Ich habe ja länger nicht mehr über mein Golf geschrieben. Das liegt jetzt aber nicht daran, dass ich nicht gespielt habe, oder das Interesse verloren hätte, sondern eher daran, dass ich keine Sensationen zu vermelden hatte. (Also, genau genomen ist auf meinem Spielniveau eigentlich jeder gut getroffene Ball eine kleine Sensation, aber ich verstehe, dass niemand lesen will, wie das Holz 3 auf der 1 ein bisschen nach rechts zog, ich den Fehler dann haber mit einem perfekt getroffenen Hybrid im nächsten Schlag wieder ausgemerzt habe und pin-high auf dem Vorgrün landete, um von dort mit meinem ersten Putt … ihr versteht …)

Eigentlich hat mein Golf sich aber ganz schön weiter entwickelt. Selbst bei miesesten Winterbedingungen habe ich noch ganz passabel gespielt und spätestens seit meinem einwöchigen Golftrip nach Spanien mit der amp-Golfschule war ich eigentlich ziemlich zufrieden mit meinem Spiel und brannte darauf, endlich in einer vorgabewirksamen Runde mein Handicap zu verbessern. So langsam wurde die -54 nämlich peinlich, zumal ich ja selbst die nie in einem Turnier erspielt hatte, sondern sie automatisch mit der Platzreife verliehen bekommen habe (seit Januar diesen Jahres ist das anders, übrigens, die Neulinge, die jetzt anfangen, starten nach der Platzreifeprüfung erstmal ohne offizielles Handicap und müssen sich selbst die -54 erstmal erkämpfen). Ich hab ja vor etwa zwei Jahren mit dem Golfspielen angefangen und so langsam kommt man da an einem Punkt, an dem man als Entschuldigung nicht mehr sagen kann: ich bin Anfängerin, sondern einfach zugeben muss: ich bin eine miserable Golferin. Man erntet auch echt immer so mitleidige Blicke, wenn man mit einer -54 antritt und alle glauben, sie müssten einem erklären, welche Seite der Scorekarte oben ist, weil es ja bestimmt das allererste Turnier ist. Wenn man dann sagt: „Nee nee, ich habe schon ein paar Turniere mitgespielt und mich einfach nicht verbessert“, dann werden die Blicke noch mitleidiger und es folgt unweigerlich der Satz: „Vielleicht solltest du mal ein paar Trainerstunden nehmen“ (Sorry, folks, aber das ist ungefähr so taktvoll, wie eine mollige Frau zu fragen, im wie vielten Monat sie denn ist.)

Okay, ich saß also trotz Trainerstunden bei Peter Finch, amp-Golfkurs und konstanter Verbesserung in unseren wöchentlichen Privatrunden immer noch auf -54, hauptsächlich aus dem einfachen Grund, dass den Winter über keine vorgabewirksamen Turniere gespielt werden. Dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, mich im Laufe dieses Jahres auf -36 zu verbessern. An Pfingsten bot sich dann die Chance, wenigstens mal eine EDS-Runde anzumelden, weil meine Tante als Zählerin mitging. Und irgendwie waren mir die Golfgötter an diesem Tage hold. Ob es nun an meinen neuen Schlägern lag (ich habe einen neuen Driver und zwei neue Hölzer im Bag, alles Cobra … ich entwickele mich zu einem Cobra-Fan), an den Erdnüssen (seit Neuestem esses ich an jedem Loch Erdnüsse, um mein Energieniveau über die Runde zu halten) oder ob die registrierte Runde förderlich für meine Konzentration war … jedenfalls klappte (fast) alles. Ich habe selber ganz bewusst meinen Score nicht mitgezählt, weil ich nicht wollte, dass mich das ablenkt und ich in so „wenn ich jetzt hier noch eine 5 spiele und am nächsten Loch eine 6, dann …“-Szenarien verfalle. Dass ich gut gespielt hatte, war mir aber schon klar. Dass es meine bisher beste Runde war, eigentlich auch. Dass ich mich aber um exakt 18 Schläge unterspielt hatte und damit in einem Schlag auf meinem Zielhandicap von -36 gelandet war, das habe ich dann erst im Sekretariat so richtig begriffen. Jahresziel erreicht. Done and dusted, wie der Anglophile sagt. Wie cool ist das denn?

Jetzt werden EDS-Runden, die es auch noch gar nicht so lange gibt, von einigen Golfern immer noch eher als Mogel-Runden angesehen. Und selbst ich muss zugeben, dass es wahrscheinlich leichter ist, einfach entspannt gutes Golf zu spielen, wenn man mit Freunden oder Familie stressfrei am Samstag Nachmittag über den Platz schlendert, als wenn man im Turnier unter den wachsamen Augen von völlig Fremden spielt. Außerdem hatte ich so ein bisschend die Befürchtung, dass es sich bei der Runde um einen erfreulichen aber nicht notwendigerweise reproduzierbaren Ausrutscher gehandelt haben könnte und dass es jetzt Monate dauern könnte, bis ich eine ansatzweise ähnlich gute Runde spielen würde. 18 Schläge weniger benötigen zu dürfen, um auf die gleiche Punktzahl zu kommen, das ist schon eine Ansage.

Entsprechend erwartungsfrei bin ich dann meine nächste echte Turnierrunde am vergangenen Wochenende angegangen. Samstag war ich noch auf dem Platz, um ein bisschen zu üben (Slice-Bekämpfung mit dem Driver) und ein paar Löcher im milden Spätnachmittagslicht zu spielen. Das hat gut funktioniert und zumindest mein Selbstbewusstsein nicht beschädigt. Sonntag war es dann soweit: Monatspreis. Ich hatte einen sehr netten Flight und war eigentlich so gut wie gar nicht nervös. Ich hatte einen super Start, Bogey auf der 1 (was mir erst am Abend davor auf der Proberunde das erste Mal überhaupt gelungen war), Par auf der 2. Danach wurde es dann etwas durchwachsener, die 3 habe ich gestrichen, weil ich nicht aus dem Bunker gekommen bin, z.B. Aber ich habe mich immer wieder berappelt und streckenweise wirklich solides Golf gespielt. Am Ende habe ich mein neues Handicap genau bestätigt, also 36 Nettopunkte erspielt und bin in meiner Kategorie (Handicap 19,5 und schlechter, glaub ich) Zweite geworden. Darüber habe ich mich natürlich wahnsinnig gefreut. Zum einen, weil mir jetzt niemand nachsagen kann, ich hätte mir das Handicap durch die EDS-Runde irgendwie „ermogelt“ und zum anderen, weil ich mir selber bewiesen habe, dass ich die -36 wirklich reproduzierbar spielen kann und es sich nicht einfach nur um einen Freak-Accident gehandelt hat.

Mir ist klar, dass ich auch mit -36 golftechnisch immer noch eine ziemliche Null bin. Aber zumindest habe ich die Kategorie „völlig hoffnungsloser Fall“ damit hinter mir gelassen. Und das tut gut.

Im Juni fahre ich wieder für 10 Tage nach England zu Peter Finch für ein paar mehr Golfstunden. Und vielleicht schaffe ich ja mein zweites Ziel für dieses Golfjahr, nämlich eine Runde mit unter 100 Schlägen zu spielen, auch noch.