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There are a few German words and phrases that have become part of the English language as loan words, for the simple reason that there hasn’t been a native English expression for the concept. „Zeitgeist“ is one example. So are „Wanderlust“ and „Gemütlichkeit“.

Today, I think I discovered another word that probably should become part of the English language. It is the German word „Aussteiger“. When I ask LEO (my usual source for quick and dirty translations of individual words and phrases), it gives the English word „dropout“ as translation. That’s … well … it covers part of the story, I guess, but I don’t find it satisfying. The Collins German dictionary (that’s the place where I go when I want to appear all intellectual and such) gives „person who opts out“ and „dropout“ again.

Let me explain to you why „dropout“ doesn’t work very well and why I think that the English speaking world really needs the term „Aussteiger“.

An „Aussteiger“ is someone who leaves his or her „normal“ way of life for something more exotic, more down-to-earth or just less hectic and absurd. That can be a manager who suddenly quits his job and buys a yacht to go bluewater sailing for the rest of his life, a middle-class family that decides to live in a cabin in the woods now, a back-to-the-lander or a taxi driver from Berlin who decides to open a kafenion on a small greek island instead. It is someone who trades a lifestyle that is regarded as respectable (even by Hobbit standards) for something that is viewed with a lot of suspicion (and in many cases, some envy). It is someone willing to take a risk to find a better, more satisfying, more peaceful or less damaging lifestyle somewhere else. In most (but not all) cases it is someone who, to put it in Guy Mc Pherson’s words, walks away from Empire.

Someone like that could be described as a dropout, of course. But here is why I don’t like that term and think that „Aussteiger“ is much better. When something drops, it is by definition in a downward motion. Dropping is like falling … once you drop, there is a good chance you will hit rock-bottom sooner or later. „Steigen“ on the other hand also means to rise or climb in German. An „Aussteiger“ is therefore actively pursuing a path that will bring him „up“ more likely than „down“ (even though it is possible to use the verb „steigen“ to decribe a downward motion as well, but even then it is a controlled, active motion).

While most Germans probably wouldn’t want to become an „Aussteiger“ themselves, or don’t think they could or wouldn’t dare to, „Aussteiger“ (the plural is the same as the singular, btw) are viewed with a grim respect and in many cases even admiration. Many people I know and talk to secretly dream of becoming an „Aussteiger“ themselves … one day … maybe after retirement.

Do you understand what I am trying to say here? „Dropping out“ is not sexy. „Aussteigen“ is. And we want people to become „Aussteiger“. Well, I do. I want so many people to leave the system that the system just doesn’t work anymore.

So, I am on a mission … I have this word and I want to nominate it as a candidate for the English language. How do I go about this? I could write a letter to the Oxford English Dictionary: „Dear Editor, please include the following word in your next edition …“, but I doubt it will work. So I can just encourage you to use „Aussteiger“ instead of „dropout“ whenever you refer to someone who trades a 9-5 and a suburban home for something more exciting and reasonable.

How is it pronounced? I suck at phonetic transcription and even if I knew how to spell it out in the correct little wiggly symbols, I doubt I would find them on my keyboard. So I will try to describe it. The stress is on the first syllable, which is pronounced like „house“ but without the „h“ sound in the beginning and with a sharp „s“ at the end (it is a German word after all, we Germans always do hard and sharp consonants at the end). Then it is followed by a „sh“ sound (like in „hush“) and by the word „tiger“. So it is /OUS-sh-tiger/ The „s-sh“ combination might be a bit of a tongue twister at first, but you will get there 😉

So, please, everybody: help me spread the word.

Der Leitartikel auf der Süddeutschen online ist heute „Fehlende Telefondaten erschweren Ermittlungen„. Merkt jemand, was da passiert? Der Autor des Artikel tut so, als hätten Staatsanwaltschaft und Polizei ein moralisches Recht auf Verbindungsdaten und es wäre quasi eine Unverschämtheit von den Providern, die Nutzerdaten nach kurzer Zeit zu löschen.

