fragt Bonnie Tyler in ihrem Song „Holding out for a Hero“.

So langsam frage ich mich das auch. Also, ich frage mich, wo eigentlich der Herkules wohnt, der nächstes Wochenende diese ganzen unglaublich schweren Kartons, die ich gerade packe, die Treppe runter trägt. Also, ich kann die alle noch anheben. Mit der Betonung auf „an“. Aber was soll ich machen? Ich habe nämlich herausgefunden, dass Bücherregale, genau wie Schränke und Schreibtischschubladen, in Wirklichkeit Dampfdruckgefäße sind. Solange man da alles so lässt, wie es ist, sieht das schön klein und kompakt aus. Und wenn man anfängt, das heraus zu räumen und in Kisten zu verpacken, explodiert das Volumen plötzlich zu einem Vielfachen. Ohne jedoch an spezifischem Gewicht zu verlieren. Ein physikalisches Wunder geradezu. Als ich die ersten fünf Kartons gepackt hatte, sahen die Regale schon viel leerer aus und ich dachte „Oh, das klappt ja prima“. Als ich die ersten zehn Kartons gepackt hatte, sahen die Regale ungefähr genauso aus, nur, dass ich jetzt nicht mehr so gut bis zu ihnen durchkam, weil ja jetzt stapelweise Kartons in meinem Zimmer standen. Jetzt habe ich zwanzig Kartons voll und es lichtet sich langsam an der Bücherfront (aber eben auch nur, weil ich Kartons gepackt habe, die wahrscheinlich nur noch per Schwerkraftumkehr zu befördern sind). Ich habe einige Bücher, von denen jedes einzelne schon so schwer ist, wie ein ganzer Umzugskarton idealerweise sein sollte. Ich habe keine Ahnung, auf was die gedruckt sind. Oder ist es der Inhalt, der die so schwer macht? Gut, in dem einen sind Bilder von Elefanten und Blauwalen und so. Das sehe ich ein, die sind schwer. Aber warum wiegt dann die Geschichte der englischen Sprache dreimal so viel wie das große Lexikon der Tiere?

Und ich habe noch nichtmal angefangen, meine CDs zu verpacken. Bei meinem letzten Umzug war der Karton mit den CDs deutlich schwerer als meine Bücherkartons. Komisch, dabei dachte ich immer, die Dinger bestehen hauptsächlich aus Plastikhülle. Und so eine einzelne CD wiegt doch echt nicht viel. Etwa so viel wie eine Tafel Schokolade. Aber die Dinger lassen sich nun mal ausgesprochen dicht packen. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, ich packe so einen Umzugskarton voll mit Schokoladentafeln, von denen jede 100 g wiegt, dann kommt da doch schon ziemlich oft 100 g zusammen.

Ich wünschte, es wäre schon Montag in einer Woche und ich wäre schon mit Sack und Pack in Esens. Aber so bleibt mir wohl nur, weiter zu packen und weiter auf Herkules zu hoffen. Einen Hermes habe ich übrigens inzwischen gefunden. Äh … also, ich meine, jemanden, der den LKW fährt. Jetzt bräuchte ich noch einen Atlas oder zwei für das Klavier. Also, where have all the good men gone and where are all the gods?