Kann sich noch jemand an das Brettspiel „Deutschlandreise“ aus dem Ravensburger-Verlag erinnern? Gab es auch in den Geschmacksrichtungen „Europareise“ und „Weltreise“, wenn ich mich recht entsinne. Ich hatte jedenfalls Deutschlandreise und habe das als Kind bis zum Erbrechen gespielt. Zum Leidwesen derjenigen, die mitspielen mussten, denn eigentlich ist es ein wirklich langweiliges Würfelspiel … so eine Art Mensch-Ärgere-Dich-Nicht mit einem Pöppel pro Spieler und einer Landkarte als Spielfeld. Aber aufgrund emsigen Deutschlandreise-Spielens als Kind habe ich auch heute noch ein ganz gutes geographisches Gefühl für die wichtigsten Städte Deutschlands. Ich dachte also, ich kenn mich so grob in unserem Land  aus. Seit wir aber unsere Haussuche vom Münsterland auf ganz Nordwest-Deutschland ausgedehnt haben, staune ich immer wieder, was für riesige weiße Flecken es auf meiner inneren Landkarte so gibt. Zumindest wusste ich bis vor kurzem nicht, wo Espelkamp liegt, und auch solche wichtige Metropolen wie Dassel, Friedeburg oder Bahrenbostel waren mir einfach noch nicht untergekommen. Ich denke, was ich sagen will: Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben deutlich mehr dünn besiedelte Randgebiete, als ich mir das so hätte träumen lassen. Vor allem Niedersachsen ist eigentlich, vom Großraum Hannover mal abgesehen, ein einziges dünn besiedeltes Randgebiet. Und auch NRW hat überraschend viel Außenbereich. Wir reden hier von Gegenden, wo mit ganz viel Glück täglich ein Schulbus fährt und wo der Anschluss an das DSL-Netz für die nächsten zwei Jahre nicht vorgesehen ist. Ich wusste wirklich nicht, dass es sowas noch gibt. Also, klar wusste ich, dass es sowas noch gibt, man liest das ja ab und zu in der Zeitung und so, aber ich hatte solche weißen Flecken eher nach Bayern ganz unten oder nach Neufünfland verordnet. Wie ländlich abgelegen auch weite Teile Nordwestdeutschlands sind, hab ich mir nie klar gemacht.

Der Vorteil ist, dass in diesen Gegenden die Mieten echt niedrig sind. Für das, was man in Münster für eine Zweizimmerwohnung hinblättern muss, kann man da auch schonmal ein ganzes Haus mit Viehweide und Nebengebäuden kriegen. Der Nachteil ist der Tatooine-Effekt („Wenn es irgendwo im Universum ein strahlendes Zentrum gibt, dann ist dieser Ort am weitesten davon entfernt“). Ich meine, ich brauche ja keine Schicki-Micki-Boutiquen und das letzte Mal im Kino war ich vor drei Jahren oder so, aber ein Lebensmittelgeschäft in Reichweite, das hätte schon was. Schließlich dauert es eine Weile, bis das erste Gemüse aus dem eigenen Garten soweit ist.

Wenn ich jetzt nicht so eine Autohasserin wäre, wäre das ja kein großes Problem. Aber ich will natürlich wieder mal alles: auf dem Land wohnen, in der Stadt arbeiten und trotzdem kein Auto fahren müssen. Außerdem keine direkten Nachbarn, einen toleranten Vermieter, der am besten in Pusemuckel wohnt und nie vorbei kommt, genug Land für Hühner-, Ziegen- und Eselhaltung, diverse Nebengebäude für Atelier, Hofcafé und eventuell Fremdenzimmer und das alles für unter 500 € Kaltmiete.

Jetzt haben wir gerade ein Auge auf ein altes Kötterhaus in Hopsten-Schale geworfen. Niedlich … und mit Hausbrunnen, eigener Kläranlage, Ofenheizung … wenn wir da noch ein paar Solarzellen montieren, sind wir vollautark. Warmwasser aus einer Therme, die mit Propangasflaschen gespeist wird. Das ist schon fast wie das ganze Jahr Camping. Aber im Außenbereich von Hospten-Schale. Aber sowas von im Außenbereich … 2 km bis zur nächsten Bushaltestelle (wo dann einmal am Tag der Schulbus losfährt), 3,5 km bis in den nächsten Ort, 7 km bis nach Hopsten (da gibt es dann allerdings alles, was man so braucht). Andererseits … wenn ich von hier bis zum Bahnhof fahre, sind das auch fast 7 km. Vielleicht darf man sich von den Entfernungen gar nicht so schrecken lassen.

Meine Mitstreiterin bei der ganzen Sache heißt übrigens Elisa und ist Künstlerin. Darum das Atelier. Und die hat seit einiger Zeit ein Blog, wo sie täglich eins ihrer Bilder postet.  Durchaus amüsante Ideen bei, finde ich. Und vielleicht braucht ja noch jemand spontan ein Weihnachtsgeschenk oder so …