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Ulf, einer meiner Mitbewohner, ist Künstler. Bildhauer hauptsächlich. Er hat seine Werkstatt bei uns im und am Haus und etwa die Hälfte unseres Gartens als Ausstellungsfläche angemietet. Da entstehen dann seine meist ziemlich organisch wrikenden Steinskulpturen, meistens aus Sandstein, manchmal auch aus anderen Materialien. Und die können ziemlich groß werden, wie z.B. diese hier, die den Namen Zwickmühle II trägt und auf dem Foto gerade von zwei weiteren Mitbewohnern, Norbert und Andi, beklettert wird..

Das ist das spaßigste an Ulfs  Skulpturen, die Dinger sind recht multifunktionell, man kann auf ihnen herumklettern oder versuchen, Golf- Tennis- und andere -bälle durch die verschiedenen Öffnungen zu werfen. Und Geräusche machen sie auch, wenn man das Ohr an eine der größeren Öffnungen hält (nach dem Prinzip Muschel).  Das ist, als hätte man einen abgefahrenen und künstlerisch wertvollen Spielplatz im Garten.

Ab und zu verkauft Ulf einen seiner Steine. Irgendwovon muss schließlich auch ein Künstler leben. Das passiert allerdings gar nicht so häufig (zumindest wahrscheinlich weniger häufig als Ulf das gerne hätte), und so hatte ich ehrlich gesagt bis gestern noch nicht darüber nachgedacht, dass diese Steinmonster dann ja auch irgendwie bewegt und verladen werden müssen. Der Stein den Ulf gestern ausgeliefert hat, war etwas kleiner als die Zwickmühle II, aber durchaus massig. Ich finde es schwierig, bei so einem Brocken das Gewicht zu schätzen, aber ich würde mal sagen, eine halbe Tonne hatte der locker. Das ist so schwer wie ein wirklich großer Mastbulle und nur 100 kg weniger als ein VW Käfer.  Den läd man also nicht mal eben auf eine Schubkarre.  Ich habe also völlig fasziniert beobachtet, wie Ulf mit ausgeklügelten aber einfachen (da komplett mechanischen) Mitteln diesen Steinkoloss auf einen Handkarren gehoben hat. Dafür hat er so ein Metallgerüst mit Flaschenzug. Sieht im Prinzip aus wie eine Krananlage im Containerhafen, nur kleiner. Damit kann ein einzelner Mann eine halbe Tonne Stein verladen. Beeindruckend. Danach kam Ulf bei mir klopfen, um den Handkarren über den etwas unebenen Boden zur Auffahrt zu schieben brauchte er dann doch etwas Hilfe. Aber zu zweit haben wir auch das recht problemlos bewältigt, obwohl ich ja nun wirklich kein Herkules bin. Vom Karren auf den Anhänger seines PKW ging es dann wieder per Flaschenzug.

Insgesamt hat das Bewegen des Steins inklusive mehrmals Gerüst auf- und abbauen einen ganzen Arbeitstag gedauert. Aber mit Geduld und den entsprechenden Hilfsmitteln ist das zu schaffen. Und so ähnlich werden die auch Stonehenge und andere Großsteinanlagen gebaut haben … mit viel Geduld und Ausdauer.

Okay, das war Stonehenge. Was aber hat Australien mit unserem Garten zu tun? Ganz einfach, Australien hat etwas, das ich (noch) nicht habe aber gerne hätte. Einen „rabbit proof fence“. Tatsächlich hat die australische Regierung von 1901 bis 1908 in Australien einen über 3000 km langen Kaninchenzaun bauen lassen, um der Plage durch die aus Europa eingeschleppten Hoppelmänner Herr zu werden. Erst als ich gestern bei Ratio war, um für meinen eigenen in der Entstehung begriffenen Gemüsegarten Kaninchendraht zu erstehen, ist mir klar geworden, welch ungeahnt reiche Nation Australien sein muss, um sich dieses Bauwerk leisten zu können. Um meine zwei bescheidenen Gemüsebeete einzuzäunen, bräuchte ich  etwa 22 m Kaninchendraht. Die würden mich bei Ratio in einfachster Qualität (große Maschen, nix ummantelt oder so) deutlich über 80 Euro kosten. Wie bitte? Wird das Zeug aus Golddraht handgeklöppelt oder was?

Falls jemand von euch in den nächsten Wochen nach Australien fliegt, vielleicht kann der ja unbemerkt 22 m von deren Zaun abschneiden und mir mitbringen? Die haben doch so viel davon und der hat bei denen eh nie richtig funktioniert. Ansonsten hat die Fabrik demnächst wahrscheinlich die sattesten und zufriedensten Kaninchen Münsters. Oder ich eine neue Verwendungsmöglichkeit für meinen Langbogen.