Da wird wieder einmal ein Verbrechen, dass eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit hat und natürlich berechtigterweise bei einer Mehrheit der Bevölkerung große Empörung auslöst, zum Anlass genommen, nach mehr Überwachung zu schreien. Das ist der gleiche Mechanismus wie der, wo wegen Kinderpornographie nach mehr Überwachungsmöglichkeiten im Internet geschrien wird, diese Überwachungsmöglichkeiten dann aber hauptsächlich zum Einsatz kommen, um Musikpiraten aufzuspüren, oder wenn die Vereinigten Staaten um böse Terroristen fernzuhalten „no fly lists“ und „terrorist watch lists“ verfassen, die aber größtenteils keine Terroristen, sondern politisch unbeliebte Leute enthalten.

Naomi Klein’s „Shock Doctrine“ in Reinkultur.

Heute stieß ich beim gelangweilten Stöbern im Netz auf der Seite der Süddeutschen auf eine Fotostrecke zu geplanten „Kleinstautos“

Nun muss ich sagen, dass ich die Idee, weniger als eine Tonne Blech transportieren zu müssen, weil man innerhalb einer Stadt von A nach B will, ja nicht schlecht finde. Ich verstehe auch, dass nicht jeder so masochistisch veranlagt ist wie ich und sich regelmäßig nassregnen lassen mag. Oder auch, dass es Leute mit körperlichen Gebrechen und Einschränkungen gibt, die eben wirklich nicht Fahrrad fahren können. Insofern stoßen Kleinstautos bei mir erstmal schon auf Sympathie.

Aber was mich dann nervt, ist, dass die Autoindustrie dann so tut, als müsste sie etwas spektakulär Neues und Trendiges erfinden … da ist die Rede von Kohlefaser-Werkstoffen und Aluminium-Karosserien. Und was dann dabei herauskommt, ist ein Auto, das eine Person befördern kann, eine Reichweite von 65 Kilmometern hat und 460 kg wiegt. Ja, Leute, geht es noch? Da war eine Ente mit 560 kg oder ein VW Käfer oder Trabbi mit etwas über 600 kg ja nur unwesentlich schwerer. Und da passt im Notfall eine ganze Familie mit Urlaubsgepäck rein.

Man konnte schon in den 50er Jahren die Isetta bauen (Zweisitzer, 350 kg Leergewicht), oder das Goggomobil (Viersitzer, 415 kg). Und zumindest das Goggo sah echt aus wie ein Auto. Alles ohne moderne Werkstoffe. Und alle konnten sie im normalen Verkehr mitfahren, auch auf der Landstraße, ohne den Betrieb aufzuhalten.

Und da soll mit 50 Jahren Weiterentwicklung in der Automobilindustrie nicht mehr drin sein?

Und was ist überhaupt mit den Elektroautos, die es in den letzten Jahrzehnten schon gegeben hat? Waren die denn so schlecht? (Nein, waren sie nicht, wenn man der Dokumentation „Who Killed the Electric Car“ glauben darf)

Es ist ja nicht so, dass es keine wirklich innovativen Konzepte geben würde. Der Twike zum Beispiel:

Und auf der Insel Langeoog fahren so niedliche kleine Elektro-Lastwagen. Ich meine, die müssten sich doch auch als PKW bauen lassen, ohne dass man gleich das Rad neu erfinden muss. Die Technik ist längst da. Nur, solange nicht die ganz großen Autofirmen dahinter stehen, schweigen die Massenmedien sich darüber aus.

Dabei gibt es in den USA sogar ein Museum für die sogenannten MicroCars:
http://microcarmuseum.com/virtualtour.html

Man staunt, was es da alles schon gegeben hat. Das kann doch nicht so schwer sein, da statt eines Benziners einen Elektromotor rein zu bauen.

Also, bevor jetzt hier ein falscher Eindruck entsteht … ich finde auch Elektroautos nicht toll. Privatautos sind generell eine ganz schlechte Idee und sollten nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig sein. Aber es geht mir auf den Geist, wenn die Automobilindustrie so tut, als könnten sie im Moment eben einfach noch keine kleinen sparsamen Autos herstellen, weil sie dazu erst etwas erfinden müssten. Aber selbst wenn es ihnen gelingt: ich bleib bei meinem Fahrrad.

