Zwei Feinde hat der Schriftsteller … den inneren Editor, auch Eddi genannt, und den inneren Schweinehund, besser bekannt als Schweini. Der erste ist der, der einem immer sagt, dass man ja doch nur Mist verzapft und die bereits getippten Seiten am besten ganz schnell wieder löscht, bevor die noch jemand liest. Und der andere ist der, der lieber mit einer Tüte Chips und einer Flasche Bier auf der Couch liegen und Buffy gucken möchte. Oder auch Fußball … Schweinehunde sind da wenig wählerisch. Hauptsache es ist so richtig schön unproduktiv und macht dick.

Solange man sein Schriftstellerdasein alleine bestreitet, ist man also von Hause aus in der Unterzahl. Kein Wunder also, dass so mancher Jahrhundertroman das Gehirn seines Schöpfers nie verlassen hat und in die ewigen Jagdgründe der niemals geschriebenen Bücher einging.

Aber erfreulicherweise bin ich ja nicht mehr allein. Ich lebe in einem Künstlerhaushalt und hier ist alles etwas anders. Darum haben sich die schreibenden Weiber vom Jüchertor (also, im Moment sind das Sunnyi, Elisa und ich, obwohl Meike jetzt auch schon vom Schreibvirus befallen wird) gesagt, dass das so nicht weitergehen kann und sich in die Hand versprochen, jeden Tag mindestens drei Normseiten zu schreiben. Eine Normseite, für die Nicht-Schriftsteller unter uns, ist jenes magische Maß von 30 Zeilen á 60 Zeichen, das noch aus Zeiten der Schreibmaschine stammt und auch heute in der deutschen Verlagswelt offenbar noch den Standard darstellt. Im angelsächsischen Sprachraum zählt man hingegen Wörter. Auf eine Normseite passen so ungefähr 250 Wörter.

Für eine NaNoWriMo Veteranin wie mich sind drei Normseiten also geradezu ein Klacks. Schließlich muss man sich da jeden Tag mehr als das doppelte aus den Fingern saugen. Und tatsächlich sind drei Normseiten schnell geschrieben, wenn man sich einfach in den Arsch tritt und anfängt. Ich brauche dafür ungefähr eine Stunde. Jedenfalls startet bei uns das Abendprogramm (also die tägliche Folge Buffy oder ein Spielfilm oder so) jetzt erst, wenn wir alle unser Tagespensum geschrieben und uns das Ergebnis gegenseitig vorgelesen haben. Schreiben nach dem Weight-Watchers-Prinzip. Ich hoffe wirklich, dass wir das beibehalten, auch wenn Sunnyi und Meike jetzt ab Donnerstag erstmal in Urlaub fahren. Dann sind Elisa und ich ja wieder nur zwei gegen Schweini und Eddi.

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