Jedes Jahr im Mai fragt meine Mutter mich irgendwann am Telefon: Sag mal, was wünschst du dir denn zum Geburtstag. Und jedes Mal fällt mir nix gescheites ein. Diesmal hatte ich jedoch nach kurzem Nachdenken eine Idee. Ich wollte mir schon immer so einen einfachen kleinen Fahrrad-Transportanhänger kaufen. So ein Ding, wo man dann zwei Mineralwasserkisten oder eine von diesen handelsüblichen Stapelkisten draufpacken kann. Und den man am besten auch als Handkarren nutzen kann, zum Altglas wegbringen (in unserer WG ein ewiges Elend) zum Beispiel.  Fand meine Mutter gut und sagte das, was sie dann jedes Jahr sagt: „Okay, kauf dir sowas, ich geb dir dann das Geld wieder“.

Neulich hatte ich schonmal bei Ratio nach solchen Anhängern geguckt und auch einen gesehen, kostete 80 Euro und sah ganz vertrauenerweckend aus. War aber eben in ein großes und sperriges Paket verpackt. Sehr autofahrerfreundlich gedacht, hätte man bestimmt gut unten in den Kofferraum legen können, aber auf dem Fahrrad nicht so wirklich gut zu transportieren (zumal, wenn man eben noch keinen Fahrradanhänger hat, um damit den neuen verpackten Fahrradanhänger nach Hause zu bringen).  Und auf dem Ratio-Parkplatz mit Werkzeugkasten anzurücken, um den Anhänger gleich vor Ort zusammen zu bauen, hatte ich auch keine rechte Lust.

Heute habe ich mir dann gedacht: „Geh doch mal zu Toom“. Ich wollte sowieso einen Spaziergang machen und Toom liegt für mich noch in ganz erreichbarer Entfernung und sogar mit einer landschaftlich ganz reizvollen Strecke. Gedacht, getan. Und die hatten sogar einen Fahrradanhänger. Ein bisschen kleiner als der von Ratio und ein bisschen weniger vertrauenerweckend, aber nochmal 10 Euro billiger und etwas kleiner und handlicher. Ich habe dann ganz gewitzt gefragt, ob ich nicht einfach das schon zusammen gebaute Ausstellungsstück haben kann. Konnte ich. War zwar etwas wenig Luft in den Reifen, aber um den unbeladen nach Hause zu ziehen, sollte das okay sein.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass der eben nur so flüchtig von Hand zusammen geschraubt war. Das ist mir erst aufgefallen, als mir nach den ersten vierhundert Metern das linke Rad ab fiel. Werkzeug hatte ich natürlich keines dabei, konnte das Ding also auch nur so mittelmäßig gut wieder anschrauben. Die Prozedur mit dem abfallenden Rad wiederholte sich daraufhin alle 200 Meter. Von Toom bis zu uns sind durch die Gasselstiege etwa 2,5 km, das mag jetzt ausrechnen wer will.

Ich hatte also schon ziemlich den Kaffee auf, als ich zu Hause war. Dann durfte ich feststellen, dass die Ventile wenn überhaupt dann irgendeinem chinesischen Industriestandard gehorchen, jedenfalls habe ich keine Luftpumpe gefunden, mit der man da wirklich Luft rein befördern kann. Außerdem mehren sich meine Zweifel, dass das Problem mit dem Rad durch stärkeres Anziehen der Radmutter wirklich zu lösen ist. Das ist nämlich so eine Sache mit Schraubgewinden. Die gibt es in rechtsdrehend und linksdrehend. Und zwar nicht, um den Warenaustausch zwischen dem Commonwealth und dem Rest der Welt zu erschweren, wie man manchmal meinen könnte, sondern unter anderem deshalb, weil sich an einem zweirädrigen Fahrradanhänger beim Vorwärtsfahren ein Rad mit und ein Rad gegen den Uhrzeigersinn dreht. Jeweils von außen gesehen. Und wenn man jetzt das Radlager per Gewindestange am Rahmen befestigen möchte, dann täte man gut daran, dass beim rechten Rad mit einem rechtsdrehenden Gewinde und beim linken Rad mit einem linksdrehenden Gewinde zu tun. Sonst wird sich eines der Räder immer auf Dauer los drehen. Selbst wenn man die Schraube noch so fest knallt.  Auch mit einem Teleskop-Radmutterschlüssel kann man einfach nur eine gewisse Kraft auf so ein Gewinde ausüben. Sonst tritt Handwerkerregel Nr. 27 in Kraft, die da lautet: „Nach ganz fest kommt ganz ab.“

Ich wünschte nun, irgendwer hätte dem Hersteller meines Fahrradanhängers die Sache mit den Drehrichtungen erklärt. Ich ärgere mich gerade tierisch über mich selbst, weil ich wieder auf so ein Billigteil reingefallen bin. Jetzt kann ich das Ding wieder zurückschlörren. Ich hoffe doch, dass ein abfallendes Rad als Mangel akzeptiert wird, der eine Rückgabe rechtfertigt. Und dann fahre ich in den Fahrradladen meines Vertrauens und kaufe mir einen gescheiten Anhänger, auch wenn der dann mindestens doppelt so teuer ist.