Was ich hiermit tue:

Berechtigte Frustration in Anbetracht einer aussichtslosen Lage und einer Informationspolitik, die, da hat der gute Mann Recht, bei uns wahrscheinlich keinen Deut anders wäre.

Edit: offenbar hat YouTube diesem Video den Kampf angesagt. Aber: You can’t stop the signal! Falls der eingebettete Link wieder ungültig wird, findet man das Video jetzt auch hier:

http://cubemonkey.net/capella/LastMessageFromJapan.flv (leider kann ich von da nicht embedden)

Okay, es ist Viertel vor Eins in der Nacht und ich traue mich nicht, ins Bett zu gehen, weil ich Angst hab, dass die Welt morgen einfach nicht mehr da ist. Dieses Erdbeben in Japan geht mir durch und durch, gerade weil es so kurz nach dem schweren Beben in Neuseeland passiert ist. Ich bin Holistin. Für mich gibt es keine Zufälle, sondern alle Dinge, die auf der Welt passieren, gehören irgendwie zusammen. Ich bin außerdem Animistin, das heißt, jeder Teil der Welt, sei es Pflanze, Stein, Fluss, Mensch oder Tier, hat für mich so etwas wie eine Seele. Und darum kann ich die beiden Ereignisse nicht als zufällige statistische Häufung betrachten. Beide Beben fanden relativ nah unter der Erdoberfläche statt (was unter anderem für das starke Ausmaß der Zerstörung verantwortlich ist). Ob es sonst Parallelen gibt oder wie die betroffenen Gebiete plattentektonisch zusammen hängen, weiß ich nicht.

Vielleicht besteht ein Zusammenhang mit dem anstehenden Supermond. Scheinbar gibt es eine statistische Häufung von Katastrophen ca. 14 Tage vor einem Supermond. Das das gerade 14 Tage vorher ist, ist übrigens logisch, finde ich. Denn das ist dann der Neumond vor dem Supermond. Der Mond dürfte auch dabei der Erde schon sehr nahe sein und er steht außerdem in einer Linie mit der Sonne, die Schwerkraftwirkung der beiden Gestirne ist also in dem Moment am stärksten. Vielleicht macht ja das flüssige Magma im Erdinneren eine ähnliche Gezeitenwelle wie die Ozeane an der Oberfläche und die ist halt bei einem Supermond besonders groß und darum macht es dann heftiger Rumms. Halte ich für möglich.

Oder es liegt tatsächlich am instabilen Erdmagnetfeld kombiniert mit hoher Sonnenaktivität. Obwohl ich es da noch schwieriger finde, einen physikalischen Zusammenhang zu Erdbeben zu konstruieren. Zusammenhang mit Wetter, ja. Alles was in der Atmosphäre stattfindet. Aber Erdbeben? Andererseits, vom holistischen Standpunkt, vielleicht eben doch. Hochkomplexe Systeme. Wer durchschaut das schon? Gestern oder vorgestern geisterte so ein Bericht durchs Internet, dass Wissenschaftler mit Radarsatelliten eine Erhebung in der Wasseroberfläche des Pazifik gemessen haben. Das wurde auf erhöhte Temperatur und niedrigen Luftdruck zurückgeführt, La Niña lässt grüßen. Und so eine Delle im Ozean, die kann die Druckverhältnisse am Meeresboden schon gewaltig ändern und vielleicht auch dafür sorgen, dass sich da tektonische Platten losrütteln, die schon länger aneinander hängen und eine Spannung aufgebaut haben, die sich dann in einem Erdbeben entlädt.

