Vor etlichen Jahren, als es den Wehrspeicher noch gab, habe ich mit den Clans Ruadh und Sciurdain in Freienfels ein wunderschönes Belthaine Ritual gefeiert. Vor allem ging es dabei darum, dass die Frauen den Männern die Flamme des Lebens wieder abjagten, die die Männer wiederum von den Frauen im Herbst zuvor an Samhain bekommen hatten, um sie über den Winter zu hüten.

Bei den Kelten (soweit es so etwas wie „die Kelten“ überhaupt gibt … sowohl historisch wie auch archäologisch ist der Begriff ein bisschen schwammig und inzwischen wohl auch stark romantisierend und politisierend überlagert … aber egal) gibt es traditionell nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter. Der Sommer beginnt am 1. Mai und dauert bis zum 1. November. Gefeiert wird jeweils der Anfang und die Mitte dieser Jahreszeiten. Und im Winter überwiegt die männliche Kraft, im Sommer die weibliche. Dazu gehören jede Menge zum Teil blutrünstige Geschichten über die Geburt und den Tod des (männlichen) Sonnengottes. Aber wenn wir diese Symbolik mal beiseite lassen, merke ich immer mehr, wie sehr ich selber diesen Rhythmus empfinde. Ich bin den Winter über völlig kraft- und energielos. Und vielen Frauen in meinem Bekanntenkreis geht es ähnlich. Das fehlende Licht und kaltes, feuchtes Wetter scheinen uns Frauen viel mehr auszumachen als den Männern. Und ich glaube, da liegt der Ursprung dieses Teils der keltischen Mythologie. Ich gebe die Flamme des Lebens über den Winter gerne an die Männer ab, die den Elementen da mit so viel mehr Kraft zu trotzen scheinen. Dann kann ich so lange ohne schlechtes Gewissen zu Hause im Warmen bleiben und deprimiert sein und warten, dass es endlich wieder heller und wärmer draußen wird.

Und wenn es dann soweit ist, dann fühle ich auch, wie meine eigene Kraft zurück kommt und bin bereit, den Sommer über dann auch wieder die Verantwortung für die Flamme des Lebens zu übernehmen. Dann habe ich plötzlich Lust, das Haus zu putzen, den Garten auf Vordermann zu bringen und alle die Baustellen wegzuräumen, die im Winter so liegengeblieben sind.

So ist es wahrscheinlich kein Zufall, dass ich gerade am 1. Mai das erste Mal in diesem Jahr wieder was im Garten getan habe. (Ich muss allerdings gestehen, dass Eliza schon ein paar Wochen vor mir aus dem Winterschlaf aufgewacht ist und schon etliche Beete umgegraben und einige Male den Rasen gemäht hat … ich hätte ihr auch geholfen, aber immer wenn ich frei hatte, hat es geregnet. Echt! Schönes Wetter war nur, wenn ich arbeiten musste). Jedenfalls ist mir bei der Gartenarbeit mal wieder aufgefallen, wie sehr man sich mit dem Land verbindet, sobald man anfängt, darin herumzugraben, etwas anzupflanzen oder einfach nur die Hecke zu beschneiden. Mit jeder Minute, die ich im Garten verbracht und Gestrüpp aus der Kräuterspirale gezupft habe, hatte ich das Gefühl, dass aus meinen Füßen kleine Wurzeln wuchsen.

Es bleibt immer noch ganz viel zu tun: der Kompost soll an eine andere Stelle, näher zum Haus und besser mit der Schubkarre zu erreichen, die völlig fehlgeplante und überflüssige Terrasse soll weg und stattdessen ein Kartoffelbeet hin, und die Kaninchen sollen endlich nach draußen in ein schönes großes Gehege ziehen dürfen. Wir haben beschlossen, den Wintergarten (der ähnlich überflüssig und fehlgeplant ist wie die Terrasse) zum Hühner- und Kaninchenstall umzufunktionieren. Der ist viel besser geeignet als der Fahrradschuppen, den wir dafür eigentlich vorgesehen hatten. Außerdem können wir auf den Wintergarten viel besser verzichten, den haben wir sowieso nie genutzt. Und auch hier ist der Weg wieder viel kürzer. Schließlich muss man ja schon ein paarmal am Tag zum füttern, ausmisten etc. zu den Tieren hin. Und frostgeschützer im Winter ist es auch.

Aber wenn wir das alles geschafft haben, den Kompost bewegt, den Kartoffelacker angelegt und die Tierställe gebaut, dann haben wir einen echt ziemlich beeindruckenen Selbstversorgergarten. Und ich freue mich unheimlich auf die ersten eigenen Eier. Die Beetfläche ist jetzt schon etwa doppelt so groß wie letztes Jahr und Eliza hat diesmal geackert wie eine Wilde, um echte Tiefkulturbeete anzulegen und viel Kompost dazu gepackt. Auf den alten Komposthaufen kommen dieses Jahr unsere Zucchini, Gurken, Melonen und Kürbisse und an den Zaun daneben noch einige Johannisbeersträucher. Und dann leisten wir uns vielleicht noch einen neuen Zwetschgenbaum, der Nachfolger von Cosima wird, unserem unglücklichen Aprikosenbäumchen, das leider nicht angegangen ist. Frühling ist toll.

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