Irgendwer aus dem Peak Oil Forum hat mich auf Radio Ecoshock aufmerksam gemacht und ich habe den gestrigen Tag damit verbracht, Podcasts zum Klimawandel, zu Peak Oil, Nachhaltigkeit und ähnlichen Themen zu hören. Radio Ecoshock kommt aus Vancouver, ist also kanadisch, hat aber auch viele US-amerikanische Talk-Gäste. Und der amerikanische (und auch kanadische, die sind sich in vielen Dingen ähnlich, aus europäischer Perspektive) auf diese Themen ist interessant. Einerseits ist die amerikanische Gesellschaft, was Lebensweise, Kultur und Politik angeht wirklich viel extremer und kränker als unsere, andererseits scheint mir das im Moment schon fast zum Vorteil zu werden. Eben weil das System so offensichtlich kaputt ist, sind die amerikanischen Widerstandsgruppen, von denen es immer mehr gibt, erfreulich deutlich und klar in ihren Anschuldigungen und Forderungen. In Amerika scheint es inzwischen bei Linksintellektuellen und Umweltschützern völlig in Ordnung zu sein, festzustellen, dass der Kapitalismus gescheitert ist, während man hier für diese Aussage doch noch recht stark unter Beschuss genommen wird.

Auch die prognostizierte Szenarien sind anders. Während sich hier wirklich auch systemkritische Leute kaum vorstellen können, dass aufgrund von Klimawandel und Peak-Oil Lebensmittel auch bei uns knapp werden könnten, fangen die Amis verstärkt an, Nutzgärten anzulegen. Nicht, weil sie ihre plötzliche Liebe zur Natur entdeckt haben (obwohl das als zweiter Schritt oft auf dem Fuße folgt), sondern schlicht, weil sie befürchten, schon in einigen Jahren im Supermarkt nichts mehr zu essen kaufen zu können. Entweder, weil die Preise ins unerträgliche steigen oder weil einfach schlicht nix mehr da ist. Unrealistisch? Die USA sind der größte Weizenproduzent der Welt. Nach einer aktuellen Klimastudie ist nur durch den Tempereaturanstieg um 2° C (und das ist das aktuelle „Klimaziel“, d.h., wenn wir den Anstieg auf 2° C begrenzen können, sind alle schon happy … und im Moment sieht es noch nicht so aus, als würde das gelingen) ein Ertragsrückgang für US Weizen um bis zu 50 % zu erwarten. Das sind 12 % der Weltweiten Weizenproduktion. Und da sind Dürre, Überschwemmungen und andere indirekte Auswirkungen des Klimawandels noch nicht mal berücksichtigt. Und Ölknapheit auch nicht. Unser derzeitiges Modell der Nahrungsversorgung, dass zum allergrößten Teil weltweit auf vier Pflanzen, nämlich Weizen, Mais, Soja und Reis beruht, ist nicht krisenresistent und außerdem ein ökologisches Fiasko. Bei uns denken bei höheren Rohölpreisen alle nur an teureres Benzin. Aber teureres Öl heißt eben auch wesentlich höhere Kosten beim Anbau und Transport von Lebensmitteln. Die Nahrungskrise wird kommen, auch zu uns, und diejenigen, die heute ihren Garten umgraben sind keine weltfremden Spinner, sondern Realisten.

Ich habe heute übrigens festgestellt, dass das mit dem Umgraben gar nicht so einfach wird. Bei dem Versuch, für die Entnahme von Bodenproben Löcher von mehr als 10 oder 15 cm Tiefe zu graben, stieß ich nämlich auf eine ziemlich undurchdringliche Schicht Bauschutt im Boden. Scheinbar hat das da mal jemand aufgeschüttet, damit man da nicht so einsackt. Vielleicht hat sich der Schrottplatz also doch bis zu meiner geplanten Gartenfläche erstreckt. Egal, die Bodenanalyse wird hoffentlich Licht ins Dunkel bringen. Und fürs Umgraben oder Beete aufschütten habe ich dann ja den ganzen Winter Zeit. So oder so will ich nächstes Jahr Gemüse aus eigenem Anbau.

Außer dem Hören von Weltverbesserungsradio habe ich gestern nicht allzu viel geschafft. Also, einkaufen war ich, aber damit erschöpfen sich meine nennenswerten Aktivitäten dann schon. Beim FME war ich auch wieder nicht, vielleicht heute.

ToDo:

  • Bodenprobe zum Briefkasten bringen
  • Zeitreisen-Akademie Serie planen
  • FME
  • bei der Krankenkasse anrufen (ich kann ja nicht ewig unversichert bleiben)