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Die wilde Weiber WG vom Jüchertor hat männliche Verstärkung bekommen. Am letzten Samstag sind drei kleine Katerchen bei uns eingezogen. Neun Wochen alt. Muss ich extra erwähnen, dass die niedlich sind? Gibt es 9 Wochen alte Kätzchen, die nicht niedlich sind?

Jedenfalls halten die drei uns ganz schön auf Trab. Merlin ist der größte Schmuser und passionierter Schultersitzer,  Lancaster ist der Verfressenste und  Fitzwilliam hat den ausgeprägtesten Jagdtrieb, ist aber Fremden gegenüber erstmal etwas zurückhaltend.

Ja, es gibt mich noch. Ich würde jetzt gerne berichten, was ich alles großartiges geleistet habe in den ganzen Wochen, in denen ich nicht gebloggt habe … einen Bestseller geschrieben, z.B. … oder einen Hühnerstall gebaut … aber leider habe ich gar nichts großartiges geleistet. Wenn man mich fragt, was ich die ganze Zeit getan habe, werde ich mit den Schultern zucken, mich am Kopf kratzen und dann zögernd sagen: „Öh … ich hab ziemlich viel Harfe gespielt …“.

Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich habe eigentlich jede freie Minute an meiner Harfe herumgezupft. Ich muss zu den unbegabtesten Harfenspielern auf diesem Planeten gehören, denn irgendwie gelingt es mir immer noch nicht, auch nur die einfachsten Stücke wirklich fehlerfrei durchzuspielen. Egal. Spaß macht es trotzdem, und vielleicht schaffe ich es ja doch vor dem Einsetzen des Winters zumindest noch einmal, mit der Harfe Straßenmusik zu machen. Jetzt habe ich erstmal ein YouTube-Video aufgenommen, damit ihr wenigstens auch etwas von meiner ganzen Überei habt:

Ansonsten hab ich in den letzten Tagen auch ein bisschen was im Garten getan. Das wurde auch höchste Zeit, denn Dank der anhaltenden Regenfälle der letzten Wochen (also, ich weiß ja nicht, wie das Wetter bei euch allen so war … hier war es jedenfalls mehr als schauerlich … im doppelten Wortsinn) war unser Rasen so ins Kraut geschossen, dass man das beim besten Willen nicht mehr als Rasen bezeichnen konnte … allenfalls als Wiese, aber es sollen auch schon erste Gehölze gesichtet worden sein.

Jedenfalls kam unser Handrasenmäher da beim besten Willen nicht mehr durch. Ehrlich jetzt, wir haben es versucht. Ich kam mir vor wie ein Linebacker beim Footballtraining, aber spätestens nach einem Meter blockierte das Mähwerk. Ich hab mir dann erst von meiner Kollegin einen elektrischen Kantentrimmer ausgeliehen, und den sozusagen als Motorsense zum Vorschneiden benutzt, aber auch damit war den Grasmassen nicht wirklich beizukommen. Montag hab ich dann aufgegeben und mir einen elektrischen Rasenmäher angeschafft. Glücklicherweise waren gerade meine Eltern zu Besuch und so konnte ich den Luxus genießen, das Ding mit dem Auto aus dem Baumarkt zu holen. Jetzt sieht zumindest die vordere Hälfte unseres Grundstückes fast so ordentlich aus wie bei den Nachbarn. Bis nach hinten sind wir noch nicht ganz vorgedrungen.

Damit es nicht langweilig wird, ist Montag dann noch unser Garagentor aus der Verankerung gerutscht. Das ist vielleicht blöd, wenn man plötzlich so ein Metalltor in der Hand hat … die Dinger sind sauschwer. Wir haben es dann mit vereinten Kräften erstmal irgendwie aufrecht in die Öffnung gelehnt. Aber der Handwerker war auch schon da (die sind hier echt immer ganz fix … bis jetzt ist immer am gleichen Tag noch jemand gekommen, wenn ich irgendwo angerufen habe) und wahrscheinlich wird das nächste Woche schon repariert.

Naja, also, fast. Jedenfalls wurde in irgendeinem der Ostfriesland-Reiseführer, die ich mir noch in Münster aus der Stadtbücherei ausgeliehen hatte, um mich mental auf den Umzug vorzubereiten, erwähnt, dass das Städtchen im Sommer ein fast schon mediterran zu nennendes Flair besitzt.

