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Wie sagt Gandalf so schön? „There are older and fouler things than Orcs in the deep places of the world.“ Ich krieg neue Fensterscheiben für mein Wohnzimmer, zum Heizkosten sparen und damit man wieder ordentlich rausgucken kann (die alten waren schon total schlierig und eine hatte einen Sprung). Das habe ich zum Anlass genommen, die Fensternische von außen mal gründlich zu reinigen. Und dabei habe ich zwischen vertrockneten Weinreben, Mauerrissen und mehrjährigen Lagen von Spinnweben eine Menge Mitglieder der einheimischen Fauna gefunden, deren Existenz mir besser verborgen geblieben wäre. Bäh! Aber jetzt ist es sauber und ich muss mich nicht jedesmal gruseln, wenn ich das Fenster aufmache.

Irgendwie haben wir gerade eine Invasion von blauen Schmeißfliegen im Haus. Na ja, Invasion ist übertrieben, aber es fliegen immer so zwei bis drei rum und das ist für die Jahreszeit doch eher ungewöhnlich. Ich vermute irgendwo eine verwesende Leiche oder doch zumindest ein vergessenes Kotlett.

Ansonsten war die Woche ziemlich frustrierend. Ich habe endlich meinen Arbeitsvertrag in der Schoppe, allerdings nicht, wie erhofft, über 20 Stunden die Woche, sondern nur über 12. Das reicht natürlich zum Leben überhaupt nicht. Aber wenigstens bin ich über den Job sozial- und krankenversichert. Anfang der Woche hatte ich mich bei einer Internet-Agentur als online Redakteurin beworben und das klang auch erstmal sehr positiv am Telefon. Gestern kam dann allerdings eine Absage … da man doch eher studentische Themen bediene und sich so viele gut qualifizierte Studenten beworben haben, wollte man denen den Vorzug geben. Verständlich, aber blöd. Das ist jetzt schon der zweite Job, den ich nicht gekriegt habe, weil ich keine Studentin mehr bin. Dabei bin ich ja offiziell sogar noch eine, ich bin ja immer noch an der Fernuni eingeschrieben. Aber wohl doch zu alt.

Die Band hat mir auch abgesagt. Die fanden mich zwar nett, ich konnte sie aber gesanglich jetzt nicht überzeugen. Das finde ich ziemlich frustrierend.

Erinnert sich noch jemand an mein Hörspiel? Das habe ich jetzt wieder rausgekramt und bin dabei, es mit englischsprachigen Untertiteln zu versehen. Ein bisschen anstrengend, weil die Videosoftware, kdenlive, mir immer abstürzt, wenn der Arbeitsspeicher nicht ausreicht. Und auf meinem altersschwachen Rechner geht der ziemlich schnell aus. Zu Weihnachten gibts einen neuen Computer, habe ich mir versprochen. Egal. Warum tue ich das? Weil ich mich als Autorin beim Firefly-Podcast „The Signal“ bewerben will, die suchen gerade neue Crewmitglieder. Bringt mir das was für meine schriftstellerische Karriere? Nein. Bringt es Geld? Nein, natürlich nicht. Ruhm? Äußerst unwahrscheinlich. Warum sollte ich da also meine Zeit verschwenden? Ganz einfach: einmal ein Browncoat, immer ein Browncoat. Keep flying!

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Das wird nix mit dem NaNoWriMo dieses Jahr. Ich weiß nicht, ob das an der Geschichte liegt, aber ich glaub nicht, die gefällt mir nach wie vor ganz gut. Eigentlich hat es ja auch ganz vielversprechend angefangen, aber ich bin überhaupt nicht motiviert, weiter zu schreiben. Und dann sitze ich den ganzen Tag wie gelähmt rum, weil ichja eigentlich schreiben müsste, aber mich nicht aufraffen kann und kriege dann auch nichts anderes auf die Kette, sondern gucke eine Folge X-Files nach der anderen. Ja, richtig, Akte X … Mulder und Scully … wir erinnern uns? Aliens, Verschwörungstheorien und eines der besten Paare der Fernsehgeschichte. Macht richtig Spaß, das nochmal zu gucken.

Zur Zeit besuche ich ein Einsteigerseminar für Bioladen-Verkäufer. Das heißt, dass ich jeden Tag mit Bus und Bahn nach Coesfeld fahren muss und dann da mit dem Rad vom Bahnhof zu der Firma, wo das Seminar stattfindet. Dadurch muss ich morgens um halb sechs aufstehen und bin abends erst zwischen sieben und acht zu Hause, je nachdem, welchen Zug ich zurück kriege. Da bleibt dann wenig Energie für anderes. Da ich aber mit meinem NaNo-Roman weiterkommen will, schreibe ich jetzt immer im Zug. Das klappt auch ganz gut. Sobald der Zug losfährt, klappe ich mein Netbook auf, stecke mir Kopfhörer-Stöpsel in die Ohren und tippe los.

