Daraus, dass ich jetzt für mich ungewöhnlich lange nichts in mein Blog geschrieben habe, könnte man schließen, dass mein Leben gerade langweilig in gewohnten Bahnen verläuft. Tut es irgendwie auch. Allerdings nur äußerlich. Innerlich scharre ich schon wieder unruhig mit den Füßen. Vor ein paar Wochen habe ich angefangen, auf irgendwelchen Selbstversorger-Foren herum zu surfen. Hat einen ähnlichen Effekt wie Globetrotter-Foren … plötzlich merkt man, dass es da draußen noch eine Menge anderer Leute gibt, die ähnliche Träume und Vorstellungen haben, wie man selbst.

Wir wissen ja nun seit einiger Zeit, dass die Tage der Fabrik wahrscheinlich gezählt sind. Oder zumindest, dass eine gr0ße Veränderung ansteht, weil die Stadt das Haus verkaufen will. Während einige meiner Mitbewohner, vor allem die, die schon sehr lange hier wohnen, ernsthaft mit dem Gedanken spielen, den Kasten zu kaufen, merke ich, dass ich schon begonnen habe, mich gedanklich von der Fabrik zu verabschieden. Das Haus macht es mir gerade aber auch besonders einfach. Heute Nacht sind, wahrscheinlich gelöst durch den Dauerregen der letzten Tage, einige Steine aus der Frontfassade gefallen. Dass die Fassade arbeitet, habe ich schon länger gemerkt. Die Setzrisse in meinem Zimmer werden immer größer und ein paar Mal habe ich nachts ein lautes Knacken in der Wand gehört (beunruhigendes Geräusch, wenn man direkt mit dem Kopf an der Außenwand schläft). Die Stadt verzögert sämtliche Reparaturarbeiten … allzu lange wird es nicht mehr dauern bis wir die Heizung wieder anmachen müssen und der Schornstein ist immer noch nicht repariert.

Jetzt habe ich über das Internet eine Frau kennengelernt, die ähnliche Vorstellungen vom Leben auf dem Land hat wie ich. Auch sonst passen wir offenbar ganz gut zusammen, falls man von Wortquote pro Minute auf irgendwas schließen kann. Ein Schnellfeuergewehr ist nichts dagegen. Geld haben wir beide eher nicht, fahren auch beide kein Auto, sie hat nicht einmal einen Führerschein. Das erschwert die Objektsuche etwas. Unsere Vorstellungen sind auch schon sehr speziell … Alleinlage im Außenbereich, aber mit gutem Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten (wobei „erreichbar“ sowas heißt wie innerhalb eines 5 km Radius, also in Fahrrad-Entfernung), viel Platz für ein Atelier (Elisa ist Künstlerin), Hofcafé, Hühner, einen großen Garten und eventuell (das wäre ja mein Traum) Ziegen und/oder Esel. Weil das zu zweit schlecht finanzierbar ist, wären wir auch gerne bereit, uns mit noch weiteren Leuten zusammen zu tun.

Dummerweise scheinen die meisten alten Häuser im Münsterland in Schicki-Micki-Villen für den exzentrischen Pferdebesitzer umgebaut worden zu sein … mit 80 qm Wohnzimmer, 3 Bädern im Haus (bei nur zwei Schlafzimmern …) mit Whirlpool, Sauna und ein Gärtner kommt einmal die Woche und mäht 4000 qm Rasen. Und das ganze dann für ein paar tausend Euronen Miete im Monat. Wir hatten da eher an ein verfallenes Bauernhaus zum selber renovieren gedacht … so nach dem Motto „wir waren da nicht mehr drin seit die Omma gestorben ist, aber der alte  Schweinestall müsste noch da sein …“

Montag habe ich einen Besichtigungstermin für ein entzückendes Fachwerkhäuschen bei Lengerich. Ein richtiges Hexenhäuschen, am Fuß des Teutoburger Waldes, den ich ja doch sehr schätze. Man wäre zu Fuß in 10 Minuten am Bahnhof und in einer knappen Stunde oben auf dem Berg. Ich träume schon die ganze Zeit vor mich hin.

Eigentlich wäre ich die letzten beiden Wochen in Urlaub gewesen. Da ich aber innerlich so unruhig war, hab ich mir einfach zwei Wochen Auszeit genommen und bin zu Hause geblieben. Von den unendlich vielen Dingen, die ich mir für die Zeit so vorgenommen hatte, hab ich zwar wenig geschafft, aber dafür bin ich jetzt wirklich ausgeruht. Und das Wetter war ja nun auch wirklich eher danach, sich in den eigenen vier Wänden zu verkriechen. Geschrieben habe ich auch weniger, als ich wollte. Mein Alphasmart hat meine zwei neuesten Kapitel von Gor Tara 2 gefressen. Das hat mich so frustriert, dass ich mich da nicht aufrappeln konnte, weiter zu schreiben. Ich hasse es, etwas nochmal neu zu schreiben. Da habe ich die ganze Zeit das Gefühl, dass es nicht so gut ist, wie das Original. Dafür hab ich mir dann gestern mal die ersten 50 Seiten von „Lindas Visionen“ ausgedruckt, die ich letzten November während des NaNoWriMo geschrieben habe. Und dabei wieder mal festgestellt, dass das Schnellschreiben beim Nano die Qualität meiner Texte eher verbessert. Ist immer komisch, sowas über die eigenen Texte zu sagen, aber ich fands richtig gut. Flüssig zu lesen und ein paar Mal habe ich echt laut über meine eigenen Dialoge gelacht. Vielleicht lohnt es sich doch, die Geschichte weiter zu schreiben.

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