Zur Zeit besuche ich ein Einsteigerseminar für Bioladen-Verkäufer. Das heißt, dass ich jeden Tag mit Bus und Bahn nach Coesfeld fahren muss und dann da mit dem Rad vom Bahnhof zu der Firma, wo das Seminar stattfindet. Dadurch muss ich morgens um halb sechs aufstehen und bin abends erst zwischen sieben und acht zu Hause, je nachdem, welchen Zug ich zurück kriege. Da bleibt dann wenig Energie für anderes. Da ich aber mit meinem NaNo-Roman weiterkommen will, schreibe ich jetzt immer im Zug. Das klappt auch ganz gut. Sobald der Zug losfährt, klappe ich mein Netbook auf, stecke mir Kopfhörer-Stöpsel in die Ohren und tippe los.

Heute habe ich allerdings eine Sex-Szene geschrieben. Noch dazu eine ziemlich vertrackte, weil die Protagonistin zwar sehr errregt ist, beim Sex aber nicht an ihren Verlobten, sondern an jemand anderes denkt und ihr Verlobter auch nur körperlich anwesend ist, weil er nämlich heimlich schwul ist und gedanklich gerade bei dem smarten Makler, der ihnen eigentlich ein Haus vermitteln soll. Die sind also beide gerade scharf wie Nachbars Lumpi, aber nicht aufeinander, haben beide ein schlechtes Gewissen, weil sie den anderen gerade eigentlich nur zur körperlichen Befriedigung benutzen und sind beide zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, dass es dem anderen genauso geht. Und trotzdem oder gerade deswegen ist der Sex ein ziemlicher Knaller, wenn auch schnell vorbei.

Und diesen dramatisch-erotischen Cocktail habe ich dann heute im 17 Uhr Zug von Coesfeld nach Münster geschrieben. Dumm nur, dass man so einen Zug ja nicht für sich alleine hat und dass es andererseits (zumindest für mich) nicht möglich ist, sich von so einer Szene nicht mitreißen zu lassen. Keine Ahnung, ob sich mein gegenüber gewundert hat, warum ich mir beim Schreiben jetzt ständig über die Lippen lecke. Auf jeden Fall fand ich es einen ziemlich öffentlichen Platz für eine so intime Szene, weil Schreiben eben immer auch ein bisschen so ist, als wäre man gerade selbst dabei. Mehr als ein bisschen, ehrlich gesagt.

Die Wortzahl heute blieb dann auch etwas hinter der der letzten Tage zurück, weil ich nach der Szene erstmal wieder runterkommen musste. Und das Telefongespräch mit der besten Freundin am Tag danach schreibt man eben besser auch erst am Tag danach.

Jetzt Abendessen, dann Bett, weil morgen früh wieder Wecker.