Keine Ahnung, was damit gemeint war … die vielen Eiscafés wahrscheinlich (davon haben wir hier echt eine Menge). Wir haben inzwischen unseren Lebensmittelpunkt auch größtenteils nach draußen verlagert, nämlich in die Ecke unserer Einfahrt neben der Seitentür. Da ist es einfach windgeschützter und sonniger als in unserem „richtigen“ Garten, wo einer der Vormieter eine Art Terrasse angelegt hat, die aber erstens rund um die Uhr im Schatten und zweitens in einem regelrechten Windkanal liegt.

Unser neugewählter Platz an der Sonne hat außerdem den Vorteil, dass wir das GARAGElier ebenso im Blick haben wie die Straße und den gegenüberliegenden Bürgersteig. Es ist echt schön, da zu sitzen und zu gucken, wer so alles vorbeikommt.

Das Wetter ist jetzt auch schon seit Wochen mediterran. Genaugenommen wird es mir langsam ein bisschen unheimlich. Nicht nur, dass wir jeden Tag literweise Leitungswasser in unseren Garten gießen, weil unser Brunnen noch nicht wieder angeschlossen ist, und dass etliche Bauern hier in der Gegend ihre Getreidefelder schon wieder untergepflügt haben, weil das Zeug vertrocknet ist kaum dass es gekeimt war, nein, die meisten Rasenflächen sehen auch schon aus wie in Griechenland im Hochsommer. Das ist doch nicht normal.

Gestern und heute abend sah es jeweils so aus, als könnte eventuell ein Gewitter kommen, aber so richtig passiert ist wieder nichts.

Also, ich hab das Gefühl, seit über einem Monat im Sommerurlaub zu sein.

Vorgestern habe ich zum ersten Mal meine Füße in die hiesige Nordsee getaucht. Wir haben nämlich von einem netten Mann im Strandportal Bensersiel gesagt bekommen, dass man als Bürger von Esens tatsächlich umsonst an den Strand und in das Meerwasserfreibad darf. Man muss sich nur eine kleine rote Pappkarte ausstellen lassen, was wir dann auch gleich getan haben.

Außerdem habe ich inzwischen wieder einen festen Job als Verkäuferin in einem Laden in Neuharlingersiel, halb Klamotten- und halb Krempelladen. So ein typischer Souvenierladen, wenn die paar Möwen nicht wären, könnte der genauso gut auf Mallorca, in Berchtesgaden oder im Yellowstone Park sein. Outdoorjacken, QiGong Kugeln, Muschelarmbänder, Traumfänger, Windspiele für den Garten … Aber das schöne ist: die Kunden sind alle gerade im Urlaub und darum ziemlich gut gelaunt. Da macht das Verkaufen richtig Spaß. Und da jetzt gerade Osterferien sind und alle Gästebetten der Region ausgebucht, ist auch eine Menge los.

Neuharlingersiel ist ca. 8 km von Esens weg, wenn ich da mit dem Fahrrad ankomme, bin ich auch richtig wach. Der Heimweg kommt mir dann manchmal ziemlich lang vor, wenn ich knapp 9 Stunden auf den Füßen war, möchte ich eigentlich nur noch zu Hause ankommen und die Beine hoch legen. Gestern hab ich gekniffen und mich vom Chef im Auto mitnehmen lassen (der wohnt auch in Esens), weil ich keine Lust hatte, mich gegen fünf bis sechs Windstärken nach Hause zu kämpfen. Allerdings ist mir dann zu Hause aufgefallen, dass der Wind hier bei uns nur halb so schlimm war. So direkt am Deich weht es wirklich noch mal eine ganze Ecke heftiger.

Eben bin ich nochmal durch Esens gebummelt. Da ist jetzt schon eine ganze Menge mehr los als vor einem Monat. Eigentlich wollte ich nur kurz zum Friseur, aber da in Esens wohl diese Woche Schützenball ist, waren die alle total ausgebucht. Stattdessen habe ich dann wie die Touristen Schaufensterbummel betrieben. Wir haben sogar einen Laden, der Zauberstäbe verkauft. Echt jetzt. Also, nicht nur Zauberstäbe, auch allen möglichen anderen Kitsch mit Halbedelsteinen. Trotzdem: ich kam mir vor wie in Hogsmead. Da musste ich mir gleich noch ein Butterbier … eh … alkoholfreies Hefeweizen mitbringen.

Und morgen kaufen wir einen Rasenmäher bei Lidl dem Barden, eröffnen ein Hauskonto bei Gringotts und versuchen, auf dem Flohmarkt zwei Kronleuchter für die große Halle … eh … also … das GARAGElier zu finden.

