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In Kürze das Wichtigste seit dem letzten Posting:

Kulturelle Landpartie. Für meinen Geschmack viel zu viel Filz und zu viele Glasperlen, aber es war toll, mal einen Blick in diese ganzen alternativen Landkommunen und ihre tollen Bauernhäuser werfen zu können. Außerdem hatten wir sehr lieben Besuch und haben viele Ausflüge mit dem Fahrrad und dem Auto unternommen. Ich kann mich an den vielen kleinen Dörfchen hier einfach nicht sattsehen. Heike und ich haben außerdem einen Flötenbaukurs besucht, bei dem ich mir eine Obertonflöte gebaut habe. Abgefahrerenes Instrument, eine Flöte ohne Grifflöcher, bei der die verschiedenen Töne nur durch Überblasen und Abdacken des Flötenendes erzeugt werden. Ist toll, um so ein bisschen intuitiv darauf rumzupusten, aber wenn man reproduzierbar bestimmte Töne treffen will, finde ich es schon ziemlich anstrengend. Heike hat sich eine kleine Sechslochflöte in D gebaut, sozusagen eine Tinwhistle ohne Tin. Der Flötenbaukurs fand bei Frank Sievert auf dem Hof statt … und wo ich dann schonmal da war, habe ich mir auch kurzerhand eine neue Harfe gekauft. Ich träume ja schon ewig von einer Silmaril, und seit der kulturellen Landpartie träumte ich eigentlich heimlich von einer ganz bestimmten und gerade diese war jetzt zu haben. Aus Elsbeere mit Zedernklangdecke und mit zwei Opalen besetzt. Die Schöne war jetzt gerade nochmal mit Frank und Buxe auf dem Harfentreffen (ohne mich, weil ich stattdessen hier beim Pipertreffen war) und muss auch ncoh beklappt werden, aber dann kommt sie zu mir.

Donnerstag hatte ich Geburtstag und habe mit einigen lieben Menschen gefeiert. Und weil das Wetter hier in der letzten Woche doch deutlich besser war als im Rest von Deutschland, konnten wir am Freitag auch noch eine schöne Radtour zusammen machen. Abends gab es dann irische Musik der Spitzenklasse zum Zuhören.

Das ist so das Wesentliche, glaub ich. (Nee, ist es gar nicht, aber das Wesentliche erzähle ich euch nicht, bätsch, das ist privat…)

Ich habe beschlossen, dass ich meine Webseite wahrscheinlich eh nie mehr richtig fertig bauen werde und stattdessen ein paar meiner Texte in dieses Blog geholt. Evtl. packe ich demnächst auch noch meine alten Reiseberichte und ein paar andere Sachen dazu. Ihr seid also herzlich eingeladen, da ab und zu ein bisschen zu stöbern.

 

 

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Ich bin immer noch völlig hin und weg darüber, mit welcher Macht der Frühling jetzt doch endlich über uns hereingebrochen ist. Es hat ja lange genug gedauert, aber dafür blüht und grünt jetzt wirklich alles gleichzeitig. Heike und ich konnten uns nicht recht einigen, was denn jetzt dieses Jahr früher grün war: die Eiche oder die Esche. Heike besteht auf der Eiche, vielleicht deshalb, weil ihr Baumhaus in eine Eiche gebaut ist und sie deshalb die höheren Zweige tagtäglich vor Augen hat. Ich hingegen behaupte, dass die Esche hinter meiner Hütte schon grüne Blättchen hatte, als die umliegenden Eichen noch gar nicht daran dachten, ihre Knospen zu öffnen. Warum das wichtig ist? Ja, Kinder, habt ihr denn bei den Bauernregeln nicht aufgepasst? Grünt die Eiche vor der Esche, gibt’s im Sommer große Wäsche (also viel Regen). Grünt die Esche vor der Eiche, gibt’s im Sommer große Bleiche (ja, genau, also viel Sonne). Ich bin eindeutig dafür, dass die Esche das Rennen gemacht hat.

