Ich habe die Ergebnisse der Bodenanalyse abgeholt (check). Die Grenzwerte laut Klärschlammverordnung für Blei und Zink sind leicht überschritten. Ich denke eigentlich, dass das nicht durch den Schrottplatz kommt, der hier eine Weile war, sondern noch auf die ursprüngliche Fabrik zurückgeht, die ja unter anderem Metallgefäße verzinkt hat. Wahrscheinlich haben die ihre Abwässer einfach in den Boden sickern lassen, damals war man mit solchen Sachen ja noch ziemlich schmerzfrei.

Jedenfalls stellt sich jetzt die Frage, wie ich damit umgehe. Im Moment denke ich, dass ich die obere Bodenschicht abtrage (ich komme ja wegen der darunter liegenden Schutt-Schicht sowieso nur ca. 10 cm tief in den Boden rein) und zur Seite räume. Da kann man dann ein Blumenbeet drauf anlegen, vielleicht sogar etwas, was dem Nutzgarten indirekt nützt, z.B. indem man nützliche Insekten anzieht oder vielleicht auch indem man Leckerbissen für Schädlinge anpflanzt in der Hoffnung, dass die dann lieber da speisen als im Gemüsegarten. Für die eigentliche Nutzgartenfläche werde ich dann neuen Mutterboden aufschütten. Den gibt es günstig bei der Stadt bzw. ab und zu auch mal irgendwo geschenkt, wenn man ihn selbst abholt. Ich hoffe, dass Uffe mir da mit seinem Anhänger aushilft. Und dann muss da neue Biomasse rein, so gekaufter Mutterboden ist meist recht tot.

Jetzt ist die Frage, ob ich den Kompost aus unserem Garten nehmen kann. Das ist hauptsächlich Rasenschnitt, Brennnesseln, Laub und Strauchschnitt, aber eben alles von der belasteten Fläche. Im Prinzip müsste man den Kompost jetzt also auch nochmal auf Zink und Blei untersuchen. Alternativ könnte ich auch, vorrausgesetzt, ich kriege die Beete noch vor dem Winter fertig, bei einem der umliegenden Bauern Stallmist besorgen und einarbeiten. Der muss nur eine Weile ruhen, bevor man dann auf der Fläche was anbaut (vor allen Dingen bei Nitrat-Sammlern wie Spinat und so).

Am meisten graut es mir vor dem Zaun bauen. Aber da komme ich nicht drum herum, wenn ich meine Ernte nicht vollständig an Kaninchen und Rehe abtreten will. Das ist der Nachteil, wenn man auf dem Land wohnt: Nahrungskonkurrenten. Auf jeden Fall steckt in der Aktion Nutzgarten noch eine Menge arbeit, bevor überhaupt das erste Samenkorn in die Erde kommt. Aber inzwischen wohnen ja noch ein paar gartenbegeisterte mehr hier, da hoffe ich, dass ich Hilfe bekomme.

Heute war ich schneller als das Eichhörnchen und konnte sechs Nüsse für mich gewinnen. Und Gundy, Norberts Nichte, die zu Besuch war, hat scheinbar auch eine Menge einsammeln können.

Brot gebacken hab ich, Rainer angerufen hab ich auch. Der Koffer liegt immer noch unausgepackt in meinem Schlafzimmer, vielleicht mache ich das gleich noch.

Ich habe angefangen, wieder Buffy zu gucken und bin jetzt fast am Ende der zweiten Staffel. In irgendeinem Audio-Kommentar sagt Joss Whedon, dass Buffy eine feministische Serie sei. Das hat mir etwas wieder in Erinnerung gerufen, worüber ich mich in letzter Zeit häufiger gewundert habe: männliche Feministen. Das ist auch wieder so ein nordamerikanisches Phänomen, glaub ich. Oder vielleicht hat sich das in Deutschland einfach inzwischen überlebt. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, gab es sowas ja hier auch, sonst hätte Reinhard Mey mit „Annabel“ nicht so einen Nerv getroffen. Aber heute würde sich wohl kaum ein deutscher Mann als Feminist bezeichnen (mein Gott, ich bin ja froh, wenn sich wenigstens die eine oder andere deutsche Frau als Feministin bezeichnet, ist ja inzwischen fast sowas wie ein Schimpfwort geworden). In der amerikanischen Linken scheint das jedoch üblich(er) zu sein. Joss Whedon sieht sich als Feminist, ebenso wie der Macher von Radio Ecoshock und der Autor Derrick Jensen.

Ich erinnere mich, dass ich in den USA damals in der Highschool mal so ein Mini-Essay schreiben musste zu der Frage: „Is America ready for a black president? Is it ready for a female president?“ Ich bin damals zu dem Schluss gekommen, dass ich mir durchaus eine weibliche Präsidentin vorstellen könnte, aber nach meinen Erfahrungen in Kentucky keinen schwarzen Präsidenten. (Immerhin war das damals die Zeit von Maggie Thatcher und die hätte ich mir durchaus auch im weißen Haus vorstellen können … vielleicht in einer etwas peppigeren, attraktiveren Ausgabe). Wie man sieht, hat die Geschichte mich inzwischen eines besseren belehrt. Die USA haben sich für den Schwarzen entschieden und Hilary Clinton hatte das Nachsehen.

Egal. Bei männlichen Feministen jedenfalls weiß ich nie so recht, ob ich das jetzt gut finden soll oder nicht. Also, grundsätzlich ist es ja schön, wenn sich jemand für die Rechte von Frauen stark macht, egal, ob der/diejenige selbst Frau oder Mann ist. Ich setz mich ja auch für Robbenbabys ein, obwohl ich selbst keins bin. Aber genau da liegt, glaub ich, der Knackpunkt. Robbenbabys sind klein, schwach und niedlich und können sich nicht wehren und darum muss ihnen geholfen werden. Wenn jetzt ein Mann für meine Rechte als Frau kämpft, dann stellt mich das irgendwie auf eine Stufe mit den Robbenbabys: klein, schwach, niedlich und nicht in der Lage, sich selbst zu wehren. Ein Opfer. Ich bin aber kein Opfer.

Ich bin sicher, dass die Feministen das nicht so meinen. Aber das ist der Prozess, der da gefühlsmäßig bei mir passiert, glaub ich. Und das kollidiert dann wieder mit meinem eigenen Weltbild, in dem Männer eigentlich ziemilch arm dran sind (sorry, Jungs) und vielleicht nicht so sehr um ihre Rechte aber doch zumindest um ihre Rolle und Identität kämpfen müssen. Weil sie eben (aber kann sein, dass das wirklich nur hierzulande so ist und eben ein Überbleibsel der Annabel-Phase) den Spagat zwischen Macho und Softie, zwischen Beschützer und Sensibelchen schaffen müssen. Weil Frauen sich jede Menge „männliche“ Räume erobert haben, aber Männer, die sich in typischen „Frauenräumen“ bewegen (Pflegeberufe, Haushalt, Strickkurs oder rhytmische Sportgymnastik z.B.) immer noch als irgendwie skuril gelten. Nicht besonders fair. Deswegen denke ich oft „die armen Männer“ und bin dann total erstaunt, wenn ein Mann daherkommt, der sagt „die armen Frauen“.

Ist aber nicht wichtig, fiel mir nur auf.

ToDo für morgen:

  • morgens arbeiten in der Schoppe
  • Szenenanalyse Zeitreisen-Akademie