Bevor irgendwer glaubt, ich wäre vom Deich gefallen oder im Watt versunken oder so, sollte ich vielleicht mal ein Lebenszeichen von mir geben.

Also, der Umzug ist glatt verlaufen und so allmählich sind auch alle Kisten ausgepackt. Alle? Na, gut, in unserem Gästezimmer stehen noch ein paar Fundstücke, aber das liegt nur daran, dass uns da noch der Tisch für die Nähmaschine und ein kleiner Schrank fehlen. Äh, und die Nähmaschine, natürlich. Toooooooommmmmmmmm! Du hast gesagt, ich krieg die vor dem Umzug wieder!

Das mit dem Job als Lehrerin auf Langeoog ist leider nichts geworden. Dafür durfte ich jetzt hier eine kurze Odysee durch Arbeitsagentur und Jobcenter vornehmen. Kleiner Tipp: solltet ihr jemals in die Verlegenheit geraten, Arbeitslosengeld beantragen zu müssen und entweder eine Sperrzeit oder einfach bitter wenig Geld bekommen, dann lasst euch auf keinen Fall zum Jobcenter (das ist der leicht euphemistische Name für die ALG2- bzw. Hartz4-Behörde) weiterschicken. Ich habe mir das zwei Tage lang angetan und dann kalt lächelnd den Stinkefinger gezeigt und die blöde Verzichtserklärung unterschrieben. Da stell ich mich doch lieber mit der Gitarre auf den Marktplatz oder so. Das ist pure Schikane.

Jetzt schreibe ich also Bewerbungen für alles mögliche, von Call-Center-Agentin bis Blumengießerin und hoffe, dass sich da was ergibt. Morgen gehe ich in einem Sportswear- und Outdoorladen probearbeiten. Wenn die mich nehmen, fände ich das super. Ist zwar ein paar Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren (8 km pro Strecke oder so), aber gefällt mir vom Laden her unheimlich gut.

Ansonsten bin ich damit beschäftigt, mich ans Familienleben zu gewöhnen, was vor allem darin besteht, dass ich jeden Tag mit den Mädels Siedler von Catan spielen muss. Und meistens gewinne. Die zwei sind keine Gegner, sondern Opfer, weil die immer lieber auf sich gegenseitig rumhacken, statt mir Einhalt zu gebieten. Davon profitiere ich dann als lachende Dritte und klaube mir heimlich meine zehn Siegpunkte zusammen. Geht jedesmal so und bisher setzt da bei den Mädels kein Lerneffekt ein 😉

Unser Garten nimmt langsam Formen an. Letzte Woche habe ich einen Baum gefällt. Na ja, eher ausgegraben. War eine kleine Nordmann-Tanne, wahrscheinlich ein ehemaliger Weihnachtsbaum, der dann aus Mitleid im Garten gelandet ist. Man glaubt ja gar nicht, was für eine fiese Pfahlwurzel so ein kleines Tännchen entwickeln kann. Ich hatte schon gefühlt einen Kubikmeter Erde um den Wurzelballen ausgegraben und das Ding stand noch immer fest wie eine deutsche Eiche. Nur durch Beharrlichkeit und massiven Körpereinsatz konnte ich das Bäumchen schließlich zu Boden ringen. Und derweil standen in allen Nachbarhäusern Leute hinter ihren Gardinchen und haben sich kaputt gelacht. Wahrscheinlich haben die heimlich Wetten abgeschlossen.

Demnächst muss ich mal den Komposthaufen versetzen, der liegt nämlich da, wo das Kürbis- und Kartoffelbeet hin soll. Und das ist kein Haufen, sondern mehr ein Berg. Der ostfriesische Mount Everest sozusagen. In meinem Garten. Ich sollte Eintritt verlangen. Jedenfalls bin ich damit bestimmt zwei Tage beschäftigt.

