchtet mit appetitlichen Bildern, aber die entscheidenden Dinge spielen sich dabei mindestens unter einem Bettlaken ab. Oder im off. Und wenn die danach aufstehen, steht da wieder die Kommode in genau passender Bauhöhe oder die Kamera ist so platziert, dass man nur den Hintern zu sehen kriegt. Also, das ist ja schonmal was, die Rückseite kann beim Mann ja durchaus höchst attraktiv sein. Sogar attraktiver als die Front, wenn man mich fragt. Mir geht es eher darum, dass da scheinbar heute etwas versteckt wird, was sich vor ein paar Jahrzehnten ganz unverschämt zeigen durfte. Woran liegt das? Haben wir da ein gewisses Schamgefühl wieder gewonnen? Oder liegt das daran, dass heute mehr Sendungen produziert werden, die auch ins Ausland verkauft werden sollen? In anderen Ländern scheint deutlich strenger geregelt, was vor und nach der sogenannten „watershed“ im Fernsehen gezeigt werden darf.

Ich hätte jedenfalls gerne wieder mehr nackte Männer im Fernsehen. Und Frauen mit Achselhaaren, aber das ist ein anderes Thema. Menschen, die wie Menschen aussehen dürfen, und nicht wie eine Deo-Werbung, halt.

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