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Tja, nachdem ich meine After-Work-Turnier Teilnahme hier angekündigt habe, muss ich jetzt wohl auch berichten, wie es gelaufen ist, was? Hätt ich mal nix gesagt.

Das mit der frühen Startzeit war dann im Nachhinein nicht so ein Problem, weil meine Ma mich dankbarerweise direkt von der Arbeit abgeholt hat, so dass ich tatsächlich vor dem Start noch ein paar Bälle schlagen konnte und trotzdem ganz entspannt am ersten Tee ankam. Und die Aufwärm-Schläge waren alle gut. Ich ging also nervös aber voller guter Erwartung und Vorfreude an den Start. Außerdem, so sagte ich mir, kann es ja schlimmer als bei meinem ersten Turnier auf gar keinen Fall werden. Dummerweise muss ich so rückblickend jetzt feststellen: Doch, das geht! Sogar deutlich.

Ich hatte zwei sehr nette Flightpartner, beide männlich, einer davon 12 Jahre alt und mit einem Handicap von 31,9 (inzwischen sogar 31,4, im Gegesatz zu mir hat der nämlich gut gespielt und wurde mit 19 Punkten Dritter). Sein erste Abschlag ging allerdings links ins Aus. Der andere schlug gleich zum Auftakt eine saubere „Ladie“ (für Nicht-Golfer, das ist ein Schlag, der nichtmal an dem weiter vorne stehenden Damenabschlag vorbei fliegt … wird meist mit einer Getränkerunde nach dem Spiel geahndet). Das tat mir zwar sehr leid für meine Mitbewerber, half mir aber ein bisschen, meine eigene Abschlags-Panik in Grenzen zu halten. Mein Drive war zwar auch etwas eirig, landete aber immerhin knapp auf dem Fairway.

Die ersten beiden Löcher kam ich auch noch halbwegs klar und erspielt insgesamt 3 Punkte. Und dann war es vorbei. Mein Golfschwung war weg, als wenn den jemand abgeschaltet hätte. Hätte ich die Bälle werfen dürfen, wären sie wahrscheinlich weiter geflogen (und ich werfe sprichwörtlich wie ein Mädchen). Das einzige, was gut funktioniert hat, und ich meine, wirklich gut, war das Putten. Echt. Ich habe Putts gelocht, bei denen wäre so mancher Tourspieler vor Neid erblasst. Das Problem war halt wieder einmal, dass ich bei vielen Löchern gar nicht erst bis zum Grün vorgedrungen bin, bevor meine Schläge aufgebraucht waren. Insgesamt 8 Punkte habe ich mir so zusammenkratzen können. Es war zum heulen.

Meine Ma, die im Flight nach mir gestartet ist, hat übrigens deutlich besser gespielt, konnte ihr Handicap aber auch nicht verbessern.

Als wir dem 12jährigen aus unserem Flight gratulierten und, nur halb im Scherz, sagten, dass er bestimmt mal Pro wird, wenn er weiter so gut spielt, meinte der: „Nee, ich werd kein Pro. Mein Freund wird Pro, der ist erst 11 und hat jetzt schon ein Handicap von 9“ Okay … weißte Bescheid. Ich muss den jungen Mann unbedingt kennenlernen, bevor der berühmt wird, damit ich später, wenn der dann auf der Tour spielt, lässig sagen kann: „Oh ja, kenn ich, war in meinem Heimatclub, hab ich auch schon mit gespielt“

Man sollte so einem blöden 9-Loch-Turnier, das nun wirklich keinen interessiert, der nicht selbst mitgespielt hat, ja nun keine allzu große Bedeutung beimessen. Aber ich muss zugeben, dass ich doch ziemlich deprimiert war, danach. Ich wusste den ganzen Samstag nichts Rechtes mit mir anzufangen und bin aus lauter Verzweiflung irgendwann joggen gegangen. Das erste Mal seit bestimmt 2 Jahren. Nur, um mir zu beweisen, dass ich das noch kann. Hat ganz gut geklappt, jedenfalls deutlich besser als Golf. 4 km in 30 Minuten, das ist zwar nicht schnell, aber für einen Kaltstart nach 2 Jahren Laufabstinenz durchaus akzeptabel. Fühlte sich auch ganz relaxt an. Bis irgendwann gestern nachmittag auf der Golfrunde der Muskelkater einsetzte. Auch heute bewege ich mich noch etwas unrund. Vor allem Aufstehen und Hinsetzen ist schmerzhaft. Interessanerweise merke ich nur die vorderen Oberschenkelmuskeln. War mir gar nicht klar, dass die beim Laufen so beansprucht werden (und vor allem so viel anders als beim Fahrradfahren, denn in dem Bereich bin ich ja dank täglichem Arbeitsweg ganz fitt). Egal. War trotzdem geil. Mach ich jetzt wieder öfter.

