Tja, nachdem ich meine After-Work-Turnier Teilnahme hier angekündigt habe, muss ich jetzt wohl auch berichten, wie es gelaufen ist, was? Hätt ich mal nix gesagt.

Das mit der frühen Startzeit war dann im Nachhinein nicht so ein Problem, weil meine Ma mich dankbarerweise direkt von der Arbeit abgeholt hat, so dass ich tatsächlich vor dem Start noch ein paar Bälle schlagen konnte und trotzdem ganz entspannt am ersten Tee ankam. Und die Aufwärm-Schläge waren alle gut. Ich ging also nervös aber voller guter Erwartung und Vorfreude an den Start. Außerdem, so sagte ich mir, kann es ja schlimmer als bei meinem ersten Turnier auf gar keinen Fall werden. Dummerweise muss ich so rückblickend jetzt feststellen: Doch, das geht! Sogar deutlich.

Ich hatte zwei sehr nette Flightpartner, beide männlich, einer davon 12 Jahre alt und mit einem Handicap von 31,9 (inzwischen sogar 31,4, im Gegesatz zu mir hat der nämlich gut gespielt und wurde mit 19 Punkten Dritter). Sein erste Abschlag ging allerdings links ins Aus. Der andere schlug gleich zum Auftakt eine saubere „Ladie“ (für Nicht-Golfer, das ist ein Schlag, der nichtmal an dem weiter vorne stehenden Damenabschlag vorbei fliegt … wird meist mit einer Getränkerunde nach dem Spiel geahndet). Das tat mir zwar sehr leid für meine Mitbewerber, half mir aber ein bisschen, meine eigene Abschlags-Panik in Grenzen zu halten. Mein Drive war zwar auch etwas eirig, landete aber immerhin knapp auf dem Fairway.

Die ersten beiden Löcher kam ich auch noch halbwegs klar und erspielt insgesamt 3 Punkte. Und dann war es vorbei. Mein Golfschwung war weg, als wenn den jemand abgeschaltet hätte. Hätte ich die Bälle werfen dürfen, wären sie wahrscheinlich weiter geflogen (und ich werfe sprichwörtlich wie ein Mädchen). Das einzige, was gut funktioniert hat, und ich meine, wirklich gut, war das Putten. Echt. Ich habe Putts gelocht, bei denen wäre so mancher Tourspieler vor Neid erblasst. Das Problem war halt wieder einmal, dass ich bei vielen Löchern gar nicht erst bis zum Grün vorgedrungen bin, bevor meine Schläge aufgebraucht waren. Insgesamt 8 Punkte habe ich mir so zusammenkratzen können. Es war zum heulen.

Meine Ma, die im Flight nach mir gestartet ist, hat übrigens deutlich besser gespielt, konnte ihr Handicap aber auch nicht verbessern.

Als wir dem 12jährigen aus unserem Flight gratulierten und, nur halb im Scherz, sagten, dass er bestimmt mal Pro wird, wenn er weiter so gut spielt, meinte der: „Nee, ich werd kein Pro. Mein Freund wird Pro, der ist erst 11 und hat jetzt schon ein Handicap von 9“ Okay … weißte Bescheid. Ich muss den jungen Mann unbedingt kennenlernen, bevor der berühmt wird, damit ich später, wenn der dann auf der Tour spielt, lässig sagen kann: „Oh ja, kenn ich, war in meinem Heimatclub, hab ich auch schon mit gespielt“

Man sollte so einem blöden 9-Loch-Turnier, das nun wirklich keinen interessiert, der nicht selbst mitgespielt hat, ja nun keine allzu große Bedeutung beimessen. Aber ich muss zugeben, dass ich doch ziemlich deprimiert war, danach. Ich wusste den ganzen Samstag nichts Rechtes mit mir anzufangen und bin aus lauter Verzweiflung irgendwann joggen gegangen. Das erste Mal seit bestimmt 2 Jahren. Nur, um mir zu beweisen, dass ich das noch kann. Hat ganz gut geklappt, jedenfalls deutlich besser als Golf. 4 km in 30 Minuten, das ist zwar nicht schnell, aber für einen Kaltstart nach 2 Jahren Laufabstinenz durchaus akzeptabel. Fühlte sich auch ganz relaxt an. Bis irgendwann gestern nachmittag auf der Golfrunde der Muskelkater einsetzte. Auch heute bewege ich mich noch etwas unrund. Vor allem Aufstehen und Hinsetzen ist schmerzhaft. Interessanerweise merke ich nur die vorderen Oberschenkelmuskeln. War mir gar nicht klar, dass die beim Laufen so beansprucht werden (und vor allem so viel anders als beim Fahrradfahren, denn in dem Bereich bin ich ja dank täglichem Arbeitsweg ganz fitt). Egal. War trotzdem geil. Mach ich jetzt wieder öfter.

Ja, und Sonntag dann wieder eine normale Golfrunde, ganz ohne Turnierstress. Diesmal war es anders herum: Beim Einschlagen ging wirklich jeder Ball total in die Hose. Ich hatte schon gar keinen Bock mehr überhaupt an Tee 1 abzuschlagen. Bahn 1 habe ich dann auch erstmal gestrichen, an Bahn 2 wieder in den abgrundtiefen Bunker gespielt (und diesmal leider nicht ganz so sauber rausgekommen wie beim letzten Mal, aber immerhin noch 3 Punkte gerettet). Aber auf Bahn 3 konnte ich dann aufdrehen. Und danach lief es wirklich größtenteils gut. Ich habe mich bemüht, die Eisen immer nur mit gefühltem 3/4 Schwung zu spielen, und dadurch viel sauberer getroffen. Und das ist der Witz: obwohl man das Gefühl hat, viel weniger feste geschagen zu haben, fliegt der Ball dann weiter, als wenn man mit voller Wucht schlägt, aber dann eben fett oder nicht mittig trifft. Lohnt sich also. Insgesamt konnte ich 38 PUnkte erspielen, hätte mein Handicap also um 2 Schläge verbessert. Jetzt muss das nur noch irgendwann klappen, wenn es drauf ankommt.