Irgendwann im September 2004 habe ich angefangen, mein erstes Blog zu schreiben: „Capella läuft“ Darin gab es anfangs hauptsächlich meine wilden Joggingabenteuer zu lesen … 6 km quer durch Gievenbeck sind zwar nur ein mäßig spannendes Thema, aber ich hatte damals eine recht treue Leserschaft aus einem Laufforum und die fanden meine Berichte immer ganz toll (wahrscheinlich weil sich neben meinen läuferischen Leistungen jeder Schlaffi fühlen konnte wie ein Superheld).  Dann kam der Winter und es war vorbei mit der Lauferei. Im Winter kann ich nicht laufen, da schlafe ich.  Das Blog wurde kurzerhand in „Capella schwafelt“ umbenannt. Warum erzähle ich das alles? Ganz einfach … heute überkam mich plötzlich das Bedürfnis, meine Joggingschuhe unter dem Bett hervorzuzerren (ich hätte sie vor lauter Staubmäusen fast nicht gefunden) und laufen zu gehen. Hat vielleicht auch etwas mit den frustrierenden Wandererlebnissen aus dem Schönau-Urlaub zu tun. Berge konnte ich ja noch nie gut, aber diesmal habe ich mich beim Wandern ja sowas von unfitt gefühlt, das ging gar nicht.

Außerdem habe ich mir vorgestern ein neues Handy mit mp3-Player gekauft. Und der muss natürlich angemessen in freier Wildbahn ausprobiert werden. Genaugenommen mag ich Sport ja gar nicht. Mein Bewegungsdrang hält sich schwer in Grenzen. Die einzige Sportart, die ich gerne betreibe und die ich nicht als Quälerei empfinde, ist Tanzen. Mit der richtigen Musik bewegt mein Körper sich quasi von alleine und ich muss nur noch ein bisschen daran arbeiten, nicht vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Also geht Jogging auch nur mit der richtigen Musik auf den Ohren. Ich habe deshalb sehr sorgsam eine Playlist zusammengestellt.

In Anbetracht meiner schlechten Leistung im Urlaub und dessen, dass ich den ganzen Winter wirklich faul herumgelungert habe, hatte ich keine hohen Erwartungen an mich. Ich hatte mir vorgenommen, immer ein Musikstück lang zu laufen und dann eines zügig zu gehen. Und wenn selbst das nicht klappt, dann evtl. noch öfter zu wechseln. Schaffen wollte ich aber auf jeden Fall eine 4 km lange Runde, über den Vorbergweg, die Gasselstiege, die Hagelbachstiege, den Lärmschutzwall und entlang der Steinfurter Straße zurück. Das ist so ziemlich die kürzeste Runde, die man hier vom Haus aus Laufen kann, wenn man vermeiden will, im Garten Kreise zu ziehen oder das Industriegebiet zu rumrunden.

Die freundliche Random-Funktion des mp3-Players wählte als erstes Stück „Eye of the Tiger“ aus. Prima Einstieg. Was Rocky kann, kann ich auch. Die ersten paar Meter fühlten sich ungewohnt und komisch an, mein Körper wusste nicht so recht, was ich jetzt plötzlich von ihm wollte, glaub ich. Eigentlich habe ich das Ende des Stücks also herbeigesehnt, um eine Gehpause einlegen zu dürfen. Aber als es dann so weit war, lief es eigentlich ganz gut. Okay, dann lauf ich halt noch bis zur nächsten Abzweigung und fange erst da mit Gehen an.

Das nächste Stück war aber aus dem Herr der Ringe Soundtrack. Epischer Hörnerklang, bei dem die im Film über irgendwelche Bergrücken laufen. Bei der Musik kann man jetzt wirklich nicht aufhören zu laufen. Dann eben beim nächsten. Das war aber „Elkhunt“ aus dem letzten Mohikaner … ähnlicher Effekt. Ich kann doch nicht langsamer werden, wenn vor meinem inneren Auge gerade schöne indianische Männer mit nacktem Oberkörper durch den Wald brechen. Inzwischen war ich am Gasthof Wilhelmer vorbei und unter der Autobahn durch. Hier steigt der Weg etwas an. Außerdem war es total matschig und das habe ich dann beim nächsten Musikwechsel zum Anlass genommen, doch mal ein Stück lang zu gehen.

Witzigerweise hieß das Stück zwar „Run“ (von Air) hat aber einen Rhythmus, der perfekt zu meinem zügigen Gehen passt. Kurz vor dem Lärmschutzwall hab ich dann wieder angefangen zu laufen. Zu „The Doctor’s Theme, Season 4“. Das ist mal richtig epische Soundtrack Mucke. Hat aber den Vorteil, dass sie mit sanftem Chorgesäusel und ohne festen Rhythmus anfängt, so dass ich beim Laufen mein eigenes Tempo finden konnte. Das war auch nötig, denn der Anstieg auf den Lärmschutzwall war ganz schön steil. Entsprechend langsam war ich mit ganz kleinen Trippelschrittchen unterwegs. Das fand der große schwarze Hund, der gerade mit Herrchen auf dem gleichen Weg unterwegs war, ganz lustig. So konnte er in kleinen Runden um mich herumlaufen.

Oben musste ich dann zu einem langsamen Stück aus dem Conan Soundtrack (The Search) doch wieder eine Gehpause einlegen, weil die Steigung mich ziemlich geschafft hatte. Aber danach war alles gut. Noch ein Stück aus dem Doctor Who Soundtrack, irgendein Instrumentalstück, das ich nicht identifizieren konnte und der Maintitle aus dem letzten Mohikaner (mehr halbnackte Indianer) brachten mich im lockeren Trab zurück zur Steinfurter Straße. Und bevor ich mir überlegen konnte, ob ich jetzt noch eine Gehpause brauche, fing Huey Lewis an, „The Power of Love“ zu singen. Bei dem Stück kann man nun wirklich nicht langsamer werden. Kurz vor dem Kreisverkehr gab es dann noch „Die perfekte Welle“ von Juli zum auslaufen … das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag, das war der perfekte Song.

Gebraucht habe ich für die 4 km etwa 35 Minuten. Das ist nicht besonders schnell, aber darum geht es ja auch gar nicht. Ich fand mich jedenfalls fitter als gedacht und bin jetzt mit meinem Körper wieder etwas versöhnter.

Eigentlich wollte ich jetzt noch etwas zu meinem neuen Handy schreiben, aber dazu habe ich jetzt keine Lust. Musik machen kann es jedenfalls. Es hat offenbar als undocumented feature eine eingebaute Jogging-Intelligenz.

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