Heute habe ich allerdings eine Sex-Szene geschrieben. Noch dazu eine ziemlich vertrackte, weil die Protagonistin zwar sehr errregt ist, beim Sex aber nicht an ihren Verlobten, sondern an jemand anderes denkt und ihr Verlobter auch nur körperlich anwesend ist, weil er nämlich heimlich schwul ist und gedanklich gerade bei dem smarten Makler, der ihnen eigentlich ein Haus vermitteln soll. Die sind also beide gerade scharf wie Nachbars Lumpi, aber nicht aufeinander, haben beide ein schlechtes Gewissen, weil sie den anderen gerade eigentlich nur zur körperlichen Befriedigung benutzen und sind beide zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, dass es dem anderen genauso geht. Und trotzdem oder gerade deswegen ist der Sex ein ziemlicher Knaller, wenn auch schnell vorbei.

Und diesen dramatisch-erotischen Cocktail habe ich dann heute im 17 Uhr Zug von Coesfeld nach Münster geschrieben. Dumm nur, dass man so einen Zug ja nicht für sich alleine hat und dass es andererseits (zumindest für mich) nicht möglich ist, sich von so einer Szene nicht mitreißen zu lassen. Keine Ahnung, ob sich mein gegenüber gewundert hat, warum ich mir beim Schreiben jetzt ständig über die Lippen lecke. Auf jeden Fall fand ich es einen ziemlich öffentlichen Platz für eine so intime Szene, weil Schreiben eben immer auch ein bisschen so ist, als wäre man gerade selbst dabei. Mehr als ein bisschen, ehrlich gesagt.

Die Wortzahl heute blieb dann auch etwas hinter der der letzten Tage zurück, weil ich nach der Szene erstmal wieder runterkommen musste. Und das Telefongespräch mit der besten Freundin am Tag danach schreibt man eben besser auch erst am Tag danach.

Jetzt Abendessen, dann Bett, weil morgen früh wieder Wecker.

… na ja, eigentlich nur von Bienchen. Ich kann mit Bienen sprechen. Echt. Also, ich meine, natürlich kann ich auch mit Pferden, Gewürzgurken und meinem Computer sprechen, aber von denen kriege ich so wenig Rückmeldung. Ich spreche ja generell mit allen Tieren und mit jeder Menge anderer Dinge auch, am meisten mit mir selbst. Aber die Bienen, die ich jetzt meine, waren schon etwas besonderes. Die erste flog im Laden herum und hatte sich da in einer der Neonlampen unter der Decke verfangen, flog ziemlich stumpf immer gegen diese Metalllamellen da drin. Die tat mir so leid, also habe ich zu ihr gesagt, sie solle das doch lassen und lieber herunterkommen, ich würde ihr auch die Tür aufmachen, damit sie rausfliegen kann. Und die kam tatsächlich. Nicht nur, dass die aus der Lampe rausgeflogen ist, sondern die kam wirklich auf mich und meine Stimme zugeflogen und stand dann einen Moment vor meinem Gesicht in der Luft als wollte sie sagen „Ja, was ist jetzt, machst du mir die Tür jetzt auf?“ Blöderweise kam genau in dem Moment eine Kundin rein und die Biene ist dann doch erstmal nicht rausgeflogen, sondern hat sich noch eine ganze Weile im Laden herumgetrieben. Sie ist noch zweimal in die Lampe geraten, aber wenn ich sie angesprochen habe immer sofort wieder rausgekommen.

Die andere Biene hatte sich neulich in unser Badezimmer verirrt. Zumindest denke ich, dass sie sich verirrt hatte. Vielleicht wollte sie ja auch duschen. Die flog von innen gegen die Scheibe und als ich das Fenster aufmachen wollte, sauste sie erstmal davon in den hinteren Teil des Raumes. Aber als ich sie angesprochen und ihr erklärt habe, dass ich ihr nur das Fenster aufmachen will, hat sie sofort umgedreht und ist dann auch schnurstraks nach draußen geflogen.