Auch die Tierwelt macht Frühling, und zwar kräftig. Die Frösche in Heikes Teich werden jeden Tag mehr und lauter. Man versteht sein eigenes Wort kaum, wenn man neben dem Teich sitzt. Die Kraniche melden sich auch hin und wieder aus den Schnegaer Sümpfen zu Wort. Neulich hüpfte ganz possierlich eine Ricke mit Kitz auf den Wiesen hinter Heikes Garten vorbei, sehr niedlich anzuschauen. Und auch die Füchse in der Umgebung haben ganz offenbar Junge. Woher ich das weiß? Daher, dass vor ca. 2 Wochen ein Fuchs in einer Nacht alle unserer vier Enten gestohlen hat.  Klingt wie ein Kinderlied, ist aber trotzdem nicht schön. Ich mochte unsere Enten nämlich sehr gerne. Und die einzige Entschuldigung, die ich für den Fuchs habe, ist, dass es sich wahrscheinlich um eine Füchsin mit hungrigen Jungen handelt.

Und heute morgen hat wahrscheinlich derselbe Fuchs zwei von unseren Hühnern totgebissen. Warum er sie danach nicht weggetragen hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist er gestört worden. Oder er hat es mit Huhn im Maul nicht über den Elektrozaun geschafft. Jedenfalls hatten wir zwei Leichen zu beklagen.

Jetzt stellt sich ja in so einem Fall die Frage: Begräbnis oder Hühnersuppe? Begräbnis wäre uns als Verschwendung erschienen. Auch wenn wir keines unserer Hühner des Fleisches wegen schlachten würden (dafür sind sie viel zu nett und zahm), so spricht doch nichts dagegen, sie zu essen, wenn sie nunmal schon tot sind.

Soweit die Theorie. Nun ist es aber vom toten Huhn auf der Wiese zur Hühnersuppe ein weiter Weg. Und ich hatte noch nie ein Huhn gerupft und ausgenommen. Meine Erfahrung im Ausweiden von Tieren beschränkt sich auf Fische. Und die haben ja keine Federn. Und keine Beine oder Flügel (fliegende Fische hab ich auch noch nie ausgenommen). Gott sei Dank sind wir ja hier auf dem Land und in unserer Küche arbeiten lauter gestandene Landfrauen. Susi hat sich dann auch gleich bereit erklärt, mir mit Rat und Tat beiseite zu stehen. Irgendwo hatte ich schonmal gehört, dass man Hühner vor dem Rupfen in heißes Wasser taucht, aber Susi hatte noch einen einfacheren Trick: ein nasses Geschirrtuch und ein Bügeleisen leisten hervorragende Dienste. Zugegeben, es fühlt sich schon komisch an, so ein totes Huhn auf dem Schoß zu bügeln. Riechen tut es auch nicht so toll. Aber die Federn lassen sich danach echt viel besser rausrupfen. Ich habe eineinhalb Stunden lang gebügelt und gerupft, dann hatte ich beide Hühner entfedert.

Unserer Hühner haben Milben, hab ich dabei festgestellt. Und zwar nicht zu knapp. Und weil die ja jetzt auf dem Huhn keinen Lebensraum mehr haben, krabbeln die jetzt alle auf mir rum. Brrr. Ich muss gleich dringend noch unter die Dusche.

Als nächstes ging es ans Ausnehmen. Das war gar nicht so viel anders als bei den Fischen, nur mehr. Besonders erstaunt hat mich, dass ich in einem Huhn zehn schon relativ weit entwickelte Eidotter gefunden habe (und unzähige kleinere). Ich hatte keine Ahnung, dass die so viele Eier quasi auf Vorrat produzieren. Außerdem habe ich festgestellt, dass unserer Hühner dringend auf Diät gesetzt werden müssen, sonst sterben die an Organverfettung. Ehrlich, das war unglaublich.

Nachdem ich die Hühner jetzt also sozusagen entkernt hatte, habe ich sie abgespült und die Kloake herausgeschnitten und ihnen den Kropf aus dem Hals gezogen. Erstaunlich, wie viel Getreide so ein Huhn im Kropf mit sich rumschleppt. Natürlich ist mir bei einem Huhn der Kropf geplatzt (der war vom Fuchs schon leicht angebissen) und es war eine elende Pulerei, die ganzen Körner wieder einzusammeln.

Schließlich habe ich den Hühnern unter Susis fachgerechter Anleitung noch über der Gasflamme die Haare abgebrannt. Ja, Hühner haben nicht nur Federn, die haben auch Haare … ganz kleine, feine Haare, die man erst sieht, wenn man die Federn alle ausgerupft hat. Und die kann man nicht von Hand rausziehen, dafür sind es viel zu viele und sie sind viel zu fein. Die brennt man weg. Das war mir neu.

