So ein bisschen ist die Proitzer Mühle ja ein großer Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Und zu den Dingen, die man hier ausprobieren kann, gehören auch die vielen Liegeräder, die so im Laufe der Zeit ihren Weg hierher gefunden haben.
Nun bin ich ja mehr so ein Bewegungslegastheniker (obwohl das nicht mehr ganz so schlimm ist wie in meiner Kindheit) und meine Erfahrung mit Liegerädern beschränkte sich im Wesentlichen auf meine Leiba. Und die hatte ja netterweise drei Räder und eine Karosserie und fühlte sich darum sehr sicher an (also, wenn man von der Tatsache absieht, dass bei Regen oder Frost die Sicht gleich null war). Jedenfalls konnte man damit praktisch nicht umkippen. (Ich glaube, ich hab das zwar einmal geschafft, aber da war ich auch wirklich ziemlich schnell unterwegs und traf eine unglückliche Kombination aus Kurve und Bordstein).

Drei Räder sind jedenfalls erstmal einfacher als zwei. Weswegen ich hier an der Mühle auch erstmal am liebsten ein Hase Kettwiesel gefahren habe. Das ist zwar wegen des höheren Gewichts und eben der drei Laufräder auch etwas anstrengender zu fahren als ein Zweirad, kippt aber eben nicht um. (Das Kettwiesel kippt echt nicht um … das legt sich sehr nett in die Kurven und kann auch rasante kleine Kreise, aber gekippt kriegt man das echt nur, wenn man seitlich an einen steilen Hang fährt). Als nächstes habe ich mich dann auf ein Flux Sesselrad getraut. Das hat zwar nur zwei Räder, ist aber so vom Fahrgefühl einem Aufrechtrad noch ziemlich nahe.

Sally hat sich vor einiger Zeit ein gebrauchtes Jive gekauft. Das ist ein Tieflieger mit kurzem Radstand und Oberlenkung. Das ist jetzt wirklich von der Geometrie schon völlig anders als ein „normales“ Fahrrad. So anders jedenfalls, dass ich beim ersten Mal, als ich es versucht habe, wirklich gar nicht damit klar kam (also, nichtmal damit losfahren konnte) und gleich wieder auf das Trike umgestiegen bin. Aber sowas wurmt mich ja dann. Wenn ich was nicht kann, von dem ich aber eigentlich meine, dass ich es können müsste. Und was irgendwie alle anderen Leute in meiner Umgebung können.

Deswegen habe ich mir das Jive heute nochmal von Sally ausgeliehen und mich heimlich damit vom Hof gemacht. Das muss doch zu lernen sein!

Die ersten paar Meter waren echt nicht schön. Das Problem ist nämlich, dass die gelenkte Achse vor den Füßen ist. Das ist total ungewohnt. Jeder Lenkerausschlag, den man vom Aufrechtrad kommend, gewohnt ist, ist irgendwie viel zu groß und führt zu völlig unerwarteten und unerwünschten Nebeneffekten.

Der Trick ist vielmehr, wie ich dann nach der ersten Hügelkuppe herausfand, wo ich das Rad endlich mal einfach rollen lassen konnte, einfach gar nicht zu lenken. Also, zumindest nicht bewusst mit den Armen. Stattdessen legt man sich möglichst entspannt zurück und denkt sich einfach in die Richtung, in die man will. Und schwupps und wie durch Magie fährt das Rad dann auch da hin. Also, festhalten muss man den Lenker schon, es ist ja kein Flevo! Aber die eigentliche Richtungsänderung, die kommt mehr so aus der Gewichtsverlagerung im Rücken.

Kurz vor Lüthentien begegnete mir der erste Verkehrsgegner in Form eines Autos, aber bis dahin hatte ich das Jive schon ganz gut in der Spur. Kurz danach dann auch die erste echte Kurve … und das ging besser als gedacht.

Ich bin dann einmal „um den Pudding“ gefahren, so nennen wir hier die kleinste mögliche Runde um die Mühle auf ausphaltierten Straßen: Lüthentien, Solkau, Loitze, Molden, Proitze. Insgesamt vielleicht 4 bis 5 km.

Ungefähr auf halbem Weg fiel mir ein, dass ich auch mal wieder atmen könnte, und dann ging es gleich noch besser. Als ich wieder auf den Hof rollte, war ich ziemlich durchgeschwitzt, was weniger an den Temperaturen lag, sondern mehr an dem großen Traktor. Aber irgendwie auch sehr stolz auf mich.

Ob das Jive mein Freund wird, weiß ich aber noch nicht. Es hat den Antrieb vorne. Das ist ganz praktisch, weil so die Kette kürzer ist, der Weg von der Tretkurbel bis zum Hinterrad ist bei Liegerädern immer ziemlich weit und die langen Ketten sind eine echte Schwachstelle. Die vorne liegende Kette beim Jive hat aber den entscheidenden Nachteil, dass man ständig mit dem Hosenbein oder auch dem Unterschenkel dranhängt. Also, ich zumindest. Sally und Heike behaupten, dass ihnen das nicht passiert. Wahrscheinlich sind einfach meine Waden zu fett.

Es gibt hier noch ein paar andere Liegeräder, die ich probefahren kann. Ich werde berichten.

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