Ja, und Sonntag dann wieder eine normale Golfrunde, ganz ohne Turnierstress. Diesmal war es anders herum: Beim Einschlagen ging wirklich jeder Ball total in die Hose. Ich hatte schon gar keinen Bock mehr überhaupt an Tee 1 abzuschlagen. Bahn 1 habe ich dann auch erstmal gestrichen, an Bahn 2 wieder in den abgrundtiefen Bunker gespielt (und diesmal leider nicht ganz so sauber rausgekommen wie beim letzten Mal, aber immerhin noch 3 Punkte gerettet). Aber auf Bahn 3 konnte ich dann aufdrehen. Und danach lief es wirklich größtenteils gut. Ich habe mich bemüht, die Eisen immer nur mit gefühltem 3/4 Schwung zu spielen, und dadurch viel sauberer getroffen. Und das ist der Witz: obwohl man das Gefühl hat, viel weniger feste geschagen zu haben, fliegt der Ball dann weiter, als wenn man mit voller Wucht schlägt, aber dann eben fett oder nicht mittig trifft. Lohnt sich also. Insgesamt konnte ich 38 PUnkte erspielen, hätte mein Handicap also um 2 Schläge verbessert. Jetzt muss das nur noch irgendwann klappen, wenn es drauf ankommt.

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Nachdem ich die letzten beiden Male ganz zufrieden damit war, was ich mir alleine und am Wochenende mit meinen Eltern so zurechtgespielt habe, habe ich mich diese Woche zum 9-Loch After-Work Turnier angemeldet. Die gibt es bei uns im Club immer am ersten Freitag im Monat. Ich habe schon einmal eines mitgespielt, aber darüber decken wir lieber für alle Zeiten den Mantel des Schweigens. (Meine beliebtesten Entschuldigungen für das Desaster sind „Hey, es war das allererste Mal“ und „Es war über 36° C“ … und immerhin habe ich mit Hängen und Würgen 12 Nettopunkte zusammengekratzt und hätte so doch glatt eine Platzreifeprüfung bestanden)

Diesmal spielt auch meine Mutter mit, was für mich praktisch ist, dann können wir zusammen mit ihrem Auto hinfahren. Ich hatte bei Anmeldung extra um einen späten Flight gebeten, weil ich bis 15.30 Uhr arbeiten muss, das Turnier aber schon um 16 Uhr anfängt. Jetzt kriegte ich gerade meine Tee-Time per SMS auf’s Handy. 16.30 Uhr! Das ist verdammt knapp und lässt mir nicht einmal Zeit, in Ruhe ein Brötchen zu essen bevor wir losfahren. Im Feierabendverkehr braucht man mindestens eine halbe Stunde zum Golfplatz und ich muss ja auch erst einmal mit dem Rad zu meinen Eltern. Bleibt nur zu hoffen, dass meine Ma nicht eine noch frühere Startzeit erwischt hat, sondern im Flight hinter mir ist.