Besuche bei Ratio, habe ich gemerkt, führen bei mir übrigens zu Zivilisationskoller-Attacken. Seit ich in der Schoppe arbeite, sehe ich Supermärkte ja nur noch sehr selten von innen. Und wenn, dann sind das meistens so normale innerstädtische Rewe-Märkte (und selbst da krieg ich inzwsichen Kopfschmerzen durch Reizüberflutung). Im Ratio fühle ich mich ungefähr so wie ein DDR Bürger, der nach der Maueröffnung das erste Mal im goldenen Westen einkaufen geht. Sprachloses Staunen wechselt mit hysterischen Lachanfällen und Panikattacken. Und dazu liegt das Ding dann noch im „Auenviertel“ … Münsters suburbane Vorhölle, benannt wie alle Suburbs nach dem, was hier mal war und jetzt den zahlreichen Neubauten weichen musste … den Aa-Auen, die hier bis vor ca. 5 Jahren das Bild bestimmten. Um für das fehlende Grün einen Ausgleich zu schaffen, hat man dann wohl die Fassade des Stein Gymnasiums in dieser Farbe gestrichen.

Hübsch, hm?

So, jetzt habe ich also heute nacht brav meine eine Stunde auf das Konto bei den grauen Herren einbezahlt. Da hoffe ich doch mal, dass das Wirtschaftssystem noch lange genug hält, dass ich die im Herbst auch zurück kriege. Und warum kriege ich auf diese eine Stunde eigentlich keine Zinsen, obwohl ich die doch für ein halbes Jahr fest anlege?

Aber jetzt mal Spaß beiseite. Diese Zeitverschieberei im Frühjahr und im Herbst ist für mich jedesmal aufs Neue ein Anlass, mich mit unserem Konzept von Zeit auseinanderzusetzen. Denn eigentlich zeigt diese Sommer/Winterzeitumstellung ja nur allzu deutlich, was für ein künstliches Konstrukt dieser Zeitbegriff ist. Ähnlich deutlich wurde mir das übrigens in Labrador, wo man ja nur ungefähr 5 km ins Nachbardorf gehen musste und da war es sagenhafte 1 1/2 Stunden früher. Das war schon ziemlich verrückt.

Und nicht nur unsere Zeitmessung und -einteilung ist ziemlich willkürlich, genaugenommen sind ie Wissenschaftler sich auch bei der Zeit selbst nicht ganz einig, was das eigentlich ist. Das ist schon recht spannend, weil zumindest in der Physik kaum eine Formel existiert, in der die Zeit keine Rolle spielt. Und da war Zeit nicht wirklich verstehen können, haben wir so richtig in er Physik auch noch gar nichts verstanden.

Immer, wenn die Wissenschaft sich unsicher ist, lachen sich die Geschichtenerzähler ins Fäustchen. Und darum wird auch mein diesjähriges ScriptFrenzy Projekt wieder eine Art Zeitreisengeschichte. Allzu viel weiß ich selber noch nicht über die Geschichte. Und anders als beim Nano ist es beim ScriptFrenzy glaub ich schon nötig, dass man zumindest ein grobes Outline für sein Drehbuch hat. Aber ich habe ja noch bis Donnerstag Zeit, mir was einfallen zu lassen.

Was weiß ich denn bis jetzt? „Time Fighters“ wird eine Webseries, also sozusagen eine Reihe von Mini-Drehbüchern, jedes so 5 bis 10 Seiten (= Minuten) lang. Und so ganz grob ist der Plot folgendermaßen: ein junger Mann wird von einer Frau aus der Zukunft kontaktiert und als „Time Fighter“ rekrutiert, das heißt, er soll nach ihrer Anweisung in seiner Gegenwart Dinge ändern, die dann auf die Zukunft bestimmte Auswirkungen haben. Nicht nur weil Zeit eben eine etwas unberechenbare Angelegenheit ist, kommt es aber immer wieder anders als er und seine Chefin in der Zukunft denken. Erzählt wird die ganze Geschichte von einem mittelalterlichen Klosterschüler, der sie vorrausschauend in seine Chronik schreibt. Was unseren Protagonisten aber erst klar wird, als sie diese Chronik tatsächlich finden. Und es gibt ein junges Mädchen aus der Gegenwart, die als ziemlich alte Frau in der Zukunft noch lebt und den Gegenwarts-Protagonisten warnt, dass seine Chefin ein falsches Spiel mit ihm treibt.  Lauter solche Dinge also … a paradox, an endless paradox.