Und am Ende eines langen ereignis- und lehrreichen Tages hatte ich zwei Suppenhühner, die fast so aussahen wie das, was man in der Kühltheke kaufen kann. Und weil es schon spät war, habe ich dann beschlossen, die erstmal einzufrieren. Hühnersuppe koche ich dann ein andermal aus ihnen. Vielleicht auch Frikassee … wenn sie dafür nicht zu zäh sind.

Fazit: mein Hobby wird Hausschlachtung bestimmt nicht, aber ich bin froh und auch ein bisschen stolz, dass ich mich da rangewagt habe und jetzt weiß, wie es geht. Sollte morgen abrupt das Erdölzeitalter zuende gehen und die Supermarktregale leer bleiben, dann kann ich jetzt immerhin Hühner rupfen.

Noch ein Blogeintrag, diesmal wieder auf Deutsch, weil es ein grunddeutsches Thema ist.

Also, dank Fernsehfreiheit lebe ich ja ein bisschen abseits des Mainstreams und somit auch in einer größtenteils olympiafreien Zone. Das finde ich gut so, Leistungssport hat mich (abgesehen von gelegentlichem Spaß am Profifußball) noch nie besonders interessiert. Genaugenommen interessiert mich auch Breitensport nicht … ich finde Sport doof und total überbewertet. Spiele zum Brot. War auch das einzige Fach in der Schule, in dem ich jemals eine Fünf gehabt habe. (Und entgegen der Prognosen meiner Sportlehrerin bin ich trotzdem nicht mit zwanzig im Rollstuhl gelandet, sondern halte mich heute eigentlich für fitter als die meisten Frauen meines Alters … ganz ohne Sport).

Trotzdem dringen ja dank Internet und Radio gelegentlich Nachrichten zu mir vor. Und so habe ich jetzt auch mitgekriegt, dass eine Ruderin aus dem deutschen Team geflogen ist, weil ihr Freund mal als Landtagskandidat für die NPD kandidiert hat. Was soll das denn bitte?

Nur um das ganz klarzustellen: Ich habe mich selber immer irgendwo im linksradikalen Spektrum angesiedelt, parteipolitische und ideologische Schubladen eher vermieden, würde mich aber ohne zu zögern als Antifaschistin bezeichnen. Die NPD ist also wirklich keine Partei die mir nahe steht. Aber jetzt mal ehrlich: geben wir nun vor in einer Demokratie zu leben oder nicht? Und wenn ja, und die NPD eine offizielle und zur Wahl zugelassene Partei ist, müssen wir uns dann nicht auch damit abfinden können, dass es Leute gibt, die dieser Partei angehören und für sie kandidieren? Und dass diese Leute dann noch soziale Kontakte zu anderen Menschen in unserem Land haben? Warum dürfen diese anderen Menschen dann nicht Teil unserer Olympiamannschaft sein? Das ist doch total bescheuert. Ich dachte, ins olympische Team kommt man, weil man gute sportliche Leistungen erbringt. Dass das Pareibuch dabei eine Rolle spielt, und noch nicht einmal das eigene, war mir nicht klar.

Also, entweder beweist man rechtskräftig, dass die NPD als Partei nicht verfassungskonform ist, dann kann man sie verbieten. Dann darf man rechtlich gegen die Mitglieder dieser Partei vorgehen und dann könnte man sie meinetwegen auch (also, nur die Mitglieder und evtl. aktive Symphatisanten) von einer Teilnahme an den olympischen Spielen ausschließen. Aber wenn man die Partei zur Wahl zulässt, dann muss man doch auch zulassen, dass dieser Partei Leute angehören. Und dass diesen Leuten und deren Freunden und Angehörigen daraus keine Nachteile entstehen. Sonst bleibt doch nicht einmal mehr der Schein der Demokratie gewahrt.