Und ich habe eine wunderschöne kleine Kräuterspirale gebaut. Na ja, mehr einen Kräuterhubbel. Aber ganz stielvoll mit kleinem Teich unten, einem abgezäunten Ameisen-Gehege, in das jetzt der Liebstöckel einziehen durfte (ich hab es beim Graben des Teichs nicht fertiggebracht, alle Ameisen zu vertreiben, darum hab ich denen ein Schutzgebiet eingerichtet, aber dann sind sie doch lieber umgezogen) und einem Steinhügel. Als krönender Abschluss steht da oben ein alter Weidenkorb drauf, in den wir die nicht winterharten Kräuter setzen und den wir dann einfach in den Wintergarten umziehen können, wenn es draußen zu kalt wird. Zu dem Korb hat Elisa auch schon gebloggt.
Und die hat ganz viel Rasen umgegraben und in Beet-Fläche verwandelt, um da Möhren, Erbsen und Radieschen zu sähen. Und Zwiebeln gesteckt. Und ganz viele Pflanzen vorkultiviert, die wir demnächst mal aussiedeln müssen.
Es lohnt sich überhaupt, ab und zu in Elisas Blog zu gucken, die postet ja aus beruflichen Gründen regelmäßiger als ich und da kriegt man dann auch eine Idee, was hier so passiert und was uns so beschäftigt.

Nach den Osterferien kriegen wir eine Katze, haben wir beschlossen und wenn erstmal der Komposthaufen versetzt ist, fange ich an, den Hühnerstall zu bauen.

fragt Bonnie Tyler in ihrem Song „Holding out for a Hero“.

So langsam frage ich mich das auch. Also, ich frage mich, wo eigentlich der Herkules wohnt, der nächstes Wochenende diese ganzen unglaublich schweren Kartons, die ich gerade packe, die Treppe runter trägt. Also, ich kann die alle noch anheben. Mit der Betonung auf „an“. Aber was soll ich machen? Ich habe nämlich herausgefunden, dass Bücherregale, genau wie Schränke und Schreibtischschubladen, in Wirklichkeit Dampfdruckgefäße sind. Solange man da alles so lässt, wie es ist, sieht das schön klein und kompakt aus. Und wenn man anfängt, das heraus zu räumen und in Kisten zu verpacken, explodiert das Volumen plötzlich zu einem Vielfachen. Ohne jedoch an spezifischem Gewicht zu verlieren. Ein physikalisches Wunder geradezu. Als ich die ersten fünf Kartons gepackt hatte, sahen die Regale schon viel leerer aus und ich dachte „Oh, das klappt ja prima“. Als ich die ersten zehn Kartons gepackt hatte, sahen die Regale ungefähr genauso aus, nur, dass ich jetzt nicht mehr so gut bis zu ihnen durchkam, weil ja jetzt stapelweise Kartons in meinem Zimmer standen. Jetzt habe ich zwanzig Kartons voll und es lichtet sich langsam an der Bücherfront (aber eben auch nur, weil ich Kartons gepackt habe, die wahrscheinlich nur noch per Schwerkraftumkehr zu befördern sind). Ich habe einige Bücher, von denen jedes einzelne schon so schwer ist, wie ein ganzer Umzugskarton idealerweise sein sollte. Ich habe keine Ahnung, auf was die gedruckt sind. Oder ist es der Inhalt, der die so schwer macht? Gut, in dem einen sind Bilder von Elefanten und Blauwalen und so. Das sehe ich ein, die sind schwer. Aber warum wiegt dann die Geschichte der englischen Sprache dreimal so viel wie das große Lexikon der Tiere?

Und ich habe noch nichtmal angefangen, meine CDs zu verpacken. Bei meinem letzten Umzug war der Karton mit den CDs deutlich schwerer als meine Bücherkartons. Komisch, dabei dachte ich immer, die Dinger bestehen hauptsächlich aus Plastikhülle. Und so eine einzelne CD wiegt doch echt nicht viel. Etwa so viel wie eine Tafel Schokolade. Aber die Dinger lassen sich nun mal ausgesprochen dicht packen. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, ich packe so einen Umzugskarton voll mit Schokoladentafeln, von denen jede 100 g wiegt, dann kommt da doch schon ziemlich oft 100 g zusammen.

Ich wünschte, es wäre schon Montag in einer Woche und ich wäre schon mit Sack und Pack in Esens. Aber so bleibt mir wohl nur, weiter zu packen und weiter auf Herkules zu hoffen. Einen Hermes habe ich übrigens inzwischen gefunden. Äh … also, ich meine, jemanden, der den LKW fährt. Jetzt bräuchte ich noch einen Atlas oder zwei für das Klavier. Also, where have all the good men gone and where are all the gods?