An ordentliches Einschlagen ist so schon gar nicht mehr zu denken, und jeder, der schonmal mit mir gespielt hat, weiß, wie sehr mich das stresst. Echt, ich rotiere schon jetzt, wenn ich nur daran denke. Ich muss mindestens ein paar Putts gemacht haben, um zu gucken, wie die Grüns an dem Tag so rollen, und ein paar volle Schläge mit Eisen und Driver gemacht haben, sonst kann ich die ersten zwei bis drei Bahnen gleich streichen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass mein Körper jede Woche aufs neue komplett vergisst, wie man so einen Golfball schlägt und ich das jedesmal von Grund auf neu lernen muss. Ich schlage auch jede Woche anders. Mal powerhooken die Bälle nach links (alle!), mal spiele ich einen konstanten Slice, mal Pushe ich und einmal im Schaltjahr, wenn Ostern und Weihnachten auf einen Dienstag fallen, fliegen die Bälle doch tatsächlich geradeaus. Ist aber nicht so schlimm, wenn ich mich vorher einschlagen kann. Denn dann weiß ich ja, was mein Fehlschlag des Tages ist und kann mich gleich entsprechend anders ausrichten. Das erspart mir Peinlichkeiten, und die Spieler auf dem Nachbarfairway haben so auch deutlich bessere Überlebenschancen.

Zumal ich ja inzwischen auch mit dem Driver auf den Ball dresche. Das habe ich noch gar nicht berichtet. Seit einigen Wochen habe ich einen Driver. Also, genaugenommen hatte ich schon vorher einen, aber den konnte ich nicht bedienen (zu lang, zu schwer, Schaft zu hart, irgendwie unhandlich das ganze Ding, obwohl es sich angeblich um einen Damenschläger handeln soll, ein ebay-Fehlkauf). Der Neue ist von der wenig vertrauenserweckenden Billigmarke Eagle-Golf und hat mich im Set mit drei anderen Schlägern sagenhafte 5,20 € plus Porto gekostet. Auch in der E-Bucht natürlich. Als ich diesen Driver das erste Mal in der Hand hatte, habe ich fast gelacht. Riesenkopf, superleicht … fühlt sich ein bisschen an wie ein Luftballon am Stiel. Entsprechend hatte ich auch keine allzu großen Erwartungen an das Ding. Aber ich muss sagen: läuft. Die Schlagfläche ist so riesig, dass man beim besten Willen nicht am Ball vorbeischlagen kann (eh … doch … natürlich kann man … man kann im Golf immer auch am Ball vorbeischlagen, ich beweise das wöchtenlich aufs neue, aber zumindest passiert es seltener, wenn der Schläger die Ausmaße einer Bratpfanne hat). Etwa 150 Meter weit kann ich die Bälle mit dem Ding schlagen, wenn ich gut treffe. Immer noch nicht LPGA-Tour-verdächtig, aber ca. 30 Meter weiter als meine guten Abschläge vorher mit den Hybriden.

Außerdem habe ich die letzten Male ein paarmal mein Holz 5 vom Fairway aus richtig gut getroffen (und einmal von 135 Metern aus aufs Grün geschlagen, tschakka!), ein Schlag, den ich vorher auch noch gar nicht beherrscht habe. Jetzt warte ich auf den Tag, wo das mal beides direkt hintereinander passiert, also ein 150 Meter Abschlag und ein sauberer zweiter Schlag mit dem Holz. Dann kann schon fast nichts mehr schiefgehen. Auch das ist gelogen, übrigens. Da kann immer noch eine Menge schiefgehen. Letzten Freitag gelang mir so ein sauberer 150 Meter Drive an Bahn 7, das ist ein langes Par 3. Ich lag im Vorgrün, allerdings noch bestimmt 20 Meter vor der Fahne, die auf dem MacKenzie-Grün auf der oberen Ebene lag. Deswegen wollte ich lieber chippen als putten, weil ich so lange bergauf-Putts eigentlich immer zu kurz lasse. Dummerweise hatte ich zwei Spieler hinter mir, die mich just an diesem Loch hatten durchspielen lassen und jetzt natürlich guckten, was ich so mache. Sowas macht mich immer nervös, und wenn ich nervös bin, klappt gar nichts mehr. Ich versemmele also den Chip, der mir von der Spitze des Schlägers in die Bunkerböschung springt. Jetzt wäre der Zeitpunkt gewesen, zum Bag zurückzugehen und mir einen anderen Schläger zu holen, mein Sandwedge, vorzugsweise. Aber nee, ich wollte ja die Leute hinter mir nicht aufhalten. Also habe ich den Ball mit der 9 fein säuberlich von dem einen in den anderen Bunker geschlagen, von da dann wieder aufs Vorgrün (immer noch auf der unteren Ebene) und dann mit 4(!) Putts eingelocht zu einer 8. NACHDEM ICH MIT DEM ERSTEN SCHLAG QUASI SCHON AUF DEM GRÜN WAR!!!!! Golf ist so doof. Zumindest immer genau so doof wie sein Spieler. Wenn ich gleich geputtet hätte, selbst wenn der Putt viel zu kurz geblieben wäre, wäre ich mit Sicherheit eher da gewesen. Hätte hätte Fahrradkette … Golf ist eine Konjunktiv-Sportart.