Aber vielleicht hat Mutter Erde auch einfach beschlossen, dass wir jetzt wirklich ein bisschen zu lästig geworden sind und versucht uns abzuschütteln wie ein Pferd einen Schwarm Fliegen. Das sag ich jetzt so flapsig, meine es aber ernst. Ich halte es für möglich, dass der Planet als Ganzes wie ein Lebewesen funktioniert. Und so ähnlich wie ein Mensch wenn er krank ist Fieber und Schüttelfrost bekommt, bekommt ein Planet vielleicht Klimawandel und Erdbeben.

Jedenfalls hat Japan ja durchaus Übung mit Erdbeben. Und japanische Atomkraftwerke sind so erdbebensicher konstruiert, wie man nur irgendetwas erdbebensicher konstruieren kann. Schalten sich z.B. bei einem Beben automatisch ab. Ist ja pfiffig gedacht. Irgendwie hat an dabei aber wohl vergessen, dass, wenn alle Atomkraftwerke sich sicherheitshalber abstellen, das Land in weiten Teilen ohne Strom da steht. Selbst wenn es noch andere Kraftwerke gibt. Für so einen plötzlichen Spannungsabfall sind Stromnetze nicht gebaut, auch japanische nicht. Und ohne Strom lassen die bereits abgeschalteten Atomkraftwerke sich nicht mehr kühlen. Gekühlt werden müssen die aber auch nach Abschaltung noch, weil man eine Kettenreaktion eben nicht einfach so anhält. Egal, wie die Sache jetzt ausgeht und ob sich eine Kernschmelze noch verhindern lässt oder nicht, zeigt das mal wieder, dass es so etwas wie ein 100%ig sicheres System einfach nicht gibt. Und dass jede noch so unwahrscheinliche Verkettung von Ereignissen irgendwann eintrifft, meistens schneller als man denkt. ALSO SCHALTET DOCH ENDLICH SÄMTLICHE ATOMKRAFTWERKE AB! Wenn es in Deutschland oder Frankreich auch wahrscheinlich kein Erdbeben von entsprechender Stärke geben wird, dann wird es eben eine Sturmflut, ein Elektronikausfall wegen Sonnenflecken oder irgendetwas anderes sein. „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“, sagt Martin Semmelrogge in „Das Boot“.

Was für einen Schildbürgerstreich haben sich unsere Jungs und Mädels in Berlin denn jetzt da bitte wieder geleistet? Das ist ja noch absurder als die Abwrackprämie. Denn während die zwar verlogenerweise unter dem Deckmäntelchen der Umweltfreundlichkeit und des Klimaschutzes daher kam, hatte die zumindest einen kurzfristig stabilisierenden Effekt auf die Automobilindustrie und selbst ich als alte Autohasserin muss zugeben, dass die für unser Wirtschaftssystem fundamental wichtig ist. Aber diese Biokraftstoffnummer, die geht jetzt mal gar nicht.

Erstens ist es ausgesprochen fragwürdig, ob „Bio“ethanol (bescheuerte Konstruktion, schon alleine dieses Wort … Ethanol wird eigentlich traditionell und immer schon aus Pflanzen gewonnen, ist nämlich stinknormaler Allohol … macht man aus Getreide, Obst, Kartoffeln, Zuckerrohr und anderen stärke- oder zuckerhaltigen Lebensmitteln) überhaupt als klimaneutral gelten kann, wie uns gerne vorgegaukelt wird. Diese Pflanzen, für die industrielle Produktion in erster Linie Mais, Weizen, Zuckerrüben, Zuckerrohr, wachsen nämlich nicht von alleine auf den Feldern. Da fahren etliche Traktoren x-mal drüber, um zu pflügen, zu säen, zu düngen, Pestizide zu versprühen, zu ernten. Dann wird das Zeug noch in Fabriken transportiert, vergoren etc. pp. Das gibt es alles nicht „umsonst“, sprich, nicht ohne Einsatz von Energie in Form von Treibstoff. Wie genau die Bilanz ist, also wieviel Energie ich reinstecken muss, um einen Liter Bioethanol zu erhalten, darüber scheiden sich die Geister, aber „klimaneutral“ ist es damit schonmal nicht mehr. Auf diese Weise werden keine Klimaschutzziele erreicht, sondern allenfalls CO2 Bilanzen geschönt.