Ich war nie ein Fan von Günther Grass. Sein Schreibstil war mir immer zu schwurbelig. Vielleicht bin ich auch einfach nicht intellektuell genug, um der Blechtrommel oder dem Butt irgendetwas abzugewinnen. Auch sein jetzt so viel diskutiertes Gedicht „Was gesagt werden muss“ finde ich so rein sprachlich poetisch gesehen nicht unbedingt einen Volltreffer. Für ein Gedicht ist es mir deutlich zu wenig verdichtet. Es liest sich mehr wie ein kurzer Kommentar mit zu vielen Zeilenumbrüchen. Aber von dieser stilistischen Kritik abgesehen, finde ich da schon viel wahres dran. Und es kann doch wohl nicht sein, dass wir angeblich in einer Demokratie leben und sobald einer was sagt, was nicht dem politischen Mainstream entspricht, geht eine Hetzkampagne los.

Zum Teil ist dass, was in den letzten Tagen in den Massenmedien gelaufen ist, schon richtig peinlich. Noam Chomski hätte seine wahre Freude daran. Zum Beispiel schrieb Spiegel-online: „Mit seinem Auftritt im Abendprogramm des deutschen Fernsehens verstrickt sich Günter Grass noch tiefer in seinen selbstverzapften Unsinn. Und das, obwohl er sogar „haufenweise“ zustimmende Mails bekommen haben will.“ Diese Formulierung „obwohl er sogar zustimmende Mails bekommen haben will“, ist geradezu unverschämt. Sagt sie doch nichts anderes, als dass Günther Grass’s Ideen so weit hergeholt und so weit von der Meinung aller anderen Menschen entfernt seien, dass es geradezu unvorstellbar ist, dass da jemand seine Zustimmung ausdrückt. Ich meine, okay, ich verkehre ja auch in komischen radikalen Kreisen, aber in meinem Bekanntenkreis ist es eigentlich schon seit Jahrzehnten Usus, dass Israel sich im Nahen Osten benimmt wie der Elefant im Porzellanladen (womit ich nicht sagen will, dass die anderen Staaten im Porzellanladen alles friedliche Osterlämmer sind … die Situation ist einfach völlig verfahren und … das kann ich mir als Frau jetzt nicht verkneifen … die Gegend allgemein ziemlich schwanzgesteuert). Würde Herr Grass sich in meinem Email-Adressbuch befinden und zu den Menschen gehören, mit denen ich gewöhnlich korrespondiere, dann hätte ich ihm eventuell auch eine „Haste gut gemacht, Alter“ Mail geschrieben. Hab ich zwar nicht, aber so unvorstellbar, wie Herr Arno Frank es im Spiegel schreibt, finde ich haufenweise zustimmende Mails eigentlich nicht.

Was jetzt passiert, beweist doch nur, wie Recht Günther Grass hat. Diese geheuchelte dumme Empörung, die jetzt aus aller Politker Munde und aus allen Massenmedien dringt, ist doch wohl geradezu peinlich. Es muss doch wohl möglich sein, die Recht zweifelhafte Außenpolitik eines Staates anzuprangern, auch wenn dieser Staat zufällig Israel heißt.

Für mich sind Kultur und Religion eine und politische Gebilde wie Staaten eine andere, möglichst vollständig davon zu trennende, Sache. Und wenn dann jemand in schwurbeligen aber wohldurchdachten Worten sinngemäß sagt „Israels Politik gegen den Iran ist Scheiße“, dann ist das weder ein Angriff auf die jüdische Religion, noch auf den jüdischen Glauben. Dann bedeutet das lediglich, dass derjenige bei der Beurteilung der israelischen Außenpolitik die gleiche Bemessungsgrundlage angewendet hat wie er sie bei jedem anderen Staat anwenden würde.

Und dass Israel Günther Grass daraufhin zur persona non grate erklärt und ein Einreiseverbot gegen ihn verhängt, ist ja wohl ein Armutszeugnis sondergleichen. Ein Land, dass sich selbst als „einzige Demokratie im Nahen Osten“ sieht, muss Kritik an seiner Politik aushalten können. Sonst ist es nicht so weit her mit der Demokratie.