Einschlagen gibt es also morgen wohl nicht. Das kann ja heiter werden. Ich werde berichten. Das Wetter wird auch ein bisschen unberechenbar, der deutsche Wetterdienst meldet leichte Gewitterneigung.

Letzten Sonntag gelang mir an Bahn 2 auf unserem Golfplatz das erste echte Par meiner zugegebenermaßen noch recht kurzen Golferkarriere. („Unechte“ Pars hatte ich schon ein paar auf unserem 6-Loch Kurzplatz gespielt, aber die zählen nicht wirklich). Bahn 2 ist ein für die Damen knapp 120 m langes Par 3. 120 m weit kann ich mit meinem 21° Hybrid ganz gut schlagen, wenn ich richtig treffe. Und Sonntag habe ich richtig getroffen. Was ich aber nicht bedacht hatte, war der Gegenwind. Der war nämlich ziemlich heftig. Und so blieb mein wunderschöner Abschlag leider ungefähr 10 m zu kurz. Das wäre ja normalerweise kein großes Ding. Aber dummerweise ist die Bahn 2 mit dem größten oder vielmehr tiefsten Bunker des gesamten Golfplatzes versehen. „Schmitz Grab“ lautet der unheilvolle Name dieses Monsters, oder, wie ich ihn bei mir immer nenne: „Chasm of Doom“ Ich frage mich immer noch, was der Golfplatzarchitekt mit dem Aushub aus diesem Loch eigentlich gemacht hat. Den korrespondierenden Berg habe ich noch nicht entdeckt. Vielleicht hat er die erhöhten Abschläge auf der 6 daraus gebaut. Oder das „klein Österreich“ auf der 13. Egal. Viel interessanter wäre noch die Frage, woher er das schwarze Loch hatte, das er irgendwo unter dem Sand vergraben haben muss, denn ich schwöre, dieser Bunker hat erhöhte Schwerkraft. Anders lässt sich die magische Anziehungskraft, die er auf Golfbälle ausübt, einfach nicht erklären. Und natürlich liegt dieses landschaftsarchitektonische Meisterwerk mitten vorm Grün. Genau an der tiefsten Stelle von Schmitz Grab landete also mein ansonsten wirklich wunderschöner Abschlag. Beim Einspielen hatte ich keinen einzigen Ball aus dem Bunker bekommen, übrigens. Mein Selbstbewusstsein, als ich mit meinem Sandwedge in den Abgrund hinabstieg, war somit nicht unbedingt das größte. Mitspielerin Angela, die ihren Abschlag ebenfalls in den Sand gesetzt hatte, entschied vernünftigerweise, seitlich heraus zu chippen, dorthin, wo die Bunkerkante nicht ganz so hoch ist. Ich überlegte kurz, es ihr gleichzutun, aber von meiner Position aus gab es eigentlich keine seitliche Kante, die leichter zu überwinden gewesen wäre. Und ganz rückwärts spielen wollte ich auch nicht. Ich ging also noch einmal ein paar Schritte zurück, um zumindeste erahnen zu können, in welcher Richtung die Fahne lag (aufs Grün gucken konnte ich nämlich von da unten nicht), drehte mein Schlägerblatt auf, um möglichst viel Loft zu generieren und erinnerte mich an den besten Bunkerspieltipp, den ich je in einem YouTube-Video gehört hatte. „Don’t decelerate!“ also auf Deutsch „Nicht verzögern“ Danke Andy Carter! Ich holte also aus, beschleunigte durch den Ball und schwupps! Die erstaunten Ausrufe meiner Mitspielerinnen bestätigten mir, dass mein Ball nicht nur aus dem Bunker geflogen war (was alleine schon eine beachtliche Leistung gewesen wäre), sondern tatsächlich auch noch dort gelandet war, wo er hin sollte, nämlich auf’s Grün, etwa einen Meter neben die Fahne. Viel schöner hätte das auch Tiger Woods nicht gekonnt (der hätte allerdings bei diesem Loch wahrscheinlich schon gleich mit dem Sandwedge abgeschlagen …). Ich weiß nicht einmal, was das größere Wunder war: dass ich so gut aus dem Bunker gekommen bin, oder dass ich danach den Putt aus lauter Trotteligkeit nicht vorbeigeschoben habe (das passiert mir nämlich sonst immer, wenn ich ein Loch ansonsten gut gespielt habe … ist Golf-Pschychologie. Putts bei denen es um nix geht kann man auch as 5 oder 10 Meter Entfernung lochen. Wichtige Putts schiebt man auch aus 50 cm noch gerne vorbei). Die restliche Runde war eher unspektakulär. Ich habe etliche Löcher gestrichen, einige andere ganz ordentlich gespielt. Vor allem die anderen beiden Par 3s liefen ganz gut. Wegen meiner bräuchte es auf dem Golfplatz eh keine Löcher von mehr als 150 m Länge zu geben. Ist doch pure Quälerei das. Oder wie wäre es mit Huckepack-Golf? Also jemand anders macht die langen Schläge und ich übernehme dann ab ca. 50 m vor dem Grün. Das könnte eine wunderbare win/win Beziehung werden. Mein kurzes Spiel ist ja ganz okay. Nur hinkommen muss ich.

