Während ich gerade einer Internet-Radiosendung lauschte, in der ein Ausschnitt aus dem Buch The Ascent of Humanity von Charles Eisenstein gelesen wurde, gingen mir jede Menge Dinge durch den Kopf, die mir in diesem Moment total sinnvoll, logisch zusammenhängend und wichtig erschienen und an denen ich euch gerne teilhaben lassen würde. Das Problem ist, dass so freie Assoziation ein bisschen ist wie ein Hasch-Rausch. In dem Moment, in dem man es erlebt, wie gesagt, alles total sinnvoll zusammenhängend, aber wenn man später versucht, es gedanklich zu rekonstruieren, wird es schwerer nachzuvollziehen. Ich habe mir aber sogar ein paar Stichworte gemacht, und an denen versuche ich jetzt mal, mich entlang zu hangeln.

Also, als erstes fiel mir auf, dass es wirklich sauviele hervorragende Internet-Radio Streams gibt mit Aufzeichnungen von Interviews und Vorträgen von wirklich gebildeten und intelligenten Leuten, viele von ihnen Uni-Dozenten an den Top Universitäten der Welt. Und diese Programme, die oft bei irgendwelchen Kongressen und Fachkonferenzen aufgezeichnet werden, zu hören, ist fast, als hätte man die Möglichkeit, eine Vorlesung bei diesen Leuten zu besuchen. Das ist wirklich Brain-Food vom feinsten. Und dabei kann man bequem zu Hause vor dem Rechner sitzen und Spider Solitär spielen oder seine Wäsche bügeln oder so (mir fällt es immer etwas schwer, konzentriert zuzuhören, wenn ich nicht gleichzeitig meine Hände mit etwas beschäftigen kann … an der Uni hab ich in Vorlesungen immer gerne gestrickt, das wurde aber von einigen Dozenten nicht so gerne gesehen und von den Komilitonen auch eher belächelt). Zumindest der erste Teil der guten alten Forderung „bildet euch, bildet andere, bildet Banden“  war noch nie so einfach zu erfüllen wie heute zu Zeiten des Internets.

In dem Kapitel aus dem Buch, das in der Radiosendung gelesen wurde, ging es genau um den Aspekt, auf dem ich neulich schon in meinem Eintrag „Just so Stories“ herumgeritten bin, um die Macht von Sprache und Geschichten nämlich. Und das ist ja immer schön, wenn man seine eigenen Gedanken, oder solche, die man aus unspezifischen Quellen gesammelt und sich zu eigen gemacht hat, dann irgendwo in ähnlicher Form geordnet aufgeschrieben wieder findet. Wer weniger ein Freund des Hörens ist, findet auf der Webseite des Autors übrigens auch den vollen Buchtext online.

Über den eigentlichen Inhalt des Textes hinaus, gingen mir zeitgleich dann aber noch jede Menge andere Gedanen durch den Kopf (hey, ich bin ja gescheinigt hochintelligent und entsprechend multi-taskingfähig bei sowas). Einer der Hauptgründe, dass mir dieses Konzept von der „Storyteller Consciousness“ wie Eisenberg das bezeichnet, so gut gefällt, ist wahrscheinlich, dass die Ideen von der Funktion und Macht, die Sprache hat, in meinen Ausflügen an der Uni in die allgemeine Sprachwissenschaft schon aufgetaucht sind. Einem Studienfach, in dem ich ja laut gewähltem Studiengang und Studienordnung nicht das geringste verloren hatte. Aber ich habe ja weniger auf einen bestimmten Abschluss hin studiert (auch wenn das natürlich massive Rechtfertigungsproblematik mit sich zog), sondern eben das, was mich am meisten interessiert hat. Und obwohl ich viele Jahre an der Uni verbracht habe, ohne irgendeine offizielle Bescheinigung oder Qualifikation vorweisen zu können, sehe ich kein Semester und keine besuchte Veranstaltung als vertrödelte oder verlorene Zeit an. Im Gegensatz zu dem Eindruck, der bei meinen Eltern und Studienberatern entstand, war ich nämlich keine faule Studentin, sondern sogar eine recht fleißige. Nur halt nicht besonders zielorientiert, wenn man als einzig mögliches Ziel eben einen Uni-Abschluss definiert.

Und wenn ich mir angucke, welche Autoren und Vordenker mich besonders beeindrucken, dann sind das meistens Leute, die eben auch nicht auf ein Fachgebiet oder eine Wissenschaft festgelegt sind, sondern immer Leute, die über den Tellerand gucken und Zusammenhänge zwischen Themen herstellen, wo der konventionelle Teilnehmer am Wissenschaftsbetrieb gar nicht hinguckt. Deshalb sehe ich es als so problematisch an, dass im Rahmen  des Bologna-Prozesses die Studiengänge noch weiter gleichgeschaltet und vereinheitlicht werden und immer weniger Platz für individuelle Interessen der einzelnen Studierenden lassen. Wenn ich bedenke, wie sehr ich mich schon durch die Vorgaben in meiner Studienordnung eingezwängt gefühlt habe, und dabei gab es zum Beispiel in Geschichte noch die tolle Regelung, dass ein bestimmter Prozentsatz der Belegstunden aus beliebigen anderen Fächern stammen durfte. Eben weil den Historikern doch tatsächlich bewusst war, dass man Geschichte nur verstehen kann, wenn man Zusammenhänge aufspürt und begreift. Hab ich damals gar nicht so richtig zu schätzen gewusst, wird mir erst jetzt klar, wie wichtig das war.

Das bringt mich jetzt wieder zur Zeitreisen-Akademie, an der es nämlich das Unterrichtsfach Holistik gibt und es ist kein Zufall, dass der Dozent für Holistik gerne auf eben solchen Zusammenhängen gerne herumreitet. Überhaupt wird die Zeitreisen-Akademie für mich immer mehr eine Geschichte über den Wissenschaftsbetrieb, Lobbyismus und Elfenbeinturm-Denken und das ist gut, denn das macht es mir möglich, dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu geben und die reine Action-Geschichte, die bisher existiert, mit ein bisschen mehr Substanz zu unterfüttern, gerade auch was die Gesamtserie angeht.

Also, das waren jetzt ziemlich viele Aspekte auf einmal … die Emfehlung, sich das Buch von Eisenberg mal anzugucken, ein Rant über den Niedergang der Freiheit in der universitären Bildung, eine Kletterermutigung für Tellerränder und neuer Aufwind für die Zeitreisen-Akademie. Internet-Radio ist toll.