Wenn ich an einem Roman schreibe (mein Gott, klingt das jetzt wieder großartig .. Jutta die Schriftstellerin😉 ), höre ich dazu in der Regel Musik. Möglichst welche, die thematisch passt und mich nicht allzu sehr ablenkt. Das schließt schon mal alles mit deutschen Texten aus (es sei denn, die sind so vernuschelt, dass man die sowieso nicht versteht. BAP könnte ich z.B. bestimmt auch beim Schreiben hören). Außerdem darf da keiner zwischen quatschen (wodurch z.B. mein derzeitiger Lieblings-Internet-Radiosender SciFi-Radio ausfällt). Selbst Conans Chronist geht mir da auf den Keks.

„Thematisch passend“ ist ein weiter Begriff. Das kann ein Soundtrack zu einem Film im ungefähr gleichen Genre sein, Musik von der ich mir vorstellen kann, dass meine Protagonisten sie gerne hören, Songs, die eine ähnliche Geschichte erzählen, Musik aus einer bestimmten Zeitepoche (wenn ich irgendwas in der Vergangenheit spielen lasse) etc. Normalerweise mache ich mir eine mp3-Playlist (in den über 50 Gigabyte Musikdateien, die sich inzwischen auf meinem Computer befinden, findet sich eigentlich immer was passendes) und lege mir zusätzlich einen Stapel CDs bereit. Für mein aktuelles NaNoWriMo-Projekt „Zeitreisenakademie„, das, wie man sich bei dem Titel denken kann, da besonders vielseitig ist, reicht die Playlist von Harry Potter Soundtracks bis zu Evanescence und Metallica. Insgesamt ist die Playlist weit über zwei Stunden lang, ich habe mir aber noch mehrere Teilmengen definiert, die jeweils ziemlich exakt eine Stunde lang sind.

Und da sind wir auch schon bei der hauptsächlichen Funktion, die Musik beim Schreiben für mich hat. Eigentlich höre ich die nämlich überhaupt nicht. Also, es ist schon schön, dass sie thematisch passt und für die ersten zwei Sätze und die ersten 5 Minuten des Schreibvorgangs mag es schon eine Rolle spielen, dass sie mich in die richtige Stimmung versetzt. Danach ist eigentlich nur noch wichtig, dass sie nicht stört und dass sie nicht aufhört, bevor die Szene, an der ich gerade schreibe, zu Ende ist.

Irgendwie hat sich bei mir so ein Einstundenrhythmus eingebürgert. Wenn ich mich hinsetze und schreibe, dann tue ich das normalerweise ungefähr eine Stunde am Stück, dabei entsteht ziemlich genau eine Szene und die ist etwa 1000 Wörter lang. Das ist praktisch. Und nach einer Szene brauche ich normalerweise eine Pause, muss mein Gehirn und meine Finger ein bisschen ausschütteln und mich gedanklich darauf einstellen, dass die Geschichte jetzt eben woanders weiter geht: anderer Ort, andere Zeit, andere Personen oder eine Kombination daraus. Mache ich diese Pausen nicht, laufe ich Gefahr, unnütze Verbindungen und Füllsel zwischen die Szenen zu setzen, die nur langweilen und die ich später sowieso wieder rausstreichen müsste.Eine Stunde ist also irgendwie meine magische Zeitspanne. Praktischerweise ist es außerdem ungefähr eine CD-Länge.

Interessanterweise muss ich mich meitens zum Schreiben überwinden. Das überrascht, denn ich schreibe ja gern. Genaugenommen muss ich mich auch nicht zum Schreiben überwinden, sondern zum Anfangen. Sobald ich erstmal mit meinem AlphaSmart auf dem Schoß auf meinem Hintern sitze und anfange zu tippen, macht es „Puff“ und ich bin weg. Stattdessen sitzt dann eine schreibbesessene, mir völlig unbekannte Person auf meiner Couch und hackt in die Tasten. Ich kriege von diesem Vorgang relativ wenig mit. Ich bekomme irgendwann mit, dass die Musik zu Ende ist. Dann laufen die besessen vor sich hin hackenden Finger langsam aus, wie die Kolben einer abbremsenden Lokomotive und ich bin in den meisten Fällen gerade an einem perfekten Punkt für das Szenenende angekommen (man kann Szenen ja beliebig weiterlaufen lassen und genau das würde wohl passieren, wenn die Musik nicht aufhören würde, dann wäre die Szene wahrscheinlich erst zu Ende, wenn ich Hunger kriege oder aufs Klo muss).

Strenggenommen schreibe ich also gar nicht selbst. Ich habe eine Art Ghostwriter. Den schalte ich an, indem ich Musik anmache und mich in tippbereite Position setze. Manchmal muss ich die ersten paar Wörter auch noch selber schreiben, sozusagen zum Anschieben. Aber dann läuft der von selber und hält eben erst wieder an, wenn die CD zu Ende oder die Playlist abgelaufen ist. Deutsche Texte und Gesprochenes schalten den Ghostwriter ebenfalls ab. Keine Ahnung, warum das so ist.