Ich bin ja, trotz meiner großen Schnauze, ein ziemlich vorsichtiger Mensch. Außerdem bin ich mehr Denkerin als Macherin. Immer schon gewesen. Während andere Kinder in meinem Alter schon längst Laufen, Treppen steigen, Fahrradfahren, Schwimmen etc. konnten, saß ich immer noch auf dem Fußboden, dem Treppenabsatz, dem Gepäckträger oder dem Beckenrand und dachte über die richtige Technik nach. Daran hat sich bis heute auch nicht so viel geändert. Ich möchte immer alles richtig machen und versuche deswegen, alle Ratschläge, die mir andere Leute so um den Kopf hauen, anzunehmen und umzusetzen. Auch beim Golf. „Du guckst zu früh“, „Nimm den Kopf nicht hoch“, „Tee weiter links auf“, „Tee höher auf“, „Hol nicht so schnell aus“, „Schlag nicht so feste … ganz locker“ etc. pp.

Das hat mir in den letzten zwei Wochen insgesamt viereinhalb ganz ganz schauerliche Runden eingebracht. Vor allem die Sache mit dem langsam Ausholen und nicht so feste schlagen. Ich war am Ende so fertig, dass ich ungefähr so dynamisch geschlagen habe wie eine Windmühle bei Flaute. Gestern packte mich dann irgendwo zwischen Loch 14 und 15 die Wut. Ich hatte seit zwei Wochen keinen langen Ball mehr getroffen. Ich hab echt schon hin und her überlegt, ob ich meine Schläger auf ebay lieber einzeln oder als Komplettsatz verscheuern soll (wobei „Komlettsatz“ bei meinen Schlägern eher ein Hohn ist, aber dazu ein anderes Mal mehr). Während ich mir also verstohlen ein paar Tränen der Scham und Verzweiflung aus den Augen wischte, nachdem ich wieder einmal nur die Luft und nicht den Ball getroffen hatte, legte sich in meinem Hirn ein Schalter um und ich tat das, was man (auch wieder laut vieler gut gemeinter Ratschläge) niemals machen soll: ich legte meine gesamte Wut und meinen Frust in meinen nächsten Schlag. Eisen 6. Scheiß auf die ganze langsame Ausholerei, Scheiß auf kurz und kontrolliert. Und was ist: Der Ball fliegt. Nicht unbedingt 100%ig geradeaus, aber endlich mal wieder 100 m weit und immer noch grob in Richtung Loch. Na also! Nehm ich.

