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Konsensfindung ist sehr schwierig. Das weiß ich aus früherer politischer Arbeit in anarchistischen Splittergruppen und aus endlosen Diskussionen in der WG-Küche. Bei letzteren ging es zum Beispiel um die erwünschte Temperatur in unserem Kühlschrank. Der eine wollte, dass seine Butter nicht immer so hart ist und der andere, dass sein Fleisch nicht vergammelt. Das hört sich lächerlich an, war es vielleicht auch, zeigt aber, dass eine Einigung über Klimaziele, egal in welcher Form, ausgesprochen schwierig ist. Insofern grenzt es wahrscheinlich wirklich an ein kleines Wunder, dass man sich in Paris auf einen Klimavertrag einigen konnte und verdient Lob und Anerkennung.

Allerdings nur solange, bis man genauer hinsieht. Denn im Endeffekt ist das Vertragswerk, dass da jetzt unterschrieben wurde, ziemlich unzureichend, um nicht zu sagen, total fürs Pferd und kann allenfalls als symbolischer Tropfen auf dem immer heißer werdenden Stein angesehen werden. Warum?

Vor allem die kleinen Inselstaaten, denen sprichwörtlich das Wasser bis zum Hals steht, haben darauf bestanden, dass das Ziel sein muss, die Erwärmung auf 1,5° C über vorindustriellem Durchschnittswert zu begrenzen. Das ist absolut verständlich, den Wissenschaftler sind sich schon lange einige, dass die 2° C, die bisher immer diskutiert wurden, ja eigentlich viel zu viel sind. Und wenn man sich anguckt, was das Wetter mit dem 1° C, das wir inzwischen erreicht haben, weltweit regelmäßig an Katastrophen veranstaltet, dann sieht man das auch schnell ein. Dafür braucht man nicht auf den Malediven oder in Tuvalu zu wohnen. Das betrifft nicht nur steigende Meeresspiegel durch schmelzendes Eis, sondern auch Übersäuerung der Meere, Schwund von nutzbaren Ackerflächen etc. Blöd ist eben nur, dass wir von den 1,5° C eben zwei Drittel schon „verbraucht“ haben. Klar, da haben wir so ca. 150 Jahre für gebraucht, aber dummerweise verläuft der Temperaturanstieg (ebenso wie der Anstieg unserer CO2 Emissionen) ja nicht linear. Es ist also nicht über 150 Jahre gleichmäßig immer wärmer geworden, sondern in der berühmten „Hockeystick“-Kurve erst ziemlich langsam und dann immer schneller. Wir haben also jetzt nicht etwa 75 Jahre, um die Entwicklung abzubremsen und das letzte halbe Grad zu verbrauchen. Eher so 10 bis 20.

Dazu kommt, und das wird eigentlich immer ignoriert, dass die Atmosphäre ein ziemlich großer Puffer ist. Das CO2, das wir heute ausstoßen, macht sich klimatechnisch erst in einigen Jahrzehnten so richtig bemerkbar. Das heißt, selbst wenn wir es schaffen würden, von jetzt auf gleich nicht mehr CO2 auszustoßen als abgebaut wird, würde die Temperatur noch weiter ansteigen. Vielleicht kein halbes Grad mehr, aber eben doch immer noch merklich. Unser Zeitfenster zu handeln ist also noch viel kürzer als die Hockeystick-Kurve glauben lässt. Und dabei sind jetzt Rückkopplungssysteme wie der Albedo-Effekt (weniger Gletscher- und Polareis führt zu mehr absorbiertem Sonnenlicht und noch schnellerem Temperaturanstieg) oder das Schmelzen von Methanhydratvorkommen (Methan ist ein noch deutlich klimaschädigenderes Gas als CO2) noch gar nicht eingerechnet.

Trotzdem gilt der neue Vertrag erst ab 2020 und die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich, bis zur Mitte des Jahrhunderts den CO2 Ausstoß in ein Gleichgewicht zu bringen. Das wird für das 1,5° C Ziel mit Sicherheit zu spät sein. Wahrscheinlich sogar für 2° C. Aber es scheint ein absolutes Unding zu sein, Politiker egal welcher Nation dazu zu bewegen, einen Vertrag zu unterzeichnen, der tatsächlich schon in ihrer eigenen Legislaturperiode greifen würde.

Der Rest des Vertrages klingt ganz freundlich … die reichen Ländern sichern den Armen Unterstützung zu, alle sind sich einig, dass Mutter Erde geschützt werden muss … yaddayaddayadda … Wenn es an konkrete Zahlen oder Summen geht, wird es schon wieder schwierig. Von 100 Milliarden Dollar jährlich ist die Rede, die die Industriestaaten ab 2020 aufbringen sollen. Unterschreiben will man diese Zahl allerdings dann doch nicht, sie wurde vom verbindlichen Teil des Vertrages in den unverbindlichen zweiten Teil verschoben. Wir haben uns alle lieb und die Natur sowieso, aber Kosten soll es dann doch besser nichts.

Aber ist ein schwammiger und unzureichender Vertrag nicht trotzdem besser als gar keiner? Der Meinung scheinen ja die Medien zu sein, die den Klimavertrag vollmundig als „Wunder von Paris“ feiern. Der Papst soll auch ein Machtwort gesprochen haben.

Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass sich ein Großteil der Menschheit jetzt auf diesem Vertrag ausruht. Wir haben doch eine Lösung gefunden, die Länder tun ja jetzt was … Klimawandel ist nicht mehr mein Problem. Sowohl auf privater wie auch auf politischer Ebene in den einzelnen Ländern. Solange die Klimaziele eingehalten werden, scheint alles in Butter, bis man sich dann in zwanzig Jahren noch einmal aufrafft und feststellt, dass es jetzt aber wirklich langsam Zeit wird.

Und die Republikaner in den USA überlegen jetzt schon, wie sie, sollten sie die Präsidentschaftswahl gewinnen, das Klimaabkommen kippen können, weil selbst diese Minimalvariante ihnen schon zu viel ist.

Es ist mal wieder Zeit für den Klassiker:
Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Du siehst aber schlecht aus, was ist denn mit dir los?“
„Ach, hör auf … ich hab Homo Sapiens.“
„Mach dir nichts draus. Das geht vorbei!“

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Okay, diejenigen unter euch, die gerne Skifahren, die werden das wahrscheinlich anders sehen, aber für mich bräuchten diese ganzen niedrigen Temperaturen, die Dunkelheit, die Tristesse, Glatteis und Niederschlag in gefrorener oder unverfrorener Form eigentlich gar nicht stattzufinden. Sogar auf Weihnachten und Silvester könnte ich ganz gut verzichten, ehrlich gesagt, obwohl mir um diese Jahreszeit immer wieder klar wird, warum die Wintersonnenwende in fast allen Kulturen so eine große Sache ist. Im Prinzip habe ich jetzt schon die Schnauze voll vom Winter, obwohl er, sowohl datumstechnisch wie auch metereologisch ja noch gar nicht so richtig angefangen hat. Vor allem das fehlende Tageslicht macht mich fertig. Ich habe mich jetzt wieder mit Johanniskrautkapseln eingedeckt. Soll ja angeblich helfen. Heller wird es davon draußen aber auch nicht.

Wichtigster Lichtblick der Woche ist eigentlich nur meine samstägliche Golfrunde, die bisher gottseidank immer noch stattfinden konnte. Genaugenommen hatte ich dabei sogar meistens ausgesprochenes Glück mit dem Wetter und zumindest für das kommende Wochenende sieht es auch wieder ganz okay aus auf der Wetterkarte. Sportliche Höchstleistungen und Längenrekorde sind zur Zeit bei Mattenabschlägen und völlig aufgeweichten Grüns und Fairways zwar nicht zu erwarten, aber dank neuer Schläger und eines inzwischen nach Umstellungsschwierigkeiten wieder halbwegs stabilen Schwungs habe ich in den letzten Wochen recht konstant gespielt.

Die beste Anschaffung der letzten Wochen waren aber nicht die Schläger (ein gebrauchter MacGregor V-Foil M455 Eisensatz von ebay, falls das jemanden interessiert … sehen aus wie etwas, was Hagrid in sein Golfbag stecken würde, fassen sich auch so an, helfen aber ungemein dabei, den Ball hoch und weit zu schlagen), sondern diese Puttingmatte. Ich übe jetzt ganz konsequent jeden Tag 120 Putts (je 30 für die vier verschiedenen Grüngeschwindigkeiten, die die Matte ermöglicht) und führe Statistik darüber, wie viele davon ich loche. Golf ist eine absolut tolle Sportart für Statistiken.

Und weil mir das Üben zu Hause so gut gefällt, hat der Gedanke an den eigenen Golfsimulator mich dann doch nicht losgelassen. Und gestern habe ich dann mal kreativ Möbel gerückt und die Harfe in die Küche gerettet und festgestellt: doch, das geht. Ich kann, zumindest mit einem langen Eisen, einen vollen Schwung machen, ohne irgendwelche Einrichtungsgegenstände zu zerdeppern. Allerdings muss ich dabei wirklich sorgfältig darauf achten, an genau der richtigen Stelle zu stehen und meine Schwungebene sozusagen parallel zur Dachschräge ausrichten.

Ein echter Golfsimulator wird es natürlich trotzdem nicht. Viel zu teuer und dafür müsste ich auch ein Fangnetz oder so für Bälle aufbauen. Aber es gibt dieses Launchpad mit fest verbundenem Ball. Das bietet neben der eigenen Trainingssoftware, die einem angeblich Daten zu Schlägerkopfgeschwindigkeit und -winkel liefert, auch die Möglichkeit, es mit einer älteren Version der EA PGA Tour Spiele zu verbinden. Wie gut, dass ich mir vor einiger Zeit ein Windows-Laptop gegönnt habe. Dann ist das wenigstens für etwas nütze. Also, das Launchpad habe ich gestern spontan bestellt. Kostet als B-Ware nur 100 €. Schenke ich mir selbst zu Nikolaus oder so. Einen Trainingseffekt erhoffe ich mir weniger, dazu ist das Ding wahrscheinlich zu ungenau. Mehr ein bisschen Ersatzbefriedigung in den eigenen vier Wänden, wenn es draußen zu dunkel und ungemütlich ist zum Golfspielen. Ich werde dann berichten, wie das so läuft.

Apropos berichten wie das so läuft. Ich wurde von Golfpost.de als Produkttesterin ausgewählt. Ich darf die Aero Spark Tees testen. Ein Grund mehr zu hoffen, dass das Wetter am Wochenende golftauglich wird. Aussehen tun die Dinger jedenfalls ganz nett.

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