Eigentlich wollte ich mir diesmal so einen dekadenten Umzug mit
Umzugsunternehmen gönnen, aber wo jetzt so die ersten Kostenvoranschläge
der Umzugsunternehmen bei mir eintrudeln, kommen mir Zweifel, ob das
wirklich so eine gute Idee ist. Deswegen überlege ich mir gerade eine
Puzzle-Lösung …

… man nehme einen 7,5 t LKW von Stücker&Günzel inklusive 500 km (das
reicht gerade für hin und zurück)
… ein paar kräftige Möbelpacker zum Beladen hier vor Ort (die gibt es
ab 23 Euro die Stunde, behauptet die nadann), vor allem, um das Klavier
die Treppe runter zu tragen

In Esens ist alles ebenerdig, da kriegen wir das Klavier notfalls auch
mit so Rollbrettern ins Haus und die anderen Möbel sind alle nicht so
dramatisch. Und vielleicht gibt es da ja auch Möbelpacker, die man
mieten kann. Ich freue mich einfach, wenn ich nicht drei staatlich
geprüfte Möbelpack-Facharbeiter dafür bezahlen muss, sich 7 h im LKW den
Arsch platt zu sitzen.

Nur, irgendwie muss dieser LKW ja noch von hier nach da. Also, ich hab
zwar einen entsprechenden Führerschein (alte Klasse 3), dürfte also,
aber da ich die letzten vier Jahre nichtmal einen Smart oder VW Käfer
gefahren bin, traue ich mir so ein 7,5 t Monster einfach nicht zu. Und
ein kleinerer Wagen wird nicht reichen, um alle meine Sachen in einem
Schwung bis da oben zu befördern und die Strecke ist einfach zu weit, um
da mehrfach hin und her zu gurken.

Deswegen jetzt meine Frage: hat jemand einen entsprechenden Führerschein
und traut sich zu, so einen LKW von Münster an die Küste zu fahren (ca.
200 km Autobahn und 50 km Landstraße)? Und danach leer wieder zurück?
Und packt auch ein bisschen beim Ver- und vor allem Entladen mit an? Ich
zahle 100 €.

Über weitere Helfer freue ich mich natürlich auch. Ich kann nicht jeden
fürstlich entlohnen, aber eine Kiste Bier soll wohl drin stecken. Und
wer mit nach Esens fahren mag (man könnte die Umzugshilfe ja prima mit
einem genüsslichen Nordsee-Wochenende verbinden, als
Übernachtungsmöglichkeit könnte ich dann die Schlafcouch bieten, die ihr
noch kurz zuvor ins Gästezimmer tragen durftet …), den lade ich zu
einem Nordsee-Thermen-Besuch mit Sauna ein. Oder zu einer Kutschfahrt
durchs Watt. Oder einer Butterfahrt nach Helgoland. Oder so.

Ach ja, stattfinden soll das ganze Mitte bis Ende März, ich bin da
relativ flexibel, gerne am Wochenende, da ist der LKW günstiger und die
Wahrscheinlichkeit für Helfer größer.

Heute nacht ist meine Katze gestorben. Das war irgendwie absehbar, immerhin war sie schon geschätzte 17 Jahre alt und wirklich nicht mehr besonders gut beieinander. Trotzdem kam das für mich jetzt etwas plötzlich, gestern hat sie noch ganz normal gefressen und ihre Runde durchs Haus gedreht und gestern abend ist sie ganz normal mit zu mir ins Bett gekommen und neben mir eingeschlafen. Heute nacht wurde ich irgendwann wach, da lag sie ganz verkrampft da, hatte sich übergeben und gekotet und röchelte nur noch. Hat dann nur noch ein paar Minuten gedauert, bis sie gestorben ist. Aber immerhin war ich bei ihr und hab sie in den letzten Minuten noch ein bisschen streicheln können und so. Ich weiß aber nicht, ob sie das überhaupt noch warhgenommen hat, da war sie schon ziemlich weit weg, glaub ich.

Heute morgen hab ich sie bei uns im Garten begraben. Shallow grave, fürchte ich. Winternasser, wurzeldurchzogener Lehmboden ist ganz schön schwer mit dem Spaten zu bewegen. Aber ich hoffe mal, dass sie niemand wieder ausgräbt. Ein Hund wohnt hier ja nicht mehr und den Fuchs hab ich diesen Winter noch nicht gesehen.