So hab ich dann die Runde zuende gespielt: aggressiv, mit vollem Schwung, der endlich auch den Namen Schwung wieder verdient hatte, und mit freiem Kopf. Nach ein oder zwei weiteren Schlägen verbesserte sich dann auch meine Treffgenauigkeit wieder. Ich konnte die Schläge sehen, bevor ich sie ausgeführt habe, wusste, mit wie viel Karacho ich den Ball mit welchem Schläger schlagen musste und konnte auch einen wunderschönen kontrollierten Fade spielen, als ich ihn brauchte (der Draw auf der nächsten Bahn ging dann allerdings in die Hose oder vielmehr mangels Linkskurve in die Bäume, das üben wir noch 😉 ). Boah watt war ich froh. Golf mit fliegenden Bällen macht deutlich mehr Spaß als Golf mit liegenden oder nur widerwillig rollenden Bällen.

Was lernen wir daraus: zu vorsichtig ist auch nicht gut. Und statt auf andere einfach mal auf das eigene Gefühl hören. Denn sobald ich den ersten Bal getroffen habe, war mir auch klar, warum die 100 oder so davor alle in die Hose gegangen waren. Ich hatte mich vor lauter Kontrolle und Langsamkeit überhaupt nicht mehr gedreht, sondern nur noch aus den Armen nach dem Ball geschlagen. Und je mehr Schläge ich dadurch verhunzt habe, desto unsicherer wurde ich und habe versucht, immer noch kontrollierter zu schlagen, was genau der falsche Weg war. Deswegen breche ich an dieser Stelle hiermit mal eine Lanze für den Kontrollverlust und das Tier in mir.

Realistisch betrachtet muss ich natürlich zugeben, dass auch so ein total animalischer Abschlag von mir mit seinen vielleicht 120 m Distanz einschließlich Roll bei einem echten Golfer wohl eher ein „ach wie niedlich“ hervorruft. Ich erstarre immer in Ehrfurcht, wenn die mal so richtig auf den Ball dreschen oder Grüns direkt anspielen, die ich am Horizont kaum ausmachen kann. Aber ich habe ja auch nicht behauptet, ein großes starkes Tier zu sein. Egal was die Frühstücksflocken-Werbung uns suggerieren will: es steckt eben nicht in jedem ein Tiger. Macht nichts. Mir reicht es ja schon, wenn ich spiele wie eine Miezekatze statt wie ein verschrecktes Kaninchen. In diesem Sinne: Miau!

Also, seit ca. einem Jahr spiele ich ja Golf. Hab ich das eigentlich schonmal erwähnt? Egal. Wie man bei einem grundsätzlich relativ unsportlichen Menschen wie mir, der mit 43 Jahren plötzlich auf die Idee kommt, einen ziemlich komplexen Bewegungsablauf zu lernen, erwarten kann, klappt das nur so mäßig. Angeber unter den Golfern behaupten ja, der Golfschwung sei nach Stabhochsprung und dem rückwärts eingefädelten dreifachen Rittberger der drittschwierigste Bewegungsablauf überhaupt, was ich mal dezent in Frage stellen möchte, aber man kann auf jeden Fall sehr viel falsch machen. Im schlechtesten Fall trifft man den Ball gar nicht (der gefürchtete Luftschlag, der mir auf jeder Runde mindestens einmal passiert), oder man haut mit soviel Kraft in den Boden, dass der Ball zwar vor Schreck vom Tee springt, sich dann aber in nur wenigen Zentimetern Entfernung zitternd im tiefen Gras versteckt. (für Nichtgolfer: das Tee ist so ein kleiner Pin, auf dem man den Ball vor dem Abschlag aufbockt, damit man ihn besser treffen kann) Meistens passiert einem das, wenn die Mitspieler (beim Golf hat man immer Mitspieler, ob man will oder nicht) ihre Drives alle perfekt getroffen haben und ihre Bälle in gefühlt einem halben Kilometer Entfernung mittig auf dem Fairway liegen.

Da bleibt einem dann nur, die Zähne zusammen zu beißen, verkrampft zu lächeln und irgendetwas wie „Dann muss es eben der Zweite richten“ zu murmeln. Und dann packt man sich ein Eisen und hackt ein paarmal auf den Ball ein, bis der dann endlich nach drei oder vier Schlägen da ist, wo die Mitspieler schon direkt nach dem Abschlag waren: auf dem Fairway. Das Fairway ist der relativ kurz gemähte Bereich in dem man den Ball gut sehen und (zumindest theoretisch) auch gut weiterschlagen kann. Sozusagen die Autobahn zum Grün (dem noch viel kürzer gemähten Bereich zu dem alle hin wollen und wo irgendwo das viel zu kleine Loch ist). Jetzt fand ich ja Autobahn fahren immer schon blöd und nehme in der Regel lieber die Landstraße. Da sieht man mehr von der Landschaft.

