Ist euch schon einmal aufgefallen, wie relativ unser Temperaturempfinden so ist? Ich erinnere mich, dass ich es häufig als zu kalt empfunden habe, wenn es im Winter in meinem Zimmer in der Fabrik nur 16° C warm war.

Hah! Was war ich für ein Weichei!

Seit ich in diesem windschiefen Fachwerk-Hüttchen lebe, das ja außer einem kleinen Holzöfchen keine andere Heizung hat und vor allem halt überhaupt nicht isoliert ist, kann dich doch darüber nur lachen. Zwar ist die Temperatur in der Hütte auch ohne Heizen meist ein paar Grad höher als draußen, aber wenn draußen -10°C sind, dann kommt man mit fünf Grad mehr so richtig weit nicht. Aber, wenn ich dann den Ofen richtig anheize, dann schaffe ich es meistens, zumindest in den Plusbereich zu kommen. Und wenn es mir wirklich mal gelingt, die magische Marke von 10° C zu überschreiten, dann fühlt sich das richtig warm und behaglich an. Einmal habe ich es geschafft (das war aber noch vor der derzeitigen Frostperiode), die Temperatur in der Hütte auf 17′ C zu kriegen. Das fühlte sich an wie eine Sauna.

Abends nehme ich immer eine Wärmflasche mit ins Bett, die ich mir entweder aus dem Heißwasserboiler oder dem Wasserkocher im Haupthaus fülle. Außerdem trage ich unter meinem Schlafanzug noch ein T-Shirt und warme Wollsocken. Und das reicht, selbst wenn der Ofen dann im Laufe der Nacht ausgeht und die Temperatur sich wieder dem Gefrierpunkt nähert. Okay, zusätzlich zum Federbett habe ich auch noch zwei Wolldecken und eine Katze im Bett. Aber ich finde das trotzdem erstaunlich. Das einzige, was fies ist, ist, dass man morgens ja dann irgendwann aus dem ganzen Deckenberg rauskommen muss. Und sich dann auch noch ausziehen und in die inzwischen tiefgefrorenen Klamotten schlüpfen. Das ist nicht so schön.

Abends lege ich meinen Schlafanzug vor dem Anziehen manchmal für ein paar Minuten auf den Ofen, damit der nicht ganz so schäbig kalt ist. Aber morgens habe ich dafür meistens keine Zeit.

Tagsüber halte ich mich im Moment allerdings kaum in der Hütte auf. Meistens habe ich zuviel anderes zu tun und wenn ich dann spätnachmittags die Zeit hätte, ist es meist schon dunkel und bei Kerzenschein kann man so wahnsinnig viel nicht machen. Da bleibe ich dann lieber in meinem beheizten und beleuchteten Büro.

Insgesamt staune ich aber immer wieder, was für ein behagliches Gefühl so ein Feuer im Ofen macht, selbst wenn die messbare Temperatur weit unter dem liegt, was man so aus beheizten Räumen kennt. Irgendwie straht die Hitze ja anders aus, wenn man sich nah an den Ofen heran setzt, ist es natürlich viel wärmer (das Thermometer hängt auf der anderen Seite des Raumes, wo aber auch mein Bett ist). Außerdem sind das flackernde Licht, dass durch die leicht verrußte Scheibe dringt und das Knacken des Holzes durch keinen Heizkörper der Welt zu ersetzen. Das ist eine sehr archaische Erfahrung, irgendwie. Da haben mehrere hundertausend Jahre Menschheitsgeschichte wahrscheinlich einfach ihre Spuren in unserem Gehirn hinterlassen. Feuer ist Wärme, Schutz und Behaglichkeit. Da kommt keine Vailant-Heizung mit.

Trotzdem freue ich mich aufs Frühjahr.

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