Also, ich will mich hier wirklich nicht am religiösen Streit beteiligen, welches Betriebssystem das beste/schönste/schnellste ist. Ich muss auch zugeben, dass ich weder einen iPod, ein iPhone noch ein iPad oder irgendein anderes Gerät aus dem Hause Apple besitze. Ich will nicht abstreiten, dass die Geräte gut sind. Aber soooo weltbewegend innovativ wie immer gesagt wird, sind sie auch nicht. Auch vor dem iPhone gab es schon Smartphones, auch vor dem iPad gab es schon Tablet PCs, auch vor dem iPod gab es schon mp3 Player. Wie schafft Apple es also immer wieder, in die absolute Pool-Position in den Massenmedien zu kommen? Die Markteinführung des iPads in Deutschland war damals die Hauptschlagzeile im heute-Journal im ZDF. Eine Produkteinführung. Headline-News im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Das schaffen ja nicht einmal die in Deutschland sonst allmächtigen Automobilhersteller.

Ähnlich jetzt beim Tod von Steve Jobs. Nicht falsch verstehen, der war echt ein cooler Typ, stinkreich, klug und prominent. Klar, dass sein Tod in den Nachrichten erwähnt wird. Aber die Süddeutsche hat in ihrer online-Ausgabe nicht weniger als 7 Artikel dazu stehen, drei davon auf der Titelseite. Und in den Fernsehnachrichten ist das nicht irgendeine Meldung, sondern die bei weitem wichtigste und präsenteste. Das schafft sonst nur Michael Jackson. Und immer geht es nicht in erster Linie um Steve Jobs, sondern darum, welche Apple Produkte internationale Standards gesetzt haben.

Wie schafft Apple das, dass diese gigantische Werbemaschine für sie läuft? Sind die im großen Stil an Fernsehsendern und Zeitschriftenverlagen beteiligt? Dass die so wahnsinnig viel Werbung machen, also wichtige Anzeigenkunden sind, wäre mir nicht aufgefallen. Fließen da Schmiergelder? Kriegt die komplette Redaktion umsonst Apple Computer und iPhones? Oder passiert das wirklich, weil diese ehemalige Garagenfirma mit dem niedlichen Apfelsymbol so einen hohen Sympathiefaktor hat?

Ich gucke ja aus Prinzip sehr wenig Fernsehen, wenn, dann höchstens mal öffentlich rechtliches per Internet. Der Schwachsinn der Privaten bleibt mir normalerweise gottseidank verborgen. Jetzt war ich heute aber in der Verlegenheit, quasi durch Zufall, RTL aktuell, also sozusagen die „Nachrichten“ dieses Qualitätssenders mitgucken zu dürfen. Neben so wichtigen Meldungen wie der Hochzeit einer 85 jährigen spanischen Herzogin mit ihrem 25 Jahre jüngeren Stecher wurde auch vermeldet, dass das statistische Bundesamt seinen Jahresbericht vorgelegt hat und der Zuschauer mit einigen Details versorgt.

Unter anderem hieß es, 47 % der Abiturienten seien weiblich, jedoch nur 38 % männlich. Ja … hm … da fragt sich der aufgeklärte und der Prozentrechnung mächtige Zuschauer … also, ich … WAS IST DER REST????? Angriff der intellektuellen Hermaphroditen?

Vor einigen Jahren, als Buschnick zu seiner Soulbiking Tour aufbrach, habe ich ihm zum Abschied ein kleines Lied geschrieben. „Das Lied von Pling“. Da ging es um die Freuden und Leiden (hauptsächlich Leiden) des Radfahrens, darum, dass es schwierig ist, ein Bierfass zu transportieren, dass Schneestürme immer von vorne kommen und so. Und es ging um ein störendes Geräusch aus dem Kettenkasten. Den kompletten Text kriege ich jetzt nicht mehr zusammen, aber die letzte Strophe ging irgendwie so:

Und dann ist da immer noch dieses Pling
Aus dem komischen Kettending
Geruckt hat’s auch, vor allem beim Schalten,
ich hab dann besser mal angehalten.

Und dann seh ich so ein Plastikschildchen,
das hat sich irgendwie verklemmt,
kann man aber lesen, wenn man sich untern Lenker hängt:
„Schutzfolie abziehen vor dem ersten Gebrauch“
Ist vielleicht n bisschen spät jetzt,
aber dann machen wir das auch.

Und als ich mich wieder in den Sattel schwing,
kommt kein Geräusch mehr aus dem Kettending,
kein Scheppern, kein Klappern, kein Pling,
ja das ist ja ein Ding.