Viel entscheidender ist aber, dass die Lebensmittelpreise weltweit noch nie so hoch waren, wie gerade jetzt. Und die Unruhen, die da im Moment in der arabischen Welt und darüber hinaus toben, die haben nur in sehr geringem Maße etwas mit plötzlich erwachter Sehnsucht nach Demokratie zu tun und sehr viel mit der Tatsache, dass der Teller immer häufiger leer bleibt, weil Menschen mit geringem Einkommen sich nichtmal mehr die lebensnotwendigen Kalorien leisten können. Und das Problem wird sich mit Sicherheit in den nächsten Jahren eben durch den Klimawandel und schwindende Ölreserven noch extrem verstärken. Da ist das letzte, was wir brauchen, ein Gesetz, das fordert, dass Lebensmittel zu Biosprit konvertiert werden müssen. Laut Greenpeace lassen sich aus 100 kg Getreide ca. 100 kg Brot herstellen, oder 25 l Ethanol. Von 100 kg Brot kann ein Mensch eine ganze Weile lang seinen Grundumsatz an Kalorien decken. Ich würde sagen, mindestens 3 Monate. Ein Liter Ethanol entspricht in der Energieausbeute etwa 0,65 l konventionellen Kraftstoffs (laut Wikipedia). Mit 25 l Ethanol fährt ein durchschnittlicher Mittelklassewagen damit etwa 200 km weit (bei 8 l Spritverbrauch normaler Kraftstoff). Damit käme ich nichtmal von hier bis nach Esens. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Auf dieser Welt hungern etwa 1 Milliarde Menschen, das ist ca. jeder siebte. Alle drei Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger. Und da sollen wir mal eben das Äquivalent an Nahrungsmitteln, das so einen Menschen drei Monate am Leben halten könnte, auf dem Weg zum nächsten Popkonzert, Skiwochenende oder Einkaufstrip verfahren?

Ich ärgere mich am meisten, dass jetzt, wo offensichtlich wird, dass viele Menschen in Deutschland diesen Pseudo-Biosprit nicht wollen, in den Medien und der öffentlichen Diskussion als einziger möglicher Grund angegeben wird, dass die Leute Angst um ihr Auto haben. Ich meine, gut, des deutschen liebstes Kind und so … wir sind da ja echt penibel mit den kleinen Blechpalästen mit denen wir rumrollen. Aber vielleicht, ganz vielleicht, haben ja auch einfach schon ein paar Leute mehr diesen Unsinn durchschaut und tanken das Zeug einfach nicht, weil sie nicht mitverantworten wollen, dass landwirtschaftliche Flächen für die Gewinnung von Treibstoff genutzt werden, solange noch irgendjemand auf dieser Welt nicht genug zu essen hat. Oder weil sie die schöne Lüge vom klimaneutralen Kraftstoff nicht glauben. Und diese Themen werden im Moment ganz bewusst aus der Diskussion rausgehalten und totgeschwiegen. Es wird der Eindruck erweckt, es ginge nur um mangelnde Aufklärung über die Schädlichkeit für Motoren. Noam Chomsky hätte seine helle Freude an diesem Thema. Der hat immer ein sehr gutes Auge dafür, wie in den Medien Meinung gemacht wird durch das, was nicht berichtet wird.

Die Mineralölkonzerne lachen sich natürlich ins Fäustchen. Die können nur gewinnen, wenn die einzige Alternative, die dem kritischen Nutzer bleibt, die ist, den teureren Super Plus Kraftstoff zu tanken (wer denkt sich eigentlich solche völlig sinnfreien Bezeichnungen aus?).