Als Webserie ist das Ding insofern interessant, als dass die drei Zeitebenen durchaus von völlig unterschiedlichen Filmteams in unterschiedlichen Winkeln der Welt verwirklicht werden könnten. Das macht die Realisierung einerseits einfacher (weil ein Filmteam nur eine Art Schauplätze, Kostüme etc. umsetzen muss und nicht gleich drei), andererseits das Projekt aber auch noch spannender. Aber so weit sind wir ja noch nicht. Erstmal geht es darum, im April irgendwie 100 Drehbuchseiten in die Tasten zu hacken.

Irgendwann im September 2004 habe ich angefangen, mein erstes Blog zu schreiben: „Capella läuft“ Darin gab es anfangs hauptsächlich meine wilden Joggingabenteuer zu lesen … 6 km quer durch Gievenbeck sind zwar nur ein mäßig spannendes Thema, aber ich hatte damals eine recht treue Leserschaft aus einem Laufforum und die fanden meine Berichte immer ganz toll (wahrscheinlich weil sich neben meinen läuferischen Leistungen jeder Schlaffi fühlen konnte wie ein Superheld).  Dann kam der Winter und es war vorbei mit der Lauferei. Im Winter kann ich nicht laufen, da schlafe ich.  Das Blog wurde kurzerhand in „Capella schwafelt“ umbenannt. Warum erzähle ich das alles? Ganz einfach … heute überkam mich plötzlich das Bedürfnis, meine Joggingschuhe unter dem Bett hervorzuzerren (ich hätte sie vor lauter Staubmäusen fast nicht gefunden) und laufen zu gehen. Hat vielleicht auch etwas mit den frustrierenden Wandererlebnissen aus dem Schönau-Urlaub zu tun. Berge konnte ich ja noch nie gut, aber diesmal habe ich mich beim Wandern ja sowas von unfitt gefühlt, das ging gar nicht.

Außerdem habe ich mir vorgestern ein neues Handy mit mp3-Player gekauft. Und der muss natürlich angemessen in freier Wildbahn ausprobiert werden. Genaugenommen mag ich Sport ja gar nicht. Mein Bewegungsdrang hält sich schwer in Grenzen. Die einzige Sportart, die ich gerne betreibe und die ich nicht als Quälerei empfinde, ist Tanzen. Mit der richtigen Musik bewegt mein Körper sich quasi von alleine und ich muss nur noch ein bisschen daran arbeiten, nicht vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Also geht Jogging auch nur mit der richtigen Musik auf den Ohren. Ich habe deshalb sehr sorgsam eine Playlist zusammengestellt.

In Anbetracht meiner schlechten Leistung im Urlaub und dessen, dass ich den ganzen Winter wirklich faul herumgelungert habe, hatte ich keine hohen Erwartungen an mich. Ich hatte mir vorgenommen, immer ein Musikstück lang zu laufen und dann eines zügig zu gehen. Und wenn selbst das nicht klappt, dann evtl. noch öfter zu wechseln. Schaffen wollte ich aber auf jeden Fall eine 4 km lange Runde, über den Vorbergweg, die Gasselstiege, die Hagelbachstiege, den Lärmschutzwall und entlang der Steinfurter Straße zurück. Das ist so ziemlich die kürzeste Runde, die man hier vom Haus aus Laufen kann, wenn man vermeiden will, im Garten Kreise zu ziehen oder das Industriegebiet zu rumrunden.

Die freundliche Random-Funktion des mp3-Players wählte als erstes Stück „Eye of the Tiger“ aus. Prima Einstieg. Was Rocky kann, kann ich auch. Die ersten paar Meter fühlten sich ungewohnt und komisch an, mein Körper wusste nicht so recht, was ich jetzt plötzlich von ihm wollte, glaub ich. Eigentlich habe ich das Ende des Stücks also herbeigesehnt, um eine Gehpause einlegen zu dürfen. Aber als es dann so weit war, lief es eigentlich ganz gut. Okay, dann lauf ich halt noch bis zur nächsten Abzweigung und fange erst da mit Gehen an.