Warum erzähl ich euch das jetzt? Ganz einfach. Als ich heute von der Arbeit nach Hause fuhr, machte mein Fahrrad plötzlich so ein komisches Geräusch. Weniger ein Pling, mehr ein Schrabschrabschrabschrab. Und als ich anhalte und nachsehe, was sehe ich da? Ernsthaft, so einen blöden kleinen Schutzfolien-Aufkleber auf dem Kettenritzel. Keine Ahnung, was der schützen sollte, jedenfalls hatte der sich halb gelöst und machte jetzt eben dieses Schrabschrabschrabschrab. Ich hab echt gedacht, das darf doch nicht wahr sein. Seit wann hab ich denn eine prophetische Gabe?

Jedenfalls hab ich das Ding dann abgezogen, und was soll ich euch sagen?
Als ich mich wieder in den Sattel schwing, kommt kein Geräusch mehr aus dem Kettending …

Einmal im Jahr steht Esens Kopf, dann findet hier nämlich das bei weitem größte Schützenfest der Region statt. In erster Linie heißt das, dass eine große Kirmes mit Fahrgeschäften und Festzelten aufgebaut wird, eine norddeutsche Variante des Oktoberfestes, sozusagen. Die Esenser selber bezeichnen die fünf Tage im Juli als „fünfte Jahreszeit“ und tatsächlich sind gewisse Ähnlichkeiten zum rheinischen Karneval nicht zu verleugnen.

Normalerweise würde ich hier das tun, was ich bei ähnlichen Events überall auf der Welt tue: Ohrstöpsel einstöpseln, die Haustür verschließen und den Kopf einziehen bis es vorbei ist. Aber gestern wurde ich dann von meiner Chefin und meinen Kolleginnen genötigt, mit ihnen zu ihrem traditionellen Schützenfest-Montags-Ausflug zu kommen. Da ich ja noch recht neu im Job bin und einige meiner Kolleginnen bisher eigentlich nur vom Telefon kannte, konnte ich mich da nicht wirklich drum drücken. Außerdem hatte ich den Festlatz bisher auch nur von weitem gesehen und ein ganz bisschen neugierig war ich auch. Und dann durfte ich gestern auch noch früher Feierabend machen, damit ich rechtzeitig zu Hause bin, um mich vor dem Schützenfest noch ausruhen und aufhübschen zu können.

Ich muss vielleicht noch erklären, dass ich seit meinem Umzug eigentlich keinen Alkohol mehr getrunken habe. Weniger aus Prinzip, sondern mehr so, weil es sich nicht wirklich ergeben hat. Zu meinem vierzigsten haben Elisa und ich eine Flasche Prosecco aufgemacht (an der wir dann drei Tage lang getrunken haben) und irgendwann haben wir mal eine Flasche Wein vernichten müssen, die ich für meine rote Bohnensuppe genutzt habe, aber davon abgesehen trinken wir eigentlich nur alkoholfreies Bier. Ich bin also wirklich nichts mehr gewöhnt. Deswegen habe ich einige teaminterne Kämpfe bestreiten müssen, um zumindest die Kurzen abzulehnen. Einen klebrigen süßen Waldmeisterlikör habe ich beim Vorglühen mittrinken müssen, außerdem zwei Gläser Sekt. Ehrlich gesagt war das schon genug, um mich mit einiger Bettschwere zu versehen und ich wäre statt zum Festplatz am liebsten gleich wieder nach Hause getorkelt. Aber das ging natürlich nicht. Nichts trinken ist in Deutschland ja irgendwie genauso unakzeptabel wie nicht Autofahren.

Wir sind also in einheitlichen „Hier steppt der Wolf“ T-Shirts (der Laden, in dem ich arbeite, heißt „Steppenwolf“) zur Kirmes gezogen. Da mussten wir dann erstmal alle Musik-Express fahren. Das kannte ich noch aus meiner Jugend. Da hieß das gleiche Karussell Dschungel-Express und in der Mitte stand ein großer Stoffgorilla und zappelte mit den Armen. Ist jedenfalls so ein Ding, wo Wagen sehr schnell im Kreis über eine hügelige Strecke fahren und man von der Fliehkraft nach außen gedrückt wird. Ich weiß, dass mir dabei immer ein bisschen schummrig wird, aber im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgeschäften kann ich das überstehen, ohne zu Kotzen. Und irgendwie brachte es viele Jugenderinnerungen zurück (von denen ich aber mindestens die Hälfte auch gerne wieder in mein Unterbewusstsein verdränge).