Natürlich gibt es auch noch die andere Alternative: das Auto stehen lassen. Ich muss aber nach gestrigem Abenteuerurlaub mit der Bahn mal wieder zugeben, dass das nicht immer eine reine Freude ist. Lokführerstreik, Stellwerkausfall in Bramsche und Brückenstörung in Oldenburg, da kam mal wieder einiges zusammmen. Ich muss aber ein großes Lob an die NordWestBahn aussprechen, die das Chaos ja nicht zu verantworten sondern nur auszubaden hatte: die haben sich große Mühe gegeben, die Fahrgäste genau zu informieren, was schiefgeht und wie lange das wahrscheinlich noch dauert. Und dabei den Humor nie verloren. Warum kann die Deutsche Bahn das nicht?

Langsam werd ich noch bekloppt. Jetzt warten wir seit mindestens drei Wochen darauf, ob wir das nette kleine Haus zwischen Ibbenbüren und Mettingen, das wir uns ausgeguckt haben, nun mieten dürfen oder nicht. Und ich rechne ja mit allen möglichen Widerständen … das die Leute was gegen zwei Frauen haben, die zusammen leben wollen (immerhin ist das da katholisch und auf dem Land … ich weiß von einem Fall gar nicht weit von da weg, wo zwei Männer jedenfalls nicht einfach so zusammen leben konnten, ohne dass die Leute reden), dass die Vermieter Bedenken haben, weil Elisa Hartz4-Empfängerin ist, dass sie was gegen unsere Atelier- und Hofcafé-Pläne haben, dass sie keine Ziegen auf ihrem Grundstück haben wollen, dass sie Angst haben, dass wir ohne männliche Verstärkung mit der Gartenpflege und dem Grundstück überfordert sind … Ich kann mir wirklich viele gute Gründe überlegen, warum man uns nicht als Mieter haben will. Aber das ist es alles angeblich gar nicht. Nein. Unsere vielleicht zukünftigen Vermieter machen sich Sorgen, weil wir kein Auto haben. Das lässt mich ehrlich gesagt eher sprachlos. Wenn sich meine Eltern Sorgen machen, dass ich ohne Auto irgendwo auf dem Land leben will, dann verstehe ich das. Die dürfen das. Die kennen mich aber ja nun schon eine Weile und haben sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass ich mit dem Fahrrad und Bus auch ganz gut klar komme. Immerhin wohne ich ja im Moment auch nicht in der Innenstadt, sondern ebenso weit aus Münster raus, wie ich dann eben aus Ibbenbüren oder Mettingen raus wohnen würde. Zugegeben, hier muss ich keinen Hügel hoch, um aus der Stadt nach Hause zu kommen, aber dafür kann ich hier auch keinen Hügel runter rollen, um von zu Hause in die Stadt zu kommen. Wir reden von einer Entfernung kleiner 5 km. Für die Mädels hält ein Schulbus direkt vor der Tür. Und überhaupt … das ist doch wohl unser Problem.

Ich meine, wie lange ist es her, dass noch nicht jeder ein Auto hatte? Weniger als 50 Jahre, würde ich behaupten. Da sollte es doch in den Köpfen der Menschen noch vorstellbar sein, dass man auch ohne Auto leben kann? Auch wenn man nicht in der Stadt wohnt. Ich meine, gut, früher gab es vielleicht mehr Geschäfte in den kleinen Ortschaften (wobei ich nicht glaube, dass es zwischen Ibbenbüren und Mettingen früher mehrere Tante Emma Läden gegeben hat … der nächste Supermarkt ist gerade mal 2 km von „unserem“ Haus weg … der nächste Baumarkt 1,5 km … da kann ich doch locker zu Fuß hingehen). Dafür gibt es heute für fast jeden Scheiß einen Bestellservice, wenn einen denn wirklich die Einkaufswut überkommt.