Deswegen schlage ich also mit meinem nächsten Schlag nicht etwa gerade auf die Fahne zu, sondern biege scharf wahlweise nach rechts in die dichten Bäume oder nach links in den Teich ab. Dafür gelingt mir diesmal aber ein extra weiter Schlag. Den braucht man auch, denn so ein Fairway ist ja recht breit. Man muss sich schon ein bisschen anstrengen, um so weit in die ungezähmte Natur einzudringen, wie ich das gewöhnlich tue. Dafür habe ich jetzt die perfekte Ausrede, wenn die nächsten paar Schläge daneben gehen, denn aus dem hohen Rough kann keiner gescheit spielen. Während meine Mitspieler also ihre Bälle mit dem zweiten oder dritten Schlag sanft auf dem Grün landen, hebe ich meinen Ball kurze Zeit später zerkratzt, zerzaust und erschöpt auf und rufe ihnen zu, dass ich dieses Loch streiche, weil ich nach zehn Schlägen sowieso keine Punkte mehr kriege.

Am nächsten Abschlag wiederholt sich das ganze, nur, dass ich mir diesmal den Umweg über das Fairway spare und gleich in den Wald bolze. Man könnte Golfplätze bestimmt viel billiger bauen, wenn man die teuren und aufwendig zu pflegenden Fairways einfach wegließe. Die trifft doch eh keiner. Okay, das ist gelogen. Aber an diesem Loch bräuchten wir das Fairway wirklich nicht, denn meine Mitspieler landen am Par 3 alle mit dem ersten Schlag auf dem Grün, während ich mich ja wieder für die landschaftlich schöne Strecke entschieden habe. Sie stehen geduldig, wenn auch etwas mitleidig lächelnd neben ihren Golfbags und sehen mir zu, wie ich mich mit kurzen Schlägen am Waldrand entlang kämpfe, bis eine freundliche alte Eiche ein Einsehen hat und meinen Ball geradewegs in den Bunker vor dem Grün spuckt. Ich bin hin und her gerissen zwischen der Freude, dem Grün diesmal doch so nahe gekommen zu sein und der Angst, im Treibsand zu versinken, während ich drei bis fünf Mal mit meinem Sandwedge auf den Ball einschlage und ihn so immer noch tiefer in den weichen Boden eingrabe. „Ich heb auf“, lenke ich schließlich ein. Zwei Löcher, zwei Streicher. Aber hey: ich hab ja noch 16 Versuche.

Am nächsten Abschlag nehme ich mir vor, diesmal auch wirklich alles richtig zu machen. Wahrscheinlich habe ich mich die anderen Male einfach nicht genug konzentriert. Ich teee (mit wievielen e schreibt man denn das?) vorschriftsmäßig auf, überprüfe meinen Griff und meinen Stand, achte beim Ausholen darauf, das mein Schlägerende zum Ziel zeigt, wenn er parallel zum Boden ist und dass ich das Schlägerende sehen kann wenn er senkrecht ist. Ich verlagere beim Abschwung mein Gewicht nach links, gebe mir größte Mühe, die Schlägerebene zu halten und die Handgelenke nicht zu früh zurückzuklappen und arbeite mental noch fünfundsechzig andere Punkte mehr ab, die ich irgendwann mal gelernt habe. Mein Schlägerkopf schlägt ein Divot von der Größe Nordtexas aus dem Boden, das weiter fliegt als der Ball, der höhnisch einige Meter vor meinen Füßen ausrollt. Was habe ich denn jetzt wieder falsch gemacht?