Danach haben wir dann den restlichen Festplatz umrundet, wobei wir immer nur ca. 200 m weit gekommen sind, bevor wir wieder in ein Bierzelt einkehren mussten. Am Ende sind wir dann in Claassens Festzelt gelandet. Ich meine, okay, im Prinzip sind mir so Volksfeste mit betrunkenen Menschen ja nicht völlig neu. Aber das war schon irgendwie ein Schock. Der DJ spielte gerade einen Schlager, den ich vorher noch gar nicht kannte, und in dem irgendwer davon singt, dass er seiner Liebsten ein Foto von sich schenkt. Oder sie ihm von ihr? Egal, alle anderen im Zelt kannte das Lied jedenfalls und drückten ihre Euphorie dadurch aus, dass sie ihre Klappstühle über den Kopf hoben und damit mehr oder weniger rhythmisch in der Luft herum fuchtelten. Das war keine Party, das war ein tobender Mob. Da springen bei mir alle Kampfsportreflexe an, da will ich entweder ganz schnell weglaufen, oder, wenn mir der Fluchtweg versperrt ist, auch einen Stuhl haben, damit ich mich notfalls verteidigen kann. Ich konnte mich aber beherrschen und mich hinter meiner Gruppe her zum Tresen vorschieben, wo dann jeder gleich nochmal ein alkoholisches Getränk trinken musste. War das jetzt mein fünftes oder sechstes Bier? Egal.

Die Musik war so laut, dass man sich sowieso nicht unterhalten konnte. Eigentlich hatte man gar keine andere Wahl, als sich einfach von der Masse mitziehen zu lassen. Und so fand ich mich dann irgendwann von meinen Kollegen umringt auf der Tanzfläche wieder und ertappte mich dabei, dass ich laut „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ mitgröhlte. Ich war assimiliert. Ich hatte jegliche Selbstachtung verloren. Sogar bei „Vivat Colonia“ hab ich mitgesungen (und mich die ganze Zeit gefragt, warum die in Ostfriesland keine eigenen Lieder schreiben). Später hab ich dann noch zu irgendeinem Marius Müller Westernhagen Song mit einem total besoffenen Opa getanzt. Der war mindestens 75, grub alles an, was er für weiblich hielt und ich hab die ganze Zeit gedacht, der kriegt bestimmt jeden Moment einen Herzkaspar und dann bin ich auch noch Schuld. Andererseits, ist vielleicht gar kein schlechter Tod.

Gott sei Dank war „So ein Tag“ wirklich der Tiefpunkt der Musikauswahl und der Rest wurde erträglicher. Oder es war nach dem inzwischen achten Bier auch egal. Jedenfalls verabschiedeten sich Chef und Chefin so gegen viertel vor eins und ich konnte mich dann auch absetzen, ohne komisch zu sein.

Das war also mein Erstkontakt mit dem Esenser Schützenfest. Irgendwie gruselig. Heute abend ist noch das große Abschluss-Feuerwerk (das ich wahrscheinlich entweder unter meiner Bettdecke oder unter meinem Schreibtisch abwettere) und dann ist ein Jahr lang Ruhe.

… es ist Mondfinsternis und keiner guckt. Also, ich meine, ich würde ja wohl gucken wollen. Nur hat sich der ostfriesische Himmel just in dem Moment gegen mich verschworen, wo ich dieses spektakuläre astronomische Ereignis den Kindern nahebringen wollte. Eine riesenfette graue Regenwolke sitzt genau vor dem Teil des Himmels, wo der Mond wäre, wenn er nicht gerade sowieso im Kernschatten wäre. Warum? Warum war den ganzen Tag nicht eine Wolke am Himmel und jetzt sieht man nur grau? Das ist nicht fair.

Also, wenn ihr vielleicht gerade besseres Wetter habt, es ist MoFi. Genau gerade jetzt. Und irgendwo habe ich gelesen: das ist die längste Mondfinsternis seit zehn Jahren (also, hier für uns in Deutschland jetzt, das ist ja ortsabhängig). Das heißt, die Wolke hat noch fast eine Stunde Zeit, sich zu verpissen, vielleicht sehe ich ja das Ende der Totalität oder den Austritt aus dem Kernschatten noch.

