Angefixt durch meinen Erfolg auf dem Jive habe ich mich inzwischen dem größten Exot in unserer Liegeradsammlung zugewandt: dem Flevotrike. Das ist nämlich, als Erklärung für Nichteingeweihte, ein ganz besonderes Fahrrad: es hat eine Knicklenkung. D.h., man lenkt nicht wie gewohnt durch Drehung an einem Lenker, sondern irgendwie so aus dem Rücken und der Hüfte heraus. Genauer kann ich das nicht erklären. Und genau da liegt das Problem. So richtig begriffen habe ich das „irgendwie“ nämlich noch nicht. Manchmal klappt das ganz gut, aber manchmal haut mir das Rad auch wild in eine Richtung ab und ich kann nicht mehr gegensteuern.

Aber ich überhole mich. Zu Anfang, also vorgestern, konnte ich auf dem Ding nichtmal losfahren. Das ist nicht übertrieben jetzt. Dabei soll man denken: was soll auf einem Dreirad schon groß passieren. Nun ist das Flevotrike aber nicht irgendein Trike. Es ist das einzige Trike, das ich kenne, das unbeladen im Stand einen Ständer braucht, um nicht umzukippen.

Klar, es steht schon deutlich stabiler als ein Flevobike mit nur zwei Rädern. (An so ein Ding will ich nichtmal denken, ehrlich gesagt). Aber es hat schon eine starke Tendenz, sich seitlich einzuknicken und dann umkippen zu wollen.

Was ich ganz schnell festgestellt hab war: am Berg anfahren geht erstmal gar nicht. Da braucht man viel zu viel Druck auf den Pedalen und schwupps ist man unwillkürlich in eine Richtung unterwegs, in die man partout nicht wollte. Also habe ich das Ding am ersten Tag immer nur ein Stück den Hügel hoch geschoben und bin dann bergab losgefahren. Weil wir hier ja in einer Senke liegen, geht das in beiden Richtungen . Hochschieben, runterrollen, auf der anderen Seite so weit den Hügel rauf wie geht, noch ein Stück weiter schieben, umdrehen, runterrollen etc.

Das Blöde ist, dass wir ziemlich viele Schlaglöcher auf der Straße haben und die Straße auch nicht besonders eben ist. Das macht das Fahren nicht einfacher. Außerdem ist die Straße relativ schmal, zu scmal jedenfalls für die Schlangenlinien, in die man erstmal automatisch verfällt. Und kontrolliert lenken geht erstmal gar nicht, sonst hätte ich ja versuchen können, immer rund um unsere „Hotelvorfahrt“ zu fahren.

Alles in allem war es eine recht frustrierende Erfahrung und ich hatte nach einer dreiviertel Stunde oder so nicht das Gefühl, irgendwas erreicht zu haben, außer, mich zum Gespött der Zuschauer gemacht zu haben. (Wir sind ein Seminarhof … natürlich hatte ich Zuschauer. Irgendwer guckt immer.)

Ich denke, dass ich danach aufgegeben hätte, wenn ich nicht in der Nacht vom Flevofahren geträumt hätte. Nix aufregendes eigentlich. Ich habe einfach nur von der Bewegung geträumt. Und da wusste ich, dass mein Gehirn da doch irgendwas dazu gelernt hat. Also habe ich es gestern dann noch einmal probiert. Diesmal ging es schon etwas besser. Immerhin konnte ich jetzt ein paar Meter geradeaus fahren, wenn nichts gravierendes dazwischen kam. Und manchmal schaffte ich es sogar halbwegs kontrolliert in eine Kurve. Was allerdings gar nicht klappte, war, aus der Kurve dann auch wieder raus zu kommen. Trotzdem habe ich mich bis kurz vor Lüthentien und zurück gekämpft.

Heute habe ich es wieder versucht und siehe da: es geht doch. Ich bin zwar immer noch weit davon entfernt, mich auf dem Flevo als sicher zu bezeichnen und ich würde mich damit noch nicht in irgendwelchen Straßenverkehr trauen (also, nichtmal in unseren 1 1/2 Traktoren in der Stunde Straßenverkehr), aber ich bin bis kurz vor Solkau und zurück gefahren und die Intervalle zwischen meinen unfreiwilligen Bremsmanövern wurden immer größer. Und ich bin um ein paar sanfte Kurven gefahren und danach wieder geradeaus weiter. Und ich habe ein paar Mal in einen höheren Gang geschaltet. Und ich kann am Berg anfahren (wenn er nicht zu steil ist).

Was mir jetzt noch im Weg steht, ist vor allem meine Angst. Wenn ich zu schnell werde, verkrampfe ich, und verkrampfen ist auf dem Ding jetzt mal die ganz falsche Taktik. Dann kann man nämlich nicht mehr lenken.

Ich üb das jetzt noch ein paarmal, und dann kann ich irgendwann auch mit dem Flevo um den Pudding fahren.

Ich hab mir übrigens gerade eine Digitalkamera bestellt. Das ist mein letzter Versuch. (Ich habe ganz schlechtes Digitalkamera-Karma, ich weiß gar nicht, wie viele von den Dingern ich schon verschlissen habe … richtig glücklich war ich jedenfalls mit keiner) Ich habe mich für eine Samsung entschieden, aus dem einfachen Grund, dass ich mit sämtlichen Samsung-Geräten, die ich in den letzten Jahren so gekauft habe, immer hochzufrieden war, während ich mich z.B. über Sony eigenltich immer nur geärgert habe. Kurz habe ich ja überlegt, ob ich mir aus Loyalität zu meinem früheren Arbeitgeber eine Olympus-Kamera kaufen soll, aber dann hab ich mich dagegen entschieden. Es gibt also demnächst hoffentlich auch mal wieder Fotos in diesem Blog.

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