Ich hab gar kein Problem damit, wenn andere Leute aus Bequemlichkeit nicht auf ihr Auto verzichten wollen (na gut, vielleicht hab ich ein Problem damit, aber ich werde da niemandem rein reden). Aber es kotzt mich an, wenn andere Leute darüber urteilen, dass ich ein Auto brauche. Es ist kein Zufall, dass ich kein Auto mehr habe. Ich hab das nicht irgendwo verloren oder so. Ich habe mich ganz bewusst gegen ein Leben mit Auto entschieden, weil ich das Auto für eines der größten Übel unserer Gesellschaft halte. Und zwar weder wegen des CO2-Ausstoßes noch wegen der Verkehrstoten, obwohl das beides gute Gründe wären, sondern weil Autos Menschen zu abgestumpften Idioten machen, denen jeder Kontakt zur Realität, zu ihren Mitmenschen und zu der Welt, die sie umgibt, verloren geht. Autofahren ist eine Sucht, eine fundamentalistische Religion, die keine Ungläubigen neben sich duldet, die von allen Lebewesen einen Tribut fordert, den wir keinem Gott, keinem Herrscher und keiner staatlichen Institution zu zahlen bereit wären, materiell genauso wie ideologisch. Wir opfern dem Auto die Luft, die wir atmen, die Stille, wir opfern ihm fruchtbaren Boden, sauberes Wasser, Zeit und die Sicherheit unserer Kinder. Und das alles, weil wir individuelle Mobilität mit Freiheit verwechseln.

Tschuldigung … ich hab gerade so einen persönlichen David gegen Goliath Moment. Aber mit dem Auto ist das so ähnlich wie mit der roten Pille in Matrix. Wenn man einmal ausgestiegen ist, kann man die Welt nie wieder so sehen wie vorher. Es gibt keinen Weg zurück. Wenn ich mir jetzt wieder ein Auto anschaffen würde, dann würde ich das als Verrat empfinden, als ein Verbrechen an der Welt und der Menschheit, geradezu. Ich sehe mein Leben ohne Auto als einen Kampf für eine gute Sache. Und dann macht es mich wütend, wenn jemand kommt und sagt: „Ohne Auto kann man hier aber nicht leben.“ Ich gebe ja zu, dass es Orte auf der Welt gibt, wo man das wirklich nicht kann. Ist die Frage, ob man dann da leben sollte. Ich persönlich sollte es nicht. Darum war die Ortswahl ein so wichtiger Faktor bei der Haussuche. Aber an einem Platz, wo zwei Städte mit allen Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten und Schulformen in weniger als 5 km Entfernung liegen, wo ein Bahnhof in weniger als 5 km Entfernung liegt, wo ein Schulbus vor der Tür hält, wo es für den Notfall Taxen und einen Pizzaservice gibt, da kann man verdammt nochmal auch ohne eigenes Auto leben. Und dass es Menschen gibt, die sich das noch nicht einmal mehr vorstellen können, das ist für mich ein weiterer Beweis dafür, wie mächtig der Gott Auto in unserem Land so ist.

Ich bin irritiert. Was ist eigentlich aus dem Terror-Alarm geworden? Da wird man tagelang bombadiert mit vagen Andeutungen und Schreckensszenarien zur Weihnachtsmarkt-Saison, ein Securitytest mit Bombenattrappe irgendwo in Afrika wird zum „Anschlagsversuch auf deutschen Flughafen“ hochstilisiert, keiner weiß was genaues, aber alle sind sich einig, dass es noch nie so gefährlich war in Deutschland.
Nicht, dass ich das geglaubt hab. Auch das meiste, was ich so in online-Kommentaren zu den verschiedenen Artikeln gelesen habe, war eher skeptisch. So richtige Panik wollte sich bei der Bevölkerung nicht einstellen, war mein Eindruck. Und das ist ja auch gut so. Aber stutzig macht mich jetzt, dass es heute nicht mehr die klitzekleinste Meldung zu dem Thema gibt. Nirgendwo. Gar nichts. Normalerweise wird so ein Thema doch von der Presse ausgeschlachtet, so lange es geht und jeden Tag noch ein bisschen nachgekartet. Terror verkauft sich schließlich fast so gut wie nackte Haut oder Serienmörder. Statt dessen rüstet sich Deutschland jetzt gegen Eis und Schnee (zugegeben die realistischere und aktuellere Gefahr) und sonnt sich im Wirtschaftsaufschwung (von dem so richtig bei den normalen Menschen aber nichts ankommt).
Das riecht für mich so ein bisschen nach Nachrichtensperre. Vielleicht hat man inzwischen festgestellt, dass es sich bei dem Informanten, der die gesamte Panikreaktion losgetreten hat, um einen Spaßvogel gehandelt hat? Das wäre mit Sicherheit peinlich genug, um die staatliche Zensur auf den Plan zu rufen, so nach dem Motto: „Reden wir nicht mehr davon, dann ist das schnell vergessen.“