Das nächste Stück war aber aus dem Herr der Ringe Soundtrack. Epischer Hörnerklang, bei dem die im Film über irgendwelche Bergrücken laufen. Bei der Musik kann man jetzt wirklich nicht aufhören zu laufen. Dann eben beim nächsten. Das war aber „Elkhunt“ aus dem letzten Mohikaner … ähnlicher Effekt. Ich kann doch nicht langsamer werden, wenn vor meinem inneren Auge gerade schöne indianische Männer mit nacktem Oberkörper durch den Wald brechen. Inzwischen war ich am Gasthof Wilhelmer vorbei und unter der Autobahn durch. Hier steigt der Weg etwas an. Außerdem war es total matschig und das habe ich dann beim nächsten Musikwechsel zum Anlass genommen, doch mal ein Stück lang zu gehen.

Witzigerweise hieß das Stück zwar „Run“ (von Air) hat aber einen Rhythmus, der perfekt zu meinem zügigen Gehen passt. Kurz vor dem Lärmschutzwall hab ich dann wieder angefangen zu laufen. Zu „The Doctor’s Theme, Season 4“. Das ist mal richtig epische Soundtrack Mucke. Hat aber den Vorteil, dass sie mit sanftem Chorgesäusel und ohne festen Rhythmus anfängt, so dass ich beim Laufen mein eigenes Tempo finden konnte. Das war auch nötig, denn der Anstieg auf den Lärmschutzwall war ganz schön steil. Entsprechend langsam war ich mit ganz kleinen Trippelschrittchen unterwegs. Das fand der große schwarze Hund, der gerade mit Herrchen auf dem gleichen Weg unterwegs war, ganz lustig. So konnte er in kleinen Runden um mich herumlaufen.

Oben musste ich dann zu einem langsamen Stück aus dem Conan Soundtrack (The Search) doch wieder eine Gehpause einlegen, weil die Steigung mich ziemlich geschafft hatte. Aber danach war alles gut. Noch ein Stück aus dem Doctor Who Soundtrack, irgendein Instrumentalstück, das ich nicht identifizieren konnte und der Maintitle aus dem letzten Mohikaner (mehr halbnackte Indianer) brachten mich im lockeren Trab zurück zur Steinfurter Straße. Und bevor ich mir überlegen konnte, ob ich jetzt noch eine Gehpause brauche, fing Huey Lewis an, „The Power of Love“ zu singen. Bei dem Stück kann man nun wirklich nicht langsamer werden. Kurz vor dem Kreisverkehr gab es dann noch „Die perfekte Welle“ von Juli zum auslaufen … das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag, das war der perfekte Song.

Gebraucht habe ich für die 4 km etwa 35 Minuten. Das ist nicht besonders schnell, aber darum geht es ja auch gar nicht. Ich fand mich jedenfalls fitter als gedacht und bin jetzt mit meinem Körper wieder etwas versöhnter.

Eigentlich wollte ich jetzt noch etwas zu meinem neuen Handy schreiben, aber dazu habe ich jetzt keine Lust. Musik machen kann es jedenfalls. Es hat offenbar als undocumented feature eine eingebaute Jogging-Intelligenz.

Bezugnehmend auf Gundulas Kommentar zu meinem letzten Eintrag … das mit der babylonischen Sprachverwirrung passiert mir auch manchmal. Zur Zeit schreibe ich ja für den Signal Podcast und für Finding Serenity viel auf Englisch. Und gerade, wenn ich so im Bus sitze und irgendwo hin fahre, möglichst noch mit mp3 Player mit englischen Songs oder einem englischsprachigen Podcast auf den Ohren, gehe ich im Kopf häufig schon durch, was ich als nächstes so schreiben will. Da kommt es dann schonmal vor, dass ich aus dem Fenster gucke und mich verlese. Zum Beispiel habe ich mich die letzten Wochen, wenn ich auf dem Weg nach Ostbevern  durch Telgte gefahren bin, immer gefragt, was denn bitte Grobkies sind. Das Wort steht da auf einem Schild, an dem der Bus vorbeifährt. Vor meinem inneren Auge entstand das Bild eines blauen zotteligen Monsters, so ein bisschen wie Lulatsch aus der Sesamstraße (wahrscheinlich wegen der phonetischen Nähe zu Groby) und darunter ein Warnhinweis … „Grobky, bitte nicht füttern“.

Erst beim dritten Mal ist mir aufgefallen, dass daneben noch ein Schild hängt, auf dem „Verbundpflaster“ steht, dass die Schilder auf dem Hof einer Baustoffhandlung hängen, und dass es sich um groben Kies und nicht um die englische Bezeichnung für eine mir bisher unbekannte Spezies plüschiger Kinderschrecke handelt.

Sonst noch? Demnächst neuer Job. morgen Katzen-OP, übernächste Woche Watzmann (nett dieser Telegrammstil … vielleicht sollte ich doch twittern)

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