Endlich ist es warm draußen. Bei dem strahlenden Wetter der letzten Tage haben Elisa und ich jede freie Minute im Garten verbracht. Ich bin immer noch damit beschäftigt, den Kompost umzuschichten und zu sieben. Es ist viel Kompost. Wir haben uns jetzt entschieden, eine große Kompostmiete da anzulegen, wo vorher die Terrasse war. Das ist schön nahe am Haus und am Kaninchen- und Hühnerstall, so dass man beim Ausmisten und Bio-Müll-Entsorgen keine langen Wege hat. Die äußere Reihe Platten haben wir liegen gelassen, so dass man jetzt schön mit der Schubkarre rund um Komost fahren kann, ohne bei matschigem Wetter einzusacken und so dass wir eine schöne Kante zum Rasenmähen haben. Stattdessen legen wir dann für die restlichen Stangenbohnen, den Blumenkohl und was uns sonst noch so fehlt ein neues Beet entlang der Hecke zwischen der Kräuterspirale und den anderen Beeten an, also an dem Platz, wo der Kompost eigentlich hin gesollt hätte.

Wie ich heute also so abwechselnd mit Mistgabel und Schaufel den halbverrotteten Kompost von seinem alten Liegeplatz um neuen umschaufelte, fiel mir eine Hummel auf, die ziemlich aufgeregt immer um meine Schaufel herumflog. Ich habe gedacht, die sei vielleicht durch irgendetwas, was ich ausgegraben habe, angelockt worden … schließlich hatten sich auch schon zwei Amseln versammelt, um die Regenwürmer aufzupicken und ein Ameisenstaat hatte eine Schnellstraße gebaut, um ebenfalls eine Leckerbissen abzutransportieren.

Als ich dann aber mit der Schubkarre beim neuen Kompost ankam und anfing, abzuladen, hörte ich aus dem Pflanzen-Erdgemisch in meiner Karre ein panisches Surren. Ich habe dann vorsichtig mit den Fingern die Erde zur Seite geschoben, bis ein ungefähr Walnuss-großes Wabengebilde herauskullerte und sich gleich darauf drei junge, scheinbar recht frisch geschlüpfte Hummeln ans Tageslicht kämpften. Ich hatte keine Ahnung, dass Hummeln solche Waben bauen. Das Ding sieht aus wie eine Bienenwabe mit nur ganz wenigen Kammern. Einige davon waren noch verschlossen und schienen weitere Larven zu beherrbergen, einige anderen enthielten so etwas wie Nektar oder Honig. Die jungen Hummeln krochen aufgeregt suchend herum, eine, wahrscheinlich die, deren Surren ich gehört hatte, konnte bereits fliegen und zog, zuerst noch etwas unsicher, erste Kreise um die Schubkarre. Ich habe dann das Wabengebilde vorsichtig ganz oben auf die Kompostmiete gepackt und die Hummeln eine nach der anderen mit der Hand eingesammelt und herübergetragen. Und offenbar waren die wirklich auf der Suche nach ihrem Zuhause, jedenfalls wurden sie sofort ruhiger, als sie wieder an ihrer Wabe andocken konnten.

Die Mutter habe ich allerdings nicht mehr wiedergefunden. Ich habe keine Ahung, ob die drei Jungen jetzt ohne sie überleben können und ob die Futtervorräte in der Wabe reichen, bis sie alt genug sind, selber auf Nahrungssuche zu gehen. Es tat mir total Leid, dass ich die kleine Familie so auseinandergerissen habe.