Als ich eben von der Arbeit kam, war ich total platt und konnte mich nicht aufrappeln, was sinnvolles zu tun. Einfach nur ein Filmchen gucken, hab ich beschlossen. Irgendwie konnte mich aber keine meiner üblichen Serien so richtig locken. Von den meisten habe ich halt inzwischen alle verfügbaren Folgen geguckt. Und sämtliche Serien, die ich in letzter Zeit testweise angefangen habe zu gucken, haben mich eher gelangweilt. Das V Remake z.B. Ist halt ein Remake. Oder die Vampire Diaries. Gähn. Legend of the Seeker. Gähn. Law and Order … Doppelgähn. Am längsten konnte mich noch „Spooks“ bei der Stange halten. Da habe ich es immerhin bis in die dritte Staffel geschafft. Aber jetzt sind meine beiden Lieblingscharaktere unehrenhaft entlassen worden, jetzt mag ich da auch nicht weiter gucken.

Langer Rede kurzer Sinn, ich habe aus lauter Verzweiflung ins Fernsehprogramm geguckt. Ich habe zwar keinen Fernseher, aber zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender kann ich auch online per Zattoo.com gucken. Und da habe ich dann zufällig gesehen, dass ab heute au dem Digitalsenderf Eins Festival Raumpatroullie wiederholt wird. Ja, Raumpatroullie, auch bekannt als Raumschiff Orion. Die älteste deutsche Science Fiction Serie (und auch so ziemlich die einzige). Bisher kannte ich die nur aus Erzählungen und einzelnen Ausschnitten auf YouTube.

Die Serie ist 1965 produziert und 1966 zum ersten Mal ausgestrahlt worden. Das ist ungefähr zeitgleich mit der original „Star Trek“ Serie. Allerdings ist die deutsche Raumpatroullie noch in schwarz-weiß gedreht. Das hat einen guten Grund. Farbfernsehen wurde in Deutschland erst 1967 zur Funkausstellung eingeführt.

Ich habe jetzt also sozusagen einen Selbstversuch gestartet. Kann man eine 45 Jahre alte Science Fiction Serie eigentlich zum ersten Mal gucken und dabei ernst nehmen? Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: ja, man kann. Ich kann zumindest.

Zugegeben, im ersten Moment ist es schwierig, sich auf die Geschichte einzulassen und sich nicht von den heute ungewollt komisch wirkenden Kulissen ablenken zu lassen (ich bin aber überzeugt, dass das berühmte Bügeleisen im Armaturenbrett auch damals schon ironisch gemeint war). Aber ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die so schlecht gar nicht sind. Jedenfalls nicht wesentlich schlechter als die von Star Trek. Kostüme, Kulissen und vor allem Frisuren folgen jedoch ganz deutlich einer 60er Jahre Ästhetik. Die Raumschiffe und Gebäude wirken stark Bauhaus-beeinflusst. Die Flugszenen sehen so aus, wie Plastikmodelle vor gemaltem Sternenhintergrund das eben tun, Forbidden Planet lässt grüßen. Und die überlebensgroßen Guppys hinter den Fenstern der Tiefseebasis wirken auch etwas albern.  Der Unterwasserstart (in Raumpatroullie starten die Raumschiffe von Tiefseebasen und brechen dann durch die Meeresoberfläche) sieht aber schon ganz gelungen aus. CGI gab es damals eben einfach noch nicht. Da wurde das alles mit Modellen und recht einfachen Mitteln gemacht. Eben habe ich irgendwo gelesen, dass Teile der Serie sogar mit Farbfilmmaterial gedreht sind, weil man so die damals neue Bluescreen-Technik anwenden konnte. Raumpatroullie ist keinesfalls eine Billigproduktion. Im Gegenteil, die Produktionskosten waren mit 320000 DM pro Folge damals so hoch, dass für die Verwirklichung ein Produktionspartner im Ausland gesucht wurde. Ausgestrahlt wurde die Serie ursprünglich im Ersten um 20.15 Uhr direkt nach der Tagesschau und war mit 55 % Einschaltquote ein echter Straßenfeger. Also kein Nischenprodukt, wie man das bei deutscher Science Fiction erwarten könnte. Warum um alles in der Welt gibt es dann nicht mehr davon?

Cool fand ich, dass es mehrere starke Frauenrollen gibt und Frauen in der Serie ganz selbstverständlich als General oder Leutnant adressiert werden. Soviel Emanzipation hätte ich im Deutschland von 1966 wirklich nicht erwartet. Da hinkt Star Trek meines Erachtens deutlich hinterher … die haben außer Uhura ja nicht viel auf die Kette gekriegt, und die war eigentlich das SciFi Pendant zu einer Sekretärin.

Und da kommen wir auch eigenltich zum Besten an der Serie. Die Crew. Die haben eine wirklich gute Chemie miteinander. Insgesamt ist das ganze deutlich steifer und bühnenmäßiger geschauspielert, als das heute so in Film und Fernsehen üblich ist, aber die Dialoge sind witzig und selbstironisch und man hat Commander Cliff Allister McLane und seine Crew sofort gern. Echt, der Typ ist ein bisschen wie Malcolm Reynolds. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Joss Whedon die Serie kennt, übrigens, obwohl es keine englisch synchronisierte Fassung zu geben scheint.

Ich freue mich jedenfalls sehr auf die weiteren Folgen von „Raumpatroullie“. Die Serie hat scheinbar auch immer noch eine aktive Fanbase in Deutschland, zumindest findet am 11. September dieses Jahr in Dorsten eine Raumpatroullie Orion Convention statt. Vielleicht fahre ich da ja hin, bis Dorsten ist schließlich nicht so weit.

Jedenfalls hat eine 45 Jahre alte deutsche Fernsehproduktion das geschafft, was eben den meisten heutigen Serien nicht gelingt: sie hat mich bestens unterhalten.

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