„Ich glaube, den hat du ein bisschen fett getroffen“, hilft mir ein freundlicher Mitspieler bei der Fehleranalyse. Nee? Echt? Da wäre ich jetzt nie drauf gekommen. Aber ich denke mir: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich lächele und bin froh. Und es kommt schlimmer. Ich erspare euch jetzt die Details der nächsten zweieinhalb Stunden oder so. Jedenfalls bin ich spätestens bei Loch 5 überzeugt, dass Golf der absolut bescheuertste Sport ist, den sich je ein Mensch ausgedacht hat. Genaugenommen ist es gar kein Sport, sondern eine Foltermethode. Und auch bestimmt nicht menschlichen Ursprungs, sondern von übelmeinenden Aliens erfunden, um die Menschheit um den Verstand zu bringen, damit sie es dann bei der Eroberung der Erde leichter haben. Oder so ähnlich.

Ich könnte jetzt irgendwo im Biergarten sitzen und entspannt einen Erdbeereisbecher löffeln. Oder Kanufahren. Oder von mir aus Fallschirmspringen. Oder einfach nur zu Hause auf der Couch sitzen und gemütlich einen Film angucken. Aber nein, ich bin hier, auf diesem beschissenen Golfplatz, wo sogar die Vögel in den Büschen über mich spotten. An Bahn 9 habe ich sogar ein Kaninchen über mich lachen sehen. Ich schwörs!

Und dann, auf Bahn 17, während ich dabei bin, gedanklich das Kündigungsschreiben für den Golfclub zu formulieren, passiert es. Ich treffe den Ball am Abschlag perfekt, er hebt in einer unbeschreiblich schönen ballistischen Kurve ab und während das melodische „Kaweng“ des Treffgeräuschs in meinen Ohren nachhallt, sehe ich, wie er kurz hinter der Grünkante aufschlägt, ausrollt und zwei Meter neben der Fahne zur Ruhe kommt. Meine Mitspieler staunen andächtig, sagen ausnahemsweise mal nix und schlagen sich dann seitlich in die Büsche, um nach ihren Bällen zu suchen. Diesmal haben sie die Autobahnauffahrt verpasst. Ich biete mich freundlich an, bei der Ballsuche zu helfen. Ich habe ja erstmal nicht viel zu tun, bis sie sich mit kurzen Schlägen zum Grün gehackt haben. Während ich das Fairway herunterschlendere, lausche ich dem wundervollen Gesang der Vögel und freue mich an einem Kaninchen, dass eifrig seines Weges hoppelt. Am Grün angekommen bücke ich mich und bessere meien Pitchmarke aus, über das ganze Gesicht grinsend.

Wen stört es schon, dass ich danach fünf (FÜNF!!!!) Putts brauche, oder dass einer meiner waldlaufenden Mitspieler trotzdem noch ein Par spielt. Ist mir doch egal, dass ich an Loch 18 schon wieder komplette Grütze spiele. Ich habe eine Pitchmarke gemacht! Eine Pitchmarke! Das ist besser als Kanufahren oder Fallschirmspringen. Ja, sogar besser als Erdbeereis.

Das ist das wahre Geheimnis des Golfsports. Egal, wie schlecht man gespielt hat, egal, was am Ende auf der Scorekarte steht, egal, wie oft man Wasserhindernis, Bunker oder Aus getroffen hat, wie viele Bälle man verloren hat und wie viel besser die Mitspieler spielen. Ein einziger gut getroffener Schlag reicht aus, um das alles vergessen zu lassen und genug Endorphine auszuschütten um einen nicht nur über die Runde sondern durch die ganze Woche zu bringen. Und das muss kein hole-in-one sein. Da reicht schon ein sauber getroffenes Grün, ein gelungener Schlag aus dem Bunker, ein langer Putt, der es gerade so über die Lochkante schafft, ein wirklich guter Drive oder ein fast eingelochter Chip, bei dem der Ball von der Fahne abprallt. Warum ist das so? Keine Ahnung. Aber dass das so ist, dass kann einem wahrscheinlich jeder Golfer auf diesem Planeten bestätigen. Es gibt aufregendere Freizeitbeschäftigungen, gesündere, geselligere, lustigere und mit Sicherheit billigere. Aber nirgendwo sonst kann einem ein so unbedeutetendes Ereignis wie ein einigermaßen sauber getroffener Ball ein solches Hochgefühl beschehren. Wahrscheinlich, weil es so selten passiert.

Januar 2019
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