Ja, ich weiß, dass sie wahrscheinlich nur den Lufthauch von dem offenen Fenster gespürt hat und darum umgedreht ist. Und wahrscheinlich war es Zufall, dass die andere Biene genau in dem Moment aus der Lampe gekommen ist, wo ich mit ihr geredet habe. Aber ich hatte trotzdem in beiden Fällen das Gefühl, hier findet gerade eine echte Kommunikation statt. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich neulich „A Language Older than Words“ von Derrick Jensen gelesen habe. Derrick Jensen, regelmäßige Leser meines Blog erinnern sich, ist der Typ, der zum Sprengen von Dämmen und anderem gewalttätigem Öko-Aktionismus aufruft, weil er sagt, die, die zur Zeit die Macht haben, zerstören die Welt und sie werden diese Macht nicht freiwillig abgeben oder ihr Verhalten ändern. Er ist sehr radikal in seinen Ansichten, kann die aber in der Regel ganz gut begründen. Mich wundert nur immer, dass er nicht längst wegen Aufrufs zum Terrorismus verhaftet wurde.

Egal, in „A Language Older than Words“ jedenfalls schreibt er darüber, wie er irgendwann einige Kojoten gebeten hat, doch endlich seine Hühner in Frieden zu lassen und die daraufhin auch wirklich zunächst keine mehr gerissen haben. Und wie sehr die bloße Idee, diese Kojoten könnten ihn verstanden haben, seine Sicht auf die Welt geändert hat. In diesen Kontext passten meine Gespräche mit den Bienen ganz gut rein.

Was gibt’s sonst?

NaNoWriMo hat angefangen. Ich sollte also gar nicht hier schreiben, sondern da. Gestern nacht habe ich schon die ersten 1400 Wörter von „Lindas Visionen“ geschrieben. Wie immer fühlt es sich etwas naiv an, einfach so drauflos zu schreiben, ich muss wirklich meinen inneren Lektor aktiv zur Seite schieben, wenn der mit Kommentaren wie „Klischee!“, „wie unglaubwürdig“ oder „show don’t tell“ dazwischenfunken will. Ist mir egal, wenn sich das ganze beim Schreiben anfühlt wie der unbeholfene Schreibversuch eines pubertierenden Teenagers. Eigentlich sollte mich die Erfahrung der letzten Jahre ja gelehrt haben, dass es sich später doch ganz passabel liest.

Die ganze nächste Woche fahre ich jeden Tag zu einer Fortbildung nach Coesfeld, zu Weiling, den Großhändler, der die Schoppe beliefert. Wird bestimmt ganz interessant, ich stelle schon immer wieder fest, dass wir im Laden jede Menge Produkte haben, zu denen ich unseren Kunden rein gar nichts erzählen kann, wenn die nachfragen. Wein zum Beispiel, aber auch die komplette Kosmetik. Das sind für mich Bücher mit sieben Siegeln. Da mag ich gerne mehr zu lernen. Das Dumme ist nur, dass ich zwar die Kursgebühr und die Fahrtkosten erstattet kriege, aber eben die Zeit nicht. Das heißt, ich verdiene die ganze Woche nichts. Mein Arbeitsvertrag läuft auch noch nicht, wie eigentlich besprochen ab Oktober, sondern erst ab November und zu bisher noch ungeklärten Konditionen. So ist zum Beispiel noch nicht klar, ob ich sowas wie bezahlten Urlaub kriege. Ich kann nicht umhin, mich da jetzt gerade ein bisschen hingehalten und ausgebeutet zu fühlen. Ein Monat ohne Arbeitsvertrag heißt für mich ein Monat, in dem ich die Krankenkasse voll aus eigener Tasche zahlen muss, zum Beispiel. Kann ich mir eigentlich gar nicht leisten. Am meisten stört mich aber, dass sich das jetzt so lange hinzieht. Ich hätte das einfach gerne unter Dach und Fach, dann kann ich mich nämlich auch darum kümmern, ob ich Wohngeld kriegen kann oder sowas.

Die Band, wo ich letzten Montag vorgesungen habe, kommt auch nicht recht in die Pötte, ob die mich nun haben wollen oder nicht.. Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl, trotz Erkältung hat das ganz gut geklappt und die Leute sind nett und die Musik, die die so covern gefällt mir. Ist halt nur ein weiterer Punkt wo ich gerade nix weiß, wie das weitergeht.

Und von den Verlage, an die ich mein Kinderbuchmanuskript geschickt habe, habe ich natürlich auch noch nichts gehört. Auch da würde ich mich inzwischen ja sogar über eine Ablehnung freuen, damit ich einfach weiß, was Sache ist. Dann könnte ich schonmal die nächsten Verlage raussuchen. Die Agentur habe ich auch nochmal angemailt, aber da herrscht ebenfalls Funkstille.

Mann! Niemand redet mit mir. Da ist es doch kein Wunder, dass ich mich freue, wenn mir wenigstens die Bienen zuhören.

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