Irgendwie ist es ganz gut, dass es so gekommen ist. So bleibt der Katze der Umzugsstress erspart. Weil sie ja taub war und am Ende auch nicht mehr besonders gut gesehen hat, hatte ich schon große Bedenken, dass sie sich in einer neuen Umgebung gar nicht mehr zurecht findet. Es hat sie immer schon irritiert, wenn mal ein Koffer oder Wäschekorb im Zimmer stand, der da normalerweise nicht hingehört. Trotzdem fühlt es sich jetzt ganz komisch an, dass sie weg ist.

Apropos Umzug, aus Esens hab ich noch nichts neues gehört. Dieses in der Luft hängen macht mich wahnsinnig. Und dabei hab ich hier schon eine fertige Bewerbung für meinen absoluten Traumjob liegen, die ich aber erst losschicken kann, wenn ich weiß, dass das mit dem Haus klappt. Sonst hab ich nachher einen Job auf der Insel Langeoog aber kein Haus dazu. Das wär ja auch blöd. Vielen Dank an die Daumendrücker, ist total lieb dass ihr an mich denkt.

Ich werd noch wahnsinnig hier. Heute vor einer Woche haben uns die Vermieter aus Mettingen abgesagt. Also, genaugenommen haben die nicht „abgesagt“, sondern ich hab da angerufen, um zu fragen, was denn jetzt ist und nach einem gummiartigen 45 minütigen Telefongespräch war dann klar, dass die uns das Haus nicht vermieten wollen. Nicht wegen des fehlenden Autos, übrigens, sondern wegen Angst vor weiteren Bergschäden. Nur gut, dass ich am Freitag davor schon mit meinem Chef gesprochen hatte, um ihn schonmal seelisch auf meinen baldigen Abgang vorzubereiten und Elisa ihre Wohnung schon gekündigt hatte. Schließlich hatten wir ja mal sowas wie eine feste Zusage von denen.

Das stürzte uns als kurzerhand wieder ins Haus-Such-Chaos und wir wurden wieder auf allen Immoscout, -net, -welt, -pionier und -pool-Seiten zuhause. Da stehen immer noch einige Häuser drauf, die schon letzten August da standen. Unglaublich. So z.B. ein Resthof in Haren Wesuwe. Wer will schon nach Haren Wesuwe? Wir auch nicht. Jedenfalls hatten wir gerade wieder angefangen, Termine zu machen und so, als uns plötzlich „das Haus“ unterkam. Das war ein bisschen so wie in dem Lied Waldemar von Zarah Leander … „Mein Ideal auf dieser Welt das ist für mich der kühne Held, der große blonde Mann …“ und ein paar Zeilen später dann: „So sieht der Mann meiner Träume aus, sein Name ist Ralf oder Peer, die Wirklichkeit sieht aber anders aus, bitte hören Sie mal her:“ Und dann folgt die Beschreibung von Waldemar, der klein ist und schwarze Haare hat und in Berlin lebt, ihr nie einen Hermelin kaufen wird etc.

So ging es uns auch mit dem Haus … es liegt nicht auf dem Land, sondern am Rande der Innenstadt, der Garten ist absolut nicht ziegengeeignet und eher klein, die Nachbarn können direkt über die Hecke gucken etc. Und dann liegt es noch in einer Gegend, in die ich eigentlich gar nicht wollte, nämlich mitten in Ostfriesland, und leidet somit an akutem Berg- und Waldmangel. Und trotzdem war es Liebe auf den ersten Blick. Und das lag sogar in erster Linie am Standort. Esens ist nämlich ein absolut entzückendes Städtchen. Ca. 7000 Einwohner, alle Schulen, Geschäfte, Ärzte etc. in bequemer Fußgänger- oder Radfahrerentfernung, 4 km bis zur Nordsee und den Fährschiffen auf die Insel Langeoog. Dabei ca. 200.000 Touristen im Jahr, was für Elisa und ihre Atelier-Pläne natürlich hervorragend ist. Während uns sonst von den Vermietern und Maklern immer gesagt wurde: „Ohne Auto können Sie hier aber nicht leben“, hieß es hier „Auto? Braucht man hier wirklich nicht.“ Und das Haus ist riesengroß, hauptsächlich durch einen alten, verwinkelten Anbau, dessen Grundriss wir uns einfach nicht merken konnten. Viel Platz für Elisas Atelier, eine Werkstatt und einen Austellungsraum. Und oben auf dem Dachboden ist sogar noch ein alter Taubenschlag. Die Hühner kommen in den Fahrradschuppen. Das Haupthaus hat Zimmer satt und wird, wenn es erstmal renoviert und aufgemöbelt ist, ausgesprochen hübsch. Es sieht eher aus wie ein altes Kapitänshaus als wie ein Bauernhaus, mit hohen Decken und Fenstern.

