Heute stieß ich beim gelangweilten Stöbern im Netz auf der Seite der Süddeutschen auf eine Fotostrecke zu geplanten „Kleinstautos“

Nun muss ich sagen, dass ich die Idee, weniger als eine Tonne Blech transportieren zu müssen, weil man innerhalb einer Stadt von A nach B will, ja nicht schlecht finde. Ich verstehe auch, dass nicht jeder so masochistisch veranlagt ist wie ich und sich regelmäßig nassregnen lassen mag. Oder auch, dass es Leute mit körperlichen Gebrechen und Einschränkungen gibt, die eben wirklich nicht Fahrrad fahren können. Insofern stoßen Kleinstautos bei mir erstmal schon auf Sympathie.

Aber was mich dann nervt, ist, dass die Autoindustrie dann so tut, als müsste sie etwas spektakulär Neues und Trendiges erfinden … da ist die Rede von Kohlefaser-Werkstoffen und Aluminium-Karosserien. Und was dann dabei herauskommt, ist ein Auto, das eine Person befördern kann, eine Reichweite von 65 Kilmometern hat und 460 kg wiegt. Ja, Leute, geht es noch? Da war eine Ente mit 560 kg oder ein VW Käfer oder Trabbi mit etwas über 600 kg ja nur unwesentlich schwerer. Und da passt im Notfall eine ganze Familie mit Urlaubsgepäck rein.

Man konnte schon in den 50er Jahren die Isetta bauen (Zweisitzer, 350 kg Leergewicht), oder das Goggomobil (Viersitzer, 415 kg). Und zumindest das Goggo sah echt aus wie ein Auto. Alles ohne moderne Werkstoffe. Und alle konnten sie im normalen Verkehr mitfahren, auch auf der Landstraße, ohne den Betrieb aufzuhalten.

Und da soll mit 50 Jahren Weiterentwicklung in der Automobilindustrie nicht mehr drin sein?

Und was ist überhaupt mit den Elektroautos, die es in den letzten Jahrzehnten schon gegeben hat? Waren die denn so schlecht? (Nein, waren sie nicht, wenn man der Dokumentation „Who Killed the Electric Car“ glauben darf)

Es ist ja nicht so, dass es keine wirklich innovativen Konzepte geben würde. Der Twike zum Beispiel:

Und auf der Insel Langeoog fahren so niedliche kleine Elektro-Lastwagen. Ich meine, die müssten sich doch auch als PKW bauen lassen, ohne dass man gleich das Rad neu erfinden muss. Die Technik ist längst da. Nur, solange nicht die ganz großen Autofirmen dahinter stehen, schweigen die Massenmedien sich darüber aus.

Dabei gibt es in den USA sogar ein Museum für die sogenannten MicroCars:
http://microcarmuseum.com/virtualtour.html

Man staunt, was es da alles schon gegeben hat. Das kann doch nicht so schwer sein, da statt eines Benziners einen Elektromotor rein zu bauen.

Also, bevor jetzt hier ein falscher Eindruck entsteht … ich finde auch Elektroautos nicht toll. Privatautos sind generell eine ganz schlechte Idee und sollten nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig sein. Aber es geht mir auf den Geist, wenn die Automobilindustrie so tut, als könnten sie im Moment eben einfach noch keine kleinen sparsamen Autos herstellen, weil sie dazu erst etwas erfinden müssten. Aber selbst wenn es ihnen gelingt: ich bleib bei meinem Fahrrad.