Ein Bielefelder Möbelhaus lässt in China Tassen bedrucken. Und neben Rosen und Handschrift (die, wie immer in solchen Fällen, sinnlose Wortfetzen auf Englisch enthält) ist auch eine Briefmarke mit einem Poststempel zu sehen. Dummerweise eine, die aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 stammt und auf der darum das Konterfeit des damaligen Regierungschefs zu sehen ist. Nebst Poststempel mit Hakenkreuz.

Ist das jetzt schlimm? Auf jeden Fall ist es wohl nach deutschem Recht illegal. Wobei mir noch nicht ganz klar ist, warum der Aufdruck des Motivs auf eine Tasse illegal ist, die Abbildung der Tasse in den deutschen Massenmedien dann aber nicht … ich meine, wie viele Leute hätten die Tasse in einem Bielefelder Möbelhaus gesehen und wie viele sehen sie dann jetzt? Wenn irgendwo der Tatbestand der „Verbreitung nationalsozialistischer Symbole“ erfüllt ist, dann ja wohl bei Bild, Süddeutsche, Spiegel und Co.

Ist das sinnvoll? Ich meine, die Briefmarke hat es ja nun wirklich gegeben. In sehr sehr hoher Auflage (ich müsste jetzt in einen Briefmarkenkatalog gucken, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da mehrere Millionen von gedruckt worden sind und ich hatte die als Kind auch mehrfach in meiner Briefmarkensammlung). Und auf dem Poststempel war damals nunmal ein Hakenkreuz. Wenn man das jetzt heute nicht zeigen darf, dann tut man ja irgendwie so, als hätten diese 12 Jahre nie stattgefunden. Oder zumindest, als hätten während dieser Zeit in Deutschland keine Menschen gelebt. Menschen, die nicht nur Krieg geführt und in Konzentrationslagern Juden vergast haben, sondern die einen ganz normalen Alltag gelebt haben, die ins Kino oder ins Theater gegangen sind, ihre Kinder in die Schule geschickt haben, einen Beruf hatten und eben auch Briefe geschrieben haben. Wenn man einen alltäglichen Gegenstand aus dieser Zeit, wie hier eine Briefmarke, nicht zeigen darf, dann ist das auch eine Form von Geschichtsverleugnung. Htilers Bild war in dieser Zeit allgegewärtig. Das darf uns peinlich sein und unangenehm berühren. Sollte es auch. Ich finde ja auch, dass der Designer der Tasse nicht unbedingt Tonnen an Feingefühl bewiesen hat. Aber daraus eine Straftat zu kontruieren, das ist wirklich eine typisch deutsche Reaktion.

Eine Ideologie zu bekämpfen indem man ihre Symbole verbietet oder zerstört hat noch nie besonders gut funktioniert. Meistens geht der Schuss nach hinten los. Ich behaupte, wenn die Tassen einfach weiter unbehelligt im Möbelhausregal gestanden hätten, hätte kein einziger Neonnazi Deutschlands sie bemerkt. So gehe ich davon aus, dass die 176 bereits verkauften Tassen in der braunen Szene bald zu begehrten Sammlerobjekten werden.

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