Wir sind am Samstag hingefahren, um es uns anzugucken. Eine Mördertour mit dem Zug, eigentlich nur Nahverkehrszüge, weil wir mit dem Wochenendeticket unterwegs waren. Dann sind aber gleich zu Beginn, auf der Strecke von Essen nach Münster, zwei Züge ausgefallen und Elisa war irgendwo in der Wallachei bei Syken gestrandet. Als sie dann mit 1 1/2 h Verspätung in Münster ankam, blieb uns nur noch, auf den Intercity nach Norden auszuweichen und von da den Bus zu nehmen, wenn wir rechtzeitig ankommen wollten. Der Zugbegleiter des IC hat sich netterweise beschwatzen lassen, uns ausnahmesweise mitzunehmen, weil ich ihm einen Wisch vom ServicePoint vorweisen konnte, dass die beiden Züge tatsächlich ausgefallen sind. Den Bus von Norden mussten wir dann extra bezahlen, weil da das Wochenendticket nicht galt. Aber so haben wir es tatsächlich mit nur 10 Minuten Verspätung zu unserem Besichtigungstermin geschafft.

Wir waren schon vorgewarnt, dass es viele Interessenten für das Haus gäbe. Genaugenommen hatten wir sogar schon befürchtet, gar nicht fahren zu brauchen, weil eigentlich schon jemand fest zugesagt hatte. Doch der ist dann wohl doch wieder abgesprungen oder passte nicht ins Konzept. Mit uns gleichzeitig waren auch noch zwei weitere Interessenten da, aber irgendwie hatten wir beim Makler einen Stein im Brett und der hat uns dann kurzerhand ins Auto gepackt und noch bei den Vermietern auf dem Bauernhof vorbei gefahren, damit die uns kennenlernen konnten. Der Besuch stand ein bisschen unter Zeitdruck, weil wir unseren Zug zurück kriegen mussten, aber der erste Eindruck war äußerst positiv. Tja, und dann saßen wir auch schon wieder im Zug nach Hause, Schmetterlinge im Bauch und eine improvisierte Visitenkarte des Maklers in der Tasche mit dem Auftrag, uns Montag zu melden, wenn es uns ernst ist. Jetzt ist Montag und es ist uns ernst. Jetzt sind wir also in Esens nach drei Tagen so weit, wie wir in Mettingen nach drei Monaten waren … alles, was uns zu unserem Glück fehlt, ist die endgültige Zusage des Vermieters und der Mietvertrag. Und deswegen sitze ich jetzt hier und scharre mit den Füßen und warte, dass der Makler zurück ruft und hab Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen und Zahnschmerzen vor lauter Aufregung.

Langsam werd ich noch bekloppt. Jetzt warten wir seit mindestens drei Wochen darauf, ob wir das nette kleine Haus zwischen Ibbenbüren und Mettingen, das wir uns ausgeguckt haben, nun mieten dürfen oder nicht. Und ich rechne ja mit allen möglichen Widerständen … das die Leute was gegen zwei Frauen haben, die zusammen leben wollen (immerhin ist das da katholisch und auf dem Land … ich weiß von einem Fall gar nicht weit von da weg, wo zwei Männer jedenfalls nicht einfach so zusammen leben konnten, ohne dass die Leute reden), dass die Vermieter Bedenken haben, weil Elisa Hartz4-Empfängerin ist, dass sie was gegen unsere Atelier- und Hofcafé-Pläne haben, dass sie keine Ziegen auf ihrem Grundstück haben wollen, dass sie Angst haben, dass wir ohne männliche Verstärkung mit der Gartenpflege und dem Grundstück überfordert sind … Ich kann mir wirklich viele gute Gründe überlegen, warum man uns nicht als Mieter haben will. Aber das ist es alles angeblich gar nicht. Nein. Unsere vielleicht zukünftigen Vermieter machen sich Sorgen, weil wir kein Auto haben. Das lässt mich ehrlich gesagt eher sprachlos. Wenn sich meine Eltern Sorgen machen, dass ich ohne Auto irgendwo auf dem Land leben will, dann verstehe ich das. Die dürfen das. Die kennen mich aber ja nun schon eine Weile und haben sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass ich mit dem Fahrrad und Bus auch ganz gut klar komme. Immerhin wohne ich ja im Moment auch nicht in der Innenstadt, sondern ebenso weit aus Münster raus, wie ich dann eben aus Ibbenbüren oder Mettingen raus wohnen würde. Zugegeben, hier muss ich keinen Hügel hoch, um aus der Stadt nach Hause zu kommen, aber dafür kann ich hier auch keinen Hügel runter rollen, um von zu Hause in die Stadt zu kommen. Wir reden von einer Entfernung kleiner 5 km. Für die Mädels hält ein Schulbus direkt vor der Tür. Und überhaupt … das ist doch wohl unser Problem.

