Gestern war es soweit. Mein Chef hatte mir überraschend den Tag freigegeben, die Sonne strahlte und ich wusste, jetzt kann ich mich endgültig nicht mehr drum herum drücken: Ich muss endlich diese verdammte Hecke schneiden, bevor wir mit Schimpf und Schande von den Esensern aus der Stadt gejagt werden.

Dazu liegt schon seit dem Frühjahr so eine elektrische Heckenschere in unserem Fahrradschuppen, die mein Papa uns mitgebracht hat. Mir sind so Motorwerkzeuge ja immer ein bisschen unheimlich, muss ich zugeben. Bei der Heckenschere hätte ich mir da aber keine wirklichen Sorgen zu machen brauchen. Die ist zahm. Ein bisschen zu zahm, genaugenommen. Irgendwie fehlt der der nötige Biss. Die nagt sich eher mit so elektrisch getriebenen Milchzähnchen durch die Hecke. Alles was dicker ist als ein Millimeter, bleibt stehen, wird aber dekorativ entrindet und entnadelt. Nach zwei Metern war ich soweit, dass ich gestöhnt habe: Ich will eine Kettensäge!

Das Ende vom Lied war dann, dass ich wieder mit der kleinen Rosenschere in sorgsamer Handarbeit die ganzen entrindeten und entnadelten Pinne abgeschnitten habe. Und das wieder völlig ohne Laura Ashley Kleid und Strohhut. Die große Thuja-Hecke vorn hab ich dann erstmal nur auf eine Höhe gekappt (auch mit der Rosenschere). Das war gar nicht so einfach, weil nämlich auf einer Seite unseres Grundstücks so ein kleiner Drainage-Graben verläuft (hier geht ja nix ohne Graben) und man dann plötzlich einen halben Meter tiefer steht. Da musste ich mich dann ganz schön recken. Heute krieg ich meine Arme nicht mehr über Schulterhöhe. Aber trotz dieser Widrigkeiten ist es relativ gerade geworden und ich bin sehr stolz auf mein Werk.

Elsia hat derweil den Sommerflieder vor meinem Fenster geschnitten. Boah ist das jetzt hell in meinem Zimmer!

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