Ich habe ein Monster erschaffen. Ich hätte die Mädels nie mit Buffy anfixen dürfen. Vor allem Sunnyi hat nichts anderes mehr im Kopf, als wann sie endlich die nächste Folge gucken kann. Und dann noch eine. Und noch eine. Der Abend startet eigentlich jetzt immer so um achtzehn Uhr mit der Frage „Können wir jetzt endlich anfangen?“. Zuerst habe ich ja noch versucht, den Buffy-Konsum vor allem vor Schultagen auf eine Folge pro Abend zu begrenzen, weil die Fräuleins sonst nämlich morgens nicht aus dem Bett finden. Inzwischen habe ich kapituliert.

Das Gemeine ist ja, dass ich das ziemlich gut nachvollziehen kann. Ich weiß ja, wie süchtig Buffy macht. Ich habe mir die Serie auch in kürzester Zeit und mit mehreren Folgen nacheinander reingezogen. Da steht es mir ja so richtig jetzt nicht zu, zu sagen „Nö, die zweite Hälfte der Doppelfolge gucken wir morgen … oder übermorgen“.

Mir passiert das ja selbst heute noch, dass ich von irgendwas völlig infiziert werde. Und jetzt hat mich wohl das Narnia-Virus erwischt. Wieder erwischt, sollte ich sagen. Ich habe die Bücher ja schon als Kind gelesen. Nicht nur, dass die damals genau meinen Nerv trafen (ich hab ja selber immer gerne Zauberwelten auf alten Dachböden, unter Baumwurzeln oder im Maisfeld gesucht … und manchmal gefunden), es war auch eines der ersten Male, dass ich dem Serien-Effekt erlegen bin. Ich hatte damals keine Ahnung, wie viele Bände es eigentlich gibt. Ich bin da immer etwas planlos durch die Kinderbuchabteilung der Stadtbücherei gegeistert und habe nach Fantasy-Büchern gesucht. Da gab es nicht so wahnsinnig viele von und deswegen waren die auch dauernd verliehen. Irgendwann bin ich auf den zweiten Narnia-Band gestoßen (also der, der heute als „Prinz Kaspian“ verfilmt ist, damals hieß der „Rückkehr nach Narnia“, glaub ich). Dass schon im Titel erkennbar war, dass es sich um eine Fortsetzung handelte, hat mich nicht abgehalten. Aber dann wollte ich natürlich auch den ersten Band lesen. Und nach und nach habe ich dann in wilder Reihenfolge auch alle anderen Bände gelesen.

Die Disney-Verfilmung des ersten Teils hab ich schon vor ein paar Jahren gesehen, als die im Kino lief. Da hat sie mich ziemlich kalt gelassen. Aber jetzt, wo ich sie mir nochmal auf DVD angeguckt habe (und den zweiten Teil auch), fand ich sie doch ziemlich schön gemacht. Episches Disney-Kino halt … großartige Landschaftsaufnahmen, brachiale Filmmusik und aufwendige Schlachtszenen. Nicht ganz so viele Statisten wie beim Herrn der Ringe, aber doch schon eine recht beeindruckende Armee. Und die jungen Hauptdarsteller machen ihre Sache wirklich wirklich gut. Denen kauft man die Geschichte ab, die Actionszenen genauso wie die ruhigen emotionalen Momente.

Und weil diese Narniamanie jetzt zeitlich mit meiner Lust zu zeichnen zusammentraf, habe ich mir meine Motive halt alle aus dem Film gepickt. Genaugenommen alle aus dem zweiten Teil. Edmund hab ich ja neulich schon gepostet (Jahn hat’s richtig erkannt, glaub ich, auch wenn Edmund nur eine kleine Schwester hat, nicht zwei). Die andern Geschwister habe ich inzwischen auch verewigt. Allerdings hat Susan beim Scannen etwas gelitten, im Original hat sie eine weniger knollige Nase, da sind die Schattierungen verloren gegangen.

Lucy ist mir irgendwie insgesamt zu flächig, da gefällt mir eigentlich nur der Sonneneinfall auf dem Haar wirklich gut, aber ich denke, erkennen kann man sie.

Das Glanzstück meiner Sammlung ist allerdings König Peter der Prächtige. Die Rüstung war eine echte Fleißarbeit.

Juni 2019
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