Seit ein paar Tagen bin ich total unruhig, habe ständig das Bedürfnis, irgendwelche Nachrichtenseiten im Internet zu lesen, weil ich auf einen großen Knall warte (und nein, Köhlers Rücktritt ist kein großer Knall, Lenas Sieg beim Grand Prix … also Eurovision Dingenskirchen oder wie das jetzt heißt) auch nicht. Und die iPad Einführung in Deutschland, die es immerhin in die öffentlich-rechtlichen Abendnachrichten geschafft hat, erst recht nicht. (Seit wann sind Produkteinführungen, zumal von Dingen, die ja ganz hübsch sein mögen, die die Welt aber jetzt echt nicht so wirklich braucht, eigentlich ein Thema für heute und Tagesschau?) Die Tatsache, dass riesige Mengen Öl in den Golf von Mexiko strömen und keiner so richtig zu wissen scheint, was man dagegen tun kann, schon eher. Dass Israel auf türkische Schiffe schießt ist auch nicht ohne.

Ich glaube aber eher, dass mich einfach wieder das Problem einholt, dass unsere Gesellschaft einfach in so vielen Dingen so fundamental falsch ist und sich so extrem auf Kollisionskurs mit der Realität eines endlichen Planeten befindet. Das will aber kaum jemand merken, weil die meisten ja offenbar damit beschäftigt sind, sich ein iPad zu kaufen oder Lena in Oslo zuzujubeln. Oder was man sonst als angepasstes Mitglied der Gesellschaft so macht.

Da ist es dann erfrischend, auf einen Dokumentarfilm zu stoßen, der meine Weltanschauung und Gemütslage so gut einfängt, wie kein zweiter. What a Way to Go: Life at the End of Empire. Ein Rundumschlag zu Peak Oil, Klimawandel, Überbevölkerung und Artensterben mit der Erkenntnis, dass wir neue Geschichten brauchen. Derrick Jensen kommt zu Wort, Richard Heinberg kommt zu Wort und viele weitere kluge Leute mehr.

Ein Bild, dass mir besonders gut gefallen hat: unsere derzeitige Situation, bei der wir weltweit von eigentlich allem mehr verbrauchen, als die Erde in derselben Zeit neu produzieren kann (Trinkwasser, Ackerboden, fossile Brennstoffe, Regenwald, Fische … die Liste ließe sich beliebig fortsetzen) gleicht einem Ziegelhaus, dass wir immer höher bauen, indem wir einfach immer mehr Ziegel aus den unteren Etagen wegnehmen und oben wieder anbauen.

Jeder, der mal Jenga gespielt hat, weiß, wie das endet.

Joss Whedon, der ja nicht nur, wie ich neulich schonmal erwähnte, Feminist ist, sondern auch Atheist, sagte bei seiner Rede zum Empfang des Outstanding Lifetime Achievement Award in Cultural Humanism im Frühjahr dieses Jahres:

„Faith in God means believing absolutely in something with no proof whatsoever. Faith in humanity means believing absolutely in something with a huge amount of proof to the contrary. We are the true believers.“

Außerdem sinnierte er darüber, dass es der Welt vielleicht ganz gut täte, wenn es mehrere Päpste gäbe, um der Monopolstellung etwas entgegen zu wirken. Dazu, so sein Vorschlag, könnte man je eine Casting-Show bei Fox einrichten: „Can you Pope?“ Ich fand das nett. Das müsste sich doch im deutschen Fernsehen gut verkaufen lassen. Schließlich sind wir ja schon alle ein bisschen Papst.

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