Ich meine, wie lange ist es her, dass noch nicht jeder ein Auto hatte? Weniger als 50 Jahre, würde ich behaupten. Da sollte es doch in den Köpfen der Menschen noch vorstellbar sein, dass man auch ohne Auto leben kann? Auch wenn man nicht in der Stadt wohnt. Ich meine, gut, früher gab es vielleicht mehr Geschäfte in den kleinen Ortschaften (wobei ich nicht glaube, dass es zwischen Ibbenbüren und Mettingen früher mehrere Tante Emma Läden gegeben hat … der nächste Supermarkt ist gerade mal 2 km von „unserem“ Haus weg … der nächste Baumarkt 1,5 km … da kann ich doch locker zu Fuß hingehen). Dafür gibt es heute für fast jeden Scheiß einen Bestellservice, wenn einen denn wirklich die Einkaufswut überkommt.

Ich hab gar kein Problem damit, wenn andere Leute aus Bequemlichkeit nicht auf ihr Auto verzichten wollen (na gut, vielleicht hab ich ein Problem damit, aber ich werde da niemandem rein reden). Aber es kotzt mich an, wenn andere Leute darüber urteilen, dass ich ein Auto brauche. Es ist kein Zufall, dass ich kein Auto mehr habe. Ich hab das nicht irgendwo verloren oder so. Ich habe mich ganz bewusst gegen ein Leben mit Auto entschieden, weil ich das Auto für eines der größten Übel unserer Gesellschaft halte. Und zwar weder wegen des CO2-Ausstoßes noch wegen der Verkehrstoten, obwohl das beides gute Gründe wären, sondern weil Autos Menschen zu abgestumpften Idioten machen, denen jeder Kontakt zur Realität, zu ihren Mitmenschen und zu der Welt, die sie umgibt, verloren geht. Autofahren ist eine Sucht, eine fundamentalistische Religion, die keine Ungläubigen neben sich duldet, die von allen Lebewesen einen Tribut fordert, den wir keinem Gott, keinem Herrscher und keiner staatlichen Institution zu zahlen bereit wären, materiell genauso wie ideologisch. Wir opfern dem Auto die Luft, die wir atmen, die Stille, wir opfern ihm fruchtbaren Boden, sauberes Wasser, Zeit und die Sicherheit unserer Kinder. Und das alles, weil wir individuelle Mobilität mit Freiheit verwechseln.

Tschuldigung … ich hab gerade so einen persönlichen David gegen Goliath Moment. Aber mit dem Auto ist das so ähnlich wie mit der roten Pille in Matrix. Wenn man einmal ausgestiegen ist, kann man die Welt nie wieder so sehen wie vorher. Es gibt keinen Weg zurück. Wenn ich mir jetzt wieder ein Auto anschaffen würde, dann würde ich das als Verrat empfinden, als ein Verbrechen an der Welt und der Menschheit, geradezu. Ich sehe mein Leben ohne Auto als einen Kampf für eine gute Sache. Und dann macht es mich wütend, wenn jemand kommt und sagt: „Ohne Auto kann man hier aber nicht leben.“ Ich gebe ja zu, dass es Orte auf der Welt gibt, wo man das wirklich nicht kann. Ist die Frage, ob man dann da leben sollte. Ich persönlich sollte es nicht. Darum war die Ortswahl ein so wichtiger Faktor bei der Haussuche. Aber an einem Platz, wo zwei Städte mit allen Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten und Schulformen in weniger als 5 km Entfernung liegen, wo ein Bahnhof in weniger als 5 km Entfernung liegt, wo ein Schulbus vor der Tür hält, wo es für den Notfall Taxen und einen Pizzaservice gibt, da kann man verdammt nochmal auch ohne eigenes Auto leben. Und dass es Menschen gibt, die sich das noch nicht einmal mehr vorstellen können, das ist für mich ein weiterer Beweis dafür, wie mächtig der Gott Auto in unserem Land so ist.

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